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Telekom: Countdown zum großen Showdown

04.05.2012 | 18:09 |  von Hanna Kordik (Die Presse)

Bei der Hauptversammlung der Telekom Austria geht es um die Vergangenheit – die Korruptionsvorwürfe. Und um die Zukunft – mit Großaktionär Ronny Pecik. Beim Mehrheitseigentümer ÖIAG liegen die Nerven blank

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Manchen gelingt es ganz gut, Nervosität zu kaschieren. Manchen weniger. ÖIAG-Chef Markus Beyrer gehört, so scheint es, zu letzterer Spezies. In drei Wochen findet die Hauptversammlung der Telekom Austria statt. Und die Nerven flattern ganz ordentlich.

Bei dem Termin am 23. Mai kommt auch einiges zusammen. Einerseits ist der Wirtschaftsprüfer BDO Deutschland mit der Durchleuchtung sämtlicher Telekom-Akquisitionen, Immobiliengeschäfte und Beraterverträge seit dem Jahr 2000 gerade fertig geworden – die Ergebnisse sollen den Aktionären präsentiert werden.

Andererseits wird es dort auch ein Tête-à-tête mit Ronny Pecik geben. Der Investor hat sich ja bereits mehr als 20 Prozent der Telekom-Aktien einverleibt. Möglicherweise wird er bis zur Hauptversammlung sogar über eine Sperrminorität, also 25Prozent, verfügen. Als Großaktionär wird er bei der Hauptversammlung jedenfalls seine Vorstellungen zur Zukunft des Konzerns erläutern. Und wohl nicht mit kritischen Worten sparen.

Was also tun, wenn die Anspannung unerträgliche Ausmaße annimmt? Markus Beyrer hat sich da etwas recht Originelles ausgedacht: In seiner Funktion als Aufsichtsratspräsident der Telekom hat er erst einmal am vergangenen Mittwoch eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen. Eine klassische Doublette: Für Montag kommender Woche ist nämlich ohnehin die turnusmäßige Sitzung des Kontrollgremiums anberaumt. Aber sicher ist halt sicher.

Das außertourliche Zusammentreffen war, wie Beyrers Sprecher Bernhard Nagiller betont, „schon lange geplant“. Und: „Es ging um die Vorbereitung der Hauptversammlung.“ Wenig überraschend gaben die Aufsichtsräte nach der Sitzung hochoffiziell die Empfehlung an die Aktionäre aus, bei der Hauptversammlung „Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten“. Eine zivil-, straf- und finanzstrafrechtliche Würdigung der BDO-Ergebnisse spreche jedenfalls dafür.

Alles im Griff also? Ansichtssache. Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger sieht in der Vorgangsweise ein „deutliches Zeichen für Nervosität“ und findet sie jedenfalls „reichlich skurril“. Er habe, wie er erzählt, „sogar Reaktionen aus dem Ausland bekommen“. Von Investoren, die über dieses vermeintliche österreichische Brauchtum – zwei Aufsichtsratstreffen vor einer Hauptversammlung – ein wenig verwundert sind. Aber Rasinger konnte ihnen auch nicht weiterhelfen. „Ich hab's auch nicht ganz verstanden“, sagt er. Üblicherweise werden solche Empfehlungen innerhalb einer ordentlichen Aufsichtsratssitzung „nach fünf Minuten abgehakt“. Und nicht in einer eigenen Sitzung.

„Das war eine unnötige Fleißaufgabe, die wieder viel Geld gekostet hat“, findet Rasinger. Was ihn in dem Zusammenhang besonders erbost: Der Telekom-Aufsichtsrat hat gleich drei Anwaltskanzleien engagiert, die sich die Forensikuntersuchungen von BDO zu Gemüte geführt haben – und Vorstand sowie Aufsichtsrat den Persilschein ausgestellt haben. Rasingers wenig schmeichelhafter Befund: In der Telekom leide man offenbar wieder unter „Berateritis“.

Bei der Hauptversammlung wird Rasinger wohl nochmals in Rage kommen – und wohl nicht nur er: Es ist nämlich geplant, den Aktionären bloß eine knappe, von Rechtsanwälten formulierte Zusammenfassung der BDO-Expertise vorzulegen. So gesehen ist die Nervosität Beyrers verständlich: Die Aktionäre werden solch gefilterte Informationen wohl nicht kritiklos hinnehmen. Ronny Pecik schon gar nicht.

Doch dieser Umgang mit der Vergangenheit entspricht halt tatsächlich österreichischem Brauchtum. Detto die Lösung, die für die künftige Zusammenstellung des Telekom-Aufsichtsrats gefunden wurde.

Investor Ronny Pecik fordert zwei Sitze in dem Gremium – einen für sich selbst, einen für seinen Finanzier Naguib Sawiris. Die Frage, welche beiden Aufsichtsräte deswegen gehen müssen, wurde indes elegant-österreichisch gelöst: keiner. Der Aufsichtsrat wird einfach aufgestockt.

Von Neuausrichtung also keine Spur. Dabei hätte es im Telekom-Aufsichtsrat durchaus zwei Abschiedskandidaten gegeben: Edith Hlawati und Wilfried Stadler. Über Hlawati hat sich Pecik in der Vergangenheit ja schon recht eindeutig geäußert: Die Anwältin sei als Telekom-Aufsichtsrätin untragbar, weil ihre Kanzlei den Konzern jahrelang auch juristisch beraten und üppige Honorare lukriert hat. Und Wilfried Stadler, Investkredit-Chef a.D., soll sogar selbst seinen Rücktritt angeboten haben.

Beide bleiben. Offenbar, weil Beyrer berechenbare Aufsichtsräte braucht. Immerhin hat Pecik in den vergangenen Wochen einen recht guten Draht zu den Telekom-Betriebsräten – die ebenfalls im Aufsichtsrat vertreten sind – aufgebaut. Das Risiko, dass Pecik als künftiger Aufsichtsrat die Mehrheitsverhältnisse in dem Gremium kippen könnte, ist Beyrer zu groß.

Es gibt ja schließlich generell genug Unwägbarkeiten. So mehren sich im ÖIAG-Aufsichtsrat die Stimmen, die eine Ablöse der beiden Telekom-Vorstände Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden fordern. Es wird nur mehr nach dem geeigneten Zeitpunkt für eine Rochade gesucht. Und mit Post-Chef Georg Pölzl glauben auch viele, den geeigneten neuen Telekom-Chef gefunden zu haben. Gespräche mit ihm hat es jedenfalls in der Angelegenheit schon gegeben, Pölzl soll einem Wechsel auch nicht abgeneigt sein – da kann er offiziell noch so oft dementieren.

Nichts für strapazierte Nerven.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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9 Kommentare
Gast: b754
05.05.2012 11:43
1 0

haltet den pecik fern

keine zwielichtigen gestalten in der telekom

Antworten Gast: 1. Parteiloser
05.05.2012 12:21
1 1

Re: haltet den pecik fern

Könnte sich betreffen Zwielichtigkeit bei der Telekom dadurch etwas ändern?

Gast: Tutenchamun
05.05.2012 09:49
0 1

Nur noch 3 Tage

Boris Nemsic (Ex-Telekom Manager, heute Weinhändler) erklärt die Innovation (Gadet?).
Dienstag, 8. Mai, 2012, 9:30, 1010 Wien, Eschenbachgasse 9.
Freier Eintritt.
http://tinyurl.com/cb2ktnp/

Gast: 1. Parteiloser
05.05.2012 09:14
2 0

Kann die Telekom so gerettet werden?

Bei der Telekom schaut das Resultat des erfolgten Ausraubens und der andauernden Misswirtschaft so aus:

Die Telekom Eigenkapitalentwicklung!
2006: 2.823 Mio.
2007: 2.565 Mio.
2008: 2.155 Mio.
2009: 1.614 Mio.
2010: 1.477 Mio.
2011: 883 Mio.

Die Verbindlichkeiten, also die Schulden des Unternehmens, haben Ende 2011 irre 6.565 Mio. Euro betragen.

Die Eigenkapitalquote ist, besonders für ein börsennotiertes Unternehmen, auf lächerliche 11,8% gefallen.

Die Lage für das Unternehmen ist inzwischen lebensbedrohlich geworden. Den Verantwortlichen müsste es schon lange klar sein, dass nur ein exzellenter Sanierungsplan, welcher auch konsequent umgesetzt wird, das Unternehmen retten kann.

Streitereien um die Vergangenheitsbewältigung, Streitereien um die strategische Ausrichtung, Streitereien um die Macht im Aufsichtsrat, kranke Ideen zu weiteren Auslandsinvestitionen (Kosovo) sind da momentan sicher der falsche Weg.

Unglaublich auch das Totalversagen der Justiz. Massen an grausigen Vorgängen sind seit Jahren in der Öffentlichkeit bekannt aber keiner der Verbr.echer sitzt ein!

Leider scheint es so zu sein, dass das Versagen der Verantwortlichen nur prolongiert wird und so die Telekom ein AUA ähnliches Schicksal ereilen wird. Ob es noch einmal einen weißen Ritter wie die Lufthansa geben wird, dass darf zu Recht bezweifelt werden. Die absurden Geschäftsführungen der Parteibonzenparaden in Ö sind ja langsam auch International bekannt.

Wie so oft: "Money for Nothing"

Ein üppiger Konsulentenvertrag bringt Ex-Telekom-General Heinz Sundt in schwere Bedrängnis.

http://www.format.at/articles/1218/525/326769/wie-money-nothing

na zum Glück sinds nervös!


Was hat denn der Hr. Pecik geleistet in seinem Leben außer Unternehmen in Konkurs gehen zu lassen und daran zu verdienen??! Verletzung des Börsengesetzes inklusive...
http://de.wikipedia.org/wiki/Ronny_Pecik

Und ausgerechnet der Hr. Rasinger, der mit abstand kaufbarste aller Experten (den hat der Pecik sicher nicht bezahlt...) natürlich wieder von der Verunsicherung bei der Telekom erzählen... Gehört alles zur selben Blase... Das Ziel ist klar - Telekom billig machen, dann übernehmen, dann zerschlagen und verkaufen.
So einfach ist das!

Ja zum Glück ist die ÖIAG besorgt! Irgendwer muss sich ja auch um die langfristige Zukunft des Unternehmens Gedanken machen...

(muss ich verstehen warum dieser Kommentar vorher gelöscht wurde?)

Re: na zum Glück sinds nervös!

Danke für Info. Hab nicht gewusst,dass Pecik in der Schweiz in allen Punkten freigesprochen wurde.wird man/Frau vom Schüssel / Beyrer Spezi ,dem besten Finanzminister aller Zeiten , KHG nicht sagen können.
Wo das Glück bezüglich ÖIAG sein soll,muss man sich Angesichts des AUA Dessasters schon fragen. Und das die ÖVP mit Beyrer einen politischen Versorgungsfall,ohne einen Funken Betriebswirtschaftlichen Könnens an die spitze gehievt hat,sollte die Steuerzahler auch zu denken/befürchten geben .

ÖIAG Beyrer und sein Team...

....wird es auch noch gelingen die Telekom nach der AUA auch an die Wand zu fahren. Außer dem politisches Taktiere, hat Beyrer bei seinem Herrn und Meister Schüssel ja nichts gelernt. Als dank muss er wohl dafür sorgen,das nicht die gesamten geldflüsse an die Schüssel ÖVP via IV auffliegen.

3 1

pfff...

Die Telekom ist unter Schieszler und Fischer schon sehr sehr gut an die Wand gefahren worden.

Die ÖIAG wirkt wie die einzige die das Unternehmen auf langfristig gewinnbringend führen will... Man kann vom Beyrer halten was er will - Hier macht einer endlich genau das Richtige.

Das ein "Investor" nur auf schnelles Geld aus ist, ist sein gutes Recht. Aber dass wir die Krot schlucken und mit unserem Steuergeld draufzahlen ist nicht drin!