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Ein paar Fragen an die Pyramidenspieler

11.05.2011 | 18:08 |  Josef Urschitz (Die Presse)

Nicht die griechische Schuldenkrise ist das größte Problem, sondern die offensichtliche Hilflosigkeit und Ratlosigkeit der Euro-Politiker im Umgang damit. Die Herrschaften wirken, als hätten sie keinen Plan.

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Die jüngsten Turbulenzen um die De-facto-Pleite des griechischen Staates lassen einen schlimmen Verdacht aufkommen: Die existenzbedrohende Schuldenkrise, mit der sich Athen herumschlägt, wäre für Europa schon zu stemmen. Aber wohl nicht mit diesem politischen Personal. Man muss sich nur die Fakten anschauen: Kein ernst zu nehmender Experte glaubt noch, dass Griechenland mit dem Finanzschlamassel, in dem es steckt, allein zurechtkommt. Und kein ernst zu nehmender Experte glaubt, dass das mit dem Hineinschütten von immer neuen Milliarden aus den anderen Euroländern, die dann sofort wieder für Zinszahlungen draufgehen, zu planieren ist.

Natürlich glaubt auch kein europäischer Finanzpolitiker daran, und schon gar kein Notenbanker. Aber die Herrschaften üben sich im Verharmlosen und Vertuschen, halten Geheimkonferenzen ab und wirken wie ein vom Fuchs aufgescheuchter Haufen Hühner, die panisch und planlos über den Hühnerhof rennen.

Ein Kommunikationsdesaster allererster Güte. Und das ist die eigentliche Katastrophe: Die Herrschaften wirken, als hätten sie keinen Plan. Und sie agieren so, als wäre dieser Eindruck auch treffend. Das, und nicht der griechische Schuldenstand, ist der Hauptgrund dafür, dass Griechenland gerade jetzt serienweise Abstufungen von Ratingagenturen erhält.

Die Höhe der Schulden ist für die Ratingagenturen nichts Neues. Das haben sie auch schon vor einem halben Jahr gewusst. Und dass sich ein derartiger Rucksack ohne Schuldenschnitt oder extreme Schuldenstreckung (was de facto auf dasselbe hinausläuft) nicht tragen lässt, auch. Was die Ratingexperten wirklich nervös macht, ist die Ratlosigkeit, mit der EU und EZB da ans Werk gehen.

Dabei ist die Griechenlandkrise ja längst eine europäische Bankenkrise. Vor allem eine der EZB. Denn die Euronotenbank hat bereits Euroanleihen über 76 Mrd. Euro im Portfolio. Der überwiegende Teil davon besteht aus Griechen-Bonds. Ein pyramidenspielartiges In-sich-Geschäft, das dadurch, dass es die amerikanische Fed noch viel ausgedehnter betreibt, auch nicht besser wird.

Griechenland braucht einen Schuldenerlass von mindestens 50 Prozent, um wieder zu eigenem finanziellen Atem zu kommen. Bei diesem (von der Finanzwelt relativ fix erwarteten) „Haircut“ hätte die EZB also ein „Loch“ von annähernd 35 Mrd. Euro. Das wohl von den Euromitgliedern im Verhältnis ihrer EZB-Anteile aufgefüllt werden müsste.

Österreich ist an der EZB mit 2,86 Prozent beteiligt, wir müssten dafür also eine runde Milliarde „pecken“. Zusätzlich zu den 1,2 Milliarden, die bei einem solchen „Haircut“ auf jene 2,3 Mrd. Euro entfielen, die als direkte Hilfe in Form von Krediten vergeben wurde.

Falls sich die EU dazu entschließt, Griechenland- und Bankenrettung in einem Aufwaschen zu machen, indem man der Rettungsschirm-Zweckgesellschaft erlaubt, griechische Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt (also von den Banken) zu kaufen, ändert sich daran nichts: Auch am Rettungsschirm zahlt Österreich ja anteilig mit.

Wir werden die Malaise also bezahlen. Und hätten da jetzt ein paar Fragen an die Beschwichtigungs- und Vertuschungshofräte in Brüssel und den Euroland-Hauptstädten:
Erstens: Wie stellen Sie sich eine tragfähige Lösung der Griechenland-Misere (und der bald folgenden in Portugal) konkret vor? Gibt es einen Plan und wenn ja, was sieht der für den vorerst zumindest in Griechenland unausweichlichen Schuldenschnitt vor?
Zweitens: Wer soll das bezahlen? Die Steuerzahler in den Euroländern, schon klar. Aber wie hoch wird der Anteil der Banken sein, die auf den Griechen-Bonds sitzen? Die sehr erfolgreichen Bankenlobbys haben in Europa ja schon die – von vielen bereits eifrig nachgeplapperte – Parole ausgegeben, dass man die Banken bei einem „Haircut“ nicht „enteignen“ könne, weil diese bisher nicht damit rechnen konnten, dass ihre griechischen Staatsanleihen auch mit Risiko behaftet seien.

Das ist natürlich blanker Unsinn: Natürlich mussten sie damit rechnen. Und sie haben das auch getan. Indem sie hohe „Risikoaufschläge“ verlangten. Risikoaufschläge ohne Risiko – das wäre wohl ein klarer Fall von Zinswucher, der den Banken gehörige Mitschuld an der Griechenlandkrise geben würde. Aber, wie gesagt: Das Risiko war den Bankern ja bewusst, wie die Risikoaufschläge beweisen.
Drittens: Was gedenkt „Euroland“ zu tun, um die Ansteckung anderer Länder mit dem Griechenland/Portugal/Irland-Virus zu verhindern? Es gibt ja klare Anzeichen dafür, dass einige Euro-Finanzminister und Regierungschefs den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt haben und in einer Art finanztechnischem Wolkenkuckucksheim leben. Darunter leider auch die österreichische Regierungsspitze, die ja keinerlei Reformbedarf mehr sieht, weil es ohnehin so gut läuft. Vielleicht kann einmal ein Experte der heimischen Regierung vorrechnen, dass auch Österreich aus der Schuldenfalle – die sich durch steigende Zinsen bald verschärfen wird – mit ein bisschen Wachstum und ein paar neuen Steuern nicht mehr herauskommt.

Noch muss man nicht den vermögensvernichtenden „Reset“-Knopf drücken: Ein Euro-Crash ist freilich auch keine Option, und die Krise ist derzeit noch nicht so tief, dass sie für die Euro-Mitgliedsländer nicht mehr beherrschbar wäre. Aber mit Lügen, Beschwichtigen und Probleme-vor-sich-Herschieben wird das nichts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2011)

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41 Kommentare
 
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Die Ratlosigkeit ist erschreckend, aber durchaus angebracht.

Sagen wir mal, der Schuldennachlass für Griechenland beträgt 70% desjenigen Betrages, den dieses verschiedensten Banken und anderen Staaten schuldet. Diese "anderen Banken und Staaten" müssen von den nicht-griechischen Steuerzahlern wenigstens in demjenigen Ausmaß finanziell gestützt werden, dass sie lebens- und handlungsfähig bleiben (gilt im Fall der Banken nur, wenn es sich um "systemrelevante Banken" handelt, d.h. nicht für alle)

Die Gretchenfrage, auf die wahrscheinlich niemand eine Antwort weiß, lautet:
Zahlen die Griechen wirklich die übrigen 30 Prozent? Gibt es einen Neubeginn? Ist das ein Fass ohne Boden?

Man sieht Bilder von Demonstranten; man ahnt, dass dieses Land (wie Spanien, wie Irland) außerordentlich schnell zu mehr Wohlstand gekommen ist; man erinnert sich an Alexis Sorbas, der das Geld, das ihm der Bergwerksbesitzer anvertraut hat, furios verjubelt.

Skandal

Der eigentliche Skandal an der ganzen Geschichte ist, dass die Politiker nach dem explodieren der Finanzkrise nicht reagiert haben.
Banken wurden nicht gezwungen ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen. Bis heute schlummern noch annähernd die selben Risiken versteckt in den Bilanzen. Die Banken haben die Politiker gekauft und ganze Staaten in Geiselhaft genommen. In diesem Zusammenhang sollte man sich wieder ins Gedächtnis rufen, dass 2010 die höchsten Bankenboni der Geschichte bezahlt wurden.
Ackermann hat verkündet, dass die DB wieder über 20% Kapitalrendite geschafft hat! Es werden von ALLEN Banken wieder Dividenden an die Aktionäre bezahlt, anstatt das Eigenkapital auf ein vernünftiges Niveau zu heben. Nur als Hinweis die DB arbeitet derzeit mit einem Hebel Eigenkapital zu Bilanzsumme von 7,8%! Das bedeutet wenn die im Bankbuch befindlichen Investitionen nur um 15% abgewertet werden müssen, kann das Eigenkapital auf 0 zurückgehen.
Aber es werden wieder brav Dividenden und Boni ausgeschüttet, weil unserer Politiker nur noch die Interesse der Banken vertreten. Wir werden es noch erleben, dass wir "alternativlos" die GESAMTEN KOSTEN über die Steuern und Inflation aufgepresst bekommen.
EINE RIESENSCHWEIN..EI

Gast: oder auch
12.05.2011 14:47
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auf gedeih und verderb

man muss sich fragen warum der EUR unbedingt gehalten werden will . damit die unnötigen in brr-rüssel an ihren sesseln kleben bleiben können . aber sie sind nicht nur entbehrlich sondern mittlerweile extrem gefährlich . Für uns alle !

Gast: oder auch
12.05.2011 14:46
1 1

auf gedeih und verderb

man muss sich fragen warum der EUR unbedingt gehalten werden will . damit die unnötigen in brr-rüssel an ihren sesseln kleben bleiben können . aber sie sind nicht nur entbehrlich sondern mittlerweile extrem gefährlich . Für uns alle !

War die Hilflosigkeit der Politiker wirklich zuerst da?

Zunächst haben die Politiker ja gr0ß angegeben: wir machen einen Euro-Rettungsschirm, in den viele Milliarden hineinkommen, die wir gar nicht bezahlen müssen, sondern die uns im Gegenteil noch Gewinn bringen werden!
Inzwischen ist allen klar geworden, dass nichts gerettet, sondern nur viel gutes Geld dem schlechten Geld nachgeworfen wurde. Nun ist aber das gute Geld auch schlecht geworden und zum großen Teil verloren!
Erst als die Ratingagenturen das erkannt hatten und reihenweise Abstufungen vornahmen, wurden die Politiker völlig rat- und hilflos! Das ist auch leicht verständlich, denn Politiker bekommen ja nicht wegen ihrer Sachkenntnisse eine Mehrhet, sondern weil sie das sagen, was die unwissende Masse gerne hört!
Jetzt ist der Karren allerdings so verfahren, dass auch Wirtschaftswissenschaftler keinen gut verträglichen Ausweg sehen!

Zu Josef Urschitz' drei Fragen:
Erstens: Es gibt offensichtlich nichts als Planlosigkeit und niemand kennt "eine tragfähige Lösung"!
Zweitens: Bezahlen wird das nur der Steuerzahler! Die Banken müssen ja geschont werden, wer sonst könnte den Politikern ständig das Geld für ihre kriminelle Schuldenpolitik beschaffen?!
Drittens: Die österreichische Regierungsspitze hat eigentlich gar nichts verstanden. Sie weiß nur, dass sie ohne Banken, die immer wieder Geld leihen, am Ende wäre!

Gast: futschijammer
12.05.2011 09:27
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Plan B für unsere Politiker

den Revolver in der Schublade für ihr Fehlverhalten

6 0

Urschitz - ist wieder einmal...

ganz große, ja sogar einsame Klasse.

Danke.

Und bitte eine Kopie Ihres Artikels Faymann und Spindellecker langsam drei Mal langsam vorlesen - und dann nacherzählen lassen!

6 0

Re: Urschitz - ist wieder einmal...

Ich kann mich dem nur anschließen: wo Urschitz draufsteht, findet sich immer Verständlichkeit in pointierter, gern gelesener Sprache - beides auf höchstem Niveau!

Danke!

PS: Ich bin übrigens für hundert Mal abschreiben, aber dennoch skeptisch...

4 0

Das Problem ist Griechenland selbst

Griechenland hat sich zu einem Sumpf aus Problemen entwickelt: Korruption, Schwarzarbeit, ein überbordender öffentlicher Sektor, ständige Streiks die zusätzlich die Wirtschaft lähmen, Reformunfähigkeit der Regierungen und ständige freche Forderungen an die EU.

Von außen lässt sich dieses Problem nicht lösen. Die Griechen müssen selbst ihr Land reformieren oder untergehen.

Ein weiteres "Hilfspaket" würde nur den Reformdruck verringern und den Zorn der europäischen Steuerzahler auf die Griechen zum Siedepunkt treiben.

Antworten Gast: Vogel Strauss
12.05.2011 09:11
1 0

Re: Das Problem ist Griechenland selbst

Entwickelt? Die waren immer schon so! Bloss wollten das ein paar gierige Euro-Schöpfer nicht wahrhaben in dem Wahn, eine gemeinsame Währung schaffen zu müssen ...

Antworten Gast: Vogel Strauss
12.05.2011 09:11
0 0

Re: Das Problem ist Griechenland selbst

Entwickelt? Die waren immer schon so! Bloss wollten das ein paar gierige Euro-Schöpfer nicht wahrhaben in dem Wahn, eine gemeinsame Währung schaffen zu müssen ...

Antworten Gast: markus trullus
12.05.2011 08:55
1 0

Re: Das Problem ist Griechenland selbst

Voll ihrer Meinung; Wenn dann immer gleich die Gewerkschaften mit Revolutionen drohen, dann sollte man diese Gesellschaften mal richtig "aufschlagen" lassen nach ihrem freien Fall des populistischen Wählerkaufs. Übrigends: das ist hierzulande vollkommen unbekannt:-)))

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"Pyramidenspieler"

Ich finde diese und andere Diktionen schlicht und einfach unwahr und unverantwortlich.
Wieso druckt ein seriöses Medium solche zeitmomentane Wichtigtuer?

Antworten Gast: Gastone
12.05.2011 08:19
3 0

Re:

Urschitz hat völlig recht!

Wie sonst sollte man ein System und dessen Unterstützer bezeichnen, das um alte Schulden bedienen zu können neue Schulden machen muss! Wenn das nicht mehr funktioniert ist Schicht im Schacht. Ende Gelände!

Re: Die Wahrheit

ist fast immer unverantwortlich, wenn die Verantwortlichen für die Pyramidenspiele Gauner oder Politiker sind!!!

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Die Erste Group hat die Gagen der Aufsichtsräte verdoppelt.


http://www.orf.at/stories/2057946/2057943/

Gast: LepantoNEU
11.05.2011 20:38
13 0

Ich erinnere mich noch gut, also unsere Politclowns von SPÖVP unbedingt dem Euro beitreten wollten ...

... und daher eine Volksabstimmung darüber abgelehnt haben (die wäre nämlich negativ ausgegangen).

Mit Kompetenz ...


... kann man nicht Politik machen.

Mit Kompetenz allein ist man nicht wählbar.

Re: Falsch in Österreich:

denn in Österreich ist man dank der ewigen schwarz-roten Koalition erst mit Inkompetenz als verantwortlicher Politiker wählbar!

Re: Re: Falsch in Österreich:


Das war als Kritik an den Wählern gemeint, an deren mangelnder Bereitschaft, selbst zu denken, statt sich vor ORF und anderen Propagandamedien alles vorkauen zu lassen, und sich bei Wahlentscheidungen nach anderem zu richten als danach, wie wie coole Sprüche jemand in die Fernsehkamera zu quatschen vermag.

Re: Re: Re: Falsch in Österreich:

Ja das ist eine Kritik an den österreichischen Wählern, die nicht erkennen können oder wollen, dass SPÖVP eine sozialistische Einheitspartei ist. Daher kann man nur durch die Wahl einer der drei anderen Parteien etwas verändern.

Gast: Halbwissen
11.05.2011 19:34
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es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen EZB und FED

Die EZB hilft den überschuldeten Ländern und schadet den übrigen. Dies spaltet die EU.

Die Fed hilft nur der überschuldeten USA.

Antworten Gast: Wirtschaftstreuhänder 47
11.05.2011 20:26
0 0

Re: es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen EZB und FED

Halbwissen eben ...

Diese ganze EU ist ein einziges "Schönwetter-Projekt".

Jetzt kommt langsam heraus, dass man nicht einmal Nebel, Regen und Frost einkalkuliert hatte, geschweige denn Hagel, Glatteis, Hochwasser oder Trockenheit... aber auf Teufel komm raus "erweitern" und Länder ung'schaut aufnehmen, die ihre Beitrittsangaben getürkt haben.

Gast: bli
11.05.2011 19:05
4 1

Titel

ein mutiger Titel!

schön!

Gast: daslebenistschön
11.05.2011 18:57
12 0

und warum wählen wir diese nullnummern an politiker

fekter, prölls, bures, neugebauers, faymann der krise nicht buchstabieren kann, hundsi, berlakowitz, ... eh alle nullnummern - als raus aus dem parlament.

lösung; es gibt unzählige fähige menschen die keiner partei ihr aufwartung machen, in deren hände dieses land aber besser aufgehoben wäre!

 
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