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Die zehn besten Wirtschaftslügen

14.12.2011 | 19:40 |  von Josef Urschitz (Die Presse)

Wir haben keine Inflation, Nebenbahnen sind umweltfreundlich, E 10 ist ein Biosprit, die Wohnbauförderung dient der Förderung des Wohnbaus und Schuldenbremsen retten den Euro? Selten so gelacht!

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Das Jahresende naht und damit die Zeit der Rankings. Wir listen hier die zehn besten Wirtschaftsflunkereien, mit denen man uns derzeit bei Laune hält, auf.

Lüge 1: Die Notenbanken überschwemmen die Märkte zwar mit Geld, zumindest der EZB gelingt es aber, die Teuerung in der Eurozone moderat zu halten.

Die Wahrheit: Angesichts der praktisch zum Stillstand gekommenen Konjunktur ist die Teuerung mit deutlich über drei Prozent viel zu hoch. Der Miniwarenkorb (der alles enthält, was man so im Lauf der Woche zum Leben braucht) ist zuletzt konstant um mehr als sieben Prozent teurer geworden. Bei Sparzinsen, die nicht einmal die Hälfte der Teuerung ausmachen, ist die „Vermögensbesteuerung“ via Inflation also schon in vollem Gang.

Lüge 2: Die Wohnbauförderung fördert den Wohnbau.

Die Wahrheit: Der zwangsweise einbehaltene Wohnbauförderungsbeitrag (ein Prozent vom Bruttolohn) ist längst nicht mehr zweckgebunden und wird zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet. Selbst die Rückflüsse aus bestehenden Darlehen werden von vielen Ländern teilweise zweckentfremdet (etwa durch den Verkauf offener Darlehensforderungen wie in Niederösterreich) .

Lüge 3: Biosprit verbessert die Klimabilanz.

Die Wahrheit: Die erhöhte Zwangsbeimischung von Ethanol zum Benzin (E 10), wie sie demnächst in Österreich eingeführt wird (und den nächsten Benzinpreisschub auslösen dürfte), ist nichts anderes als der Einsatz des Öko-Schmähs für die Einführung einer weiteren versteckten Agrarförderung. Bei seriöser Rechnung, die alle Faktoren einbezieht, ist die Umweltbilanz des „Bio“-Sprits negativ, selbst die CO2-Emissionen sind beim „Öko“-Treibstoff höher als bei rein fossilem Sprit.

Lüge 4: Für die Unternehmensführung ist es egal, ob der Eigentümer ein Privater oder die öffentliche Hand ist.

Die Wahrheit: Einem privaten Großaktionär, der die erwarteten Gewinne der nächsten fünf Jahre per „Vorabdividende“ einkassiert, um damit ein akutes Kapitalloch in einer anderen AG zu stopfen, würden seine Mitaktionäre wohl den Staatsanwalt auf den Hals hetzen. Das Land Tirol macht genau das mit der „Vorabdividende“ der Tiwag zugunsten der an die Wand gefahrenen Landes-Hypo – und hält das wohl noch für eine gelungene Lösung.

Lüge 5: Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Die Wahrheit: Auch wenn man bei den Bahnen anderes erzählt: Das deutsche Ifo-Institut hat die Sache vor ein paar Jahren umfassend durchgerechnet und ist dabei auf eine, wie das die deutsche „FAZ“ nannte, „unbequeme Wahrheit“ gestoßen: Im Nahverkehr verbraucht die Bahn im Schnitt 7,2 Liter „Erdöläquivalent“ pro Passagier und 100 Kilometer, also deutlich mehr als ein durchschnittlich besetzter Mittelklasse-Pkw. Besser sieht die Umweltbilanz der Bahn im Langstreckenverkehr aus: Da matcht sich die Deutsche Bahn mit 3,9 Litern pro Passagier und 100 Kilometer mit dem Auto und dem Flugzeug in einer Liga. In Österreich ist die Fernverkehrsbilanz der Bahn wegen des hohen Wasserkraftanteils in der Stromerzeugung natürlich deutlich besser, im Regionalverkehr mit Dieselloks kommt die Bahn umweltmäßig mit dem Auto aber nicht mit.

Lüge 6: Die österreichischen Banken sind im Europavergleich überdurchschnittlich gut aufgestellt.

Die Wahrheit: Der Kapitalbedarf zur Erfüllung der neuen EBA-Bestimmungen ist bei den österreichischen Banken in Relation zur kumulierten Bilanzsumme wesentlich größer als bei den deutschen.

Lüge 7: Schuldenbremsen können den Euro retten.

Die Wahrheit: Die Rückführung der Schuldenquoten (von einer absoluten Schuldenverringerung redet ohnehin niemand) ist ein wichtiger Schritt, der Grundkonstruktionsfehler des Euro (Einheitswährung ohne einheitliche Strategie) bleibt aber bestehen.

Lüge 8: Die Schwellenländer werden unsere Konjunktur retten.

Die Wahrheit: Anleger wissen: Die BRIC-Story ist seit zwei Jahren vorbei.Die hohe Exportabhängigkeit lässtautonome Konjunkturschübe nicht zu.

Lüge 9: Die Refinanzierungsprobleme europäischer Staaten basieren auf einem US-„Angriff“ auf den Euro.

Die Wahrheit: Ein sehr großer Teil der europäischen Staatsanleihen wird von europäischen Anlegern gekauft. Wenn der „Käuferstreik“ ein „Angriff“ wäre, dann würden also auch Deutsche Bank & Co. den Euro attackieren – ein eher wenig wahrscheinliches Szenario.

Lüge 10: Crime does not pay.

Die Wahrheit: Kein einziger der zahlreichen hiesigen Korruptionsskandale des letzten Jahrzehnts hat bisher zu rechtskräftigen Verurteilungen geführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2011)

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142 Kommentare
 
1 2 3 4

Wahrscheinlich die beste:

Der Markt hat versagt!

Westend
16.12.2011 08:06
3 0

Die Einlagen sind sicher.

Hmm..?

Lüge Nr. 11: Notenbanker und Politiker arbeiten zum Wohle der Bevölkerung


Gast: trubelzwubel
15.12.2011 20:50
0 2

die gattung der effen ist dieser tage eine partei

leider wahr -_-

Gast: Wahrheit V
15.12.2011 20:01
0 0

Wolfi ist ein Lügner

Alles andere ist eine Lüge!

Gast: Lüge
15.12.2011 19:56
0 0

"Die övp ist die Partei der Leistungsträger"

Alles andere ist die Wahrheit!

Gast: Lüge
15.12.2011 19:51
0 0

Bauern sind Umweltschützer

Alles andere ist die Wahrheit!

Gast: Lüge
15.12.2011 19:46
0 0

Österreich ist ein Rechtstaat

Alles andere ist die Wahrheit!

Gast: Lüge
15.12.2011 19:45
0 0

Österreich ist eine Demokratie!

Alles andere ist die Wahrheit!

Gast: Wahrheit IV
15.12.2011 19:43
0 0

Die Reichen fürchten nichts mehr, als sich nicht mehr am Elend anderer weiden zu können!

Alles andere ist eine Lüge!

Gast: Lüge
15.12.2011 19:28
0 0

"Die övp ist eine saubere Partei"

Alles andere ist die Wahrheit!

Gast: Wahrheit III
15.12.2011 19:26
0 1

Erbschaften/Schenkungen/Vermögenszuwächse sind (meist leistungsloses) unversteuertes Einkommen DES ERBEN/BESCHENKTEN/VERMÖGENDEN und deshalb nach dem Einkommensteuertarif zu versteuern!

Alles andere ist eine Lüge!

Gast: Wahrheit II
15.12.2011 19:24
0 1

Vermögenssteuern sind gerecht, weil Schutz und Verteidigung der Vermögen durch Militär, Polizei, Justiz, Gesetzgebung und Bankenrettung die Allgemeinheit LAUFEND einen Haufen Geld kostet !

Alle andere ist eine Lüge!

Gast: Wahrheit I
15.12.2011 19:06
1 1

Arbeit macht die Welt kaputt - Leistung noch schneller!

Alles andere ist eine Lüge!

Dagobert
15.12.2011 15:49
11 1

Lüge 11

Migranten sind gut für unsere Wirtschaft.

Ohne sie sind unsere Pensionen nicht mehr sicher.

Gast: Armut für 99%
15.12.2011 15:25
2 1

DIE GEN-Lüge wurde vergessen

Deren Profitmaximum ist unser aller Verlust an Lebensqualität zu Gunsten einiger weniger Großaktionäre!

http://www.fr-online.de/wirtschaft/gentechnik-gentechnik-stuerzt-bauern-in-schuldenspirale,1472780,11276756.html

Gast: grösso
15.12.2011 14:06
4 0

Vorsicht!

Nur der Dumme lügt mit Lügen. Der Kluge lügt mit Wahrheit(en).

Aus Letzterem entsteht Schwachsinn wie "arabischer Frühling". Weil das Ganze fehlt. Richteres Einzelnes ergibt aber noch kein Ganzes, eignet sich aber hervorragend, um den unergründlichen Rest des Ganzen (und damit das Ganze selbst) zu kippen.

Da sehe ich derzeit das wirkliche Dilemma: das Ganze wurde gefährlich ins Ungesagte weggesperrt.

Die Einzelwerte, die reklamiert werden, sind längst nur noch schwammig, und passen in die Strategie. "Demokratie", "Freiheit", etc. Die besten Voraussetzungen für Dämonie (im eigentlichen Sinn).

An der Einzelkritik wird nichts genesen, solange wir diesem Diktat des Ganzen-Verbots folgen. Und das wird nach wie vor ungebremst verjubelt.

pescador
15.12.2011 13:23
4 0

Scheinwelt

Tja, wir leben in einer Scheinwelt. Den Leuten wird etwas vorgelügt und jeder fühlt sich dabei wohl. Jeder weiß, dass uns eine Scheinwelt vorgegaukelt wird, aber dran zu glauben ist halt viel bequemer als der Realität ins Auge zu blicken. Aber eine auf Lügen aufgebaute Gesellschaft bricht irgendwann zusammen. Auf Dauer funktioniert so ein System nicht.

Antworten Gast: imker
15.12.2011 14:38
1 2

Re: Scheinwelt

"vorgelügt"??? Meinte wohl "vorgelogen"

Antworten Antworten luca.p
15.12.2011 15:44
0 0

Re: Re: Scheinwelt

Erbsenzähler.

1 1

Lüge 5: Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Herr Urschitz bezieht sich wohl auf folgende Artikel:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/klima/klimabilanz-der-bahn-noch-eine-unbequeme-wahrheit-1488587.html

Dem gegenüber steht eine Aussage des Umweltbundesamtes:
* PKW: 0,56 kWh/Personenkilometer
* Bahn: 0,19 kWh/Personenkilometer.
http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/energie/effizienz/effizienzverkehr/

Wo liegt die Wahrheit?

Interessante Infos dazu bietet folgende Seite: http://www.energiechance.de/verkehr.htm

Scheinbar nicht berücksichtigt wurde in der Studie der Lebenszyklus, der bei den Zuggarnituren deutlich länger ist als beim PKW. Für Produktion und Entsorgung wird daher beim PKW deutlich mehr Energie aufgewendet, als bei der Bahn.

Noch was: Energieverbrauch ist die eine Seite - Energie-Zusammensetzung die andere. Der VCÖ gibt für Klein-PKWs 188 (Benzin) bzw. 137 (Diesel) Gramm CO2 Äquivalente je Personenkilometer an. Die ÖBB punktet mit nur 17 Gramm: http://www.vcoe.at/de/publikationen/vcoe-factsheets/details/items/Factsheet2011-02?file=tl_files/vcoe/uploads/News/VCOe-Factsheets/Factsheets/2011-02VCOe-Factsheet%20Gesamtbilanz%20Verkehr.pdf

Durch den Ausbau von Ökostrom wird sich dieses Verhältnis wohl weiterhin vergrößern, solange PKWs nicht elektrisch angetrieben werden.

Daher darf die Bahn hier in Österreich sehr wohl als umweltfreundlicher als der PKW bezeichnet werden.

Eines steht fest: das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist und bleibt das Fahrrad.

Antworten Gast: Noldi
15.12.2011 18:41
1 0

Re: Lüge 5: Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Und jetzt machen sie die Rechnungen noch einmal und zwar indem sie ein modernes Elektro Auto (zb. Tesla Modell S), angetrieben durch die eigene Photovoltaik Anlage bzw. durch Wasserstrom mit der ÖBB vergleichen.

Die ÖBB verliert deutlich!

Die Bahn ist kein umweltfreundliches Verkehrsmittel. Wieso die Grünen das immer wieder behaupten ist mir schleierhaft. Aber in Städten, oder auch wichtig auf Pendlerstrecken ist der öffentliche Verkehr extrem wichtig. Nicht wegen dem Umweltschutz, sondern weil wir sonst ein Parkplatz und Platzproblem auf den Straßen haben. Und überall alles mit Straßen zuzupflastern ist einfach nicht möglich.

Antworten Antworten Gast: NichtZufällig
15.12.2011 21:37
1 0

Re: Re: Lüge 5: Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Warum gibt es wohl keine Verbrauchsangaben der Bahn im Internet? Zufall? Wohl kaum.

P.S. Solche Rad = beste Lösung Sprüche sind derart unqualifiziert wenn man Transport & Verkehr gesamtheitlich und real betrachtet.

0 0

Re: Re: Re: Lüge 5: Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Gesamtheitlich und real betrachtet die beste Lösung für umweltfreundliche Mobilität ist eine räumliche Lösung. Also Wohnort, Arbeitsstelle, Einkaufsmöglichkeit und Freundeskreis in der Nähe. Zersiedelung ist die schlechteste Lösung. Dort ist in erster Linie anzusetzen, um den Ressourcenverbrauch im Verkehr einzudämmen. Die Wahl des Verkehrsmittels ist zweitrangig.

Was stört Sie an der Aussage, dass das Fahrrad das umweltverträglichste Verkehrsmittel zu Personenbeförderung ist? (Und darüber hinaus keine Parkplatzprobleme, Lärm, Emissionen sowie Umweltverschmutzung bei der Erzeugung des Treibstoffes schafft, geringen Ressourcenbedarf bei der Herstellung benötigt und obendrein noch die Gesundheit und Lebensfreude der Menschen fördert, also die Kosten der Krankenkassen senkt und die Wirtschaftsleistung fördert?)

Aus persönlicher Sicht sieht dies freilich oft anders aus, aber gesamtheitlich und real betrachtet ist das Fahrrad im Nahbereich in vielen Fällen das beste Verkehrsmittel.

Antworten Antworten hw007
15.12.2011 20:55
0 0

Re: Re: Lüge 5: Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Ohne Randbedingungen ist eine Rechnung nicht sinnvoll.

Antworten Gast: Analyst 829
15.12.2011 14:45
3 0

Re: Lüge 5: Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Mag sein, dass Züge länger in Betrieb sind als Autos im Durchschnitt, aber sie dürfen nicht übersehen, dass die Bahn pro Jahr mit über 4 Mrd. pro Jahr subventioniert wird und die Autofahrer gemessen an den Leistungen, die sie erhalten etwa 4 Mrd. zu viel zahlen. (Die Zweckbindung der Mineralölsteuer für Straßenbau, Schneeräumung u. s. w. gibt es schon lange nicht mehr; die Scheeräumung müssen übrigens großteils die Gemeinden finanzieren, die pauschal von den eingenommenen Mehrwertsteuern Geld bekommen, aber direkt von der Möst gibt es nichts mehr)

Hätte man die 4 Mrd. von den Autofahrern nicht jährlich der Bahn gegeben sondern in den Bau von Wasserkleinkraftwerken, Stauseen (Speicher für Strom aus Windkraft, der Wind bläst nicht immer und nicht immer gleich, andererseits in der Nacht wo kaum jemand Strom braucht und daher muss man Wasser in Stauseen pumpen um es bei Bedarf wieder ablassen zu können und in Strom zu verwandeln) gesteckt, müsste Österreich heute gar keine kalorischen Kraftwerke mehr in Betrieb haben.

Ein neuer Stausee ist übrigens im Waldviertel und einer in Tirol geplant, beide würde es längst geben, wenn nicht die Bahn permanent den Staat plündern würde.

Ganz nebenbei könnte man in der heutigen Handyzeit leicht Mitfahrgelegenheiten organisieren, wo 10 c pro km (bzw. das gesetzliche Kilometergeld für Mitfahrer) via Handy abgerechnet werden. Einfach in die nächste Garage und mitfahren. Extrem billig, freie Sitze werden genutzt, Fahrer kostet nichts.

 
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