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Pecik fordert vier Aufsichtsräte in der Telekom Austria

09.12.2011 | 15:41 |  von Hanna Kordik (DiePresse.com)

Investor Ronny Pecik hat schon 600 Millionen Euro in Telekom-Aktien investiert. Und lässt damit keine falsche Bescheidenheit walten: Und der Vorstand soll auch aufgestockt werden.

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Nicht ganz ein halbes Jahr ist es her, dass Markus Beyrer den Chefsessel in der ÖIAG übernommen hat. Lange genug, um Gewissheit zu haben: Den Job hat er sich anders vorgestellt. Nämlich gemütlicher.

Immerhin hatte die SPÖ schon unter Beyrers Vorgänger Peter Michaelis über die Sinnlosigkeit der Staatsholding gewettert: Die ÖIAG verwalte bloß die Beteiligungen der Republik an einigen wenigen Unternehmen. Dazu brauche es keinesfalls den Luxus einer eigenen Holding.

Markus Beyrer zögerte also nicht lange, als ihm angeboten wurde, vom Generalsekretariat der Industriellenvereinigung in die ÖIAG zu wechseln. Ob das die richtige Entscheidung war? Von verwalten ist dort nämlich längst keine Rede mehr. Vielmehr häufen sich die Zores: OMV- Großaktionär Abu Dhabi hat gerade aus heiterem Himmel angekündigt, seine Beteiligung am Ölkonzern auf zumindest 25 Prozent aufstocken zu wollen. Und dann gibt es natürlich noch jede Menge Probleme mit der Telekom Austria.

Schlimm genug, dass Beyrer seit Monaten die Telekom-Korruptionsaffäre am Hals hat. Dazu kommt aber auch noch ein gewisser Ronny Pecik. Der Investor hat erst vor wenigen Tagen kundgetan, dass er schon etwas mehr als 15 Prozent an der Telekom hält. Und ihn dürstet nach mehr.

Markus Beyrer steht also im Zentrum einer Übernahmeschlacht. Und das ist wirklich nicht seine Welt. Zumal er sich arg zerrissen fühlen muss. Auf der einen Seite die ÖVP, zu der der einstige Politsekretär Beyrer nach wie vor einen engen Draht hat. ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter hat sich zwar in einem Interview unlängst durchaus wohlwollend zu Pecik geäußert. Doch generell herrscht in der Volkspartei helle Aufregung über die „feindliche Übernahme" des Investors. Vermutlich deswegen, weil Pecik im Zuge der Übernahme wunderbaren Einblick in den Telekom-Sumpf bekommt. Was für die ÖVP eher nicht so angenehm ist.

Auf der anderen Seite steht Ronny Pecik selbst. Der hat mit Hilfe des vermögenden Ägypters Naguib Sawiris 600 Millionen Euro in Telekom-Aktien investiert und will sich natürlich aktiv im Unternehmen einbringen. Beyrer kann ihn selbstverständlich nicht einfach ignorieren. Zumal Pecik in den vergangenen Wochen äußerst umtriebig war: „Ich habe Gespräche auf politischer Ebene geführt", erzählt er der „Presse", „und ich hatte ein dreistündiges, sehr konstruktives Treffen mit dem Telekom-Betriebsrat." Beyrer musste sich also seinem Schicksal fügen. Und so kam es vor 14 Tagen zu einem diskreten Treffen zwischen den beiden.

Pecik bezeichnet das Gespräch mit Beyrer als „sehr professionell". Aber Hand aufs Herz: Das ohnehin arg lädierte Nervenkostüm des ÖIAG-Chefs hat er wohl kaum aufgepäppelt. Pecik will nämlich, wie er sagt, „unternehmerische Verantwortung übernehmen" und dazu sein „Know how einbringen". Denn: „Im Unternehmen gibt es viel zu tun, es muss sich auf harte Zeiten vorbereiten."

Selbstredend hat Pecik ganz klare Vorstellungen darüber, wie diese Vorbereitung am besten zu bewerkstelligen ist: „Ich erhebe Anspruch auf Mitsprache im Aufsichtsrat und bei der Bestellung des Vorstandes", sagt er. „Das ist mir wichtig, das ist klar und selbstverständlich."

 

Gerüchten zufolge wird er noch vor Weihnachten melden, dass er bereits 20 Prozent der Telekom-Aktien hält. Damit kommt er der ÖIAG mit ihrem 28-Prozent-Anteil schon gefährlich nahe. Und deshalb will er bei seinen Ansprüchen auch keine falsche Bescheidenheit walten lassen. Noch vor der im Frühjahr geplanten Hauptversammlung will er daher eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um personelle Wünsche in die Wege zu leiten.

Pecik fordert drei Sitze im Aufsichtsrat. Nachsatz, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: „Drei Sitze neben meinem persönlichen Mandat in dem Gremium." Macht also vier von insgesamt acht Kapitalvertretern. Völlig klar ist für Pecik auch, dass er im Präsidium des Aufsichtsrates sitzen wird. Womit es dort eng wird: Dort sitzt nämlich Markus Beyrer an der Spitze, seine Stellvertreterin ist Rechtsanwältin Edith Hlawati.

Sie wird wohl gehen müssen. Die Juristin steht schon länger im Zentrum der Kritik, weil sie einerseits seit 2001 Telekom-Aufsichtsrätin ist, andererseits hat ihre Kanzlei den Konzern auch juristisch beraten und somit üppige Honorare lukriert. Pecik schließt sich der Kritik an: „Das ist für mich ein klarer Fall von Unvereinbarkeit."

Klare Vorstellungen hat der Investor auch beim Telekom-Vorstand - er will ihn „auf drei bis vier Köpfe ausweiten. Zwei Vorstände sind zu wenig für einen Konzern dieser Größenordnung." Er gehe jedenfalls davon aus, dass schon bald eine Ausschreibung für weitere Vorstände erfolgen werde - „und da erwarte ich mir, dass ich bei der Entscheidung mit einbezogen werde." Ob er dafür schon Kandidaten habe? „Es gibt Kandidaten", sagt er, „die Namen werden demnächst genannt."

Das wird insofern spannend, als es Pecik dabei nicht nur um eine Ausweitung des Vorstandes gehen dürfte, sondern auch um Veränderungen beim bestehenden. Dem Vernehmen nach ist er mit der Performance von Finanz-Vorstand Hans Tschuden höchst unzufrieden. Pecik will sich da zwar nicht eindeutig deklarieren, doch seine Kritik an der Dividendenpolitik der Telekom (für die Tschuden verantwortlich zeichnet) spricht Bände: Pecik bezeichnet die Ausschüttungen als „zu hoch", man müsse „eine Dividendenkürzung ins Auge fassen".

Damit dürfte es schon bald zur ersten Kraftprobe mit dem neuen Investor Pecik kommen: Tschudens Vertrag steht zur Verlängerung an, er hat auch bereits die Zusage des Telekom-Aufsichtsrates für weitere fünf Jahre. Aber unterschrieben ist noch nichts.

Womit das Malheur des Markus Beyrer ganz gut zu begreifen ist: Verlängert er Tschudens Vertrag, riskiert er, dass der der Finanzvorstand wenige Monate später um teures Geld gehen muss. Hält er sich nicht daran, könnte es Wickel mit dem Aufsichtsrat geben. Der ist überhaupt ein Problem für sich: Wer soll gehen, um Pecik-Vertrauten Platz zu machen? Und riskiert Beyrer damit nicht Probleme mit der ÖVP, der ein Gutteil der Aufsichtsräte zuzuordnen ist?

Fragen über Fragen also. Vor allem aber jene: Hat da jemand was von „Verwalter-Job" gesagt?

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10. Dezember 2011)

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22 Kommentare
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wo der bloss 600 millionen her hat

ehrlich erarbeitet?

Antworten fefe
12.12.2011 16:16
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Re: wo der bloss 600 millionen her hat

Wohl auch nicht unehrlicher als die anderen, die bereits an der Telekom beteiligt sind. Diese Frage ist also etwas seltsam.

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Re: Re: wo der bloss 600 millionen her hat

war ja auch provokant gemeint ;-)

Gast: Adam Riesling
11.12.2011 02:33
0 0

1,6

Vier von acht mit 20 % der Anteile? Wenn der immer so rechnet, hat er im Aufsichtsrat überhaupt nichts verloren.

Pilatus
10.12.2011 17:18
0 0

Bevor man sich in Lobeshymnen

für diesen Herrn ergeht, sollte man wissen, dass gegen ihn noch gerichtliche Verfahren am Laufen sind und das in der Schweiz. Er ist bekannt dafür, dass er (sich) billig einkauft und dann schon nach kurzer Zeit wieder teuer vertschüsst. Heißt nichts anders als persönliche Gewinnmaximierung auf Kosten anderer. Die Telekom ist ein Saftladen, doch Leute wie dieser Herr hier machen aus ihm auch keinen Vorzeigebetrieb. Der denkt nur an sich und seine Partner, der Rest ist ihm egal. So ein Vorgehen ist ein typisches Beispiel für den gehassten Turbokapitalismus.

Antworten Ben Gurion
10.12.2011 18:01
0 0

Bevor man schreibt....

....sollte sich Pilatus informieren und andere Zeitungen wie Krone& Österreich lesen.Pecik,Stumpf und Vechselberg wurden in beiden Schweizer Verfahren freigesprochen.War vor Monaten in NZZ,FT,Handelsblatt usw zu lesen.

Antworten Antworten Pilatus
10.12.2011 18:25
0 0

Re: Bevor man schreibt....

@Ben Gurion: Auch wenn sie freigesprochen wurden ändert das nichts an der Tatsache, dass es sich hier nicht unbedingt um seriöse Geschäftsleute handeln muss. Ich lese weder die "Krone" noch "Österreich", dafür aber viele internationale Berichte und die sagen mehr aus als man in diversen Mainstream-Medien zu lesen bekommt.

Antworten Antworten Antworten fefe
11.12.2011 01:57
0 0

Re: Re: Bevor man schreibt....

Ist es nicht egal, wie seriös oder nicht seriös der ist? Verlegen Sie halt Ihren Telefonanschluss zu einer anderen Firma es gibt ja eh genügend Auswahl. Dann kann Ihnen das doch egal sein, ob die pleite gehen oder nicht.

1 0

Protection of ordinary Shareholders

The abuse of special privileges by holders of large or controlling shareholders is rampant. This is just another case that is deplored by Pro Governance. With just 15 percent of the shares an investor should not get any special treatment, certainly no 'coffee time' with management as he can get insights into the company strategy that are not available to other shareholders. If anything, being a holder of a large stake should come with special obligations and restrictions. Voting rights should generally be limited - Reuters had a limit of 1 percent for a long time and it did not do any harm to the company. What is particularly sad is the silence on the part of Shareholder organisations and institutional Investors. Anyone who wants to support a campaign to stop similar abuses should contact us.
Heinz Geyer, www.pro-gov.org

3 0

Schau ma amal

Schlechter kanns nicht werden
Es wäre zu hinterfragen,was Herr Pecik vorhat.Egal was ,schlechter kann es für die Bediensteten nicht werden.Vielleicht entledigt man sich nach der Machtübernahme diverser unfähiger Personen,angefangen von Vorstand abwärts bist zu dem einen oder anderen Bereichsleiter.Dummheit ,Beratungsresistenz,Hirnfäule sind Programm im Konzern,wobei Hirnfäule nicht nur ein Begriff ist,sondern sich dem einen oder anderem Gesicht zuordnen lässt.Durch diese Herrschafften und dem damit verbundenen Absturz der Telekomaktie ist es auch möglich,dass durch die Unterbewertung des Papiers,sich klarerweise andere Interessenten finden.
Es stellt sich natürlich auch unweigerlich die Frage,ob nicht Leute innerhalb des Konzerns den Absturz der Aktie bewusst herbeigeführt haben,was bei mancher Dienstpostenbesetzung nur allzu logisch wäre.

Ben Gurion
10.12.2011 10:23
2 1

Endlich

Übernimmt ein Profi.die ÖIAG gehört gesamt privatisiert.schluss mit den Versorgungsjobs,dem Telekommkurs wird es gut tun.

Antworten buhbuh
10.12.2011 11:55
0 0

Re: Endlich

ein Profi von was? Von Konzernführung
mein Fifi mehr.

Gast: Argesauge
10.12.2011 09:32
0 0

Bloede Frage

Hat er eigentlich was mit den Bulgarien Deals von tauss schlaff und co zu tun?

Ist er der Spurenbeseitiger ?

Immerhin bergen diese dubiosen Deals einiges Risikopotential - auch für den Aktienkurs!

naja, der Staat hat in dem verein eh nix mehr verloren!

Antworten fefe
11.12.2011 01:51
0 0

Re: Bloede Frage

Der Staat sind wir alle. Es ist sowieso schon fast alles versilbert.

Glosar
10.12.2011 08:47
1 2

Bravo Rony! Du kannst dir einen Besen von uns borgen. Wir schenken ihn dir sogar! Bravo!


Gast: Hausverstand (neudeutsch: common sense)
09.12.2011 20:07
2 0

Sie wundert das ?

Endlich einer, die die Dinge beim Namen nennt, und sie auch kennt! Pecik ist ein Top-Profi und weiss was er will und wie man Dinge angeht. Alle anderen in diesem Spiel wissen es offenbar nicht oder können oder dürfen es nicht! Beyrer, Ametsreiter, etc., nicht zu vergessen unser Superstar Nemsic. Diese Leute sind gerne in den Seitenblicken und bei diversen Charities um sich kraft der ihnen übertragenen Macht zu sonnen. Jetzt kehrt endlich Professionalität ein, und viele fürchten sich!? Den Herrschaften ist es zu lange viel zu gut gegangen, anstatt ihren Job zu machen haben sie sich wie big spenders benommen und die Politik - die sah zu!

Antworten Condor
10.12.2011 09:28
0 0

Re: Sie wundert das ?

Top-Profi?
Das meines jetzt aber nicht ernst oder doch.

Gast: b754
09.12.2011 17:56
2 1

die verbrecher treten heutzutage eben anders auf


Antworten fefe
09.12.2011 19:13
0 1

Re: die verbrecher treten heutzutage eben anders auf

Wie bitte? Das ist eine AG, da kann mitreden, wer daran Anteile hat. Das ist doch normal. Alle anderen Anteilsinhaber sind entsprechend ihrer Anteile daran beteiligt und können dadurch mehr oder weniger mitreden. Wenn jemand eine eigene Firma haben will, dann ist er als Teilhaber einer AG nicht wirklich am richtigen Platz.

xdriver
09.12.2011 16:52
2 0

Klar, dass das für helle Aufregung sorgt ...

... ist es doch angewandter Kapitalismus und Marktwirtschaft.

Die Telekom hat sich selbst bestens zum Übernahmekandidaten gemacht und selbst den Aktienkurseinbruch verschuldet, und niemand soll dann Interesse zeigen? Alle die das glauben leiden unter Realitätsverlust.

jedoch befürchte ich, dass am Ende der Steuerzahler nur noch mehr unversetzbare Beamte durch (Früh-)Pensionierungen übernehmen werden muss.

Antworten Gast: b754
09.12.2011 19:37
0 0

Re: Klar, dass das für helle Aufregung sorgt ...

wäre interessant wieviel sauberes geld da dabei ist

Gast: Liber Al
09.12.2011 16:39
2 0

Gut so Ronny u. Freunde !!

first we take the telekom and we take the öbb !! u. noch ein paar prachtexemplare hätt ma zu verkaufen in österreich, wer will noch mal wer hat noch nicht ?? halleluja, werd ich doch noch zum telekomkunden u. wieder zum bahnfahrer,bin fast ein bissl gerührt nach so langer zeit des sozialismuses.....