SuperMarkt: Heute schon im Haushalt geholfen?

17.11.2012 | 18:10 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Die SPÖ verteilt die Hausarbeit zwischen Mann und Frau, die Grünen sorgen für günstigen Wohnraum. Nur in Schweden greift die öffentliche Hand so stark in Mietverträge ein wie hierzulande.

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Wir Männer sind so ziemlich das Letzte. Faule Chauvinisten, die nach einem erholsamen Tag am Arbeitsplatz am liebsten mit ihrem besten Freund, dem Fernseher, abhängen. Oder wie die Stadt Wien lustige Kinder in einem sehenswerten Videoclip („4Wände 4Hände“) sagen lässt: „Die Mama kocht Nockerln, und der Papa schaut fern“. Nirgendwo Väter, die sich zu Hause irgendwie nützlich machten, stattdessen nötigen sie ihre Frauen zum innerfamiliären Frondienst. So sieht die harte Wirklichkeit aus, wenn man gegen Ende des Jahres 2012 aus den sauber geputzten Fenstern des Rathauses in die Wohnzimmer der Wiener Gesellschaft schaut. „In mehr als der Hälfte aller Wiener Haushalte mit Kindern übernimmt die Frau die gesamte Arbeit“, wie Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) in der aktuellen Ausgabe der Wiener Stadtzeitung sagt.

So kann das natürlich nicht weitergehen. Was tun? Die Stadtregierung versucht es mit Bewusstseinserweiterung, indem sie allen Bürgern der Stadt einen penibel ausgearbeiteten Haushaltsplan zustellt. Mit dessen Hilfe wird schnell klar, wer sich in den vergangenen Wochen geschraubt und wer geschuftet hat. Bedienungsanleitung inklusive: „Tragen Sie Ihre Namen ein, haken Sie die erledigten Arbeiten ab, und vergleichen Sie nach einer Woche den Aufwand“. Wer hat die Kinder versorgt, wer den Mist entsorgt (für beide Tätigkeiten gibt es dieselben „Punkte“), wer hat gewischt, wer Fenster geputzt – wer Auto gewaschen, wer die Wäsche. Und so weiter und so fort. Dagegen ist nicht viel einzuwenden, Aufklärung schadet schließlich nie, zumal es ja tatsächlich hunderttausende Männer geben dürfte, die ihren Frauen genüsslich dabei zusehen, wie sie mit den Kindern lernen, sie erziehen und nebenbei auch noch den Haushalt schupfen.

Ausgangssperre für Männer. Allerdings geht es um weit mehr als um das Schärfen des Blicks. So hat Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) angeregt, die von Männern geleisteten Überstunden gesetzlich zu beschränken. Damit die Herren mehr Zeit mit ihren Familien verbringen können. Womit auch klar wird, wie ungeniert der Staat das Leben der Bürger unter seine Kontrolle zu bringen versucht. Aber was dann? Ein kommunaler Wohnanlagenbeauftragter, der in allen Haushalten nach dem Rechten sieht? Eine auf Männer zugeschnittene Ausgangssperre, um zu verhindern, dass die rücksichtslosen Gesellen das verhängte Überstundenverbot im Wirtshaus absitzen? Ein Gesetz, das faule Väter zwingt, mit ihren Kindern zu spielen?

Die Stadt Wien teilt nicht nur die Arbeit zwischen Mann und Frau, sie versorgt private Haushalte auch mit leistbaren Mieten. Mit sieben Euro pro Quadratmeter müssten die Immobilienhaie doch satt werden, wie die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sinngemäß meint. Ganz so, als würden hunderttausende Wiener Mieter Monat für Monat von üblen Wohnraumspekulanten ausgenommen. Während gerade einmal fünf Prozent der Mieten in den 960.000 Wiener Wohnungen auf den Märkten festgelegt werden, 95 Prozent also reguliert sind. Nur in Schweden greift die öffentliche Hand so stark in Mietverträge ein wie hierzulande.

Welche Folgen das hat, zeigt eine jüngst veröffentlichte Dissertation an der WU Wien („Miete, Lage, Preisdiktat“ von Michael Pichlmair). Altmieter bleiben auch nach dem Auszug der Kinder in ihren großen Wohnungen, während neue Mieter aus dem Markt gedrängt werden und in kleineren Einheiten unterkommen müssen. Angemietete Wohnungen werden so zum lebenslangen „Eigentum“. Die Arbeitsmobilität sinkt, weil niemand aus der künstlich billig gehaltenen Wohnung auszieht, um schneller zur Arbeit zu kommen. Deshalb wird (staatlich subventioniert) gependelt. Und trotzdem steigen die Mieten rasant, nicht zuletzt wegen der öffentlichen Gebührenlawine und der Folgen der inflationären Geldpolitik.


Staatliche Interventionsspirale.
Höchste Zeit also, weite Teile des Wohnungsmarktes zu deregulieren – statt den umgekehrten Weg einzuschlagen. Spürbar verteuern würde sich das Wohnen in besten Innenstadtlagen, deren Mieter sich über unverschämt günstige Friedenszinsverträge freuen – zulasten der Hausbesitzer, die über derartige Konstrukte schrittweise enteignet werden und deren Besitz dem Verfall preisgegeben wird. Und für soziale Härtefälle halten Wohlfahrtsstaaten üblicherweise Zuschüsse bereit (das dürfte aber kaum 95 Prozent der Mieter betreffen).

Das zentrale Problem auf dem heimischen Wohnungsmarkt heißt schließlich nicht hohe Mieten, sondern niedrige Renditen für die Vermieter. Das reduziert zwangsläufig das Angebot, weshalb erst recht wieder nach dem Staat gerufen wird, um die Leute mit günstigem Wohnraum zu versorgen. Auf Pump versteht sich, weil das Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Ein gutes Beispiel dafür, wie eine Intervention des Staates neue Probleme auslöst, die nach weiteren Eingriffen schreien.

Bezahlt wird die Rechnung natürlich von den Steuer zahlenden Teilen der Bevölkerung, die sich dann auch noch nachsagen lassen dürfen, Begünstigte der munter voranschreitenden „Umverteilung von unten nach oben“ zu sein. Man sieht also: Nicht nur wir Männer sind das Letzte, sondern auch alle Politiker, die so tun, als wären sie die Guten und alle anderen die Bösen.



franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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85 Kommentare
 
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Sehr geehrter Herr Schellhorn!

Wie wäre es mit einer Klarstellung bezüglich Ihres Engagements bei der Presse?
Besten Dank.

"Ich weiss nicht, was Sozialismus ist", meinte A.F. von Hayek !


Er lässt sich wissenschaftlich nicht fassen !

Ca. 100 Mio. Menschen hat der Sozialismus in allen seinen hist. Ausprägungen am Gewissen !!

Ob national-, bolschewistisch, maoistisch oder pol-potistisch.

Doch wos kümat des an Gewerkschofta ???

Lieber Franz!


Liest du eigentlich irgendwann deine eigene Zeitung?
http://immobilien.diepresse.com/home/investment/1313867/Zinshaus-beliebter-als-Sparbuch
Der Artikel ist auch vom 17.

Und warum noch mal ist eine geringe Rendite eine Verteilung von unten nach oben?
Wahrscheinlich hat Urschitz eh die Bemerkung: "und Schuld daran ist die sozialistische EU" gestrichen.

Von einem Kommentar erwarte ich mir spannende Ideen, ein paar Fakten, die mich überraschen, ein bißchen Pfeffer und gehörigen Respekt.

Und was kommt da?
Dieser Kommentar ist unter jeder Kritik. Vielleicht solltest du mal in die Lehrredaktion der "Furche" gehen. Das ist das gleiche Haus, die Arbeitsumgebung ist also abgesichert und vielleicht kommt dann aus dem schützenden Schoss der Verlagsmutter ein bißchen was Neues.

Aber so wirds nichts mehr
Dein Jordi.



Enttäuschend

Laut der Überschrift soll es um Familien- und Gesellschaftspolitik gehen und um geschlechtliche Gleihberechtigung. Tatsächlich geht es um die miesen Immobilienhaie und die Friendszinsausnutzer. Die Presse wird tatsächlich unlesbar. Und ist Hr. Schellhorn in Wahrheit eine Frau, die sich für den Standard qualifizieren möchte?
Männer sind nicht von Grund auf Gewalttäter, die nur mit dem §38a SPG behandelt gehören und faule Säcke im Haushalt. Wenn wir diesen Mist der aktuellen Generation und deren Nachkommen weiterhin einreden, wird die männliche Bevölkerung bald völlig der Zeugungsverweigerung und der Flucht ins Steuerausland nachgeben.
Die Wahrheit ist: die aktuelle Generation kann mit der Historie, daß Männer Geld verdienen und Frauen am Herd stehen, nichts anfangen. Sie werden daher weder Euer Blatt lesen noch die aktuellen politischen Strömungen wählen. Wann erkennen wir, daß die Jugend unsere Zukunft ist (wie schon WaLuLiSo im Lied mit Blümchen Blau) und nicht die Pensionisten?

politiker,

macht endlich eure jobs und mischt euch nicht mit schwachsinn in unser leben ein. wir zahlen mit unseten steuern eure gehälter.


Schellhorn ist übrigens bald weg

Ob man darüber trauert oder jubelt muss jeder selbst entscheiden. Ich persönlich juble.

Die Sozialsozialsten

zeigen jede Woche aller Welt, dass sie ihren Namen gerecht werden. Durchdringung aller Lebensbereiche mit einer weltfremden Idiologie, dass haben schon andere gemacht . Es endet immer im Desaster!

schwachmaten endlich satt

männer sind ja sooo böse, faul und haben keinen sinn für die familie..

sollen diese PUNKTPUNKTPUNKT selber einmal etwas arbeiten und leisten, bevor sie anderen vorschreiben wie sie ihr leben zu gestalten haben und über ARBEIT sprechen.
schau ich mir an wie frau ministerin 50kg zementsackerl am bau herumschleppt. alles hat seine grenzen, arbeitsteilung ist in einem gesunden maß durchaus sinnvoll.

es gibt genügend tüchtige, intelligente, großartige frauen die mit diesem gender wahn genau NICHTS anfangen können. sie schaffen ihr leben aus eigener leistung und werden von diesem quotenwahn höchstens befleckt.

Österreich schafft sich ab

Ihr braucht bloß Politikerinnen wie die Frauenberger oder die Heinisch-Hosek munter weterarbeiten lassen.


Re: Österreich schafft sich ab

An diesen Damen und an vielen anderen z.B. in der wiener Stadtregierung sieht man, wohin Genderwahn führt.

Schleichts euch!

Schleichts euch endlich aus der selbstbestimmten "Verfassung" meiner/unserer Familie, will man ausrufen!
Das linke und links-linke - man verzeihe den Ausdruck, obwohl ich ohne Schuldgefühl bin - Pack, ruiniert seit Jahrzehnten aus durchsichtigen, ideologischen Motiven die Familien - und viele andere gesellschaftliche Grundsteine.
Noch erschreckender ist, daß die ehemalige wertkonservative ÖVP immer öfters den Steigbügelhalter für die Linke spielt.
Ob bei Umtextung der Bundeshymne, ob Waffengesetz, ob Familien- und Namensrecht, etc.überall spielte die ÖVP im Dienste der Linken die zweite Geige.
Ursache dafür können meines Erachtens vor allem nur zwei Dinge sein:
1. Angst vor dem linken politisch-medialen Mainstream. Also kein Rückgrat!
2. Eine seit Jahrzehnten anhaltende linke Gehirnwäsche, eine Art politisches Stockholm-Syndrom, bei dem die angeblichen (Wert-) Konservativen gar nicht mehr erkennen können, daß sie Geiseln der Linken geworden sind. Andererseits spielt, ähnlich wie bei Mitgliedern der ehemaligen Ost-CDU - deren politisches Handeln man in der BRD bewundern kann - die Sozialisation im Schatten einer Übermächtigen sozialistischen Partei eine nicht geringe Rolle.
Der Wähler aber steht heute vor dem Dilemma praktisch keine wählbare echte liberale oder wertkonservative Alternative mehr zu haben. Im Prinzip stehen nur sozialistische oder sozialdemokratisierte Parteine und die Partei des Greises und der Verräter zur Wahl.
Wahrscheinlich werde ich nicht mehr wählen!

Re: Schleichts euch!

Nicht mehr wählen ist bei ihrer politischen Bildung auch die beste Lösung.

Wodurch unterscheiden sich linke von rechten Bevölkerungsgruppen?
War Berta von Suttner links oder rechts?
War Hildegard Burjan links oder rechts?
oder Kolping oder Raiffeisen?
Ist ein Kibbuz links oder rechts?
Haben sie je "rerum novarum" gelesen (nur zwecks der Aufgaben, die sie hätten)?
Ist das spanische Namensrecht traditioneller als das österreichische?

Wenn sie die Fragen richtig beantwortet haben, haben sie vielleicht die Chance auf "ihren Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“.

Dann haben sie die Chance ein klassischer Humanist in wertekonservativen Sinn zu werden. Aber mit dem Geschrei, werden eher Menschen sterben, als dass sie einen wertorientierten Respekt vor der Schöpfung haben.

Re: Schleichts euch!

Vorsicht: die Welt nur in links und rechts einzuordnen könnte den Horizont einengen - der wäre dann nämlich gar nicht vorhanden.

Links und rechts - ist das nicht ein wenig gestrig? Wenn alle immer nur so denken - in politischen Lagern - dann könnten wir ja gleich in unsere aktuelle Politik wechseln.

Re: Re: Schleichts euch!

Na ja, eigentlich habe ich die (österreichische) Welt nicht in links und rechts, sondern in links-link, links und sozialdemokratisiert geordnet.
Ich kann nicht einmal mit der Lupe Wertkonservative oder Liberale mehr erkennen - maximal in politisch unbedeutenden Spurenelementen.
Es gibt z.B. keine Partei, die sich ernsthaft, jenseits aller Vorwahllippenbekenntnissen um die sich in einem schleichenden Enteignungsprozess befindlichen Mittelschicht kümmert.

Re: Re: Re: Schleichts euch!

Enteignungsprozess?
Das ist doch ein kommunistischer Begriff, oder?
Welche Enteignung meinen sie?
Die beim Besitz? Dann haben sie vergessen, dass man früher für einen Wert arbeiten mußte: Acker bestellen, Kuh füttern, Geschäft führen ...
Oder die der Arbeit? Da bin ich zB Schuld. Ich ersetze brav arbeitende Menschen durch Computerprogramme. Warum? Um meine Familie zu ernähren und damit andere Familien ein leichteres Auskommen durch günstigere Produkte haben.

Ich glaube, sie haben nicht begriffen, dass Hayek und Schumpeter Recht behalten. Die heutige, durch Kreisky aufgebaute Mittelschicht wird durch die unternehmerische Mittelschicht abgelöst.
Die Welt, die sie erhalten wollen ist eine sozialistische, aber das Modell hat sich bereits abgelebt.

Re: Schleichts euch!

Sie haben völlig Recht. Auch entgegen der Meinung eines Forentrolles ein Stückchen weiter unten :-)

Re: Schleichts euch!

sie haben natürlich vollkommen recht mit ihrer kritik der linksen und links-linksen. aber die die links-links-linksen haben sie vergessen! und die links-links-links-linksen! und die links-links-links-links-linksen! und...

Re: Re: Schleichts euch!

Verhaltensorigineller PISA-Schüler? - oder nur halblustig?

Wo Unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

WIR HABEN EIN SELBSTBESTIMMUNGSRECHT, EINS AUF SELBSTENTFALTUNG, UND AUF SCHUTZ DER PRIVATSPHÄRE!

Feiger Opportunismus - buckeln in Lila-Pudel-Manier

Unerträglich, wie Sie sich bei den FeministInnen anbiedern ("wir Männer sind das Letzte"). Aber es traut sich heutzutage eh kaum ein Mann, sich gegen sexistische Beschimpfungen des männlichen Geschlechts zu wehren. Sie sind also wenigstens keine Ausnahme.

Ansonsten ist der Artikel ganz okay.

Re: Feiger Opportunismus - buckeln in Lila-Pudel-Manier

Haben Sie nicht überrissen, dass dieser Kommentar von Schellhorn zynisch gemeint war?

der beste "Schellhorn"


vielleicht macht ihm der Stronach ein Angebot. Dann wüßt ich was ich wählen könnt.

absolut richtig

sehr treffender kommentar.
würde mich auch interessieren, wieviel anklang diese hausarbeitstipps bei der hauptwählergruppe von rotgrün, den islamischen migranten, finden.

kenn' ich von wo...

Komm früher nach Haus, aber bring mehr Geld mit!
Du hast zwar erst um 11 Dienstbeginn - aber warum kannst du nicht schon um 15 Uhr nach Haus kommen wie unser Nachbar?

Frage an Heinisch-H

Gilt die Männer-Überstundenbeschränkung auch für Singles? Für verheiratete Kinderlose? Für alleinerziehende Väter? Es braucht dringend eine gesetzliche Regelung für alle Sonderfälle!!!

 
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Hobbyökonom

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