WM 2013: Frostige Stimmung in Schladming

27.07.2012 | 18:27 |  von Hanna Kordik (Die Presse)

Ein halbes Jahr vor der Ski-WM rumort es in Schladming. Geschäftsleute sind verunsichert, mit ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel wird endlos gestritten. Jetzt wurde ein wichtiger Manager gefeuert. Eine Intrige?

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Frühling 2008: Ganz Schladming ist im Freudentaumel. Das steirische Skizentrum hat sich gegen internationale Bewerber durchgesetzt und wird Austragungsort für die alpine Skiweltmeisterschaft 2013. Als die Frohbotschaft verkündet wird, sind einige der Verantwortlichen, so wird nachher erzählt, den Tränen nahe.

Frühling 2012: Ganz Schladming ist eine Baustelle. 400.000 Besucher werden zur WM erwartet, und da muss die Infrastruktur natürlich entsprechend ausgebaut werden: 400 Millionen Euro sollen insgesamt investiert werden, die eine Hälfte von privaten Investoren, die andere vom Bund. Eine neue Talstation muss her, zusätzliche Sessellifte, weitere Hotels.

Sommer 2012: Ganz Schladming ist einigermaßen irritiert. Im Ort herrschen Zwist und Hader, Intrigen und Machtkämpfe. Und jetzt ist es auch noch zum Knalleffekt gekommen: Ernst Trummer,Chef der Planai-Bahnen, die beim Management der WM federführend tätig sind, ist kurzerhand seines Amtes enthoben worden. Und das ein halbes Jahr vor dem großen Ereignis.

Dramatisch genug. Doch der Mehrheitseigentümer der Planai-Bahnen, das Land Steiermark, kennt halt keine Gnade. Und so hat der steirische ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer, für Tourismus zuständig, die Abberufung ganz besonders inszeniert: mit einer eiligst einberufenen Pressekonferenz. Spannend sollte das Ganze natürlich sein, und daher erfuhren die Journalisten erst vorort von Trummers Abberufung. Trummer selbst wurde erst eineinhalb Stunden vor dem Termin von seinem Schicksal informiert. Der Aufsichtsrat eine halbe Stunde später. „Wir wollten schnell handeln“, sagt Schützenhöfers Sprecher.

Vergleichsweise undramatisch war freilich die Begründung für den radikalen Schritt: Trummer habe gegen seinen Dienstvertrag verstoßen, weil er ein Geschäftsführergehalt von einem Hotelbetreiber bezogen habe. Zum besseren Verständnis: Er bezieht acht Monate lang 4000 Euro brutto von der Errichtungsgesellschaft des Hotel Falkensteiner – an der die Planai-Bahnen 24 Prozent der Anteile halten. Sein Aufsichtsrat hat dies auch einstimmig abgesegnet.

Ist das ein triftiger Grund für die Ablöse eines Geschäftsführers? Die Spitze des Aufsichtsrates sieht das jedenfalls nicht so. Und das sind immerhin durchaus renommierte Persönlichkeiten der Wirtschaft: Aufsichtsratspräsident Candidus Cortolezis ist Wirtschaftsanwalt. Sein Stellvertreter Oswin Kois war bis vor Kurzem Vorstand der Energie Steiermark AG. Beide haben ihre Aufsichtsratsmandate postwendend aus Protest zurückgelegt.

Auch der geschasste Ernst Trummer wehrt sich. Er hat ein Gutachten des bekannten Arbeitsrechtlers Roland Gerlach anfertigen lassen. Sukkus: Die Bewilligung des zweiten Gehalts durch den Aufsichtsrat war rechtens – weil es sich beim Hotel um eine Subgesellschaft handelt.

Unschwer zu erkennen: Die Sache wird noch ein juristisches Nachspiel haben. Und: Es sieht so aus, als hätte es im Hintergrund andere Gründe für die spektakuläre Abberufung kurz vor dem WM-Spektakel gegeben.

Tatsache ist: Trummer ist seit drei Jahren Chef der Planai-Bahnen. Und er hat seinen Job, wie selbst Schützenhöfer attestiert, bestens gemacht: Das Unternehmen ist mehrfach ausgezeichnet, rund 300Mitarbeiter erzielen einen Jahresumsatz von 31 Millionen Euro. Kein Wunder, dass man Trummer die Vorbereitungen für die WM zutraute. Er galt als der richtige Mann, der die Sache unter dem großem Zeitdruck bewerkstelligen könne. Allerdings: Der Job ist auch ein diplomatischer Drahtseilakt, wie sich bald herausstellte.

Doch davon ahnte Trummer nichts, als er sich an die Arbeit machte. Und eckte gleich mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel an. Gar nicht gut.

Als Präsident des Österreichischen Skiverbandes ist Schröcksnadel nämlich Veranstalter der WM und also ein mächtiger Mann. Und er ist sich dessen auch nur zu gut bewusst. Allein in den vergangenen Tagen polterte Schröcksnadel immer wieder öffentlich gegen Schladming: Einmal stellte er den Nachtslalom infrage, dann kritisierte er den angeblich dürftigen Beitrag Schladmings zur WM.

Kein Wunder, dass die Politgranden des Landes einen, sagen wir, Mörderrespekt vor dem ÖSV-Präsidenten haben. So sehr, dass SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves und Schützenhöfer vor wenigen Monaten auch schon als Mediatoren im Streit zwischen Trummer und Schröcksnadel einschritten. Da war der Krieg zwischen den beiden schon unglaublich eskaliert.

Der Grund: Trummer hatte eine gigantische Betonspange im Zielstadion errichten lassen, den so genannten „Loop“. Und den mochte Schröcksnadel so überhaupt nicht – zumal anstelle des „Loops“ ein VIP-Zuschauerbereich hätte errichtet werden können. Schröcksnadel forderte den Abriss der Spange, Trummer weigerte sich. Die Mediation war also von überschaubarem Erfolg.

Gleichzeitig war Trummer auch diversen lokalen Größen ins Gehege gekommen – beispielsweise Trainerlegende Charly Kahr, der dem ÖSV höchst verbunden ist. Trummer hatte nämlich messerscharf erkannt, dass sein Unternehmen mit dem reinen Liftbetrieb wirtschaftlich unsicheren Zeiten entgegenblickt: Dank regelmäßig notwendiger Beschneiungen steigen die Betriebskosten, und darunter leiden die Erträge. Also beschloss er, die Wertschöpfungskette zu verlängern: Es sollte ein Hüttenbetrieb dazukommen, in der Talstation wurde ein Sportartikelgeschäft angesiedelt – das Kahr Konkurrenz machen wird. Was der wohl nicht so lustig fand – detto andere Unternehmer, die plötzlich um ihre Zukunft bangten.

Wie's der Zufall so will, wurde Schützenhöfer unlängst mit einem anonymen Schreiben unter Druck gesetzt: Trummer müsse gehen, hieß es dort ultimativ.

Schützenhöfers Sprecher betont, dass die Differenzen mit Schröcksnadel jedenfalls nicht Grund für Trummers Ablöse gewesen seien. Schröcksnadels Sprecher stellt „persönliche Differenzen“ überhaupt in Abrede.

Wirklich traurig über Trummers Abschied wird der ÖSV-Präsident aber auch nicht sein: Der „Loop“ soll demnächst abgerissen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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13 Kommentare

Match Politker gegen Profi

Die Lokalpolitiker sind einem Schröcksnadel nicht gewachen, er ein Profi im Abkassieren von öffentlichen Mitteln zieht sie halt übern Tisch.

Die Politiker von Schladming jagen einem Traum nach, steigerung der (eigenen) Wirtschaft mit Hotelkonzernen, es wird ein kurzre Rausch werden.
Die Gemeinde hat vergessen ihre Schulden der letzten WM wurden erstvor kurzem getilgt, dafr wurde gespart an Leistungen für Bürger und Infrastruktur.

1 0

Schröcksnadel

Auch einer der ungekrönten Herrscher der Sportmafia mit gutem Draht zu der Politik.
Geben ist seliger den Nehmen,überhaupt wenn es sich lohnt !!!

die übliche mischung aus

gier, politeinfluss, inkompetenz und hinterfotzigkeit! österreich eben!

2 0

Beton

ist offensichtlich nicht nur in Schladming zuviel verbaut worden, sondern auch in den Köpfen einiger!

Wenn man Schladming heute sieht, muss man unwillkürlich an die "Piefke-Saga" denken.

Gast: Hubertus
29.07.2012 01:14
4 0

Unverzeihlich

Der Herr Trummer hat offendsichtlich zwei Dinge, die in der ÖVP unverzeihlich sind. Er hat wirtschaftliche Kompetenz und Erfolg u n d er ist gewissen Einflüsterungen nicht zugänglich. Er ist ganz offensichtlich seiner Arbeit verpflichtet und zeigt daher eine gewisse Renitenz gegenüber Beeinflußungsversuchen. Und wer mit Hrn. schröcksnadel übers kreuz ist, der hat sowieso den Anschein der Sachlichkeit für sich.

Gast: bärle
28.07.2012 17:27
3 0

Zu alt

Schröcksnadel ist im Skisport das, was Ecclestone im Motorsport ist: zu alt, zu selbstverliebt, nicht teamfähig, nur am Geld interessiert.
Und wozu braucht er einen Sprecher: sonst hat er doch auch überall seinen Mund offen. Kann er sich nicht mehr klar ausdrücken?

Gast: bärle
28.07.2012 17:13
3 0

In die Wüste

Schröcksnadel ist doch viel zu alt für so einen Job. Der lebt noch von seiner Vergangenheit. Da braucht es junge Managertypen, keine alten Lächler und Buckler, die nur auf den eigenen Vorteil aus sind. Die ÖVP kann ihn sicher noch irgendwo unterbringen.

Gast: Vogel Strauss
28.07.2012 14:28
4 0

Wann wird Schröcksnadel endlich in Pension geschickt??


Gast: Bergbauer
28.07.2012 09:31
1 0

Ich denke nich, dass überhaupt VIPs nach Schladming kommen werden,

also kann kommunistisch monströse Betonaufbau ruhig bleiben. Andererseits wäre ein Abriss und Neuaufbau gleich nach der WM gut für die befreundeten Baufirmen. Man weiss also nicht wen man da unterstützen soll.

3 0

einfach die sportmafia


sonst gibts nichts zu sagen

Gast: Insider666
28.07.2012 04:50
3 0

Ein Armutszeugnis

Das kommt davon, wenn Betriebe in staatlicher Hand bleiben. Beinahe nordkoreanische Verhältnisse sind das!

Bleibt nur zu hoffen, dass der von Schützenhöfer als interimistischer Statthalter eingesetzte neue Planai-Chef Bliem trotz fehlender Erfahrung den Betrieb erfolgreich managen kann und nicht wieder über Nacht "dahin ist", wie schon einmal als Geschäftsführer der Schladminger Brauerei...

bauerntheater

wärs ein Theater müsste man lachen, der Werte und Sittenverfall hingegen ist sehr traurig. alle wollen sich noch schnell die Taschen füllen bevor das Ende naht.

Gast: Johann S
27.07.2012 19:45
9 0

Die

präsumtiven Abzocker,sitzen bereits in Ihren Startlöchern

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