Verbund: Elektrisierende Deals im Dunkeln

25.01.2013 | 18:25 |  Von Hanna Kordik (Die Presse)

Der Stromkonzern Verbund will einen Vorstand loswerden. Prompt ergibt sich eine unglaublich günstige Gelegenheit: In der Netzgesellschaft APG wird ein Posten geschaffen. Zu gleichen Konditionen.

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Dinge ändern sich mit der Zeit. Vorsätze zum Beispiel. Oft geht das auch recht schnell. Bei der APG zum Beispiel. Dem größten Stromnetzbetreiber des Landes.

Dort ist Folgendes „passiert“. Der langjährige Vorstand des Unternehmens, Heinz Kaupa, ist Ende 2012 in Pension gegangen. Das ist nichts Ungewöhnliches, Kaupa ist 65 Jahre alt. Blöderweise stand aber sein Vertrag im September 2011 zur Verlängerung an. Es kam also zu einer Interimslösung: Kaupas Vertrag wurde um ein Jahr verlängert. Weil das keine allzu lange Zeit ist, wurde auch gleich ein drittes Vorstandsmitglied bestellt. Mit dem Wissen, dass sich der Vorstand rund ein Jahr später, mit Kaupas Pensionierung, wieder auf zwei Personen reduzieren würde. Wie all die Jahre zuvor. Folgerichtig teilte das Unternehmen auch hochoffiziell mit: Es handle sich um eine „zeitlich begrenzte Erweiterung des Vorstandsteams“.

Schnee von gestern. Vergangenes Wochenende hat die APG den Posten von Heinz Kaupa ausgeschrieben. Die Tätigkeit umfasse „die Führung des Gesamtunternehmens gemeinsam mit den beiden anderen Vorstandsmitgliedern“.

Seltsam? Das sieht APG-Aufsichtsratschef Erhard Schaschl absolut nicht so: Der dreiköpfige Vorstand habe sich im vergangenen Jahr „wirklich bewährt“. „Ich bin eigentlich ein Fan von kleinen Vorstandsteams“, sagt Schaschl, „aber das Aufgabengebiet der APG ist schon sehr gewachsen.“ Es gebe intensivere Kontakte mit der EU, eine höhere Verantwortung, und außerdem seien mit der Zeit „Stromleitungen immer wichtiger“ geworden.

Das leuchtet natürlich ein.

Man könnte es freilich auch so sehen: Die APG gehört zu 100 Prozent dem Stromkonzern Verbund, an dem wiederum die Republik Österreich 51 Prozent hält. Und in so einem Staatskonzern herrschen natürlich ganz eigene Gesetzmäßigkeiten.

Wie's der Zufall so will, stehen auch im Verbundkonzern die Verträge aller vier Vorstände zur Verlängerung an. Und dort ist es ein offenes Geheimnis: Die drei Vorstände Wolfgang Anzengruber, Günther Rabensteiner und Hannes Sereinig bleiben dem Konzern erhalten. Doch der Sessel von Ulrike Baumgartner-Gabitzer wackelt gewaltig.

Warum? Baumgartner-Gabitzer sei im Verbund-Vorstand immer schon eine Art „Fremdkörper“ gewesen, heißt es dort. Weniger, weil sie einst Kabinettschefin von Wolfgang Schüssel war – nein, solch Karrieren sind in der Strombranche beileibe nicht ungewöhnlich. Vielmehr war es so, dass Baumgartner-Gabitzer es offenbar schwer hatte, sich auch als Verbund-Vorstand von der Politik zu lösen: Sie war bis zum Mai 2009 Obmann-Stellvertreterin der ÖVP Wien. Den politischen Job hat sie also zweieinhalb Jahre lang parallel zu ihrem Verbund-Job ausgeübt.

Jetzt kommt es jedenfalls zum Unvermeidlichen: Im Verbundkonzern wird dringend ein Finanzvorstand gesucht, und Baumgartner-Gabitzer ist diejenige, die ihm wird Platz machen müssen. Sie aber einfach fallen zu lassen, geht natürlich auch nicht. Erraten: Sie soll, wie in ÖVP-Kreisen munter erzählt wird, neue APG-Chefin werden.

Baumgartner-Gabitzer selbst will die Rochade freilich nicht so definitiv sehen. Eh schon wissen: Der Job ist ja erst ausgeschrieben worden, und andere sollen sich ja auch bewerben können. „Die APG ist ein interessantes Unternehmen“, sagt sie also, „ich habe mich aber noch nicht entschieden, ob ich mich bewerben werde.“

In Wahrheit ist die Sache natürlich schon längst fix abgemacht: So fix, dass Baumgartner-Gabitzer bereits am 18. Jänner ihr Aufsichtsratsmandat bei der APG zurückgelegt hat – um keine schiefe Optik aufkommen zu lassen. Drei Tage davor hat sie allerdings in ebendiesem Aufsichtsrat mitgestimmt, dass der Posten neu ausgeschrieben wird.

Und am 28. Februar wird der Posten auch offiziell vergeben. Dienstantritt ist allerdings erst der 1. Jänner 2014.

Angesichts der immensen Notwendigkeit eines dreiköpfigen Vorstandes für die APG ist das schon eine ziemlich lange Durststrecke. Aber auch die hat ihren Sinn.

Der Plan ist nämlich der, dass Ulrike Baumgartner-Gabitzer per Jahresmitte ihren Vorstandsjob beim Verbund quittieren wird. Und dann gibt es noch eine per Gesetz vorgeschriebene Periode von einem halben Jahr, in der sie den neuen Job nicht antreten darf. Der Netzbetreiber APG ist nämlich strikt vom Produzenten Verbund zu trennen. Ein Verbund-Vorstand darf also nicht nahtlos in die APG wechseln.

Doch auch für diese kleine Unannehmlichkeit wurde bereits Vorsorge getroffen: Ulrike Baumgartner-Gabitzer wird für die Dauer des halben Jahres einen Konsulentenvertrag erhalten. Bestens bezahlt, selbstverständlich.

Das gilt auch für ihre weitere Zukunft: Bei der APG wird sie die gleiche Gage wie beim Verbund erhalten – rund 400.000 Euro im Jahr. Deutlich mehr als das übliche Gehalt eines APG-Vorstandes.

APG-Aufsichtsratspräsident Schaschl kann das selbstverständlich alles „nicht bestätigen“. Er legt Wert darauf, dass Verbund und APG voneinander „völlig unabhängige Unternehmen“ seien, „da gibt es eine glasklare Trennung“. Für den neuen Job werde ausschließlich die Qualifikation entscheiden. Und: „Ich bin der Garant dafür, dass für die Firma die beste Lösung gefunden wird.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2013)

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42 Kommentare
 
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Empörung über "Postenschacher" bei Stromkonzern

das Peter Prinzip kurz formuliert.
Man befördere jemanden solange bis er seine Unfähigkeit bewiesen hat.

Statistisch gesehen haben Systeme ab etwa 1960 in den Staaten der EU soviel Schaden dem Volk angerichtet, dass es möglich wäre die gesamten Staatsschulden jeden Staates damit zu finanzieren.

Alle Systeme sind in ihrer verfahrensweise als völlig annonym anzusehen. Sie verstecken sich hinter selbst gemachten zum Schutze des Systems gemachten Gesetze, um diese von Angriffen durch ausserhalb des Systems stehenden zu schützen.
Das ganze nennt man dann systemrelevantes Verhalten.

Man erkennt das Ende eines Systems daran, dass es in verstärkter Form Gesetze produziert die nichts anderes sind als eine reine Disziplinierung des Indivuums im System.

Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.




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... Transparenz ...

... bedeutet für unsere Politiker, die Bürger erfahren schneller von der Freunderlwirtschaft, es ist jetzt transparent aber ändern oder abgestellt wird der Postenschacher noch lange nicht. Wo bekäme sonst der willfährige Günstling einen Job, in der Privatwirtschaft wahrscheinlich nicht.

Gewachsen ...

... ist anscheinend vor allem der Bedarf an Posten für Partei-Günstlinge.

Aber man wird bei einer Umfärbungsaktion hier sicher wieder einmal viel Geld in die Hand nehmen für Abfertigungen, neue Posten und ähnliches, was für den Normalbürger unerreichbar ist ...

Aber wir haben es ja. Gell, Herr Faymann, Herr Spindelegger und wer da sonst noch mitmischt ;-)

Nicht vergessen: Wahltag ist Zahltag!

Die meisten Pöstchen sind VÖLLIG entbehrlich !!


Doch so weit zu denken erfordert neben Intelligenz auch RÜCKGRAT !!!

Peter Terium würde sicherlich sagen ''Das ist doch kein Postenschacher

das ist nur eine legitime Unterwanderung der Verbund-Netztochter Austrian Power Grid, durch die österreichischen Freunde der RWE.
.-)

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Aufregen

werden sich immer nur die, welche gerade nicht begünstigt werden. Wenns darum geht einem Grünen ein schönes Posterl als Beauftragter für was auch immer zu verschaffen, da herrscht dann plötzlich über allen Wipfeln Ruh...

Re: Aufregen tun sich die Grünen,

aber sie wissen genau was sie wollen:
"Liebe Rot-Schwarze Proporzkoalition ist ihre Bitte:"Lasst uns sein im Bunde der Dritte"! Die Grünen sind keine Alternative, noch mehr Proporz wünschen sie, nur für Grünschnäbel!!!


SPÖ

S = Sichert
P = Prinzlingen
Ö = Österreicherjobs

SPÖVP im Machtrausch

spüren den Eiswind, der ihnen bei den Wahlen ins Gesicht blasen wird und betonieren ihre Eckpflöcke ein - die gehören allesamt aufgelistet und nach den Wahlen fristlos entlassen. Wobei die Prinzlinge und Politprinzessinnnen das Gehalt der letzten 24 Monate inklusive Zinseszins zurückzuzahlen haben.


Jede Bewerbung beim Staat und seinen Ablegern ist sinnlos, wenn man nicht politisch vernetzt ist !

Und das ist es, was wirklich verärgert- dass man als Steuerzahler ohne Politbindung so überhaupt keine Chance in dem Verein hat, den man lebenslang mitfinanziert- das macht sowas von wütend !

5 0

ohne einen unterstützer

egal ob irgendeine partei oder ein lieber onkel in entsprechender position ist heutzutage eine bewerbung sinnlos!!!

3 0

der Verbund als Gutmensch

hängt sich gerne das Mäntelchen einer ach so sozialen Firma um und schreibt seinen Kunden welche Wohltaten er leistet. Das lenkt ja so schön ab von den Sauereien die offenbar innerhalb der Staatsfirma so laufen. SPÖVP ist widerlich und die Sozen sind der Gipfel an Verlogenheit!

Ein Fall für den Staatsanwalt

Was weiß Baumgärtner Gabitzer aus der Zeit im Korruptionskabinett von Schüssel, dass sie so schamlos versorgt wird. Wenn sie den Job in der APG bekommt, sollte sich Aufsichtsratchef Schaschlik gleich bei der Korruption STA melden.

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demnächst

es darf gehofft werden, daß bei nächster wahl dank stronach änderungen eintreten.

Re: demnächst

ein aberglaube !

Ja- ich denke, dass sich was ändern wird und ändern muss !

Ob mit Stronach oder den Mutbürgern- egal......nach den kommenden Wahlen sind die Karten garantiert neu gemischt- und JEDER, der heute aus politischen Gründen in einer wichtigen Funktion sitzt, wird vollkommen neu und NUR nach den vorgewiesenen Qualifikationen beurteilt werden- und wenn die net passen, dann "auf Wiederschaun".......ohne wenn und aber.......nur so kann man den Glauben der Steuerbürger an ihren Staat wieder erneuern und diese auch wieder zu aktiver Mitarbeit überreden !

APG-Aufsichtsratspräsident Schaschl ....

gehört sofort in u-haft genommen, wenn die schüssel-ulrike tatsächlich bestellt wird.

untreue ist ein ernstes delikt. und die glasklare bestellung einer "bevorzugten günstlingsperson zu doppelt überhöhtem gehalt" ist untreue.

schaschl sitzt dort nämlich - durchgerechnet - zu 51% für den österreichischen steuerzahler.

Was hat die Republik Österreich dort verloren?

Albanien, Bulgarien, Frankreich, Italien, Rumänien, Türkei.

http://www.verbund.com/cc/de/ueber-uns/geschaeftsbereiche/international

http://www.verbund.com/cc/de/investor-relations/aktien-informationen/aktionaersstruktur

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...gähn ...

und wieder mal eine schamlose freunderlversorgung durch ÖVP und SPÖ ... kotz ... ich merks mir für Herbst und werde versuchen so viel wie möglich davon zu überzeugen nicht diese beiden Selbstbedienungsparteien zu wählen

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Re: ...gähn ...

gerade jetzt gibts wieder ein "Personenkommitee" zur Wiederwahl von Pröll. Vorallem da abzusehen ist, dass dieser Herr auch mit einer relativen Mehrheit weiter am Ruder bleibt, ist das doch nur ein Andienen bzw. Anfüttern zur Gunsterweisung nach der Wahl. Das wird sogar noch öffentlich zur Schau gestellt, unbehelligt von irgendwelchen dubiosen Korruptionsstaatsanwaltschaften, welche auf dem einen Auge der Offizialdelikte anscheinend erblindeten. Manus manus lavat.

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Was ist daran neu ?


Was ist daran einzigartig ?

Z.B. beim ORF war und ist das doch auch immer schon die Norm.

Wo Staat draufsteht (oder Land oder Gemeinde oder Krankenkassa oder Kammer oder oder oder) ist Vetternwirtschaft und Korruption drin.

Österreich ist und bleibt die Korruptionsoase in der EU.

Aktien

Die Verbund AG notiert an der Wiener Börse.
Kann nur jedem, der noch Aktien von diesem Verein im Portfolio hat, den Rat geben diese Aktien sofort zu verkaufen.
Es ist total sinnlos an einer Firma beteiligt zu sein, die nicht betriebswirtschaftlich geführt wird.

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Re: Aktien

Ich bin schon lange draußen. Die Gründe:
Der Markt ist zu klein, deswegen ist die Marktmanipulation rel. kostengünstig. Freunderlwirtschaft unter den Großaktionären, Gesellschaften mit wirklichem Streubesitz gibt's de facto nicht. Die Aufsicht ist "unterm Hund". All diese Gründe betreuten ein hohes Risiko für den Kleinanleger.

Short:

OMV, Verbund, EVN, Erste, Raiffeisen, Telekom Austria, Voest,.....

wenn nicht gerade ein Shorting-Verbot besteht.

Gibt's eigentlich in Österreich bedeutende Unternehmen, bei denen nicht der Staat seine Finger im Spiel hat?

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Re: Short:

VOEST

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"In der Netzgesellschaft APG wird ein Posten geschaffen. Zu gleichen Konditionen."

Natürlich und dieser Typ ist selbstverständlich unbedingt notwendig und streicht deshalb auch ungefähr das 50-fache eines Normalverdieners ein.

Mir gefallen immer die Rechtfertigungen warum das so ist. Er "trägt ja die Verantwortung" und ähnlicher Schmus.

Aber was soll's das Einkommen von dem ist eigentlich eine Kleinigkeit. Das Blödsinnige dabei ist ja, daß sich solche Leute ja selbst einbilden, daß sie was weiß ich für wichtig sind. Und dann kommt die wirkliche Tragödie, dann entscheiden diese Nullnummern noch irgendwas, dessen Tragweite außerhalb deren Erkenntnis liegt und dann sind halt die Milliardendebakel da! Warum schafft man halt nicht irgend ein Ministerium, oder sonstige Institution mit bombastischen Namen, wo sich keiner etwas darunter vorstellen kann und legt dort diese ganzen Nieten ab. Von mir aus mit einem fürstlichen Gehalt. Aber das ist immer noch billiger als wenn diese Idioten was entscheiden und uns dann auf den Kopf fällt!

 
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