Darf er das überhaupt? Konkreter gefragt: Darf Ronny Pecik das? Darf der Wiener Investor mit kroatischen Wurzeln in aller Diskretion Anteile an der Telekom Austria in großem Stil erwerben? Für Ronny Pecik ist die Antwort völlig klar: Er darf. „Die Börse ist ein Markt, an dem sich jeder beteiligen kann“, sagt er. Und weil er markigen Sprüchen nicht abgeneigt ist, ergänzt er: „Wem das nicht recht ist, darf halt nicht an die Börse gehen. Die ist ja nicht nur dazu da, Großmüttern das Geld aus der Tasche zu ziehen.“
Stimmt eigentlich. Andererseits: Seitdem Anfang vergangener Woche offiziell wurde, dass Pecik sich über Optionen 5,4 Prozent der Telekom-Anteile gesichert hat, ist bei besagtem Unternehmen Feuer am Dach. Immerhin wird in Wien schon länger gemunkelt, dass es Pecik auf einen 20-Prozent-Anteil abgesehen hat. Jetzt stellen sich für die Telekom jede Menge bange Fragen: Wie weit wird er gehen? Welcher Anteil ist das Ziel? Was hat er mit dem Aktienpaket vor? Wird das Unternehmen über kurz oder lang in ausländische Hände geraten?
Es gäbe einen einfachen Weg, Antworten auf die Fragen zu bekommen: „Jeder, der mit mir reden will, kann mit mir reden“, sagt Pecik. Doch Telekom-Chef Hannes Ametsreiter scheut offenbar den Griff zum Telefonhörer. Er sucht Antworten über Umwege, die obendrein reichlich teuer sind: Ametsreiter hat die Investmentbank Merrill Lynch mit der delikaten Causa beauftragt.
Das nährt Gerüchte, wonach die Telekom in Wahrheit einen Abwehrkampf gegen Pecik führt. Doch Telekom-Sprecherin Elisabeth Mattes winkt ab: „Es geht nur darum, die Aktionärsstruktur des Konzerns zu klären.“ Schon merkwürdig: Immerhin läuft das Projekt unter dem Codenamen „New Sith“. Für jene, die weniger „Star wars“-affin sind: In dem Science-fiction-Heldenepos sind „Sith“ Anhänger der dunklen Seite der Macht. Und jene, die das Gleichgewicht zerstören. Also ganz böse.
Zufall oder nicht: Seitdem die Telekom „Krieg der Sterne“ spielt, häufen sich negative Berichte über Pecik in allerlei Zeitungen. Womit der Investor, der bis jetzt zum Thema Telekom eisern geschwiegen hat, nun mit seinem selbst auferlegten Schweigegelübde bricht. Der „Presse“ gab er nun in der Angelegenheit ein erstes, exklusives Interview. „Das Ganze hat nämlich Ausmaße angenommen, die einfach nicht mehr schön sind“, sagt er.
Er meint damit allerlei Gerüchte, die neuerdings die Runde machen: Pecik sei bloß Strohmann für einen geheimnisvollen, ausländischen Investor, der im Hintergrund bleiben möchte; Pecik werde rasch sein Aktienpaket möglichst gewinnbringend und möglichst bald weiter veräußern; Pecik habe Probleme, den Deal finanziell über die Bühne zu bringen. Und so fort.
Also was jetzt? „Dass ich Strohmann für irgendjemanden bin, schließe ich definitiv aus“, sagt Pecik. Nachsatz: „Ich war noch nie Strohmann. Ich habe Firmen immer auf eigenes Risiko gekauft – und viele schlaflose Nächte deswegen gehabt.“
Tatsächlich blickt Pecik auf eine lange Geschichte als Investor zurück: So kaufte er etwa Anteile am Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm, die er eineinhalb Jahre später mit sattem Gewinn wieder verkaufte. Mit seinem späteren Partner Mirko Kovats erwarb er rund 20 Prozent des Anlagenbauers VA Tech, rund ein Jahr später ging der Anteil an Siemens – auch das keineswegs zum finanziellen Nachteil von Pecik. Und danach wurde über die Investmentfirma Victory Industriebeteiligungen groß in der Schweiz eingekauft: zuerst der Technologiekonzern Oerlikon, dann das Telekomunternehmen Ascom und der Industriekonzern Sulzer.
Gerade die Schweizer Investments waren unter lautem Wehgeschrei der Eidgenossen erfolgt – aber die Stimmung habe rasch gedreht, betont Pecik. Bei seiner ersten Oerlikon-Hauptversammlung sei er noch „mit Tomaten beschmissen“ worden. Zwei Jahre später, als der Konzern wieder Gewinne machte, habe er in dem Gremium „standing ovations“ bekommen. Auch die seinerzeit eingeschaltete dortige Finanzmarktaufsicht, die wegen Verstoßes gegen Offenlegungspflichten ermittelte, habe nichts gefunden. Es gab ausnahmslos Freisprüche.
Trotzdem: Beliebtheitswettbewerb würde er in der Schweiz keinen gewinnen. Immer noch wird Pecik vorgeworfen, keineswegs strategische Interessen zu verfolgen – sondern bloß abcashen zu wollen. Das macht Pecik wiederum ziemlich grantig: „Man muss sich doch nur meinen Werdegang anschauen: Ich habe bei den Unternehmen, in die ich investiert habe, immer aufgebaut.“ Spricht's und deponiert auch gleich: „Ich biete hiermit an, den Telekom-Vorstandsvorsitz um einen Euro im Jahr zu übernehmen.“
Das wird Hannes Ametsreiter natürlich wenig erbauen – zumal er weiß: Pecik könnte sich so ein Abenteuer finanziell durchaus leisten. Wiewohl der betont, keinesfalls so vermögend zu sein, wie in den Medien oft behauptet wird. „Ich bin allenfalls Schilling-Milliardär, aber sicher nicht Euro-Milliardär.“
Alleweil. Dennoch wird sein Geld nicht reichen, um die Telekom-Transaktion alleine zu stemmen. Und somit bestätigt Pecik offiziell, was ohnehin schon länger vermutet wird: Sein Partner beim Telekom-Deal ist der vermögende Ägypter Naguib Sawiris. „Er ist Finanzinvestor bei meiner Firma Marathon Zwei Beteiligungs GmbH“, sagt Pecik. Und diese hält die Telekom-Optionen.
Dass Pecik wert auf diese Feststellung legt, hat einen simplen Grund: In den vergangenen Tagen gab es eine seltsame Häufung von Gerüchten, wonach Pecik Probleme finanzieller Natur habe. Sawiris Konten in Ägypten seien eingefroren worden, hieß es etwa. „Blödsinn“, kontert Pecik. Dann machte die Meldung die Runde, wonach Pecik seine Victory AG an eine Firma in Hongkong verkauft habe – mitsamt erklecklichen Schulden und dem restlichen Oerlikon-Aktienpaket, das mittlerweile kaum Wert habe. Pecik ist empört: „Erstens habe ich Victory schon vor Monaten verkauft – und zwar an Deutsche, die nun weiter verkauft haben. Und zweitens habe ich alle offenen Kredite in Absprache mit den Banken zurückgezahlt.“ Und bei dem angeblich minimalen Wert der Oerlikon-Aktien sei wohl schlicht darauf „vergessen“ worden, dass das Unternehmen einen Aktiensplit vorgenommen habe.
Für Pecik ist mittlerweile klar: „Das sind alles eindeutig lancierte Gerüchte, um mich zu diskreditieren.“ Wer ihn kennt, weiß: Er wird dennoch seinen Weg gehen.
Top 10 Die meistverkauften Autos der Welt
Kreativ Die verrückte Welt der Werbung
Bis 2015 Die aussichtsreichsten Aktien