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USA: Ein Sozialstaat europäischer Art

14.09.2007 | 18:31 |   (Die Presse)

Wohlfahrt. Die USA geben „netto“ für Soziales in etwa so viel Geld aus wie Österreich.

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Selbst den hierzulande vereinzelt anzutreffenden Sympathisanten der USA ist klar: Die Vereinigten Staaten haben zwar ein ausgesprochen taugliches Wirtschaftssystem, aber in punkto Sozialsystem sieht es traurig aus. Tausende von Amerikanern leben auf der Straße, von einer sozialen Absicherung kann eine breite Schicht der Bevölkerung bestenfalls träumen.

Weshalb eben das europäische Konzept letzten Endes gegenüber dem US-amerikanischen das überlegene ist, wie wir nicht erst seit den Analysen des US-Starautors Jeremy Rifkin ahnen, der 2004 mit seinem Buch „Der europäische Traum“ einen Bestseller landete. Und seither von den Verfechtern des europäischen Sozial- und Wohlfahrtsmodells gerne als unverdächtiger Zeitzeuge und Experte zitiert wird.

Aber wie kann denn nun das soziale Engagement eines Staates vermessen werden? Statistiker versuchen das, indem sie das Geld, das jährlich in die Wohlfahrtssysteme gepumpt wird, in Beziehung zur Wirtschaftsleistung setzen. Was dabei herauskommt, ist die sogenannte Sozialquote.


Das europäische Lebensmodell

Unangefochten an der Spitze finden sich dabei die Staaten der alten EU, angeführt von den Skandinaviern. Allein Schweden und Dänemark investieren rund ein Drittel ihrer Wirtschaftsleistung in Arbeitslosengeld, Familienbeihilfe, Pensionen, Krankenhäuser, Sozialwohnungen und die Eindämmung von sozialer Ausgrenzung.

Auch Österreich liegt beständig im vorderen Feld. Seit Jahren wird mit einer Sozialquote von knapp 29 Prozent deutlich mehr als ein Vierteljahr zur Finanzierung der Sozialausgaben gearbeitet. Allein im Vorjahr wurden knapp 70 Mrd. Euro unter diesem Titel ausgegeben. Auch konservative Politiker sind von der Umverteilung angetan: Trotz steigender Forschungsausgaben sei die Sozialquote in Österreich sogar noch um einen Prozentpunkt gestiegen, wie Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) noch vor einem Jahr frohlockte. Und: „Österreich lebt das europäische Lebensmodell“, so Bartenstein weiter.

Dieses „europäische Lebensmodell“ steht im krassen Widerspruch zum US-amerikanischen und zeichnet sich dadurch aus, dass die Staaten der alten EU im Schnitt deutlich mehr als ein Viertel ihrer jährlichen Wirtschaftskraft dem Sozialbereich widmen. Während die USA als klassischer Vertreter des eiskalten Turbokapitalismus gerade einmal 15 Prozent ihres jährlichen Bruttoinlandsprodukts für die Schwächeren der Gesellschaft ausgeben.

Was allerdings gerne vergessen wird: Die offizielle Sozialquote misst getätigte Ausgaben – nicht aber jene Gelder, die sich Staaten über Steuern und Abgaben von den Empfängern der Sozialleistungen zurückholen. Die OECD hat sich 2005 die Mühe gemacht, die Sozialquoten um eingehobene Steuern zu bereinigen.

Eine höchst mühselige Arbeit, aber durchaus lohnend, wie das Ergebnis beweist. So fällt auf, dass die Skandinavier nicht nur Einkommen der Besserverdiener hoch besteuern, sondern auch bei Empfängern von Sozialleistungen kräftig zugreifen.

Demnach beträgt die um Steuern bereinigte Sozialquote im gelobten Schweden „nur“ mehr knapp 30 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Noch deutlicher rutscht der Wohlfahrtsstaat Dänemark zurück. Dafür macht ein anderes Land einen Satz nach vorne. Erraten: die USA. Das Land der sozialen Kälte zeigt sich mit Sozialleistungen zwar grundsätzlich knausrig, besteuert diese dafür aber nicht. Im Gegenteil: In einigen Bundesstaaten werden Sozialhilfeempfänger auch von der Umsatzsteuer befreit, zudem wird private Vorsorge kräftig gefördert.


USA: Auf dem Niveau Österreichs

Bereinigt um Steuern und Abgaben kommen die USA laut der OECD-Studie auf eine Sozialquote von 24,5 Prozent. Womit die Vereinigten Staaten auf dem Niveau Österreichs liegen (um Steuern bereinigte Sozialquote von 24,8 Prozent). Freilich sagen die statistischen Werte – ob nun brutto oder netto – noch nichts darüber aus, ob Sozialleistungen auch jene erreichen, für die sie gedacht sind.


franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2007)

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12 Kommentare
Gast: Frank M
08.03.2010 15:49
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Lumpenproletariat

Wann werden die Menschen endlich einsehen, dass es teurer ist, das wo-auch-immer-sitzende Lumpenproletariat zur Arbeit zu zwingen und damit den eigenen Lohn zu drücken - als einfach Geld fürs Klappe halten rüber zu schieben, ohne jeden Verwaltungsaufwand. Allen anderen geben wir doch gerne "einfach so" Geld, denn die werden sich Mühe geben, das Beste draus zu machen.

Gast: AEIOU
15.09.2007 20:57
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Wir haben ein Militärbudget von

2,4 Milliarden Euro. Die USA hat ein offizielles von 504.000.000.000 Milliarden Dollar. Das ist das 210- fache.Das 47-fache wäre aufgrund der Kopfzahl erklärbar. Wiewohl der Synergieeffekt noch ein Aufschlagsfaktor ist. Was sonst noch läuft, weiß niemand. Wir sind ca 8,2 Millionen, die Amis zählen 382 Millionen.Ca 69 Milliarden Sozialausgaben für Österreich und ebensoviel für die USA. Es erübrigt sich wohl jede Zeile, in welchem Land ich leben möchte. Und für diese "Gnade" müßen wir auch unseren Tribut zahlen. Und nicht immer nur das Maul aufreißen.

Antworten Gast: Südafrikaner
16.09.2007 10:31
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Re: Wir haben ein Militärbudget von

Ich bezweifle sehr, dass es auf der Welt 504.000.000.000 Milliarden Dollar (5.04E21) gibt. Sie meinen wohl eher 504.000 Milliarden Dollar (5.04E12).

Antworten Antworten Gast: AEIOU
16.09.2007 20:19
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Re: Re: Wir haben ein Militärbudget von

",". Das war das Wichtigste in Ihrem Beitrag? Dürftig.Dürftig.

Gast: Südafrikaner
15.09.2007 13:52
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Das bringt es wieder auf den Punkt...

Was hat der Staat eigentlich davon, Sozialleistung zu zahlen und dann vom Sozialleistungsempfänger einen Teil als Steuerleistung zurückzuerhalten? Meiner Ansicht nach ist das nur Geld im Kreis schicken zur höheren Ehre des Bankwesens, das sich dabei alle Finger abschleckt.

Ist es nicht bürokratisch einfacher, Staatsbedienstete und vom Staat ausgezahlte Leistungen steuerfrei zu stellen und gleichzeitig um die eingesparte Steuer zu kürzen?

Dann sind wir wieder bei der Frage, wie man unser Sozialsystem so umgestalten kann dass dem - offenbar stark wachsenden - arbeitsscheuen Lumpenproletariat Arbeit wieder schmackhaft gemacht wird.

Antworten www.zpa.at
15.09.2007 23:21
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Re: Das bringt es wieder auf den Punkt...

wenn Sie eine Partei suchen, die Ihre Forderungen vertritt, dann können Sie lange suchen, aber geben Sie nicht zu früh auf, denn eine kleine neue Partei werden Sie schließlich finden.

Antworten Antworten Gast: AEIOU
16.09.2007 20:46
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Re: Re: Das bringt es wieder auf den Punkt...

Es ist schon erstaunlich. Immer wenn ein Mitglied der Ausbeuterlobby rein zufällig auf die soziale Leitersprosse des "Lumpenproletariates" hinunterfällt, und den vormals penibel kritisierten Sozialstaat braucht, dann wird er ziemlich kleinlaut. Im Lumpenproletariats-Jargon: Er hält dann endlich die Goschn. Was ihn aber nicht daran hindert, selbst zu "schmarotzen". Weil es ihm dreckig geht.

Antworten Gast: AEIOU
15.09.2007 20:32
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Re: Das bringt es wieder auf den Punkt...

Die Apartheid geht wohl nicht aus Ihrem Schädel. So Sie ein "echter" Bure sind.Sie ist zwar offiziell abgeschafft. Lebt aber weiter in der Ressourcenverteilung. Unser System ist in Ordnung. Überarbeitet wird es stets. Was wir für absolut obsolet erachten, sind die Zurufe aus aller Herren Länder. Die meisten kommen von dort, wo Chaos herrscht.

Qualtinger
15.09.2007 12:09
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Bullshit!

Das US System ist anders und absolut nicht vergleichbar mit dem europaeischen System. Keinem US Staatsbuerger wird Kranken und Altersversorgung verwehrt. Er muss sich nur den verschiedenen Programmen eingliedern. Wenn er das nicht mag so mag er es halt nicht. Zwangsbeglueckung wie in Europa gibt es allerdings nicht.
Leider wird dieses Thema immer von Wichtigmachern aufgegriffen die vom US Sozialsystem keine Ahnung haben.

Geschrieben von jemanden der ein US Diplom fuer Sozialleistungsverrechung hat.
E.C.

Antworten Gast: AEIOU
16.09.2007 21:00
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Re: Bullshit!

Nicht mit unserem vergleichbar. Eben ein Bullshit - Sozialsystem.
Uncle Sams Sozialsystem dürfte ja "beispielhaft" sein. Deshalb schlafen ja viele in der U-Bahn und stellen sich um einen Schöpfer Supperl an. Und wenn sie krank sind dann verpfänden sie halt ihr Heim. Wenn es nicht der Bank gehört.Ich bin auch so einer, der "keine" Ahnung hat, was so in Uncle Sams Multikulti-Landl vorgeht. Aber auf die Gefahr, daß ich falsch liege: Unser System ist mir tausendmal lieber, das der "Zwangsbeglückung" ,als das asoziale der US-Thatcherianer.

Gast: dihaus
15.09.2007 03:04
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Die Realitaet ist,

das es keinem Spital gestattet ist, jemanden eine Behandlung zu verweigern weil er nicht bezahlen kann! Das ist natuerlich fuer die Spitaeler ein grosses Problem weil sie die Kosten der "Nichtzahler" auf jene Patienten umlegen muessen die eine Versicherung haben oder selbst bezahlen. Es ist auch die Ursache weshalb die Spitalskosten so horrend teuer sind, ebenso wie die Krankenversicherungen. Jede internationale Krankenversicherung verlangt fuer Versicherte die mehr als 90 Tage im Jahr in den USA leben, eine wesentlich hoehere Praemie.

Gast: dihaus
15.09.2007 02:58
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Die Realitaet ist,