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Jobs: Der (Minister-)Sekretär hat's schwer

20.02.2009 | 20:01 | HANNA KORDIK (Die Presse)

Früher bekamen Ex-Ministersekretäre Spitzenjobs in den Vorstandsetagen von Staatskonzernen. Heute ist die Ausbeute deutlich magerer. Der zu verteilende Kuchen ist gegessen.

Es gibt „keine Verwendung“ für ihn. So sagt man im Parteijargon. Und das heißt nichts anderes, als dass sich für einen eigentlich treuen, fleißigen und fachlich durchaus versierten Mitarbeiter kein sinnvoller Job finden lässt. Für Ralf Böckle gibt es also „keine Verwendung“. Da hilft's auch nicht, dass er einst in den Kabinetten der ÖVP-Minister Maria Rauch-Kallat,Martin Bartenstein und Wolfgang Schüssel gearbeitet hat. Zuletzt war er sogar Kabinettschef von Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer.

In der ÖVP heißt es hinter vorgehaltener Hand, Böckle werde wohl in der Politischen Akademie unterkommen. Bis er in die USA übersiedelt, zwecks Studiums.

Sein Alter Ego in der letzten Regierung, der Kabinettschef von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer,erlebt auch keine Schwindelanfälle auf der Karriereleiter: Johannes Schnizer darf zwar hoffen, dereinst im Verfassungsgerichtshof unterzukommen, heißt es in der SPÖ. Aber derzeit sei er beruflich noch in der Warteschleife.

Die Zeiten haben sich ganz offensichtlich geändert. Früher war der Job des Ministersekretärs noch ein Garant für einen späteren Spitzenposten – hoch dotiert, natürlich. Und heute? Am Beispiel der Kabinette von Gusenbauer und Molterer zeigt sich: Glamourös ist anders. Eine Handvoll ihrer einstigen Mitarbeiter ist in den Büros der politischen Nachfolger geblieben. Einige sind durchaus „versorgt“ worden – allerdings mit nicht wirklich aufsehenerregenden Jobs. Und der Rest muss selbst schauen, wo er (sie) bleibt.

Alfred Gusenbauers ehemaliger Sprecher Stefan Pöttler hat sich mit der „Provenio Kommunikations GmbH“ selbstständig gemacht. Sein Kollege Sven Pusswald ist in der Abteilung Kommunikation der OMV gelandet. Kabinettsmitarbeiter Robert Leingruber wechselte zum Signa-Konzern des Immobilienunternehmers René Benko.Waltraud Orthner, die einst von der Gemeinde Wien ins Bundeskanzleramt gewechselt hat, sitzt jetzt in der Wienbibliothek im Rathaus. Auch Helene Schuberth ist zu ihrem früheren Arbeitgeber, der Nationalbank, zurückgegangen. Gusenbauer-Sportreferent Christoph Schuh wiederum soll sich für einen Job bei den Lotterien interessieren – dort weiß man allerdings nichts davon. Immerhin: Gusenbauers außenpolitischer Berater Bernhard Wrabetz soll gute Chancen haben, Botschafter in Portugal zu werden.

Da hat sich Molterer offenbar mehr für seine Adepten eingesetzt – wiewohl er keine Berge versetzen konnte: Lorenz Birklbauer startet gerade als neuer Lobbyingchef bei der OMV (wiewohl der Konzern Stein und Bein schwört, dass es keine politische Einflussnahme bei der Bestellung gab). Eva-Maria Liebmann ist Finanzattachée in der Botschaft in Washington. Helmut Brandl wurde Geschäftsführer der neuerdings ins Gerede gekommenen Buchhaltungsagentur. Der frühere Molterer-Sprecher Harald Friedl wechselt per 1. März in die EU-Kommission nach Brüssel, in die Generaldirektion für Außenbeziehungen. Friedl war einst Redenschreiber von EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner, sagt aber, dass er den neuen Job ausschließlich dank seiner Eigeninitiative bekommen habe – Fürsprache seitens der Politik habe es keine gegeben. Seinen Kollegen Jürgen Beilein hingegen hat es zur PR- und Lobbyingagentur Hofherr Communications gezogen.

Das waren halt noch Zeiten, als die einstigen Ministersekretäre noch ungeschaut in die Vorstandsetagen großer Staatskonzerne gehievt wurden. Wir erinnern uns noch zu gut: an Leo Wallner zum Beispiel, der nach vier Jahren als wirtschaftspolitischer Berater von ÖVP-Kanzler Josef Klaus Casinos-Chef wurde. Oder an Beppo Mauhart, der vom Vorzimmer von SPÖ-Finanzminister Hannes Androsch in den Vorstand der Austria Tabak wechselte. Auch ein gewisser Franz Vranitzky war Androsch-Sekretär, ehe er in der Creditanstalt und der Länderbank Karriere machte. Die späteren Vranitzky-Sekretäre Max Kothbauer und Hannes Sereinig kamen später in der CA bzw. im Verbund-Konzern unter. Gerhard Zeiler, einst Sekretär von SPÖ-Bundeskanzler Fred Sinowatz, wurde später ORF-General.

Herrlich. Und größtenteils auch durchaus legitim, findet Politikberater Thomas Hofer:„Ministersekretäre erwerben sich ja ein großes Fachwissen. Das Know-how wird heutzutage viel zu wenig strategisch genützt.“ Politologe Fritz Plasser weiß, warum: „In der Politik gibt es heute eine weit größere Sensibilität als früher. Der sogenannte Postenschacher ist über die Jahre halt zu einem Reizthema geworden.“ Wiewohl da aus der Not auch eine Tugend gemacht wird, wie Plasser einräumt: „Es gibt einfach nicht mehr so viele Staatsunternehmen, in denen Leute untergebracht werden könnten. Und die, die es noch gibt, arbeiten hochgradig kompetitiv.“ Soll heißen: „In solchen teilstaatlichen Unternehmen arbeiten mittlerweile Manager, die politischen Sendboten äußerst skeptisch gegenüberstehen.“

Der zu verteilende Kuchen ist also so gut wie gegessen. In der jüngeren Geschichte schaffte es noch Kurt Pribil,der ehemalige Sekretär von Wolfgang Schüssel, in die Chefetage der Finanzmarktaufsicht. Christoph Stadlhuber avancierte in die Bundes-Immobiliengesellschaft und Johannes Kopf in das Arbeitsmarktservice (beide Exsekretäre von Martin Bartenstein). Und nicht zu vergessen die äußerst umtriebigen FPÖ/BZÖ-Minister Ursula Haubner und Hubert Gorbach: Die Grünen erstellten einst eine elendslange Liste von Mitarbeitern der sogenannten Wenderegierung, die karrieretechnisch auf die Butterseite gefallen sind.

Davon kann ein Gutteil der einstigen Gusenbauer- und Molterer-Adlaten nur träumen. Erzählt ein früherer Molterer-Mitarbeiter: „Als ich den Job als Sekretär bekommen habe, haben mir meine Freunde gratuliert, weil ich angeblich beruflich ausgesorgt hätte. Sehr witzig.“


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