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SPÖ vs. ÖBB-Chef Kern: Rachegelüste unter Genossen

11.05.2012 | 18:26 |  von Hanna Kordik (Die Presse)

Die SPÖ hat ein Problem mit einem ihrer Genossen: mit dem allzu ehrgeizigen ÖBB-Chef Christian Kern. Wie das Leben so spielt: Jetzt nimmt der Rechnungshof Kerns Vergangenheit im Verbundkonzern unter die Lupe.

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Am Anfang war das Gerücht. Das war vor ziemlich genau einem Jahr, und das Gerücht besagte: Christian Kern, damals noch relativ neuer ÖBB-Chef, soll nächster SPÖ-Bundeskanzler werden.

Das Gerücht klang reichlich obskur. Wie es zustande gekommen war, konnte auch nicht eruiert werden: Manche behaupteten, Kern habe dies selbst in vertrautem Kreise angekündigt. Andere wiederum meinten, in der SPÖ gebe es nicht wenige, die so ein Szenario gutheißen würden: Kanzler Werner Faymann hat ja nicht gerade das Zeug dazu, Intellektuelle scharenweise für die Partei zu begeistern. Der smarte Christian Kern hingegen – der wäre schon aus einem ähnlichen Holz wie weiland Franz Vranitzky geschnitzt.

Die Sache wurde schlussendlich publik – und SPÖler Kern dementierte prompt: „Ich habe mich vor einigen Jahren dazu entschlossen, Manager zu sein und nicht Politiker“, sagte er. Nachsatz: „Und das soll auch so bleiben.“

Seitdem ist das Gerücht in Vergessenheit geraten. Und die schöne Geschichte könnte damit eigentlich auch zu Ende sein.

Seit einigen Monaten macht sie allerdings wieder die Runde. Und zwar deshalb, weil aus der SPÖ in regelmäßigen Abständen so ganz und gar nicht freundliche Wortspenden über den einstigen Shootingstar Kern kommen. Weil sich Werner Faymann vor ihm fürchtet? Weil Kern neuerdings auf Tuchfühlung mit ÖVP-Regierungsmitgliedern geht? Weil Kern eine Medienpräsenz hat, die Faymann schön langsam suspekt wird?

Jedenfalls gab es kurz vor Ostern ein neuerliches Gerücht: Die SPÖ, so hieß es, suche akribisch nach Wegen, um den offenbar (zu) ehrgeizigen Christian Kern in die Schranken zu weisen. Faymann-Getreue seien diskret auf der Suche nach schwarzen Flecken auf Kerns ach so weißer Weste. Kryptisch wurde darauf hingewiesen, dass Kerns Vergangenheit als Vorstand im Stromkonzern Verbund in Augenschein genommen werden sollte.

Auch das war – so schien es zumindest – nichts als ein bösartiges Gerücht. Nichts, das eine weitere Verfolgung wert wäre. Bis jetzt. Denn im Verbundkonzern spielt sich gerade recht Seltsames ab.

Wie's der Zufall so will, wurden am Montag dieser Woche Vertreter des Rechnungshofes im Stromkonzern vorstellig. Das ist natürlich ihr gutes Recht: Der Verbund gehört der Republik zu 51 Prozent, und da darf die oberste Kontrollbehörde schon dann und wann ein wachsames Auge auf die Gebarung des Unternehmens werfen.

Trotzdem war die Überraschung im Stromunternehmen groß. Zumal die freundlichen Herren vom Rechnungshof über keinen schriftlichen Prüfauftrag verfügten, was doch einigermaßen ungewöhnlich ist. Und die Frage nach dem Auftraggeber der Prüfung wurde auch eher unbefriedigend beantwortet: Der Rechnungshof sei von sich aus tätig geworden, hieß es lakonisch.

Klartext wurde hingegen beim Gegenstand der Prüfung geredet: Es gehe um das Auslandsgeschäft des Verbund-Konzerns. Und zwar interessiert sich der Rechnungshof für das Auslandsgeschäft ab dem Jahr 2007.

Das ist just jenes Jahr, in dem Christian Kern in den Vorstand der Verbundgesellschaft gehievt wurde. Sein damaliger Zuständigkeitsbereich – erraten: das Auslandsgeschäft.

Eine Sprecherin des Rechnungshofes bestätigte der „Presse“ gestern die Prüfung. Und damit auch alles seine Richtigkeit hat, werde es auch noch einen schriftlichen Prüfauftrag geben. Der wird halt nachgereicht, da darf man nicht kleinlich sein. Ende Mai werden die Verbund-Auslandsbeteiligungen dann in Augenschein genommen.

Das wird spannend. Denn die drei wesentlichen Beteiligungen, die der Stromkonzern im Ausland hat, geben schon länger keinen Grund zur Freude: In Frankreich und Italien werden rote Zahlen geschrieben, in der Türkei war dies bis zum letzten Jahr der Fall.

Keine Frage: ein echtes Problem. Aber wie sehr kann es Christian Kern angelastet werden?

Die Italien-Beteiligung wohl kaum. Das dortige Joint Venture Sorgenia, an dem der Verbund 44,8 Prozent hält, wurde 1999 gegründet. Jahrelang lieferte es auch Gewinne – doch mittlerweile macht der hohe Gaspreis Probleme: Sorgenia verfügt nämlich in erster Linie über Gaskraftwerke. Es muss also ein hoher Preis für Gas bezahlt werden, für den erzeugten Strom sind die Preise allerdings niedrig. Die Folge: 2001 machte der Verlust 3,3 Millionen aus, im ersten Quartal 2012 schon 14,7 Millionen Euro.

Das Sorgenkind Frankreich hat sich der Verbund im Jahre 2006 eingehandelt – also ein Jahr, bevor Kern Vorstand wurde. Allerdings: Die Anteile am dortigen Anbieter Poweo wurden bis zum Jahre 2009 auf 46 Prozent aufgestockt. Es war nicht der beste Schachzug.

Bei Poweo gab es gleich zwei Fehleinschätzungen: Erstens war der Verbund der Meinung, dass die Liberalisierung des französischen Strommarktes effektiver über die Bühne gehen würde – und dem Staatskonzern EdF Kunden abspenstig gemacht werden könnten. War aber nicht.

Fehleinschätzung Nummer zwei: Es wurden langfristige Verträge für den Gasbezug abgeschlossen. Und somit hat der Verbund mit den französischen Gaskraftwerken das gleiche Problem wie mit den italienischen: teures Gas, niedrige Preise für den damit produzierten Strom.

Von der Vertriebsgesellschaft in Frankreich hat sich der Verbund mittlerweile getrennt – angeblich wurden mit dem Abenteuer gut 100 Millionen Euro verbrannt. Und die Gaskraftwerke bleiben vorerst.

In der Türkei wurden 2011 exakt 47,3 Millionen Euro Verlust geschrieben. Dort hält der Verbund 50 Prozent am Energieunternehmen EnerjiSA. Operativ läuft alles bestens. Doch die Wechselkurse sind ein Problem – zumal von Hedging abgesehen wurde. Die Beteiligung wurde 2007, also unter Christian Kern, eingegangen.

Reicht das, um ihn karrieretechnisch ins Out zu befördern? Er selbst sieht die Rechnungshofprüfung „gelassen“, wie er sagt. „Gerade der Verbund hat eine Tradition, Entscheidungen sorgfältig im gesamten Management abzuwägen.“

Klingt plausibel, einerseits. Andererseits: Seit wann ist die politische Intrige sachlichen Argumenten zugänglich?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)

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67 Kommentare
 
12
Gast: Frye
14.05.2012 23:24
0 0

@clearwater

Der Herr Kern ist der Sohn eines Taxlers und hat während dem Studium in einer Fabrik am Fließband gearbeitet. Was für ein Bonze!


Roter Stammadel steht über allem!

Wenn man nicht verwandtschaftlich in der 2ten bis 4.ten SPÖ Generation geboren wurde - muss man sehr vorsichtig sein.

Kern ist ein absolut integerer und kluger Manager, der jetzt den Medienhype ausnutzen muss.

Unappetliche Beispiele gibt es ja in der SPÖ genug;
z.B. der ÖGB Finanzchef Clemens Schneider ist ein wunderschönes Beispiel, selbst nichts geleistet, Jobs immer durch Papa hinein geschoben (CA Vorstand Schneider) bekommen und jetzt Finanzvorstand mit unterdurchschnittlicher Performance im ÖGB obwohl es viel fähigere Leute gäbe.

Alter SPÖ Spruch:

Feind - Todfeind - Parteifreund -
gilt aber nur für jene die nicht aus dem Erbadel der Bonzen stammen.

Gast: walti
13.05.2012 16:32
2 0

Das ist doch der NORMALE Vorgang

Dieser Vorgang ist in der Politik doch als normal
zu betrachten.

Will man nach OBEN kommen, müßen die besser
gereihten Parteifreunde aus dem Weg geräumt werden(mit allen erlaubten u. unerlaubten Mittel)

Ist man OBEN angelangt muß die Position gegen
sogenannte Parteifreunde verteidigt werden.
Und wieder mit allen zur Verfügung stehenden Mittel

5 0

der wäre schon aus einem ähnlichen Holz wie weiland Franz Vranitzky geschnitzt.

Ich kenne Kern nicht, aber daß er so schlecht ist, daß man ihn mit Vranitzky vergleicht, ist schon hart!

KERNIG

es ist nicht schwer intellegenter zu sein als unser Bundeskanzler. Es ist allerdings schwer intriganger und versteckt korrupter zu sein als er. Kern kämpft in beiden Disziplinen vehemt gegen Fayman. Für den Staat heisst das nur hohe Kosten für narzistische Parteiemporkömmlinge.
No Reults. Kern war wenigstens mit Ökonomie in Berührung, Faymann ist sie vollkommen fremd.
Wenn du nie was vernünftig gearbeitet hast und dir Deinen Job normal erwirtschaftet hast, dann heisst du Faymann, Spindelegger, Pröll, Kern usw.

Gast: djfasldjf
12.05.2012 17:41
4 3

das ist ja wohl eher die letzte hoffnung der schwarzen

dass es einen streit in der spö geben könnte,

und deshalb wird das gerücht auch von den rechten blättern forciert,

man ist schon gegen fay chancenlos, was passiert erst mit einem herzeigbaren spitzenkandidaten wie kern

Gast: wassolls
12.05.2012 16:51
4 3

besser wäre es

die ÖBB auflösen und einfach jeden Österreicher vom Baby bis zum Greis die 1000€ pro Jahr bar auszubezahlen die es umgerechnet pro Österreicher kostet dieses Versorgungspostenmachwerk aufrechtzuerhalten

Antworten Gast: lèoville barton
12.05.2012 18:43
3 4

Re: besser wäre es

es ist doch heute gar nicht so heiß. Nehmens halt rechtzeitig ihre Pulverln, möglicherweise hilft das gegen den krassen Realitätsverlust.

Gast: Jose Mario Branca
12.05.2012 16:33
5 2

Genossen

Ihr bekommt nicht ein Problem sondern hunderte, die Bevölkerung läßt sich nicht länger verscheißern.
Dem Teufel sei Dank

Antworten Gast: paracelsus
12.05.2012 18:44
2 3

Re: Genossen

Hält der Sonnenstich von gestern noch immer an? Bitte in diesem Fall einen Arzt zu konsultieren.

Antworten Antworten Gast: weils wohr is
13.05.2012 10:46
2 0

Re: Re: Genossen

Lieber paracelsus, ein berühmter Name als Nick besagt noch nicht, dass abgegebene Forumsbeiträge originell sind.

Gast: Pepigramla
12.05.2012 15:51
6 2

Ich wüßte nur zwei, in der SPÖ

die als Kanzler in Frage kommen. Gabi Burgstaller oder Franz Vobes.

Sorry! Allen anderen fehlt der Mut das Richtige zu ändern.

Antworten Gast: ökono-mist
12.05.2012 23:20
2 0

Re: "Ich wüßte nur zwei, in der SPÖ"...


Wenn Se wüsst'n tat'n, wia ma Fobes schreippt, wären S' bestimmt a typisch esterreichischa Intscheneer, der das Richtige ändert - und das Falsche beläßt...

Antworten Gast: Jose Mario Branca
12.05.2012 16:36
0 2

Re: Ich wüßte nur zwei, in der SPÖ

Es wird keinen Sozialistischen Kanzler geben. WETTEN

Antworten Antworten Gast: gumpolds
12.05.2012 18:45
2 0

Re: Re: Ich wüßte nur zwei, in der SPÖ

Der Spindi wirds. Ganz sicher - eine Koalition mit den Piraten....und dann sinds aufgewacht.

Gast: bravissimo
12.05.2012 15:40
4 2

Erklärt einiges

Würde aber einiges erklären.
Kern`s Strategie ist aus meiner Sicht auf kurzfristige Erfolge fokussiert und wird mittel- bis langfristig eine deutliche Verschlechterung der Unternehmenssituation bewirken.
Wesentliche Problemstellungen im Finanzierungs-und Personalbereich werden teilweise neu verpackt, konserviert und an das zukünftige Management zur Lösung weitergereicht.
Das Management des bzw. die bisher gezeigte Problemlösungskompetenz beim maroden Teilkonzernkind RCA AG (Kerndiagnose) macht staunen.
Nach 1,5jährigem intensivem Sanierungs-und Change Managements – sprich: mediengerechter Aufarbeitung der Fehler der Vergangenheit, mehrerer interner Revisionswellen, Versuch der Kriminalisierung weiter Teile des ehem. Managementteams – bisher keine Verurteilungen,
Rückzug bzw. Stillstand in wesentlichen wirtschaftlichen, strategischen Bereichen wird nun
dem Vernehmen nach in Kürze eine neue Organisationsstruktur implementiert.
Bravo
Dem Glücklichen schlägt keine Stunde.
Und ausgestattet mit einem Top-Compliance-Paket macht sich die RCA AG auf in Richtung der definierten Kernmärkte Balkan, Türkei, Russland.
Bravo

8 1

Wen wunderts

Faymann ist eben kein klein(lich)er linker Wadlbeisser der keine Konkurrenz verträgt. Ein Meister des Management by Champignon: Alles mit (Inseraten)Mist zudecken und sobald irgendjemand den Kopf heraussteckt wird er abgeschnitten.

Re: Wen wunderts

Genau!

Mister Fayman

hat panische Angst vor Mister Kern,

der sympathischer und vermutlich auch viel

intelligenter als unser Bundeskanzler ist.

Re: Re: Wen wunderts

Was aber nicht sonderlich schwer ist.

Aha.

Kommen Fakten auch noch, oder müssen wir uns jetzt gernell darauf einstellen, dass bei der Presse tagespolitische Berichte aus dem Land der Sagen kommen werden?

Gast: Pensador
12.05.2012 11:35
14 8

Rotes Unwort Rentabilität

Natürlich, Leute die auch nur andeutungsweise meinen, dass ein Unternehmen nach Grundsätzen der Rentabilität zu führen ist, sind immer die Feinde der Genossen.

Lächerlicher Artikel

War die Presse nicht einmal eine Qualitätszeitung?

Antworten Gast: Fred
12.05.2012 12:35
13 1

Re: Lächerlicher Artikel

unnötiger Kommentar!

Re: Re: Lächerlicher Artikel

Was kann unnötiger sein als ein unnötiger Kommentar zu einem lächerlichen Artikel? .... Genau!

4 2

Re: Re: Re: Lächerlicher Artikel

Noch unnötiger ist eine "unnötige" Antwort auf einen unnötigen Kommentar zu einem lächerlichen Artikel!

Re: Re: Re: Re: Lächerlicher Artikel

dem kann nur wer einen daraufsetzen, wer das alles noch kommentiert! ;)

 
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