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ÖBB: Bahn frei für neue Streitereien

22.06.2012 | 18:35 |  von Hanna Kordik (Die Presse)

Die ÖBB liegen im Dauerstreit mit Ex-Chef Huber. Es geht um dessen finanzielle Ansprüche nach seiner vorzeitigen Vertragsauflösung. Einen Teilbetrag hat er schon eingeklagt. Jetzt droht Klage Nummer zwei.

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Die Angelegenheit machte von Anfang an nur Zores. Aber das geht wohl nicht anders, wenn der Chef eines Staatsunternehmens vor die Tür gesetzt wird. Vor Ablauf seines Vertrages, versteht sich. Als Martin Huber im April 2008 unsanft aus dem ÖBB-Chefsessel entfernt wurde, war der Streit also perfekt: Die ÖVP war verstimmt, weil Huber einer der ihren ist. Die Grünen und die FPÖ waren empört, weil Huber eine üppige Abfertigung erhielt. Mittendrin: der zuständige SPÖ-Verkehrsminister, damals ein gewisser Werner Faymann.

Auch nicht lustig. Es wäre freilich nicht Werner Faymann, hätte er nicht sofort eine Super-Erklärung für die unerfreulichen Ereignisse parat gehabt: In Wahrheit sei Hubers Vertrag unter dem früheren FPÖ-Verkehrsminister Hubert Gorbach ausverhandelt worden, sagte Faymann. Daran müsse er sich ärgerlicherweise halten, da fährt die Eisenbahn drüber. Und so nahmen die Dinge unweigerlich ihren Lauf: Huber sei als ÖBB-Chef zwar untragbar, hieß es. Trotzdem wurde er mit jeder Menge Geld verabschiedet. So ist das eben.

Ganz wohl dürfte sich Faymann dennoch nicht gefühlt haben. Was irgendwie verständlich ist: Ein Jahr davor hatte er die vorzeitige Verabschiedung von gleich drei Asfinag-Vorständen veranlasst – ebenfalls mit generösen Abfindungen. Der Fall Huber musste also ein wenig eleganter über die Bühne gehen.

Gesagt, getan: Martin Huber bekam zum Abschied leise rund 477.000 Euro als Wegzehrung. Das war ganz offiziell als „Abfertigung“ tituliert. Doch unangenehmerweise waren noch rund 837.000 Euro an Ansprüchen offen. Was tun?

Es kam zu einem raffinierten Schachzug: ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker, ein enger Vertrauter Faymanns, handelte mit Huber einen „Konsulentenvertrag“ aus. Nicht, dass man wirklich auf Ezzes des geschassten ÖBB-Chefs neugierig gewesen wäre – aber von der Optik her ist so eine Variante unschlagbar.

Blöd halt, dass auch diese Abmachung nichts als Probleme brachte. Und die sind beileibe noch nicht ausgestanden.

Rund 480.000 Euro hätte Martin Huber als „Konsulent“ verdienen sollen, auf rund 17.000 Euro monatlich hatte man sich geeinigt. Die Sache wäre auch sang- und klanglos über die Bühne gegangen, hätten sich die ÖBB an die Abmachung gehalten. Taten sie aber nicht: Bis Ende 2008 war immer noch kein Cent auf Hubers Konto eingegangen. Er drängte wiederholt, er wurde ebenso regelmäßig vertröstet. Bis es zum für die ÖBB Undenkbaren kam: Hubers Rechtsanwalt Meinhard Novak klagte.

Die Sache endete im Mai 2009 mit einem Vergleich. Und Huber kassierte immerhin 306.000 Euro. Was allerdings nicht bedeutet, dass die leidige Angelegenheit Huber vs. ÖBB als abgehakt zu betrachten wäre. Es sind noch rund 357.000 Euro ausständig. Und da deutet vieles auf einen neuerlichen Rechtsstreit hin.

Bei dem Betrag handelt es sich in Wahrheit um den Bonus, der Huber für das Jahr 2007 zusteht. Aber ein Bonus? Für einen untragbaren Unternehmenschef? Das kommt in der Öffentlichkeit natürlich gar nicht gut. Also kam es seinerzeit wiederum zu einer listigen Abmachung: Sollte sich ein im Jahr 2005 von der ÖBB mit der Deutschen Bank abgeschlossenes Spekulationsgeschäft positiv entwickeln, dann werde der Betrag flugs an Huber überwiesen.

Wobei „positiv“ so definiert wurde: Es dürfe halt nicht zu einem totalen finanziellen Ausfall für die ÖBB kommen. Denn dass aus der Spekulationsgeschichte niemals eine Erfolgsgeschichte werden würde, war zu dem Zeitpunkt längst klar: Um 612,9 Millionen Euro hatten sich die ÖBB im Jahre 2005 von der Deutschen Bank toxische Papiere aufschwatzen lassen – da konnte nur mehr versucht werden, den „Worst Case“ zu verhindern.

Huber vertraute also darauf, dass die Sache irgendwie in seinem Sinn ausgehen würde.

Es kam trotzdem anders. Und zwar deswegen, weil die ÖBB auf Anraten ihres Anwalts Ewald Weninger auf juristischen Konfrontationskurs gingen: Sie klagten die Deutsche Bank.

Die Sache war von überschaubarem Erfolg: Die ÖBB argumentierten – wie üblich bei fehlgeschlagenen Spekulationsgeschäften – damit, dass sie von der Deutschen Bank in die Irre geführt worden seien. Doch offenbar waren ihre Argumente nicht stichhaltig: Der Prozess wurde in erster und in zweiter Instanz verloren. Die letzte Instanz wurde gar nicht erst bemüht – es kam Anfang 2010 zu einem Vergleich mit der Deutschen Bank. Und der kostete die Österreichischen Bundesbahnen immerhin 295 Millionen Euro.

Das Abenteuer war also ein teures. Aber es ist wenigstens vom Tisch. Allerdings nicht für Martin Huber.

Der stellt sich nämlich auf den Standpunkt, dass mit dem Vergleich die Grundlage für seine Ansprüche weg ist. Seine Argumentation: Die ÖBB hätten sich gar nicht erst auf einen (aussichtslosen) Prozess einlassen dürfen – sondern versuchen sollen, das hochriskante Investment auch nur irgendwie zu retten. Ihm seien aus der Vorgangsweise der ÖBB Nachteile erwachsen. „Forderungsvereitelung“ heißt das in der trockenen Juristensprache. Und die Forderung beläuft sich mittlerweile – dank einer Wertsicherungsklausel – auf rund 388.000 Euro.

Wie es weitergehen wird, ist unschwer zu erraten. Eine neuerliche Klage liegt jedenfalls in der Luft. Das erkennt man schon daran, dass sich die Beteiligten äußerst zugeknöpft geben, offenbar befindet sich die Sache in einem äußerst sensiblen Stadium.

Martin Huber sagt bloß: „Ich bin an einer einvernehmlichen Lösung interessiert.“ Jede weitere Stellungnahme lehnt er ab. Auch ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker bittet höflich um Verständnis dafür, dass er in der Angelegenheit keinen Kommentar abgeben möchte.

Klar: Ein falsches Wort, und man sieht sich wieder vor Gericht. Und weitere Zores kann jetzt keiner gebrauchen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)

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39 Kommentare
 
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Gast: GEFE
25.06.2012 08:13
0 0

Politkasperln

Is ja fast zum Lachen. Wäre fast geneigt dem Huber zu gratulieren , da er wieder mal aufzeigt wie deppert unsere Politiker sind, egal welches Couleur.

0 1

mit den steuer MILLIARDEN so zu spielen finde ich fahrlässig und eine reine zumutung für das arbeitende volk. diese zahlungen an die ÖBB in milliardenhöhe sollten sofort ABgestellt werden und die verantwortlichen umgehend zur Rechenschaft gezogen werden, ohne wenn und aber!!!


STAAAAAAAATSANWAAAAAAAAAAAAAAALT!!! Ist da jemand???

1 1

600.000.000 €

Gehört es zum Kerngeschäft einer Eisenbahn toxische Papiere aufzukaufen? Wie wärs mit Klagen gegen die verantwortlichen Personen?

Gast: eamonclever
24.06.2012 11:53
0 2

nicht zu vergessen

pöchhacker war jahrelang der vorstandschef von huber bei porr.
warum hat sich huber auf einen konsulentenvertrag wohl eingelassen? Weil er auf die handschlagsqualität des langjährigen weggefährten verlassen hat. Wer hat da butter auf dem kopf? ich würde sagen F.

Gast: Blondiene
23.06.2012 19:35
4 0

Krähen wohin man sieht!

auch nur sachlich und persönlich betrachtet! ;-)

Weshalb wird jemandem überhaupt eine "Abfertigung" oder ein "Konsulentenvertrag" gegeben wenn man ihn, wegen Unfähigkeit entlassen könnte?

Wer welcher Hirni hat diesen Vertrag von Unternehmerseite unterschrieben?

Hier kamen scheinbar Dumm und Dümmer zusammen!

Für alles eine Erklärung

Es wäre freilich nicht Werner Faymann, hätte er nicht sofort eine Super-Erklärung für die unerfreulichen Ereignisse parat gehabt. Faymann hat für alles eine Erklärung oder sagen wir lieber für fast alles. Denn für das hat er keine Erklärung, da lässt er ausrichten: ER Bundeskanzler, nicht zuständig.
http://wp.me/ppWn1-11

Gast: LegendIn
23.06.2012 15:06
11 3

Auch diese Lektüre bestätigt: Faymann ist und bleibt der erbärmlichste Kanzler der Republik Österreich


Antworten Gast: hegertin
23.06.2012 20:32
3 0

Re: Auch diese Lektüre bestätigt: Faymann ist und bleibt der erbärmlichste Kanzler der Republik Österreich

das ist aber ungerecht gegenüber dem Schüssel.

Gast: nkerl
23.06.2012 11:00
6 1

hat er nicht genug

"Gschaftl" gemacht, der Herr Huber ? Vielleicht wären noch ein paar Grundstücke gefällig, die er mit seiner Alten verwerten könnte,wer ist überhaupt auf die wenig intelligente Idee gekommen, den in diese Position zu heben. Der
war doch von Anbeginn total überfordert.

ÖBB zusperren!

Konkurs und liquidieren. Alles andere ist Steuergeldverschwendung pur.

Viel zu viele personelle, politische und ideologische Altlasten.

ÖBB zusperren!

Konkurs und liquidieren. Alles andere ist Steuergeldverschwendung pur.

Viel zu viele personelle, politische und ideologische Altlasten.

Gast: Anton Z.
23.06.2012 09:38
9 0

Huber

Ein echter ÖVP-Leistungsträger. Wir bräuchten mehr von solchen Koryphäen im Land, dann müssten wir uns um die Zukunft unserer Kinder keine Sorgen machen. Solche Leute sind es die echte Wertschöpfung bringen. Nur mit solchen ÖVP-Leistungsträgern werden wir in einer globalisierten Welt bestehen können. Gott sei Dank wählt das Volk wieder ÖVP.

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ÖBB = Steuergelder in Milliarden Höhe - Jährlich und OHNE zu hinterfragen! Dann lese ich solche Dinge wie hier und mir wird als Steuerzahler wirklich schlecht!


Re: ÖBB = Steuergelder in Milliarden Höhe - Jährlich und OHNE zu hinterfragen! Dann lese ich solche Dinge wie hier und mir wird als Steuerzahler wirklich schlecht!

sollte dir tatsächlich schlecht werden, dann solltest du schnell nach vorarlberg fahren und dich im vorgarten von gorbach übergeben: immerhin hat er diesen vertrag mit huber abgeschlossen.

oder du übergibst dich im vorgarten eines jener övp-typen, deren idee und wunsch huber war und die gorbach die hand geführt haben beim unterschreiben. falls du wiener bist, dann ist es eh nicht weit nach hietzing zum wohnsitz von obergangster wolfi s.

also: stelle dein erbrochenes den verursachern zur verfügung. und das sind NICHT die öbb!

Gast: Die Mistgabel
23.06.2012 08:03
8 0

Huber ist einer

Von den supersauberen ÖVP Managern ala Strasser, Grasser, AMP, Fischer, Himmer...

Aber der Strache macht aaaaaaalleeees noch superer sauberer!

Antworten Gast: ido
23.06.2012 11:10
1 1

Re: Huber ist einer

Zeig mir wer einen hochdotierten Konsulentenvertrag ausschlagen würde, bzw. im Nachhinein auf Auszahlung des selbigen verzichten würde. Das hat doch nichts mit Korruption zu tun...

Re: Huber ist einer

strache ist ein hochanständiger typ, der nie niemals etwas mit freunderlwirtschaft und ähnlichem zu tun hat.
nicht mal mit dem avancement von graf zum hausmeister in seibersdorf hatte er etwas zu tun: der hat halt bei der 02er wahl sein nr-mandat verloren und als ausgleich für diese linkslinke unterechtigkeit kam ein engerl herab, das das arme tschapperl mit einem posten versorgt hat...

Ein schwarzer Sargnagel für die rote ÖBB

An den Folgen der desaströsen Filetierungen und Fehlentscheidungen leiden die ÖBB noch heute. Zerschlagung war das Ziel von Schüssel. Politisch motiviert, ohne volkswirtschaftlich vertretbar zu sein. Es ging dabei - auch - um Geschäftsführerposterln für Parteigünstlinge aus dem schwarzblauen Karrieretopf.
Es wäre durchaus überlegenswert, wenn die ÖBB Gegenklagen gegen diesen offensichtlich unersättlichen Schwachmatiker in Erwägung ziehen würden. Vermutlich haben sie das auch getan.
Der Vertrag für Huber wurde offensichtlich unter Missachtung der Unternehmensinteressen aufgesetzt. Dafür wird nun die Rechnung präsentiert. Es wäre interessant zu wissen, ob dies ein bei der ÖBB üblicher Direktorenvertrag ist, oder aber, ob er auf politischen Druck zustandekam. Das ist der Punkt!

14 1

Rein sachlich betrachtet

Unabhängig von jeglicher fachlicher Eignung - diese muss vom Eigentümer bei Einstellung des Managers sichergestellt werden - ist es eine wirkliche Scham, wenngleich urtypisch für die österrechische Politik, dass eines der größten österreichischen Unternehmen (i) anscheinend nicht fähig ist einen ausgewogenen Arbeitsvertrag auszuhandeln (dh. "Exit"-Möglichkeit) und (ii) nicht willens ist geltende privatrechtliche Vereinbarungen (=Verträge) einzuhalten und zu erfüllen.

"Ich mach' mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt."

Und jetzt macht mich rot.

Re: Rein sachlich betrachtet

zeigen sie mir irgendwo auf der welt EIN unternehmen, das einen ceo-managervertrag GEGEN den willen des mehrheits/alleineigentümers ausfertigt.
danke!

der schüssel hats so gewollt, der schüssel hat es so bekommen.
ebenfalls danke!

Re: Rein sachlich betrachtet

noch dazu wo sie Millionenbeträge für Rechtsberatung ausgeben.

Gast: globetrotterneu
23.06.2012 00:20
3 2

zeit für gerechtigkeit

Der Fall Lucona
Die Konsum- Pleite
Der Noricum Skandal
Der AKH Skandal
Bank Burgenland Skandal
Der BAWAG Skandal
und jetzt noch die Draufgabe
Öffis, Strom und Müll werden noch teurer, die Schulden betragen mittlerweile drei Milliarden Euro: Wien muss sparen - obwohl die City eigentlich noch "geheime" Reserven haben müsste. In der privaten AVZ-Stiftung hat nämlich 2001 der damalige SP-Finanzstadtrat 1,7 Milliarden Euro angelegt. Doch davon sollen jetzt nur noch 190 Millionen übrig sein – ein Milliarden-Skandal, sagen Insider.

Antworten Gast: XXXL-Nobody
23.06.2012 13:38
2 0

Re: zeit für gerechtigkeit

Is des der, der als ehemaliger Finanzminister (vor Grassers Neuübernahme des Finanzressorts) in einem Aufwaschen aus allen Datenverarbeitungsanlagen die Festplatten vernichten ließ?
Der selbige war ja auch einmal Wiener Wohnbaustadtrat.
Und heute ist der „Heimlichtuer“ Rapid-Präsident.
Heißen tut der „Krümmelkriecher“ Edlinger Unschuldslamm.


14 5

die ÖBB sollen sofort eine gegenklage einbringen.

für den schaden den der huber angerichtet hat!
auch über abzockerei soll die ÖBB eine klage einbringen!

Antworten Gast: Fred
23.06.2012 08:51
4 8

sollten die Steuerzahler nich besser Faymann klagen

der hat das zu verantworten!

Re: sollten die Steuerzahler nich besser Faymann klagen

wohlo eher schüssel.

 
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