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Gourmettheater: Fressen oder gefressen werden

Gourmettheater Toni Mörwald a
Gourmettheater Toni Mörwald a / Bild: (c) Michaela Seidler 

Das alteingesessene Palazzo tischt jetzt Toni Mörwald als neuen Starkoch auf. Doch dessen Vorgänger Reinhard Gerer ist auch nicht faul: Er kocht jetzt für Teatro – den neuen Palazzo-Konkurrenten.

 (Die Presse)

Am Wiener Gourmettheater Palazzo scheiden sich die Geister: Viergängemenüs mit Showeinlagen polarisieren offenbar ordentlich. Die einen sind begeisterte Anhänger der lukullischen Events – Motto: Ist mal was Originelles. Andere wiederum lehnen so ein Spektakel vehement ab – Motto: Da gehen nur Leute hin, die sich nichts zu sagen haben.

Wie auch immer: Ein wirtschaftlicher Erfolg ist das Palazzo allemal. Die Tickets für hundert Euro und mehr werden gerne für Firmenevents, Weihnachtsfeiern oder auch als Weihnachtsgeschenke gekauft. „Wir sind in den vergangenen zehn Jahren sehr zufrieden mit der Auslastung gewesen“, sagt auch Palazzo-Sprecherin Anna Katzdobler.

Am 30. Oktober startet für Palazzo die elfte Saison. Und da wird es spannend, weil alles anders wird. Haubenkoch Reinhard Gerer hat das Unternehmen nach zehn Jahren verlassen. Sein Nachfolger ist der nicht minder prominente Toni Mörwald.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Just jener Toni Mörwald, der zu den Palazzo-Anfängen gemeinsam mit Reinhard Gerer gekocht hat. Jener Toni Mörwald, der das Unternehmen nach nur zwei Jahren im Streit verlassen hat. Jener Toni Mörwald, gegen den Palazzo fünf Jahre lang prozessiert hat.

Doch das Kriegsbeil ist ganz offensichtlich verscharrt worden. Ging wohl auch nicht anders: Nach Reinhard Gerers abruptem Abgang musste ein ebenso prominenter Ersatz her. Da lag Toni Mörwald wohl auf der Hand: Dank seines unerschütterlichen Drangs zur Selbstvermarktung gehört er jedenfalls zu den bekanntesten Köchen des Landes.

„Wir freuen uns sehr, Toni Mörwald als kulinarischen Partner an unserer Seite zu wissen“, frohlockte Palazzo-Geschäftsführer Folkert Koopmans denn auch vor einigen Monaten in einer Presseaussendung.

Friede, Freude, Eierkuchen, also. Wäre da nicht ein anderes Problem, das sich mittlerweile aufgetan hat: Palazzo bekommt heuer erstmals Konkurrenz. Und zwar von der beinharten Sorte. Vorhang auf für das neue Teatro. Im Nachhinein ist man natürlich immer klüger – aber das hätte die Palazzo-Mannschaft kommen sehen müssen. Denn erstens hat sich Starkoch Reinhard Gerer seinerzeit angeblich nicht gerade im besten Einvernehmen vom Palazzo getrennt. Und zweitens hat er damals auch angekündigt, sich einem neuen Projekt widmen zu wollen.

Im Frühjahr wurde jedenfalls die Teatro Gourmettheater GmbH gegründet. Sie gehört zu 55 Prozent Josef Donhauser – bekannt als jahrelanger Caterer der ÖBB. 15 Prozent gehören Thomas Bergmayr. Und 30 Prozent Oliver Jauk, der über jede Menge Palazzo-Insiderwissen verfügt: Jauk war von Anfang an für das Palazzo-Marketing zuständig, kennt also seinen früheren Arbeitgeber und nunmehrigen Konkurrenten in- und auswendig.

Vor allem aber: Gekocht wird bei Teatro von niemand Geringerem als Reinhard Gerer. „Wir brauchen den großen Gerer“, sagt Jauk. Außerdem werde er mit Gourmettheater assoziiert.

Das bedeutet natürlich Krieg. Wiewohl Palazzo-Sprecherin Katzdobler betont: „Konkurrenz ist in jedem Fall immer auch positiv und belebt das Geschäft.“ Palazzo müsse „keinesfalls Angst haben“. Teatro-Mann Oliver Jauk sieht das freilich anders: „Das ist in Wahrheit ein dreifacher Krieg. Da geht es um Niederösterreich gegen Wien. Da geht es um Österreich gegen Deutschland. Da geht es um Mörwald gegen Gerer.“

Zum besseren Verständnis: Mörwald ist Niederösterreicher. Gerer ist Steirer. Aber: Gerer ist mit Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl befreundet, Mörwald kann auf die Zuneigung von Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll bauen. Womit der Krieg auch irgendwie einer zwischen ÖVP und SPÖ ist – wie könnte es in Österreich anders sein.

Der von Jauk behauptete Krieg Deutschland versus Österreich wiederum hat folgenden Hintergrund: Palazzo gehört seit 2008 einem deutschen Konzern. Was schlussendlich für Jauk auch den Ausschlag gab, das Unternehmen zu verlassen: „Die Betreuung von Gästen kann man nicht von Hamburg aus bewerkstelligen.“

Tatsache ist: Die neue Palazzo-Konkurrenz belebt tatsächlich. Die Messer fliegen tief.

Teatro hat jedenfalls gleich von Anfang an zum Kampf geblasen: Das neue Gourmettheater, das bei den Gasometern sein Zelt aufschlagen wird (Palazzo residiert beim Wiener Prater), startet am 25. Oktober. Fünf Tage vor dem Palazzo. Mit gleichen Eintrittspreisen, gleichen Vorstellungszeiten, gleicher Show-Dauer.

Palazzos Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten: So hat sich Teatro gleich im Frühjahr auf Plakaten mit „das Wiener Original“ beworben. Und wurde postwendend von Palazzo geklagt. Dort heißt es, dass es schon ziemlich kühn sei, als Zweiter auf dem Markt den Begriff „Original“ auch nur in den Mund zu nehmen. Jauk kontert: „Wir sehen die Klage sehr gelassen. Sowohl Reinhard Gerer als auch ich waren von Anfang an beim Gourmettheater (sprich: bei Palazzo, Anm.) dabei.“ Zusatz: „Aber wir behaupten ja gar nicht, dass wir die Ersten, sondern dass wir in Wien stark verankert sind.“

Womit wir beim nächsten Streitpunkt wären: bei der Auswahl der Lieferanten. Palazzo wirbt mit „köstlicher, regionaler Küche auf Basis erstklassiger Grundprodukte handverlesener Lieferanten“. Teatro-Mann Jauk betont: „Wir konzentrieren uns auf lokale, Wiener Lieferanten.“ Das Mineralwasser werde von Römerquelle geliefert, der Kaffee von Meinl, der Sekt kommt von Hochriegl, der Wein aus Wien.

Beide behaupten vom jeweiligen Gegner, dass dieser seinen Lieferanten verbiete, auch den Konkurrenten zu beliefern. Beide streiten das für sich vehement ab. Ein Mysterium.

Bleibt die Frage, ob der Wiener Markt groß genug für zwei Restaurants mit Varieté ist. Teatro-Mann Jauk gibt sich da erst gar keinen Illusionen hin: „In ein, zwei Jahren wird sich zeigen, wer von uns beiden in Wien bleiben wird.“

Bis dahin muss die Show freilich weitergehen. Contenance bewahren, lautet die Devise. Gestern, Freitag, lud Toni Mörwald zur Feier seines 25-Jahre-Berufsjubiläums ins niederösterreichische Feuersbrunn. Auf der Gästeliste: Reinhard Gerer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2013)

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1 Kommentare

so ein haufen bullshit von selbsternannten "profis" "stars" und "prominenten" bullshitters!!! *gähn* keiner von den beiden kann wirklich kochen, nur viel bla bla bla und wie so oft in wien vieeeel viel trug und schein!!!


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