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Korruption: Ein bestechendes Kavaliersdelikt

22.02.2012 | 18:34 |   (Die Presse)

Bei den Antikorruptionsbestimmungen sind Albanien und die Ukraine mittlerweile weiter als Österreich. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm.

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Es tut sich was im Selbstbedienungsladen: Jetzt, da immer unglaublichere Enthüllungen aus dem innenpolitischen Korruptionssumpf auf die Bevölkerung niederprasseln, da der Staatsanwalt schon hinter mehreren Ministern der verblichenen schwarz-blauen Regierung her ist, da sich immer mehr aktive Politiker fast aller Parlamentsparteien auf diversen Nehmerlisten finden – jetzt werden selbst die Regierungsspitzen wach. Und stellen eine Verschärfung der Antikorruptionsregeln in Aussicht.

Ein bisschen spät. Denn das Problem ist nicht erst heute entstanden. Organisationen wie Transparency International kritisieren seit vielen Jahren (freilich vergeblich) das hiesige Durchstechertum. In jüngster Zeit sind auch noch ernste Rüffel vom Europarat und von der EU dazugekommen. Eine Schande für ein Land, das sich für zivilisiert hält – und in Sachen Korruptionsbekämpfung von Albanien oder der Ukraine überholt worden ist.

Wenn die Telekom-Affäre jetzt dazu führt, dass auch hierzulande endlich internationale Standards gegen Politikerbestechung eingeführt werden, dann hat der Skandal wenigstens einen späten Nutzen. Die Bevölkerung wird aber höllisch aufpassen müssen, dass ihr keine Mogelpackung umgehängt wird.

Die Gefahr besteht durchaus. Schließlich werden die Antikorruptionsbestimmungen jetzt von jenen politischen Parteien formuliert, die bisher von deren Zahnlosigkeit profitiert haben. Und die Parteisekretariate, Ministerkabinette, staatsnahen Unternehmen und so fort wimmeln noch von Gästen auf telekomgesponserten Waffengraf-Jagden, „Studienautoren“ und anderen seltsamen Hochegger-Kunden. Da könnte der eine oder andere schon auf bremsende Ideen kommen.

Die Qualität neuer Antikorruptionsbestimmungen wird man unter anderem an folgenden Punkten erkennen:

•Die Parteienfinanzierung ist völlig transparent zu gestalten. Transparenz heißt volle Veröffentlichungspflicht, nicht – wie jetzt – Ablage im Schreibtisch des Rechnungshofpräsidenten.

•Die Verpflichtung, Zahlungsströme offenzulegen, hat selbstverständlich nicht nur für Parteiorganisationen auf allen Verwaltungsebenen, sondern selbstverständlich auch für deren Vorfeldorganisationen, für parteinahe Vereine, für staatliche und staatsnahe Unternehmen und für Abgeordnete samt deren engsten Angehörigen zu gelten. Letzteres gilt unterdessen als internationaler Standard und ist zuletzt sogar von der Ukraine eingeführt worden.

•Die Ausnahme vom sogenannten „Anfütterungsverbot“ für Abgeordnete und politische Amtsträger ist schnellstmöglich zu streichen.

• Die Strafbestimmungen für Korruption sind, wie das zuletzt die Staatengruppe gegen Korruption des Europarats gefordert hat, drastisch zu verschärfen. Gleichzeitig ist dafür Sorge zu tragen, dass die Justiz in diesem Punkt funktioniert. Und man nicht, blöde Geschichte, Akten verschlampt oder so lange abliegen lässt, bis die einschlägigen Delikte verjährt sind.

Ein volles Programm. Das aber gerade im politiknahen Bereich notwendig ist. Denn Großkorruption ist in Österreich ein Problem der Politik. Dass das Land im Korruptionsindex von Transparency International trotz Telekom, Buwog, Inseratenaffäre & Co. nicht schlechter als auf dem 16. Platz liegt, hat laut Transparency nämlich den Grund, dass die Kleinkorruption nicht sehr ausgeprägt ist. Der Polizist, der in „Privatordination“ Strafmandate ausstellt oder der Rettungsfahrer, der ohne „Schmattes“ den Zündschlüssel nicht umdreht, sind hierzulande Gott sei Dank unbekannt.

Wer glaubt, dass hier ein bisschen viel Wasser um ein immer schon begangenes Kavaliersdelikt gemacht wird, möge den Blick auf eine Zahl werfen: Der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden, den Korruption in Österreich anrichtet, mit 26 Mrd. Euro. Jahr für Jahr. Korruption kostet also fast ein Prozent Wirtschaftswachstum.

Bei einer Steuerquote jenseits der 40 Prozent heißt das, dass die Durchstechereien der Korruptionisten mehr als zehn Mrd. Euro Steuerentgang bedeuten. Pro Jahr. Man könnte polemisch also auch sagen, das Sparpaket musste geschnürt werden, weil die Regierung das Bestechungsunwesen nicht in den Griff bekommt.

Sie fragen sich jetzt, warum untersuchungshaftgestählte mutmaßliche Korruptionisten in diesem Land trotzdem höchste gesellschaftliche Anerkennung genießen? Ehrlich gesagt: Das frage ich mich langsam auch.


E-Mails: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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16 Kommentare
Gast: decken wir auf! wehren wir uns!
23.02.2012 14:38
0 0

"Die Presse"-Antikorruptions-Leserinitiative

Vielen Dank Herr Urschitz für Ihren wie immer gehaltvollen und äußerst informativen Artikel, auch wenn der Inhalt für uns obwohl gelernte Österreicher ziemlich ernüchtern ist.

Detailsinformationen dazu findet der interessierte Leser in:

http://www.ti-austria.at/ Transparency International – Jahresbericht 2010:

Korruption wird definiert als Machtmißbrauch zum persönlichen Nutzen oder Vorteil.

„Der Anteil Österreichs am weltweiten Korruptionsaufkommen samt Schmiergeldern von rund einer Billion Euro liegt laut Korruptionsstaatsanwaltschaft bei bis zu 26 Milliarden Euro. Etwa 90 Prozent aller Bestechungsfälle konzentrieren sich dabei auf die Schnittstellen zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft.“ (S. 3)

„Als größte Schwachstelle wird der Mangel an wirtschaftlichem Know-How zur Verfolgung von Wirtschafts- und Korruptionsstraftaten in den Staatsanwaltschaften betrachtet.“ (S. 14)

Gefordert wird die Weisungsfreistellung der Staatsanwaltschaften (S. 17)

Gast: Räuber Hotzenplotz
23.02.2012 14:28
0 0

Räuberhauptquartier Ösistan

wegen dem unerträglichen SPÖ+ÖVP-Zwangsregime!

Gast: 1. Parteiloser
23.02.2012 13:26
0 0

Systemimmanente Korruption!

Es betrifft alle Parteien und alle Parteibonzenhochburgen, also auch die Gebietskörperschaften und die Staatsunternehmen.

Das gilt besonders dann, wenn man, wie in einer reifen Gesellschaft, den grausigen Posterl- und Amterlschacher auch als korrupte Vorgänge anerkennt.

Ein besonderes Wunder ist es aber nicht. Österreich hat ein Parteienwahlrecht (außer dem unwichtigen BP) und nur restlos degenerierte Parteien zur Auswahl. Die Parteien bewerben sich doch nur um Wählerstimmen um die Österreicher ausrauben zu können und an die gewaltigen öff. Gelder zu kommen (158.000 Mio. Staatsausgaben 2012 geplant). Die Parteien bewerben sich aber nicht um die Verantwortung für Österreich und die Österreicher.

Es steht doch außer Zweifel, dass die Motivation der Parteien schon fehlgeleitet ist und die Korruption und die grausige Freunderlwirtschaft, zum Nachteil von Österreich, nur eine der logischen Folgen ist.

Dass diese Regierung von einem korrupten Inseratenkanzler geführt wird, das passt dann doch genauso herrlich dazu, wie auch weniger als 1% der Korrupten gefangen wird, oder auch weniger als 1% der Korruptionsgelder sichergestellt werden.

Wie die Parteien die Demokratie verstehen, das zeigen auch die Parlamentarier, also die Verantwortlichen für die Gesetzgebung, deutlich auf. Da hocken, mit einer dominanten Mehrheit die grausigen Typen aus den geschützten Bereichen (Lobbyisten) und machen sich die Gesetze in eigener Sache. Natürlich ohne zu lesen und per Klubzwang!

mecreant
23.02.2012 12:33
0 0

den volkswirtschaftlichen Schaden, den Korruption in Österreich anrichtet, mit 26 Mrd. Euro. Jahr für Jahr.

jetzt wird klar, warum diese Verbrecher ausgerechnet ein 26 Milliarden Sparpaket schnüren...

nachdenken
23.02.2012 10:01
1 0

jetzt werden selbst die Regierungsspitzen wach ???

gegen faymann ermittelt - oder sollte! - die staatsanwaltschaft - noch immer weisungsgebunden - in zwei causen in mio höhe!

glauben sie herr urschitz, dass dieser verbre..er ein echtes antikorruptionspaket zuläßt?

die regierungsspitze ist korrupt und somit ein teil dieses systems, dass sich doch nicht selbts reformiert - wider aller phantasien!

Michael
23.02.2012 09:35
3 0

Schwammiges Blabla

Antikorruptionsgesetze machen jene, die sich bestechen lassen.

Die Korruption ist die Hauptursache unserer ausufernden Staatsverschuldung.

Das sind die Fakten. Alles andere ist nur Verwässerung.

Gast: Papa Schlumpf
23.02.2012 09:35
1 0

Also statt neuem Belastungspaket ein Antikorruptionspaket

Bringt viel mehr und trifft die richtigen Leute, nämlich KRIMINELLE die den Staat vorsätzlich schädigen um sich mit unverdientem Geld die Taschen vollstopfen zu können.

Das Abzocken der Leistungsträger in diesem Land ist eine riesige Sauerei.

Gast: herrmann..
23.02.2012 09:30
0 0

verletzung von menschenrechten?

kann man dieses recht auf offenlegung u. transparenz nicht als grundlegendes menschenrecht beim europ. gerichtshof für menschenrechte einklagen..?

dann sollte das bald mal passieren u. eine partei die klage einreichen..

Gast: Black Frog
23.02.2012 09:17
2 0

Bewunderswert

im Raking hinter Albanien und Ukraine Respekt ! kein Wunder, dass da selbst die Regierungsspitzen wach werden - endlich! wirklich?. Die vage IN AUSSICHT gestellte Verschärfung der Antikorruptionsregeln dürfte jedoch so irreal sein wie die naive Erwartung, dass sich die Mafia selbst entwaffnet

Gast: Pips
23.02.2012 08:52
0 0

Das

wichtigste feht:
Politiker müssen ALLE Einkommen, Vermögenswerte, Immobilien, Bankkonten etc. Jährlich völlig offenlegen! Nur dann ist es nachvollziehbar woher der plötzliche Vermögenszuwachs entstehen konnte. Stichwort- vom Gemeindebau in 2-3 Jahren in die Luxusvilla im Cottage etc. Das kann nie, ausnahmslos NIE mit rechten Dingen zugehen. Daher- wer in die Politik geht - sollte der gläserne Mensch werden. Samt persönlichem Umfeld.

Gast: firebird
23.02.2012 08:24
2 0

Albanien und die Ukraine sind mittlerweile weiter als Österreich. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm. Statt transparenz und fairneß zu schaffen - schnüren Faymann und die SPÖ ein 26 Milliarden Sozialabbaueinsparungspaket- bei den asvg versicherten einsparen und abkassieren ist halt viel leichter- als soziale politik zu machen.

Organisationen wie Transparency International kritisieren seit vielen Jahren (freilich vergeblich) das hiesige Durchstechertum. In jüngster Zeit sind auch noch ernste Rüffel vom Europarat und von der EU dazugekommen. Eine Schande für ein Land, das sich für zivilisiert hält – und in Sachen Korruptionsbekämpfung von Albanien oder der Ukraine überholt worden ist.

Der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden, den Korruption in Österreich anrichtet, mit 26 Mrd. Euro. Jahr für Jahr. Korruption kostet also fast ein Prozent Wirtschaftswachstum.

Bei einer Steuerquote jenseits der 40 Prozent heißt das, dass die Durchstechereien der Korruptionisten mehr als zehn Mrd. Euro Steuerentgang bedeuten. Pro Jahr. Man könnte polemisch also auch sagen, das Sparpaket musste geschnürt werden, weil die Regierung das Bestechungsunwesen nicht in den Griff bekommt.

Sie fragen sich jetzt, warum untersuchungshaftgestählte mutmaßliche Korruptionisten in diesem Land trotzdem höchste gesellschaftliche Anerkennung genießen? Ehrlich gesagt: Das frage ich mich langsam auch (Hr.Urschitz v. der presse)

Die geplanten einsparungen u.einschnitte bei der arbeitenden asvg bevölkerung u.den asvg pensionen sind die folge dieser oben angeführten politik- die SPÖ macht aber weiter so: priviligien für wenige werden aufrechterhalten (wie z.B. ÖBB, ORF,OeNB, WienerBeamten, Bauernpensionsprivilegien,aber dafür sollen nun die asvg pensionen massiv gekürzt werden.

fireone
23.02.2012 07:13
2 1

Wen

wundert es dann, wenn der Ruf nach einer starken Persönlichkeit immer lauter wird? So ziemlich alle Parteien fallen regelmäßig, jetzt wieder bei der Aschermittwochrede, über H.C. her und übersehen dabei, dass sie ihm die Wähler scharenweise zutreiben.

Antworten So Ren
23.02.2012 08:49
0 0

Re: Wen

Leider absolut richtig

Gast: Argesauge
23.02.2012 00:37
2 0

herr u

so naiv koennen sie doch gar nicht sein

in oesistan regiert eine politmafia

das ist allgemein bekannt - mit etwas verspaetung nun auch ihnen

geblenet von parteidoktrin ?

oder einfach nur falsche zurueckhaltung um die gauner zu schonen ?

in wien werdn sogar private gastrobetriebe mit millionen euro gesponsert - steurgeld no na

oeffentliche ausschreibungen - fair und transparent ?

fragen sie mal nach wie das beim hanappi stadion umbau laeuft

uswuswusw

die list ewaere endlos

Glosar
23.02.2012 00:26
0 0

hr.urschitz träumen sie nur weiter!


Gast: badbankerandermacht
22.02.2012 23:07
5 0

26 Mrd. kourruptionsschäden p.Jahr!, 18,5 Mrd. subventionen p.J., hunderte mrd.eu badbankenhilfen und nun 26 mrd. einsparungen mit einem asvg sozialabbaupaket durch die SPÖ; das kann nicht mehr lange gut gehen;

auch die neue int. transparency studie kam zum schluß-österreichs korruption soll den steuerzahlern jährl. ca.26 Milliarden euro kosten(presse).dieses geld geht natürlich bei der bildung, soziales u.den asvgpensionen usw.ab. die banken/finanzmark-u. steuerstrukturen wurden in den letzten jahrzehnten so umgebaut-dass nun mehr als je zuvor, die banken,reichen u.spekulanten davon profitieren.
österreich hat faktisch seit den 90er jahren keine echten vermögenszuwachs- u. kapitalmarktsteuern mehr-aber dafür eine unglaubliche steuerlast für die asvg arbeitnehmer u.asvgpensionisten. und was macht die SPÖ-sie redet seit zigjahren vor wahlen immer von steuergerechtigkeit für die arbeitnehmer u.den mittelstand- aber die spö selber schaffte alle relevanten kapital-u.vermögenssteuern ab u. hat so aus österreich ein steuerparadis für superreiche u.kapitalvermögende gemacht. auch der heimische subventionsdschungel in den bereichen landwirtschaft u. der millionäre ist weltweit kaum mehr zu übertreffen(lt.medien18,5MRd subv.p.Jahr) daher ist österreich nun schon weltranglisten 5. bei den superreichen u.der millionärsdichte. aber auch führend bei den steuern auf arbeit u.den belastungen für die asvgarbeitnehmer u.asvg pensionisten. dass diese ungerechte steuerlastverteilung zu ungunsten der arbeit u.korruptionsschäden nur den reichen geldeliten u.den casinobankern nützt-aber den asvg angestellten,mittelstand,familien,asvg pensionisten u.der demokratie massiv schadet, liegt wohl auf der hand.