Christoph Leitls Provisionspallawatsch

20.04.2012 | 18:29 |   (Die Presse)

Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl fordert eine Millionenprovision vom Mayr-Melnhof-Konzern. Der Rechtsstreit zieht sich schon über Jahre – und eskaliert: Jetzt droht Leitl eine Klage von seinem Gutachter.

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Schlamassel, das oder der. Laut Duden jedenfalls eine „schwierige, verfahrene Situation, in die jemand aufgrund eines ärgerlichen Missgeschicks gerät“.

Gäbe es das Wort nicht, für Christoph Leitl müsste es erfunden werden. Der Wirtschaftskammer-Chef steckt nämlich in einem nachgerade monströsen Schlamassel. Und die Frage ist, ob und wie er da jemals wieder rauskommt.

Dazu die Vorgeschichte: Im Jahre 2005 beschloss Leitl mit dem früheren Bauindustriellen Alexander Maculan, unternehmerisch tätig zu werden – sie gründeten die LM Holding, an der jeder einen 50-Prozent-Anteil hielt. Maculan brachte auch gleich einen vielversprechenden Kunden mit: Für die Holzgruppe des Mayr-Melnhof-Konzerns sollte der Kontakt zur russischen LSR-Holding hergestellt werden. Diese verfügte nämlich über ein ansehnliches, bewaldetes Grundstück, das für Mayr-Melnhof von größtem Interesse war.

Die weiteren Ereignisse im Zeitraffer: Mayr-Melnhof übernahm den Wald, Maculan forderte eine (vertraglich nicht vereinbarte) Vermittlerprovision, Mayr-Melnhof lehnte ab.

Vorhang auf für Geschäftspartner Christoph Leitl. Ende 2008 beschloss Maculan nämlich, den Klagsweg zu beschreiten. Doch die Optik war halt nicht so günstig: Maculan ist angeheirateter Onkel von Mehrheitseigentümer Franz Mayr-Melnhof. Also sprang Leitl als Kläger ein.

Es war nicht seine beste Entscheidung. Zunächst einmal deshalb, weil Kammerchef Leitl mit Mayr-Melnhof ein Kammermitglied geklagt hat, noch dazu ein nicht gerade unwichtiges. Das hat unter vielen (Zwangs-)Kammermitgliedern eh schon für ordentlich Unmut gesorgt. Dazu kommt aber noch, dass sich der Rechtsstreit seit Jahren zieht und in der Zwischenzeit eine Eskalationsstufe erreicht hat, die Leitls Nervenkostüm einigermaßen zusetzt. Denn mittlerweile hat er sich in eine juristische Doppelmühle hineinmanövriert.

Dabei hatte die Sache für Leitl zunächst gar nicht so übel ausgesehen: Im ersten Prozess bestätigte das Oberlandesgericht Graz im April 2010, dass Maculan und Leitl – der immer wieder betont hatte, sich auch für Mayr-Melnhof engagiert zu haben – sehr wohl eine Provision zusteht. Also ging die Sache wieder an das Landesgericht Leoben, wo über die Höhe der Provision verhandelt werden sollte.

Doch da spießte es sich gewaltig: Ursprünglich hatte Maculan 2,1Millionen Euro in Rechnung gestellt, was Mayr-Melnhof schon seinerzeit als völlig utopisch zurückwies. Doch dann ließen Leitl und Maculan ein Privatgutachten vom Grazer Universitätsprofessor Dieter Mandl anfertigen. Und der kam auf einen Betrag von 4,8 Millionen – zuzüglich Zinsen wurden mehr als sieben Millionen Euro gefordert.

Unschwer zu erraten, dass man da auf keinen grünen Zweig kam.

Also wurde Ende vergangenen Jahres ein Mediationsverfahren eingeleitet. Mit durchaus klingenden Namen: Leitl/Maculan nominierten ihren Gutachter Mandl in das Expertenteam, Mayr-Melnhof entsandte Universitätsprofessor Romuald Bertl. Als gemeinsamer Mediator fungierte Unternehmensrechtler Waldemar Jud.

Einen Monat dauerte die Sache, bis sich die Experten schließlich weitgehend einigten: Leitl und Maculan stehe eine Provision von drei Prozent des Waldanschaffungswerts von vier Millionen zu – also 120.000 Euro. Bei den sonstigen anfallenden Kosten schieden sich freilich die Geister: Die Experten Bertl und Jud kamen auf eine Summe von rund einer Million Euro. Leitl-Gutachter Mandl hingegen pochte auf rund 1,5 Millionen.

Die Mediation scheiterte. Jetzt muss also weiter prozessiert werden. Und das wird dauern: Es muss wiederum ein Gutachter bestellt werden.

Doch für Kurzweil ist gesorgt. Denn mittlerweile hat sich ein recht seltsamer Nebenschauplatz aufgetan: Leitl-Anwalt Gerhard Wildmoser versus Leitl-Gutachter Dieter Mandl.

Offenbar herrscht höchste Nervosität im Lager Leitl & Maculan. Bei der letzten Gerichtsverhandlung hat der gegnerische Anwalt nämlich auf gar Seltsames hingewiesen: Die von Leitl ins Treffen geführten 350 Tagessätze, die Reisespesen sowie die Aufwendungen für die Repräsentanz in Moskau – die sich auf 1,8 Millionen Euro belaufen sollen – finden sich in keinen Bilanzen. Der Anwalt stellte Prozessbetrug in den Raum – also eine laut Strafrecht „vorsätzlich falsche Angabe einer Partei“.

Anwalt Wildmoser winkt ab: Die angeführten Aufwendungen seien bei Gericht ohnehin nur exemplarisch angeführt worden. Was ihn allerdings nicht daran hinderte, Mitte Februar einen geharnischten Brief an Gutachter Mandl zu schreiben. Um einen Sündenbock für die missliche Lage auszumachen? Jedenfalls fragt er Mandl in dem Schreiben, wie er denn seinerzeit auf die fragliche Summe gekommen sei. Maculan spreche jedenfalls lediglich von Reisekosten in Höhe von 160.000 Euro, „die auch belegbar sind“.

Gutachter Mandl will auf Anfrage der „Presse“ zu der Angelegenheit nichts sagen, weil er der Verschwiegenheitspflicht unterliegt. Nur so viel: „Ich habe die Sache meinem Rechtsanwalt übergeben.“ Eh klar: Welcher Gutachter lässt schon gern den Vorwurf auf sich sitzen, sich Zahlen quasi aus den Fingern gesogen zu haben?

Das Ganze ist jedenfalls nicht frei von einer gewissen Pikanterie: Dem Wirtschaftskammer-Chef droht also eine Klage seines eigenen Gutachters. Und der dürfte juristisch auch durchaus gute Karten in der Hand haben. Zu Beginn seines Gutachtens führt Mandl nämlich penibel Liste über mehrere Gesprächstermine mit Maculan und mit Leitl – von denen er wohl die Informationen über sämtliche Auslagen erhalten hat.

Anwalt Wildmoser rudert im Gespräch mit der „Presse“ kräftig zurück: Es gehe keineswegs darum, dem Gutachter irgendeine Schuld in die Schuhe zu schieben. Vielmehr handle es sich um ein „Missverständnis“: Maculan habe dem Gutachter seinerzeit die Tagsätze „über den Daumen“ mitgeteilt, der habe die Angaben dann eins zu eins für sein Gutachten übernommen. So einfach ist das.

Oder auch nicht. Für Leitl stellt sich die Situation nämlich so dar: Entweder es droht ihm ein Prozess wegen Prozessbetrugs. Oder eine Klage seines Gutachters. Eine juristische Doppelmühle also.

Das wäre dann die Steigerung des klassischen Schlamassels.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2012)

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87 Kommentare
 
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Gast: Brutus
22.04.2012 14:23
1

Der Unterschied zwischen Leitl und einem Heizdeckenverkäufer der Pensionisten nach bratislava karrt ist...


das der vergleichsweise ehrliche Wunderpfannen- und Zaubertuchverkäufer offen als Unternehmer und eigenständig agierender Vertreter einer Geschäftsidee auftritt und Leitl ein pragmatisierter, per Bundesverfassung im Verfassungsrang abgesicherter Großhandels-snakeoil Vertreiber der alleruntersten Sorte ist.

Antworten Gast: Onkel Sepp
22.04.2012 16:02
2

Re: Der Unterschied zwischen Leitl und einem Heizdeckenverkäufer der Pensionisten nach bratislava karrt ist...

Alle 5 Jahre wird gewählt, niemand ist Pragmatisiert!

Um als WK Präsident kandidieren zu können muss man Unternehmer sein!

m Blö dsinn zu posten benötigt man keine Voraussetzung!

Auch der Baulöwe

ist mir in schlechter Erinnerung mit seiner ehemaligen Baufirma!

Gast: Zwangsmitglied
21.04.2012 18:44
3

Die Gschicht is so alt, die hat mei oma schon erzählt...

Eine interpretierte lächerliche Zwickmühle...

Das Niveau der Presse ist im Sinkflug

Das Niveau der Presse ist im Sinkflug...


richtig - zum Glück!

Die Presse, insbesondere Kordikonomy, gehen der Sache nämlich als eine der ganz wenigen tatsächlich auf den Grund.

Und der ist eben bekanntlich tief unten...

Gast: ziebzehnuhrvierundfünfzig
21.04.2012 17:53
4

grinst er immer noch permanent, der leitl ?


Antworten Gast: Zwangsmitglied
21.04.2012 18:53
3

Re: grinst er immer noch permanent, der leitl ?

Is ja auch a selten dämlicher Artikel - da würd ich auch grinsen solang man mir sonst nix vorwerfen kann.

Das einzig dämliche am Artige ist, das es wurscht ist


denn man kann schreiben was man will, die Staatsanwaltschaft ist damit beschäftigt Tierschützer auf Weisung von "Fürnkranz" :-) ec. zu belauschen und kann sich nicht um verschwundene Milliarden (Schlaff/Kord/Flöttl) / Millionen (Leitl) kümmern....

Was geht das die Krakeeler der Nation an,

wenn Leitl und Mayr-Melnhof streiten?
Von Interesse für die Allgemeinheit ist Leitls Wirken als WKÖ-Präsident, sonst nichts. Darüber kann und soll berichtet werden, auch kontroversiell. Aber er hat keine "silbernen Löffel" gestohlen!
Der Boulevard im Wirtschaftsteil der "Presse"! Direkt auf dem Weg zum Krone-Niveau.

Antworten Gast: toro
22.04.2012 11:54
0

Re: Was geht das die Krakeeler der Nation an,

das geschäft hat er als wko-präsident angebahnt. auf einer von zwangsbeiträgen finanzierten reise.
soviel zur relevanz.

Re: Re: Was geht das die Krakeeler der Nation an,

das stimmt halt einfach nicht...

aber leben sie ruhig weiter in ihrer eigenen Welt :P

Wenn Leitl Silberlöffel gestohlen hätte, dann wär das ein Klacks...

Tatsächlich hat er u.a. den gesamten Pensionsfonds der BWK in seinem segensreichen Wirken verzockt. Nicht ohne, wenn darauf angesprochen (warum er noch auf freiem Fuß ist, ist ein übliches österr. Rätsel) noch pampig reagiert.

Der Dank der hilflosen Zwangsmitglieder die nicht mehr machen können als die Faust im Sacke ballen, ist ihm dafür genauso sicher, wie für seine völlig sinnlose für die Kammermitglieder nicht sinnstiftende ab dafür kostspielige Existenz.

Re: Wenn Leitl Silberlöffel gestohlen hätte, dann wär das ein Klacks...

beim Pensionfond der WKO hatten mehr andere bauernschlaue die Hände im Spiel.
Und wer in der WKO bitte braucht einen priviligierten Pensionfonds?
ASVG Pension bekommen doch so und so alle, die Zeit der fetten Pensionen, die selbst die eingefleischtesten Grünen nur der armen Nachkriegsgeneration rechtmäßig zustehen, ist vorbei.
Im Zukunft gibts bedarfsorientierte Mindestsicherung in der Pension, nur halt als Recht und nicht an Bedingungen und Prüfung der Arbeitsfähigkeit gebunden

Re: Wenn Leitl Silberlöffel gestohlen hätte, dann wär das ein Klacks...

Ich denke die Leserschaft WÜRDE gerne mehr erfahren...

Re: Re: Wenn Leitl Silberlöffel gestohlen hätte, dann wär das ein Klacks...

nicht nur anonAustria hat das Sprichwort "Reden ist Silber, Schweigen ist gold" letztendlich verinnerlicht.
Diese Kleinigkeiten befriedigen nur die Sensationslust enthüllen aber nichts , sondern lenken nur von wichtigeren ab.

Re: Re: Re: Wenn Leitl Silberlöffel gestohlen hätte, dann wär das ein Klacks...

Ist zwar etwas grösser als "Café Rosa: Antikapitalistischer Versuch gescheitert" aber dennoch von ähnlicher Tragweite und Bedeutung

Re: Re: Wenn Leitl Silberlöffel gestohlen hätte, dann wär das ein Klacks...

http://www.scribd.com/doc/61188161/GW-Anfrage-an-Leitl-und-Jank

Gast: Da Gschupfte
21.04.2012 16:46
0

Meine Herren Professoren

aus dem Studium stehen sich Zähnefletschend gegenüber. Dabei hat doch der Didi die selben Schnittwunden im Gesicht wie der Waldi. Und der Didi und der Romi haben schon viele Bücher zusammen geschrieben.

Ich hätt gedacht, dass Befangenheit ein Grund wäre, solche Mediationen nicht anzunehmen.

des is ois komisch.

Gast: freund?
21.04.2012 16:13
4

wie kann ein EINZELNER mann



SO VIEL leistung tragen ?

Re: wie kann ein EINZELNER mann

@freund?: Der trägt noch mehr "Leistung". Er sitzt auch noch im Vorstand der SVA, die noch das letzte Geld ihren Mitgliedern aus der Tasche zieht - 20% Selbstbehalt bei Arztbesuchen, etc., schreibt miese Kommentare in der SVA-Zeitung und lobt den Abzockerverein in den grünen Klee. Ich bin ganz ehrlich, ich mochte diesen Typ noch nie und die WKO auch nicht. Die kostet enorm viel Geld, bringt aber nichts.

Antworten Antworten Gast: freund?
21.04.2012 20:25
2

Re: Re: wie kann ein EINZELNER mann



SOOOO viel ???

waun as nua aushoit, da leitl !

und wirs finanziell dablosn !

24

Leitl steht für das österreichische System


in dem notorisch Erfolglose Lemuren über künstlich generierte Zwangs-Steuerpflichten die Erfolgreichen abzocken.

Antworten Gast: eco-no-mics
21.04.2012 20:21
5

die Bundeskammer sollte das Rückgrad der Wirtschaft und müsste der Hub der Exportindustrie sein

. . . doch wie in allen öffentlichen Institutionen frönen die Macher Aktivitäten, welche mit ihrem Job unvereinbar sind.
Der ganze Laden müsste von den Wissenschaften unter die Lupe genommen werden.

Antworten Antworten Gast: eco mist
22.04.2012 13:57
2

wissen Sie die Voraussetzungen um WK Präsident zu werden?

Es ist schon so, dass nur ein Unternehmer WK Präsident werden kann!

Und genau das stellen Sie als Unvereinbar hin?!?

Informieren hilft!

Re: Leitl steht für das österreichische System

selbst supererfolglos - weil so neidig?

Antworten Antworten Gast: freund?
21.04.2012 16:12
11

Re: Re: Leitl steht für das österreichische System



nein, der boris hat schon recht .

 
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