Arbeitsmarktservice: Immer Ärger mit der Technik

21.09.2012 | 19:56 |   (DiePresse.com)

Die neue IT-Ausrüstung des AMS sorgte schon bei der Ausschreibung für massive Wickel. Doch jetzt gibt es auch noch Probleme mit dem neuen System. Und Streit wegen Mehrkosten in Millionenhöhe.

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Sagen wir es so: Die Sache stand von Anfang an unter einem denkbar schlechten Stern. Hätte man sich eigentlich denken können, bei einem so großen Projekt. Noch dazu im staatlichen Bereich. Jetzt ist es jedenfalls quasi amtlich: Die neue IT-Ausrüstung für das Arbeitsmarktservice hat den AMS-Chefs Herbert Buchinger und Johannes Kopf nichts als Zores eingebracht. Zuerst wurde ewig lange während des Ausschreibeverfahrens gestritten. Dann schalteten sich das Bundesvergabeamt und der Rechnungshof ein. Das neue IT-System wurde heuer endlich installiert - und es kam zu gewaltigen technischen Problemen. Und jetzt wird auch wegen Mehrkosten in Millionenhöhe gestritten.

Aber der Reihe nach. Die Geschichte beginnt nämlich im Jahre 2002. Damals hatte der Rechnungshof angeregt, das AMS möge doch seine IT-Leistungen neu ausschreiben. Für diese war zu der Zeit noch die Firma amsbg (Arbeitsmarktservice BetriebsgmbH) zuständig. Die Zahlungen an den Generalunternehmer gründeten sich auf im Jahre 1994 vereinbarte Pauschalpreise. Möglicherweise sei ein „wirtschaftlicheres Ergebnis" herauszuholen, meinte der Rechnungshof.

Gesagt, getan - wenn auch mit der staatlichen Institutionen eigenen Behäbigkeit: 2006 beschloss jedenfalls das AMS, die IT neu auszuschreiben. Ende 2008 wurde das auch tatsächlich gemacht. Immerhin. Doch dann gab es nur Probleme. Beworben hatten sich drei Unternehmen: Siemens, T-Systems und IBM. Den Zuschlag erhielt IBM, allerdings erst im September 2011.
Gedauert hat die Sache deswegen so lange, weil die Juristen über ein Jahr am Werken waren. IBM hatte im Sommer 2010 den Zuschlag erhalten, weil das Angebot mit rund 180 Millionen Euro am günstigsten war.
Die unterlegenen Bieter gingen auf die Barrikaden. Nicht nur, weil sie eine Bevorzugung von IBM witterten. Anstoß erweckte vor allem die Tatsache, dass IBM seinen Preis im Rahmen des Bieterverfahrens um 50 Prozent gesenkt hatte.

Rasch vermeinten die Konkurrenten, den Grund für diese wundersame Verbilligung gefunden zu haben: IBM habe bei den Kosten für die Übergangsphase vom alten auf das neue System gespart.

Diese sogenannte „Transition" ist für solch hochkomplexe Projekte von eminenter Bedeutung: Sie gewährleistet, dass IT-Applikationen des bisherigen Dienstleisters vom neuen Auftragnehmer übernommen werden können - damit ein reibungsloser Übergang ermöglicht wird. Für das AMS ist dies doppelt wichtig: Hakt es bei der „Transition", könnte dies Probleme bei der IT-unterstützten Vermittlung von Arbeitslosen verursachen. Oder auch einen Verzug bei der Ausbezahlung der Arbeitslosenunterstützung.

Diese drohende Problematik rief den Rechnungshof auf den Plan. Noch während über die Ausschreibung vor dem Bundesvergabeamt gestritten wurde, warfen die Rechnungshof-Kontrollore ein gestrenges Auge auf die Angelegenheit. Ihr Bericht war ein einziger Alarmruf.
Zitat aus dem Bericht: „Das Arbeitsmarktservice traf bei der Neuausschreibung seiner IT-Dienstleistungen keine ausreichenden Vorkehrungen, um die Risiken eines Übergangs der IT-Dienstleistung auf einen allfällig neuen IT-Dienstleister bestmöglich zu minimieren. Die Gestaltung dieses Übergangs gab das Arbeitsmarktservice nicht im Einzelnen vor." Vielmehr sollte der neue Auftragnehmer nach der Zuschlagsentscheidung ein Feinkonzept für die „Transition" erarbeiten. Details zum Übergang sollten also zwischen altem und neuem IT-Dienstleister ausverhandelt werden. Man muss kein großer Psychologe sein, um da ein enormes Konfliktpotenzial zu sehen. „Risikoreich", warnte der Rechnungshof jedenfalls. Allerdings zu spät.
Der Rechnungshof-Bericht erschien im Oktober 2011. Einen Monat davor hatte das Bundesvergabeamt entschieden, dass es keine Einwände gegen die Zuschlagsentscheidung des AMS gebe. Also IBM. Und der Konzern versprach auch ein schnelleres und effizienteres Betriebssystem.

Es kam, wie es wohl kommen musste: In den vergangenen Monaten gab es massive Probleme mit der neuen AMS-IT. Angeblich sind Daten und E-Mails verloren gegangen, was AMS-Chef Buchinger aber empört dementierte. Vor allem aber betonte er: „Zu keinem Zeitpunkt war die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung gefährdet."
Erwiesen ist allerdings, dass die Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen für den Juli mit mehreren Tagen Verspätung erfolgte. Erraten: wegen EDV-Problemen, die man immer noch nicht im Griff hatte.
AMS-Sprecherin Beate Sprenger findet das alles dennoch ziemlich übertrieben und spricht von „IT-Problemen in Anführungszeichen". Was irgendwie verständlich ist: hat das AMS ja - wie der Rechnungshof konstatierte - durchaus selbst Schuld an der unerfreulichen Situation. Die aber längst keine mehr sei, wie Sprenger betont: „Es gibt nur mehr in kleinen Detailbereichen Adaptierungsbedarf."

Wie auch immer. Neue Probleme sind jedenfalls hinzugekommen, und die sind finanzieller Natur. Klarerweise beschwerte sich das AMS bei IBM - und der Konzern antwortete am 31. August mit einem detaillierten (streng vertraulichen) Schreiben, in dem die Gründe für die Umstellungsprobleme dargelegt werden.
Der Bericht liegt der „Presse" vor, und wie anzunehmen war, lagen die Probleme in der eher dürftigen Zusammenarbeit zwischen dem bisherigen IT-Dienstleister amsbg und IBM. So schreibt der Konzern, er habe „aufgrund des Vorgehens der amsbg über weite Strecken der Transition mit zahllosen unvollständigen, fehlerhaften und verspäteten Teillieferungen umgehen und arbeiten" müssen. „Die Gesamtheit der aktuellen AMS-Anwendungen mit zugehöriger Dokumentation wurde nie vollständig übergeben", heißt es.

Schlimm für IBM - aber nicht nur. Der Konzern schreibt nämlich von „signifikanten und unvorhersehbaren Mehrkosten" durch die Probleme. Und beziffert sie mit rund 4,5 Millionen Euro.
Das AMS denkt aber offenbar nicht daran, diese zusätzlichen Kosten zu übernehmen. Am 6. September wurde also ein eher nicht so freundlicher Brief an die amsbg verschickt. Darin heißt es: „Der Vollständigkeit halber erlauben wir uns den Hinweis, dass die IBM diese Mehraufwände und Schäden formal uns gegenüber geltend macht, wir diese aber an Sie bzw. den bisherigen Dienstleister durchreichen müssten."
Der nächste Streit bahnt sich also an. Der letzte?

 

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17 Kommentare
Gast: exIB
01.10.2012 11:26
0

Transition Probleme?

Viele Probleme hatten nichts mit der Transition zu tun, sondern waren IBM hausgemacht z.B.:
- wenn Brünn einen Netzwerklink niederbügelt und schon nach 4 Stunden es merkt oder
- in Polen jemand einen Fix einspielt und nicht nachschaut ob dann die Server noch laufen!
Das Interesse am Kunden sinkt mindestens mit dem Quadrat der Entfernung.

Das wird also immer wieder passieren!

Macht doch nichts!

Hauptsache ist doch, dass die do. Beamten die arbeitswilligen Arbeitslosen sekieren können. Richtig?

Gast: exIB
24.09.2012 12:15
0

Outsourcing

Immer die ähnlichen Probleme - der Auftraggeber glaubt alle Versprechen des Auftragnehmers ohne diese genauest schriftlich im Vertrag festzuhalten und mit den notwendigen Pönalen zu versehen - auch schon für die Übergangsphasen.
Wenn diese Kleinigkeiten nicht vorhanden sind braucht der Auftragnehmer sich immer nur mehr auf die fehlende Dokumentation oder mangelnde Zusammenarbeit auszureden. Bei der Kalkulation wurde sowieso immer davon ausgegangen dass keine Doku vorhanden ist und die ehemaligen Betreiber durch die bevorstehende Kündigung nur mehr im Notbetrieb laufen.
Trotzdem Vorteil AMS - man hat dann wieder ein paar exAMSBG'ler zu betreuen.

Gast: I-FAN
23.09.2012 11:39
0

Kolloboration

wobei Transition in diesen Fall eine vornehme Umschreibung für Chaos und Desaster ist, wenig Leistung aber viel Chuzpe !



Antworten Gast: hörbört
23.09.2012 15:37
0

Re: Kolloboration

tja werner, der Kolloboratör hat's schwör ...

jede transition im edv-bereich ist schwieriges ....

und umfangreiches projekt.

wenn bei einer gesamtsumme von 180 mio euro dabei nur 4,5 mio mehrkosten (verursacht durch den alten auftragnehmer) anfallen, ist das ok.

jeder architekt kalkuliert bei einem bau eines einfamilienhauses mit 15% für unvorhergesehenes.

beim skylink schwechat oder beim flughafen berlin kann das bis zum doppelten der projektkosten ausmachen.

Das EDV System....

...ist noch das geringste "Problem" des AMS. Diese Organisation müsste generalreformiert werden, angefangen von den für leistungswillige Arbeitslose unsinnigen (Zwangs-)Kursen bis zu den dubiosen "Sozialökonomischen Betrieben" und den dort vergebenen "Transitarbeitsplätzen", etc etc

Re: Das EDV System....

Man muss aber bedenken,dass das AMS nur das exekutieren kann und vor allem muss,was ihm von Seiten der Politik vorgeschrieben wird.Das ist zu 100% und ausschließlich,die offiziellen Arbeitslosenzahlen mit Hilfe jeder nur denkbaren Manipulation so gering wie möglich zu halten.Nur dann kann sich der jeweils amtierenden Sozialminister (und dabei ist völlig egal ob rot oder schwarz)am Monatsbeginn hinstellen und verkünden,wir hätten trotz Krise weiterhin die geringste Arbeitslosenrate in der gesamten EU.Für diese Meldung ist kein Preis zu hoch und dem wird alles übrige untergeordnet.Sämtliche Zwangskurse,SÖB-u.Transitarbeitsplätze dienen nur diesem Zweck und der Verschleierung der tatsächlichen Zahl und jeder der sich halbwegs mit dem Thema beschäftigt hat,weiß das auch.Korruption muss nicht immer nur mit einem Geldbetrag verbunden sein,korrupt kann auch ein ganzes System sein und unseres ist so korrupt,dass eine Korrektur nicht mehr realistisch erscheint.

Gast: Markus Trullus
22.09.2012 09:19
2

So ticken wir... die zweite...

Wie ich im Fall Rotes Kreuz postet: es ist die korruptive Ausschreibungspraxis, die echte, ehrliche Ausschreibungsprozesse verhindert. Die Politik selbst ist vollkommen Verkorrumpiert ; auch hier sind scheinbar Anbieter zum Zug gekommen mit dem Hintergrund, politisch "gewollt" zu sein oder das "Kuvert" hinterlegt, oder auch auf dubiosen Jagdausflügen ausgehandelt worden zu sein.... SO Tickt eben dieses Land: "Mir werdn kaan Richter brauchn"! Und die Ausschreibepraxis im AMS habe ich selbst erlebt. Perfekt vertuscht, juridisch kaum angreifbar, aber korrupt bis in die Knochen....

überall wo staat drauf steht,

ist chaos drin.

wenn das jemand verantworten müßte, ...

der nur bis 3 zählen kann, hätt uns das ein vielfaches davon gekostet.

Re: wenn das jemand verantworten müßte, ...

wissen sie, eigentlich hab ich ja geschwindelt, ich kann tatsächlich nur bis 2 zählen. aber auch das reicht aus, um beurteilen zu können, dass der staat und die ihm zugeordneten, verbundenen usw. betriebe mit steuergeld mehr als fahrlässig umgehen.

Regressansprüche ...

--- an eine Firma, die wegen der verlorenen Ausschreibung zusperren muss ??? Detailinfos und gute Zusammenarbeit mit einer Firma und deren ca. 250 Mitarbeiterinnen, die deshalb zusperren muss ??? Was stellen die sich vor? Hoffentlich funktioniert die EDV, damit sich die o.g. Personen schnellstmöglich beim AMS anmelden können und einen neuen Job vermittelt bekommen ..... ja, lieber AMS-Vorstand, hoffentlich habt ihr in Zukunft noch einen Job.

keine skills

ich habe noch nie erlebt, dass in öffentlichen bereichen aufträge ohne schlampigkeiten, oder umwege mangels planung über die bühne gegangen sind. zumeist läuft alles dilettantisch, langsam und unprofessionell ab.
mE ein kardinalsfehler das ibm-angebot anzunehmen und experten oder dem rechnugshof nicht gehör zu schenken.

Gast: gast1984
21.09.2012 21:53
0

Das alles teuer wird, immer wenn man neu ausschreibt...tzz!


Gast: nuja
21.09.2012 21:27
8

Typisch AMS

Naja, was will man auch anderes erwarten?
Man hat mich 2000 herum drei mal hintereinander in dem selben Kurs gesteckt.
"Neustart-Bewerbungstraining"
Im ersten Kurs in NK gab es nur einen PC und der war defekt.
Im zweiten Kurs in WN gab es drei PC aber ohne Internet, da defekt.
Da ich nicht in Österreich aufgewachsen bin, spreche ich kein Englisch. Sämtliche Begriffe waren Englisch, meinen Wunsch mir diese in Deutsch zu erklären wurde primitivst und kategorisch abgelehnt! Mein Kurswunsch Englisch wurde seitens des AMS immer abgelehnt!!! Sehr sinnvol...
Beim dritten Kurs "Neustart-Bewerbungstraining" war ich dann leider im Dauerkrankenstand.
Seitdem war ich nie wieder beim AMS gemeldet. Zum Glück!

Re: Typisch AMS

...wenn man bedenkt, wer die alle bezahlt..,und wenn man bedenkt,was da alles geschieht...,
wird einem leicht übel.

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