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Alarmstufe Rot bei der Nationalbank

01.06.2012 | 18:23 |  von Hanna Kordik (Die Presse)

Maria Fekter entsorgt den mächtigen SPÖ-Mann Werner Muhm aus der Nationalbank – und sorgt für eine Koalitionskrise. Dabei hätte sie wissen müssen, wie wichtig die Notenbank den Sozialdemokraten ist.

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Vor ziemlich genau zwei Jahren war Werner Muhm noch zu allerlei Späßen aufgelegt. Oder wollte der Chef der Wiener Arbeiterkammer bloß seine ehrliche Freude zum Ausdruck bringen? Im Juni 2010 jedenfalls begegnete er dem damaligen ÖVP-Finanzminister Josef Pröll, klopfte diesem gönnerhaft auf die Schulter und gratulierte. Pröll hatte nämlich gerade die Oesterreichische Nationalbank zu hundert Prozent verstaatlichen lassen. Und Muhm grinste: Das sei den Sozialdemokraten in 30 Jahren nicht gelungen.

Mittlerweile ist Werner Muhms Freude verpufft. Oder sagen wir es so: Er darf gerade die Schattenseite der Verstaatlichung erleben. Seitdem die Republik nämlich von 70 auf 100 Prozent an der Notenbank aufgestockt hat, ist deren alleiniger Eigentümervertreter das Finanzministerium. Und das ist bekanntlich tiefschwarz.

Ganz schlechte Vorzeichen für Werner Muhm: Seit 20 Jahren sitzt er im „Aufsichtsrat“ der Nationalbank, dem Generalrat. Bis vor wenigen Tagen. Da ist nämlich sein Mandat ausgelaufen. Und ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter weigert sich beharrlich, es zu verlängern.

Wenn das kein Grund für einen Koalitionskrach erster Güte ist.

Das Finanzministerium übt sich in Achselzucken: Immerhin sei im novellierten Notenbankgesetz festgehalten worden, dass die Zahl der Generalräte sukzessive reduziert werden soll. Und zwar von 14 auf zehn bis Ende 2015. Was biete sich da besser an, als auslaufende Mandate schlicht und einfach nicht zu verlängern? Betont wird dabei auch, dass immerhin auch ein „Schwarzer“ gehen müsse – nämlich Bernhard Felderer, Chef des Staatsschuldenausschusses.

Die SPÖ betrachtet die Angelegenheit dennoch als reinen Affront. Weil Werner Muhm ja nicht irgendwer ist. Sondern nebenbei auch der wirtschaftspolitische Berater von Bundeskanzler Werner Faymann. Und damit zweifellos einer der wenigen wirklich Mächtigen in der SPÖ.

Die Sache wird aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eh so ausgehen wie alle Koalitionskrachs – mit großen Versöhnungsgesten. Muhms Mandat werde wohl demnächst verlängert werden, heißt es sogar aus ÖVP-Kreisen. Nicht nur, weil die Volkspartei nicht riskieren will, dass ihre Personalwünsche im Gegenzug von der SPÖ blockiert werden. Sondern vor allem deswegen, weil Fekters Argumentation – leider, leider – einen nicht unwesentlichen Haken hat: Wohl sieht das Notenbankgesetz vor, dass die Zahl der Generalräte reduziert werden soll. Allerdings nur um jene, die früher von den Minderheitsaktionären entsandt wurden. Generalräte, die einst von der Bundesregierung bestellt wurden, sollen bleiben. Und dazu gehört auch Werner Muhm.

Alles wird also wieder gut.

Interessant ist dennoch die Frage, wieso die SPÖ in der Angelegenheit gar so empfindlich reagiert. Ist der Posten des Generalrats wirklich so wichtig? Durchaus, findet Muhm. „Fekters Vorgangsweise ist ein massiver Angriff auf die Sozialpartnerschaft“, sagt er. Das „Zusammenspiel von Währungs- und Einkommenspolitik“ sei in Österreich „historisch gewachsen“. Dazu seien Informationen über die Finanzmärkte unabdingbar. Informationen, die er nur als Generalrat beziehen könne.

Ganz ehrlich: Ein bissl Prestigedenken spielt schon auch eine Rolle. Die Nationalbank ist ein Machtfaktor – und also für die Sozialdemokraten immens wichtig. Auch als Bastion gegen die ÖVP.

In der Volkspartei wird die Nationalbank grantelnd als „roter Thinktank“ bezeichnet. Das ist nicht völlig von der Hand zu weisen, wie etwa die Ereignisse des Februar 2010 zeigten. Damals tobte in der Regierung ein Streit über Für und Wider einer Bankensteuer. Also wurde die volkswirtschaftliche Abteilung der OeNB mit einer Expertise beauftragt. Und siehe da: Das Papier untermauerte Faymanns Argumentation – volkswirtschaftlich spreche nichts gegen die Einhebung einer solchen Steuer.

Was damals nicht öffentlich kommuniziert wurde: Die ohnehin sehr SPÖ-freundliche Studie war eine entschärfte Fassung. Zwei ursprünglich verfasste Varianten waren vom Notenbank-Direktorium abgelehnt worden, weil sie gar zu unverhohlen bankensteuer-euphorisch waren.

Macht nichts: Die Studie erfüllte ihren Zweck, und mehr konnte Werner Faymann auch gar nicht verlangen. Da konnte Notenbank-Chef Ewald Nowotny (übrigens ebenfalls SPÖler) noch so heftig Protest einlegen: „Ich muss den Vorwurf, dass die Studie einen Bias hat, entschieden zurückweisen“, sagte er der „Presse“ damals. Sie sei „von einem ganzen Team von Experten“ verfasst worden.

Mag sein. Tatsache ist aber, dass ein Gutteil dieser Experten dem sozialdemokratischen Lager zuzurechnen ist. Etwa der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung, Peter Mooslechner. Der fiel etwa schon mit der Meldung auf: „Hätte man das Ausmaß der Ungleichverteilung der österreichischen Geldvermögen gekannt, wäre die Vermögenssteuer nicht abgeschafft worden.“ Die seinerzeitige Studie zur Bankensteuer wurde unter Federführung seiner Mitarbeiterin Helene Schuberth verfasst, die früher im Kabinett von SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gearbeitet hat. Und ein weiterer Mitarbeiter der Abteilung, Martin Schürz,alterierte sich öffentlich darüber, dass „reiche Menschen Gesundheitsprobleme in eine Gesellschaft bringen“. Kein Problem hat er hingegen mit einer Verstaatlichung von Erbschaften, wie er einst öffentlich ausführte.

Einzigartig, dieser Kampf der Notenbanker für soziale Gerechtigkeit. Und all das selbstverständlich unter dem Deckmantel der objektiven, wissenschaftlichen Expertise. Kein Wunder also, dass die SPÖ die Notenbank so innig liebt.

Damit das auch so bleibt, wird Vorsorge getroffen: Ewald Nowotnys Vertrag läuft im Sommer nächsten Jahres aus. Gerüchten zufolge sind die Chancen seiner Wiederbestellung überschaubar. Und zwar deswegen, weil er so gar nicht mehr auf SPÖ-Linie ist: Ihm bereitet Österreichs Verschuldung zunehmend Sorgen, und er weigerte sich dem Vernehmen nach, dem expliziten Wunsch Faymanns nachzukommen: nämlich als oberster Bankenaufseher Raiffeisen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das kommt gar nicht gut. Und deswegen soll die frühere EZB-Direktorin Gertrude Tumpel-Gugerell Nowotnys Nachfolgerin werden. Damit's in der SPÖ wieder Grund zur Freude gibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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83 Kommentare
 
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Vergessen wir aber nicht

die kleine Schmiergeldaffäre rund um die Gelddruckerei der OeBS
und die skandalös hohen Pensionen und Abfertigungen der OeNB.

Viel Interesse haben unsere amtierenden Politiker nicht gerade, diese Schieflagen zu korrigieren. Scheinbar gehören Korruption und Selbstbereicherung schon zum Normalzustand.

Gast: africano
03.06.2012 18:32
0 0

Die Roten ,lieben ROTE Zahlen

und sie sehen ROT ,wenn es SCHWARZE Zahlen gibt.
Des halb raus ,mit den Roten ,denn das Volk will wieder SCHWARZE Zahlen sehen.

... nicht irgendwer ist. Sondern nebenbei auch der wirtschaftspolitische Berater von Bundeskanzler Werner Faymann?

"Unser Kanzler" höhrt auf einen "roten Finanzexperten"?

Antworten Gast: Vogel Strauss
04.06.2012 10:04
0 0

Re: ... nicht irgendwer ist. Sondern nebenbei auch der wirtschaftspolitische Berater von Bundeskanzler Werner Faymann?

Genauso schaut die 'Wirtschaftspolitik' von UHBK auch aus ... reine linke Ideologie! So wird es kein Wirtschaftswachstum geben ...

Wo ist das Problem?

"...Ganz schlechte Vorzeichen für Werner Muhm: Seit 20 Jahren sitzt er im „Aufsichtsrat“ der Nationalbank, dem Generalrat. Bis vor wenigen Tagen. Da ist nämlich sein Mandat ausgelaufen. Und ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter weigert sich beharrlich, es zu verlängern..."

Verträge werden verlängert, nicht verlängert oder unter Anspruch aller gesetzlichen Voraussetzungen aufgelöst. Es gibt keinen Anspruch auf Verlängerung wenn es im Vertrag nicht niedergeschireben wurde. Das wurde es nicht. Wie können hier Probleme entstehen? Eine eindeutige klare Rechtslage.

Oder sind die Machenschaften die legalen „Korruptionen“ und der Proporz noch immer nicht abgeschafft? Findet die Machtpolitik der mittigen Parteien noch immer statt?

Jetzt weiß ich es. Das verstand Fischer und die Parteigremien unter einer direkten Demokratie. Man zieht an den Schnüren und lässt die Puppen die Handlanger weiterhin tanzen.

Gast: cheffee
03.06.2012 07:58
0 0

...dieses ewige Farbenspiel ist zum kotzen....

....immer die gleiche alte rot schwarze Leier....
....so wird es nie zu Refomen bzw. zu einen schlanken Staat kommen wenn immer dieses Farbenspiel weiter geht....

dann halt noch einen Schwarzen rausschmeißen... dann spart man sich gleich zwei solche Luschen...

Re: ...dieses ewige Farbenspiel ist zum kotzen....

Wobei Sie zur Kenntnis nehmen wollen:

Schwarz ist keine Farbe, das ist ein Zustand!

Gast: Josef der Dritte
02.06.2012 20:32
7 0

Privilegienstadel

Weiss jemand, ob der Einzug der unberechtigt im Umlauf befindlichen Diplomatenpässe schon umgesetzt wurde? Das vollmundige Trara war lautstark NPD zähneknirschend zu vernehmen. War das alles nur Theater fürs Volk? Ich jedenfalls hab schon lange nichts mehr davon gehört.

Gast: zylmurbfi
02.06.2012 19:48
7 0

na hoffenlich ist das nur ein anfang.

es ist an der zeit dass das privilegienstadel ausgemistet wird.

Gast: walti
02.06.2012 17:50
13 0

Postenschacher

Die Frage ist !!!!!! Mit welcher Begründung sind die Parteien der
Meinung die Staatsbetriebe seien """ IHR """"
Eigentum


Wenn es nicht so schwer wäre

müsste man alle Beamtenposten und Vertragsbediensteten - Stellen bei Bund, Land und Gemeinden vollkommen vom Parteifilz befreien, indem man alle Bediensteten entlässt, die Stellen neu ausschreibt und rein nach qualitativen Merkmalen nach besetzt.
Vom Schulwart bis zum Diplomaten, vom Schuldirektor bis zum Abteilungsleiter, alles ist in Österreich nach Parteizugehörigkeit besetzt. Der Fall Pelinka hat das nur zu deutlich demonstriert. Dementsprechend sind manchmal auch die angebotenen Serviceleistungen. Was soll einem auch passieren, wenn die Partei - egal welche - schützend den Flügel über ihre "Kinder" ausbreitet?
Die aufgeteilte Republik, das ist es, was wir haben und wofür wir zahlen dürfen.

2 0

Re: Wenn es nicht so schwer wäre

...es ginge einfacher! weg mit der Pragmatisierung und mehr Eigenverantwortung, wie in der Privatwirtschaft.

Re: Re: Wenn es nicht so schwer wäre

Klingt gut, nur sollte man nicht vergessen: Für Parteigünstlinge gibt es keine Eigenverantwortung. Die Partei lässt sich auch die personifizierte Unfähigkeit oder Korruption nicht herausschießen, ob pragmatisiert oder nicht.

11 0

Sozialpartnerschaft

wenn ich das nur höre wird mir schlecht

eine koruptepostenschacherbande ist das
bis auf wenige ausnahmen nehmen d alle geld (selbst gesehen)!
das sys ist krank
ordentliche bereinigung wäre an d zeit

Antworten Gast: quint
02.06.2012 20:44
0 9

Re: Sozialpartnerschaft

wenn ich das nur höre wird mir schlecht

ja dann ... bist doch eh zu blöde

Re: Re: Sozialpartnerschaft, wenn ich das nur höre

Nicht Feststellungen - Meinungen sollten Sie hier hereinschreiben!

Gast: Reflector
02.06.2012 15:28
1 0

Entsorgung aller planwirtschaftlichen ZBs überfällig

Dieser Artikel ist nur eine von vielen Bestätigungen, dass es höchst an der Zeit wäre die Zentral(Noten)Banken samt angehängtem Geldsystem fristlos zu entsorgen.

Und diesem Sauhaufen sollen die von Generationen erarbeiteten 'Reserven' für den Krisenschutz übertragen werden?

Man denke nur daran, wie immer wieder beteuert wird, wie unabhängig die Notenbanken wären.

Und wie der 'freie'Markt an allem Schuld hätte.

Der 'freie' Markt sieht genauso wie die ZBs aus, nämlich planwirtschaftlich und korrupt.

8 0

deren einzige Sorge ist scheinbar weiterhin,

wer welcehs Amt für sich beanspruchen und besetzen darf und kann, statt endlich für das eigene Land und seine leidgeprüften Bürger tätig zu werden `?!

16 0

Ja leider, der Postenschacher

macht nicht nach der Propagandaabteilung ORF halt. Das sind die, längst zur Entsorgung fälligen Resultate des Proporzes der Nachkriegszeit.

Bei vielen Posten sieht man hier offensichtlich so etwas wie ein Erbrecht (und das ganz ohne Erbschaftssteuer) für Parteien. Zwar einer Demokratie des 21. Jh. unwürdig, deckt sich jedoch mit den, in allzu vielen Bereichen im vorherigen Jahrhundert stehen gebliebenen Geisteshaltungen, der agierenden Parteisoldaten. Welche sich parallel, und vernute sogar ehrlich darüber wundern, warum ihre Ablehnung durch die Bevölkerung immer weiter zunummt.

Gast: Kiessler L
02.06.2012 13:25
8 0

Ich mag sie die Frau Fekter, sie geht aufrecht ihren Weg und schleimt nicht wie viele ihrer politischen Mitstreitern.

"Shortly, without von delay", hat sie denmächtigen SPÖ-Mann Werner Muhm aus der Nationalbank entfernt!

Zeit wird's, daß diese unfähige und unnötige Marxistenfigur entfernt wird!!!


Antworten Gast: Vogel Strauss
04.06.2012 10:06
0 0

Re: Zeit wird's, daß diese unfähige und unnötige Marxistenfigur entfernt wird!!!

Keine Sorge - der hat schon seine Beamtenpension auf der sicheren Seite. Vorher wird er sich als wirtschaftspolitischer 'Berater' unseres Kanzlerdarstellers noch ein paar Gemeinheiten für Betriebe einfallen lassen!

Re: Zeit wird's, daß diese unfähige und unnötige Marxistenfigur entfernt wird!!!

Die Mizzi ist doch kein Marxist.

0 1

Re: Re: Zeit wird's, daß diese unfähige und unnötige Marxistenfigur entfernt wird!!!

aber Steigbügelhalter!

SPÖ und ÖVP zanken um die Pleite-Volksbank


http://bit.ly/M4iWqm

Gast: IO
02.06.2012 12:17
17 0

Rotschwarze Mafia

Eine 3. Republik oder ganz weg damit.

 
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