SuperMarkt: Eine schöne Bescherung!

22.12.2012 | 18:00 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Mitte vergangener Woche hat der Rechnungshof den Arbeitern dieses Landes eröffnet, dass deren Einkommen nach Abzug der Inflationsrate um acht Prozent niedriger sind als noch vor 13 Jahren.

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Das Leben ist bekanntermaßen nicht nur hart, sondern auch ziemlich ungerecht. „Aber nicht immer zu deinen Ungunsten“, wie John F. Kennedy aus eigener Erfahrung wusste. So gibt es tatsächlich Menschen, die immer auf der Butterseite des Lebens landen. Hierzulande sind das nicht etwa jene, die ein zufriedenes und weitgehend risikofreies Leben ohne materielle Not führen, sondern vor allem jene, die etwas mehr haben als andere. Wer sich zu dieser Gruppe zählen darf, ist so etwas wie der neue Klassenfeind im wohlstandsverwöhnten Österreich. Jemand, der unter dem Generalverdacht steht, zur kleinen Clique bestens vernetzter Reicher zu gehören, die es sich auf Kosten einer ausgebeuteten Arbeiterschaft gut gehen lässt.

Wie schlecht es hingegen der breiten Masse mittlerweile geht, ist den zahlreichen Einkommensberichten zu entnehmen, die alljährlich unter die Leute gebracht werden. Dort wird den Beschäftigten dann penibel vorgerechnet, dass sie „real“ immer weniger Geld zur Verfügung haben, während auf den obersten Treppen der Einkommenspyramide auch in mageren Jahren die üppigsten Schlachtfeste gefeiert werden.

Erst Mitte vergangener Woche hat der Rechnungshof den Arbeitern dieses Landes eröffnet, dass deren Einkommen nach Abzug der Inflationsrate um acht Prozent niedriger sind als noch vor 13 Jahren. Besonders stark verloren hätten die Niedrigverdiener. Ein erschütternder Befund, der eine seit Jahren von Gewerkschaftern und Politikern transportierte These bestätigt: Die kleinen Leute werden immer ärmer, die Reichen immer reicher, weil die Umverteilung von unten nach oben ungebremst voranschreitet.


Ein mathematisches Mysterium. Nun ist nicht von der Hand zu weisen, dass die erhöhte Preisinflation den heimischen Arbeitnehmern schwer zusetzt, insbesondere den Beziehern niedriger Einkommen. Was allerdings nichts daran ändert, dass sinkende Reallöhne in Österreich einem mathematischen Mysterium gleichkommen. Immerhin sind die Bruttolöhne seit dem Jahr 1998 deutlich schneller gewachsen als die allgemeine Teuerungsrate, die Lohnabschlüsse lagen immer über der Inflationsrate, nur in den Jahren 2010 und 2011 etwas darunter (was allerdings durch die sehr hohen Abschlüsse aus dem Jahr 2009 mehr als kompensiert wurde).

Wie können also hunderttausende Arbeiter real weniger Geld in ihren Taschen haben, wenn ihnen jährlich die Inflationsrate abgegolten wird und zudem auch noch die Hälfte der Produktivitätsgewinne überwiesen wird? Die Antwort könnte freilich in höheren Steuern zu finden sein. Allerdings wurden unter Schwarz-Blau die Bezieher niedriger Einkommen kräftig entlastet, womit auch dieses Argument als Erklärung ausfällt. Mysteriös ist zudem, dass nicht nur die Konsumausgaben der Verbraucher seit Jahren wachsen, sondern auch deren Ersparnisse.

Des Rätsels Lösung: Die Statistiker schaffen es nicht, die enorme Zuwanderung in die Teilzeit „herauszurechnen“, was sie in ihren Einkommensberichten großzügig verschweigen. Das führt dann nicht nur dazu, dass in jenen Branchen, in denen es kaum Teilzeitbeschäftigte gibt, die Löhne und Gehälter kräftig wachsen, bei den stärker betroffenen Arbeitern die Durchschnittslöhne aber sinken, weil Teilzeitkräfte bekanntermaßen weniger verdienen als Vollzeitarbeitskräfte. Womit der Eindruck entsteht, dass die Menschen real immer weniger verdienen – selbst, wenn keiner einzigen Vollzeitkraft der Lohn gekürzt wird und die verfügbaren Haushaltseinkommen kontinuierlich zulegen.

Was die besorgten Politiker freilich nicht davon abhält, für weitere Umverteilungsorgien durch den Staat zu werben. Das ist schon insofern ziemlich kokett, als ja gerade die staatlichen Hände besonders unbarmherzig in den Taschen der heimischen Arbeitskräfte wühlen. Wer hierzulande 3000 Euro brutto verdient, darf von diesem nicht wirklich berauschenden Lohn weniger als die Hälfte behalten. 3000 Euro brutto bedeuten inklusive Arbeitgeberbeiträgen nämlich 3937,80 Euro „echtes“ Bruttogehalt, das der Arbeitnehmer seinen Betrieb kostet und folglich einzuspielen hat. Von diesen 3937,80 Euro landen dann gerade einmal 1905 Euro beim Beschäftigten.

Die unsichtbare Hand des Staates. Eine ziemlich dreiste Enteignung der Erwerbstätigen durch die öffentliche Hand, die jedoch völlig unsichtbar bleibt. In der Wahrnehmung der ausgebeuteten Arbeitnehmer sind es nämlich schlecht zahlende Unternehmer, die nicht nur die Preise ihrer Produkte unbarmherzig nach oben schnalzen, sondern der hart arbeitenden Bevölkerungsgruppe auch noch den gerechten Lohn vorenthalten, um auf diese Weise ihren ohnehin schon unverschämt üppigen Besitz zu vermehren.

Womit sich zeigt, dass nicht nur das Leben hart und ungerecht ist. Sondern auch die Statistik.



franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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92 Kommentare
 
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18 Mrd. EURO für KAUM gedeckte Pensionen/Ruhegenüsse !!


und noch mehr für eine IRRE aufgeblähte, überbezahlte Menrfachverwaltung !!! ((c) Erich STREISSLER, Hannes Androsch uva.)

Da bleibt halt nix für den Hackler oder Teizeitbeschäftigte !

Doch statt in die Schweiz (Abgabenlast 30%, davon 7% MWST, BUDGET-PLUS auf Gemeinde-, Kantons- u. Bundesebene) zu schauen, wird in Ösistan von rotschwarzen Pseudosozis, jede Woche mind. eine abstruse Nebelgranate geworfen.

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/schweiz-bund-kanton-gemeinde-finanzen-1.15344128


Volkswirtschaftliche Widersprüche sind an der Tagesordnung

Mir fallen bei vielen volksiwrtschaftlichen Statistiken Widersprüche auf, vor allem auch bei österreichischen. Ob nun Schellhorn Recht hat oder nicht, weiss ich nicht. Das Thema "Statistische Unverträglichkeiten bei volkswirtschaftlichen Kennzahlen" sollte man mal genauer unter die Lupe nehmen.

"Wie können also hunderttausende Arbeiter real weniger Geld in ihren Taschen haben, wenn ihnen jährlich die Inflationsrate abgegolten wird und zudem auch noch die Hälfte der Produktivitätsgewinne überwiesen wird?"

wow, die hälfte der produktivitätsgewinne wurde überwiesen!

da ist bloß seltsam, dass in den letzten 10 jahren die bruttogehälter in butterbrot-größenordnung gestiegen sind, während der atx sich mehr als verdoppelt hat.

oder verwendet schellhorn für seine polemik nur die gehälter in der chefetage, da er ja auch dort sitzt?
das ist im übrigen auch die erklärung für sein "Mysteriös ist zudem, dass nicht nur die Konsumausgaben der Verbraucher seit Jahren wachsen, sondern auch deren Ersparnisse."
was ist daran mysteriös? die einkommen der besserverdienenden steigen und steigen. die der anderen stagnieren. in summe ergibt das ein wachsen der ersparnisse. der ersparnisse der 'auserwählten'!

Re: "Wie können also hunderttausende Arbeiter real weniger Geld in ihren Taschen haben, wenn ihnen jährlich die Inflationsrate abgegolten wird und zudem auch noch die Hälfte der Produktivitätsgewinne überwiesen wird?"

ja ja ... die auserwählten :-) .. wenn sie dann auf die regierungsbank blicken auf leute, die das zehn bis zwanzigfache eines arbeiters locker verdienen und sich nicht genieren das wort solidarität, und soziale gerechtigkeit in den mund zu nehmen, würden sie die nicht sofort abwählen ?
leute die gegen spekulanten wettern, aber selbst milliarden und noch dazu nicht ihr eigenes geld sondern steuergeld verspekuliert und vernichtet haben ?

Re: Re: "Wie können also hunderttausende Arbeiter real weniger Geld in ihren Taschen haben, wenn ihnen jährlich die Inflationsrate abgegolten wird und zudem auch noch die Hälfte der Produktivitätsgewinne überwiesen wird?"

werfen sie mal einen nüchternen blick auf politikergehälter!

ein minister (quasi ein vorstand in der österreich-AG) verdient netto weniger als der filialleiter einer bank.

ich sehe bei keiner einzigen polit-position ein lockeres 10 bis 20faches einkommen eines arbeiters.
aber ich sehe praktisch überall eine +80 stundenwoche und ein sich von hinz und kunz anpatzen und beschimpfen lassen.

Meine Güte, hier ist wirklich die Leseschwäche ausgebrochen...

Die Kritik in den Kommentaren von mir und vielen anderen an Schellhorns Text bezieht sich auf ursächlich auf folgenden Satz:

"Dort wird den Beschäftigten dann penibel vorgerechnet, dass sie „real“ immer weniger Geld zur Verfügung haben"

Dieses Statement wird im Anschluss vom Autor mit Verweis auf Statistiken und Lohnentwicklung etc. negiert.

Dies kann aber nicht widerlegt werden da dies aufgrund der Geldentwertung (s. gr. und kl. Warenkorb wobei die reale Geldwentwertung eher bei 8-9% liegen dürfte) in den Brieftaschen Fakt ist.

Und "real" ist halt für die meisten von uns was nach Abzug von Lebenskosten am Monatsende zur freien Verfügung übrig bleibt.

Und das ist in den letzen Jahren eben immer weniger, wurscht was sich Statistiker und Schönschreiber aus den Fingern saugen.


LOL: Nix rauchen! Nix saufen! Und kane Urlaubsreisen-dounn geht´s dem Hackla immer noch relativ guat


Re: LOL: Nix rauchen! Nix saufen! Und kane Urlaubsreisen-dounn geht´s dem Hackla immer noch relativ guat

geh bitte, gemeindewohnung/friedenszins, zog Beihilfen und bissi pfuschen nebenher und dem hackler geht's besser als einen akademiker (der keine billige Wohnung bekommt).

Es ist eine historische Tatsache, dass

die Masse und damit zählt der Mittelstand und die Unterklasse, seit es Geld gibt, mit und über die Inflation betrogen werden, bzw. um die Kaufkraft ihrer Löhne und ihres Ersparten gebracht werden.

Und an dieser historischen Tatsache hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil - in und während Krisen wurde die Inflation zum Zwecke der Umverteilung vom Mittelstand noch ungenierter angwendet.

Die Tricks der Statistik Austria mit fragwürdigen und übermäßiger Anwendung hedonistischer Schön(niedrig)rechnereien, unrealistischer Gewichtung und beliebigem Austausch von Waren (zB auch solche, die nicht mehr gekauft werden, weil sie zu teuer wurden) - sind Teil des Betruges, wie der Staat, Notenbanken und Finanzelite den Mittelstand und die Unterschichten um ihre Kaufkraft der Löhne und des Ersparten zu bringen.

Seit es Geld gibt ist es so und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Re: Es ist eine historische Tatsache, dass

Richtig, die Zentralbank (eine staatliche Institution) ist (hauptsächlich) für die Preissteigerung verantwortlich.

Das ist schon insofern ziemlich kokett, als ja gerade die staatlichen Hände besonders unbarmherzig in den Taschen der heimischen Arbeitskräfte wühlen.

Hoffentlich, meinten Sie nicht Hosentaschen? Da hätte ich nämlich etwas dagegen, wenn fremde Hände darin herumwühlen!

Re: Das ist schon insofern ziemlich kokett, als ja gerade die staatlichen Hände besonders unbarmherzig in den Taschen der heimischen Arbeitskräfte wühlen.

wieso ist das kokett ?

Hättest du lieber einen Rechnungshof, der immer solche Zahlen bringt, wie sie die Regierung wünscht?

Ich nicht, mit ist ein unabhängiger Rechnungshof lieber, der Fakten auf den Tisch legt, auch und gerade dann, wenn diese Fakten unbequem bzw. unangenehm sind.

Re: Re: Das ist schon insofern ziemlich kokett, als ja gerade die staatlichen Hände besonders unbarmherzig in den Taschen der heimischen Arbeitskräfte wühlen.

sie sprechen von jenem rechnungshof, der vor 2 monaten die salzburger spekulationen ok fand? und heute darüber jammert, dass er belogen wurde?

eine der unnötigsten institutionen dieses landes (gibt es auch nur EINEN fall, wo aufgrund eines rh-berichts sich etwas geändert hat?), die ihre inkompetenz hinter beamtendeutsch versteckt.

ja, wir brauchen kontrolle. aber nicht den rh!

Re: Re: Re: Das ist schon insofern ziemlich kokett, als ja gerade die staatlichen Hände besonders unbarmherzig in den Taschen der heimischen Arbeitskräfte wühlen.

Du solltest dich von naiven Träumerein verabschieden. Auch ein unabhängiger Rechnungshof kann leider nicht jeden Kriminalfall aufdecken.


Laut UBS


war der Reallohnverlust 35% in dem genannten Zeitraum!

Das ist glaubwürdig und begründet sich auch darin, daß die "offizielle Inflationsrate" ein Fake ist!

Die Wohnkosten sind z.B. in der offiziellen Inflationsrate kaum berücksichtigt!


Re: Laut UBS

Ich weiß ja nicht, was die UBS da erhoben hat, die Einkommen österreichischer Arbeitnehmer waren es aber sicher nicht, um die kümmert sich niemand außer der Statistik Austria. Wen sonst in der Welt sollte das auch noch interessieren?

Re: Re: Laut UBS


Vielleicht, weil es internationale Unternehmen interessiert, ob es sich auszahlt zu investieren!

Sollte eigentlich zum Grundwissen gehören.


Re: Re: Laut UBS


Vielleicht, weil es internationale Unternehmen interessiert, ob es sich auszahlt zu investieren!

Jedenfalls vertraut niemand den offiziellen Statistiken!

Bei uns wird überall gefälscht, z.B. bei den Arbeitslosenzahlen, Verschuldung, AL, Wirtschaftswachstum, Inflation, usw.!

Sollte eigentlich zum Grundwissen gehören.

DerLink geht leider nicht durch!


Re: Re: Laut UBS


Warum gehen meine Postings nicht durch?


Re: Re: Laut UBS


doch doch.....die UBS kann dabei schon die nominalen Einkommen der österreichischen Arbeitnehmer erhoben haben.

Vermutlich die UBS dann davon aber nicht die gefakten, niedriggerechneten offiziellen Inflationsraten abgezogen, sondern realistischere Zahlen.

Re: Re: Laut UBS


Vielleicht deshalb, weil Firmen wissen wollen, ob sie in einem Land investieren sollen!

Ich habe geglaubt, im Presseforum gehört das zum Grundwissen.

Ich habe die Links zum Bericht über die Studie gepostet, ist aber noch nicht durchgegangen!

LG



Re: Laut UBS

Die UBS, die wegen der LIBOR-Manipulationen jetzt über 1 Milliarde EURO berappen muss, ist ja eine ganz hervorragende, glaubwürdige und seriöse Quelle, wenn sie nur das gewünschte Ergebnis berichtet!


Re: Re: Laut UBS

Vor allem, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Re: Re: Re: Laut UBS

Das Thema der einen Manipulation hat mit dem Thema der anderen Manipulation nichts zu tun, aber sehr wohl hat Manipulation mit Manipulation zu tun.

 
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Hobbyökonom

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