Topmanager: „Es gibt nur mehr verbrannte Erde“

24.08.2012 | 18:27 |  von Hanna Kordik (Die Presse)

Sie waren Topmanager im staatsnahen Bereich – jetzt sind etliche von ihnen auf Jobsuche. Eine Folge der wirtschaftlichen Lage, einerseits. Andererseits wird offensichtlich: Politische Netzwerke halten nicht ewig.

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Er hat Wien schon längst verlassen. Stefan Wehinger kennt die Spielregeln offenbar bestens. Die da lauten: Als ehemaliger Topmanager ist es in der Bundeshauptstadt so gut wie unmöglich, einen gleichwertigen Job zu finden. „Für mich gibt es hier nur mehr verbrannte Erde“, sagt Wehinger. Also muss er gehen.

Warum? Das ist relativ einfach zu beantworten: Weil er in gewisser Weise stigmatisiert ist. Wehinger hat seinen wirklich großen Karrieresprung in einem Staatsunternehmen gemacht. Von 2004 bis 2008 war er Vorstand des Personenverkehrs in den ÖBB. Dann musste er aus politischen Gründen gehen – und bekam dennoch eine zweite Chance in der Branche: Gemeinsam mit dem Industriellen Hans-Peter Haselsteiner gründete er die private Westbahn und machte der ÖBB Konkurrenz. Doch auch das ist mittlerweile Geschichte: Anfang Juni hat sich Wehinger mit Haselsteiner überworfen. Und orientiert sich seitdem beruflich neu, wie es so schön heißt.

Es gibt einfachere Übungen. Denn eine dritte Chance in der Branche ist undenkbar. Und anderswo? „Das ist schwierig: Wenn man einmal einen Topjob in einem Staatsunternehmen hatte, ist es nicht so einfach, in der Privatwirtschaft unterzukommen“, meint Wehinger. Eh klar: Manager von Staatsunternehmen genießen in den Medien nicht gerade den besten Ruf. Welches Privatunternehmen tut sich so etwas schon an? Einmal des Jobs verlustig gegangen, bieten sich für betroffene Manager in der Regel also zwei Optionen: Sie gehen ins Ausland. Oder sie werden Konsulenten.

Wehinger macht quasi beides. „Ich werde für den Schweizer Zügehersteller Stadler tätig sein“, erzählt er. Das ist jenes Unternehmen, das auch die Garnituren für die Westbahn herstellte. Dort wird Wehinger als Berater arbeiten. „Nach ein bis zwei Jahren werde ich entscheiden, ob ich im Eisenbahnbereich bleibe oder nicht“, sagt er. Seine berufliche Zukunft (im Ausland) sieht er allerdings recht entspannt: „Ich habe den Vorteil, dass ich Techniker und daher spezialisiert bin.“

Das Atout haben nicht alle. Und so sind derzeit etliche frühere Topmanager im staatsnahen Bereich auf Jobsuche. Eine Konsequenz der wirtschaftlich einigermaßen harten Zeiten? Durchaus, findet Herbert Unterköfler, Chef des Personalberaters Korn/Ferry: „Die Verweildauer von CEOs hat weltweit abgenommen“, sagt er, „und das reflektiert natürlich bewegte Zeiten.“ Früher habe ein Spitzenmanager sein Mandat acht bis zehn Jahre lang gehabt. Jetzt seien es rund fünf Jahre.

Auffallend ist aber auch, dass es mittlerweile alles andere als einfach ist, einen neuen Spitzenjob zu finden. „Weil viele Konzerne der Meinung sind, dass ehemalige Unternehmenschefs Einzelgänger geworden sind und sich schwertun, in einem neuen Team zu arbeiten“, meint Wehinger. Unterköfler sieht das etwas differenzierter – nämlich vor allem als ein Problem von ehemaligen Managern in österreichischen Staatsunternehmen: „Manche dieser Unternehmen haben so derart österreichische Eigenheiten – die sind in einem europäischen Umfeld gar nicht marktfähig.“ Will heißen: Exzellente politische Kontakte können hierzulande zwar ein Karriereturbo sein. In Weltkonzernen zählt dies aber kaum als Kriterium.

Hier bauen halt viele weiterhin auf ihr politisches Netzwerk. Doch das wird oft – leider, leider – brüchig. Am Beispiel Herbert Götz.Der 49-Jährige war einst Kabinettschef von ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek und brachte es auch zu einem gut dotierten Vorstandsjob bei der Post AG. Doch Ende 2011 ist sein Vertrag ausgelaufen. Ein neuer Job ist nicht in Sicht, Götz hat also die Goetz und Partner Consulting GmbH gegründet – und verdingt sich derweil als Berater.

Oder Kurt Sumper. Der wurde 2006 vom damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser als Ko-Geschäftsführer in die Bundesfinanzierungsagentur entsandt. Und wurde dort nie das Image des Protégés los – weil er Cousin einer Frau ist, die schon damals Grassers Exfreundin war. Sollten ihm diese Verwandtschaftsverhältnisse damals tatsächlich zum Vorteil gereicht haben – jetzt tun sie es jedenfalls nicht mehr: Vor rund einem Jahr ist sein Vertrag ausgelaufen. Sumper ist seitdem, erraten: Consulter.

Die Grundregel lautet offenbar: Einmal im staatlichen Bereich – und dann wird's schwierig. Sei es, weil einem der Ruf vorauseilt, den Job dank politischer Protektion bekommen zu haben. Sei es, weil das berufliche Wirken in der Öffentlichkeit mit einer guten Portion Misstrauen beobachtet wird.

Die Liste ehemaliger ÖBB-Manager, deren weiterer beruflicher Weg im Nirwana endete, ist jedenfalls ellenlang. Jüngstes Beispiel: Gabriele Lutter – bis vor einem Jahr Chefin des Personenverkehrs. Immerhin wird sie weiterhin von den ÖBB beschäftigt. Allerdings als einfache Mitarbeiterin.

Auch Heinz Stiastny ist seit Kurzem seinen Job als Postbus-Chef los. Dass er sich bei der Suche nach einer neuen Tätigkeit schwertun könnte, glaubt der begeisterte Netzwerker aber nicht: „Das muss man gelassen sehen“, sagt er, „nach der Urlaubszeit werde ich mich einmal umsehen.“

Der frühere AUA-Vorstand Peter Malanik will auch nicht klein beigeben – und versucht es mit einem weiteren politischen Job: Er will ÖIAG-Chef werden. Ob ihm das gelingt, wird sich weisen. Immerhin hat er das Image, zu wenig Distanz zum seinerzeit gescheiterten AUA-Chef Alfred Ötsch gehabt zu haben – und gegenüber der Belegschaftsvertretung recht konsensual gewesen zu sein.

Sein ehemaliger Kollege bei der AUA, Andreas Bierwirth, hatte es da offenbar leichter: Er wird Chef von T-Mobile Österreich. So ein Sprung in die Privatwirtschaft hat Seltenheitswert. Aktenkundig war so ein Fall zuletzt im Frühjahr 2011, als der damalige Chef der staatlichen Bundesimmobiliengesellschaft, Christoph Stadlhuber,zu Immobilien-Tycoon René Benko wechselte.

Beispiele wie diese lassen offenbar so manchen hoffen. So soll etwa Franz Pinkl, der zuerst die Volksbanken AG und dann die Kärntner Hypo eher suboptimal geführt hat, wieder auf Jobsuche sein. Dank der ihm seinerzeit ausbezahlten Millionenabfindung kann er sich dabei aber durchaus Zeit lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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29 Kommentare
 
12
Gast: Markus Trullus
26.08.2012 10:10
0

anders, einfach: anders....

Was der Artikel und die Postings aufzeigen, ist die Tatsache, dass das "Leben oder Sterben" eines Unternehmens hochgradig von der Kompetenz der Führungskräfte abhängig ist, was wir ja eigentlich eh alle wissen. Deshalb ist es ein Verbrechen, in staatsnahen Unternehmen 0- Kompetenzler aus Paddeigründen hinein zu setzen. Nur, wie kommen wir alle aus der Schlammastik raus?
Ich weiß es:
Anders wählen! Keine GROKO mehr!

...

sie bekommen keinen gleichwertigen Job da sie für so einen ohne Protegé gar nicht dafür qualifiziert wären...

Die Armen, bitte einen Spendentopf einrichten!

Die haben Mio abkassiert und müssen in Wirklichkeit nicht mehr arbeiten.

Die werden also alle Consulter. Wen bitte sollen die beraten können? Die haben doch von echter Wirtschaft und vom echten Leben (Arbeiten) keine Ahnung.

Ahh, ich weiß schon, ein Beratungsgespräch für 1 Mio. EUR, so läuft das doch.

Es sind keine Netzwerke

die benutzt werden sondern es ist die sich ausbreitende (und jetzt implodierende...) Fäulnis. (corruptus)

Re: Es sind keine Netzwerke

Die privaten Unternehmen trauen sich halt auch keine Leute einzustellen, die sie zuvor schmieren mussten.

Gast: gewerker
25.08.2012 17:40
2

Arme Schlucker

bislang hat von denen aber keiner Existenzprobleme durch ihren gut abgefederten Abflug erleiden müssen.
Da sieht es bei den von ihnen gemobbten 55jährigen Hacklern schon wesentlich schlechter aus. Ich wünsche Ihnen und allen zukünftigen Entsorgten aber vom Herzen alles Gute.

was ich immer lustig finde sind diese selbstbeschreibungen alla: "wirtschaftsGENERAL..." oder "wirtschaftsKAPITÄN..." oder "IndustrieBARON..." oder "TOP... bla bla" und "PROFI... bla bla"... und "STAR... quak quak". Österreich hat schon ironische Seiten! lol


die weniger weit oben haben es genauso schwer

dass die Luft oben dünn wird, mußte man schon vorher.

Gast: Demokierkratie
25.08.2012 12:40
3

Also die tun mir wirklch alle so herzlich leid...


Re: Also die tun mir wirklch alle so herzlich leid...

und wieviel Steuergeld (Abfertigungen und und ) wird denen nachgeschmissen ?

na verschwinden schon wieder mal Postings?


Privatwirtschaftliche Versager

die in politiknahe Managerjobs drängen,wurden vergessen. Schönstes Beispiel in der gleichen Presse,andere Redakteurin. Miba Kandidat für ÖIAG Rudi Kemler,von HP gefeuert soll nun auf kosten der Steuerzahler versorgt werden.Ein Frühstücksdirektor von IV Gnaden. Eine schöne Aussicht für den Steuerzahler.

Privatwirtschaftlich versag


Der wesentlichste Punkt wurde geflissentlich übergangen


"Top"- Manager im Staatsbetrieb sagt in Ö nur etwas über die Qualität des Netzwerks aus, nicht über die des Managers.

Diese Herrschaften hinterließen in den Staatsbetrieben tats. oft verbranntes Steuergeld und damit ebensolche Erde, weil die politischen Ziele meist den ökonomischen vorgezogen wurden.

Das gilt auch für sämtl. CEOs weltweit, die von einem börsennotierten Unternehmen zum anderen wandern und dort zufriedene Aktionäre aber ruinierte Firmen hinterlassen. Grund: Honorare, die an den Unternehmensgewinn gebunden sind, lassen nicht einmal mehr mittelfristige Planungen zu.


Gast: Tax Blecher
25.08.2012 08:38
8

Der Herr hats gegeben........

Diese Wacheln (mit wenigen Ausnahmen) haben im Regelfall die Spur ihrer Karriere gelegt bekommen. Von den Parteien und Burschenschafterhaberer. Ohne die wären sie nix, genauso nix, wie tausende andere Juristen und BWLer auch, die nie auch nur die erste Führungsebene erreichen. Das ist auch der Grund wehalb diese Unternehmen dem Bürger wie ein Mühlstein um den Hals liegen.

Gast: holifax
25.08.2012 07:46
5

diese Topmanager

tun mir alle ÜBERHAUPT NICHT leid.

Wenn's um die eigene Haut geht ...

kommen auch die macher d'rauf, dass mit Wasser gekocht wird.

Orientierungs- und Hilflos stehen sie da und haben nur mehr ihre Finger in den Händen; bedauernswerte Charaktere!

Gast: Kapfenberger in der Ferne
24.08.2012 23:23
1

Es gab auch wirklich herausragende Leute

Es gab auch wirklich hervorragende Manager von staatsnahen Betrieben. Beispielsweise Claus Raidl. Böhler-Uddeholm hat er und sein Team mit Leuten wie Knut Consemüller, Horst Königslehner und Heimo Stix auf wirklich hervorragende Beine gestellt, vor allem was die strategische Positionierung des Konzern betrifft.

Die Privatisierung war vorbildlich und auch die - leider aufgrund der "Heuschrecken" notwendige (Wieder)Eingliederung in die voestalpine lief im großen und ganzen gut.

Ich wünschte es gäbe mehr Leute von diesem Format und mit diesem Kaliber.

Natürlich war Raidl auch ein "Kind seiner politischen Heimat", der ÖVP. Aber er und sein Team waren zuerst für das Wohl des ihnen anvertrauten Konzerns da und DANACH erst Politiker, Berater, Netzwerker und sonstiges.

Politisch besetzte Flaschen haben eben Legionen als Konkurrenz.

Und zwar alle anderen korrupten Nichtskönner mit politischen Verbindungen. Und von denen gibt es wie Sand am Meer.

und was machma mit den veruntreuten MILLIARDEN??? überall haben diese leute millionen in den sand gesteckt!!! also wird irgendwann mal etwas passieren richtung StAw... Prozess... Schadenersatz... oder wie soll man das wirklich verstehen? Lauter Nieten die nix können außer palabern und misswirtschaften jetzt OHNE job da, und wir sollen mitleid für sie empfinden oder wie?


Antworten Gast: Febobo
25.08.2012 19:26
1

Re: und was machma mit den veruntreuten MILLIARDEN??? überall haben diese leute millionen in den sand gesteckt!!! also wird irgendwann mal etwas passieren richtung StAw... Prozess... Schadenersatz... oder wie soll man das wirklich verstehen? Lauter Nieten die nix können außer palabern und misswirtschaften jetzt OHNE job da, und wir sollen mitleid für sie empfinden oder wie?

Die Realität sieht so aus, dass diese Millionen/Milliarden für immer verloren sind (befinden sich auf Konten div. Parteifreunde). Rechtsansprüche gibt es keine.

Verluste trägt der Steuerzahler.

Ist der Top-Manager arbeitslos ("mimimi"), so wird er von der Allgemeinheit erhalten.

Irgendwann wird er Berater (s.o.) und versucht alte Kontakte in die Parteien zu aktivieren und hie und da einen Auftrag zu erhalten. Wer zahlt die Rechnung? Richtig: der Steuerzahler.

Warum das kind nicht beim Namen nennen...



...alle die in staatsnahen Betrieben sog. Topmanager sind, sind defacto Proporz-Besetzungen.

Diese Proporz-Jobs haben nichts mit Qualifikation zu tun, sondern ausschließlich mit dem richtigen Parteibuch.

Ja und in der "realen" Wirtschaft wird halt auf Führungsqualitäten und Qualifikation wert gelegt.

Antworten Gast: Febobo
25.08.2012 19:27
1

Re: Warum das kind nicht beim Namen nennen...

Oha, in der Privatwirtschaft gibt es mehr Nieten im Führungsbereich als Sie denken!

Antworten Gast: Saiffenstayn
24.08.2012 21:49
14

Re: Warum das kind nicht beim Namen nennen...

es gibt auch im "staatsnahmen Bereich" sehr GUTE Manager,
aber die mag man nur solange sie ihr Wissen nicht zeigen und ihre Meinung nicht offensiv vortragen .....

und eben die "Paddeisekretäre" und Langzeit-Funktionäre, die müssen versorgt werden (sde wissen zuviel, aber nicht vom Fach, sondern von den "Internas")

ich bewundere die diplomatie

man kann es ruhig ehrlich sagen: alle im artikel vorgestellten personen waren protektionskinder und hätten am so genannten freien markt nie diese positionen und schon gar nicht diese gehälter erreicht.

wehinger ist überhaupt ein traum. bei den öbb den railchat verbrochen, bei der westbahn das gegenteil getan und jetzt ist ihm stadler noch einen gefallen schuldig. was dann?

der rest von den genannten: no comment!

wer im artikel vergessen wurde? der öbb-boss, der von der politik (schüssel) gefeuert wurde und dann die wirkliche karriere machte.

Gast: Halbwissen
24.08.2012 21:07
16

Und was soll dieser Artikel ?

Konsulenten, Consulter oder Lobbyisten ?

Keiner kann was, keiner hat was, keiner braucht die korrupte Bande !

 
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