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Beamte: Die Sieger des Jahrzehnts

31.12.2010 | 11:40 |  Franz Schellhorn (Die Presse)

Pragmatisierte Staatsdiener gelten als schlecht bezahlt. Dabei konnte in den letzten Jahren keine Berufsgruppe höhere Lohnsteigerungen einfahren. Von 1998 bis 2009 stiegen die Bruttogehälter um 26 Prozent.

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Früher war die Berufswahl noch erfrischend einfach: Wer rasch möglichst viel Geld einstreifen wollte, versuchte sein Glück in der rauen Welt der neoliberalen Ellbogenwirtschaft. Wer es hingegen etwas genügsamer angehen wollte, klopfte beim Staat an. Dieser zahlte zwar denkbar schlecht, gewährte seinen Schäfchen aber umfassenden Schutz vor allen unerfreulichen Seiten des Berufslebens. Etwa vor dem Verlust des Arbeitsplatzes; definitiv das größte der zahlreichen Trostpflaster für den kargen Lohn. Einzig den beißenden Spott der Ungeschützten mussten die Geschützten über sich ergehen lassen: „Der Beamte hat am ersten nix, er hat am zweiten nix, doch was er hat, das hat er fix“, wie der Wiener Kabarettist Hermann Leopoldi schon vor Jahrzehnten spöttelte.

Hermann Leopoldi kennt heute kaum noch jemand, das traurige Bild vom ärmlichen Staatsdiener hat es hingegen locker ins dritte Jahrtausend geschafft. Ein Klischee, das für die Beamtengewerkschafter ungefähr so unbezahlbar werden sollte wie für die Landwirtschaftskammer die Legende vom bitterarmen Bauern, der in schweißtreibender Arbeit das trockene Gras von steilen Hängen zu kratzen hat, um dann von den kapitalistischen Blutsaugern mit einem Hungerlohn abgespeist zu werden. Heute kann nämlich ohne jegliche Übertreibung festgestellt werden, dass die Beamten die Gewinner des abgelaufenen Jahrzehnts sind.

In den vergangenen zehn Jahren hat keine Berufsgruppe auch nur annähernd derart saftige Lohnerhöhungen für sich herausholen können wie die unkündbaren Angestellten der Republik Österreich. Das behauptet nicht nur die Statistik Austria, sondern auch der Rechnungshof, der in der Vorwoche seinen „Einkommensbericht 2010“ vorgelegt hat. Während die Bruttogehälter normal sterblicher Arbeitnehmer von 1998 bis 2009 inflationsbereinigt um 3,5 Prozent stiegen, schnalzten die Löhne für die Beamten im selben Zeitraum um 26 Prozent nach oben.

Beamtenforelle war gestern. Auch bei den Gehaltshöhen müssen sich die pragmatisierten Staatsbediensteten keineswegs verstecken. Sie brachten es im Vorjahr auf ein Durchschnittsgehalt von 51.228 Euro brutto im Jahr. Angestellte schafften im Schnitt 34.146 Euro brutto, Arbeiter gerade einmal 18.318 Euro. Womit gut abgesicherte Beamte heutzutage fast dreimal so viel verdienen wie jederzeit kündbare Arbeiter und 1,5-mal so viel wie Angestellte.

Beamte quittieren Zahlen wie diese üblicherweise mit blanker Wut. Viele von ihnen sehen sich als Abzocker denunziert, auch wenn das niemand behauptet hat. Nicht selten dürften erwähnte Gehaltssteigerungen auch tatsächlich aus dem Bewusstsein vieler „Betroffener“ verschwunden sein. Meistens werden nur die jährlichen Lohnerhöhungen gezählt, auf die alle zwei Jahre ins Haus stehenden Vorrückungen (Biennalsprünge) wird indes vergessen. Ganz nach dem Motto: Was nicht erkämpft werden muss, zählt auch nicht. Und überhaupt würden immer wieder „Äpfel mit Birnen“ verglichen, um der beliebten Beamtenhatz zu einer Neuauflage zu verhelfen.

Abgesehen davon, dass sich weder die Beamten der Statistik Austria noch jene des Rechnungshofs mit tendenziösen Obst-Vergleichen einen Namen gemacht haben, gibt es tatsächlich ein paar Punkte, die das „Abheben“ der Beamtengehälter wenigstens teilweise erklären. So wird seit einigen Jahren nicht mehr pragmatisiert. Dadurch wird der Beamtenstand früher oder später aussterben. Bis es so weit ist, wird er überaltern, weshalb die Durchschnittsgehälter der nach dem Alter bezahlten Beamten stark wachsen.

Gut gebildet, gut bezahlt. Unkündbare Staatsdiener arbeiten zudem weniger Teilzeit und sie wechseln seltener den Job. Der Rechnungshof verweist auch darauf, dass die Ausbildung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst weit höher sei als in der Wirtschaft. Kein politischer Entscheidungsträger scheintsich gefragt zu haben, ob denn der Staatsdienst auch einen höheren Bildungsgrad braucht als ein Job in der freien Wirtschaft. Die Antwort wäre – abgesehen vom Bildungsbereich – ein klares Nein. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Der Wohlstand künftiger Generationen wird nämlich nicht im bestens abgeschirmten Staatsapparat erwirtschaftet werden. Sondern auf den hart umkämpften Weltmärkten.

Dort werden übrigens auch jene Gehälter und Pensionen verdient, die heimische Staatsdiener allmonatlich überwiesen bekommen. Zumindest in dieser Hinsicht erweist sich der totgesagte Kapitalismus noch als überaus vital. Fragt sich nur, wie lange die Erträge der Marktwirtschaft noch ausreichen werden, um das alles zu finanzieren. Nur um die Dimensionen zu zeigen: Die eingehobenen Unternehmenssteuern reichen selbst in Hochkonjunkturjahren nicht aus, um allein die Beamtenpensionen in Höhe von acht Milliarden Euro pro Jahr bezahlen zu können. Von den laufenden Bezügen ganz zu schweigen.


Teure Akademiker-Schwemme. Das wiederum ist Ergebnis jener Akademiker-Schwemme im öffentlichen Dienst, die der Staat selbst herbeigeführt hat. Über Jahrzehnte hinweg wurden gut ausgebildete Absolventen mit obszönen Vorrechten von den Hochschulen abgeschöpft. Bevorzugt Juristen, die nach dem ausgiebigen Studium durch unwichtige Akten streifen. Am Ende dieser Intervention auf den Arbeitsmärkten steht eine sündteure Fehlallokation menschlicher Ressourcen.

Das den Beamten vorzuwerfen, wäre absurd. Ihnen sind üppige Gehälter und hohe Absicherung zu gönnen. Im Gegenzug könnten die Glücklichen aber wenigstens das Märchen von den ach so schlecht bezahlten Staatsdienern freundlicherweise einpacken.

franz.schellhorn@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2011)

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162 Kommentare
 
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Gast: logicus
05.01.2011 13:06
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Beamte

Und warum brauchen wir soviele Beamten ? Weil wir einen hochkultivierten Rechststaat haben, wo ständig - von Wirtschaft, Medien, nahezu verwöhnt umsorgtem Bürgern/innen, Interessensvertretungen und va NGO´s - nach neuen Gesetzen, vor allem immer umfangreicheren Rechtsmittelmöglichkeiten gerufen wird, die halt dann auch entsprechend fachkundig und kompetent zu administrieren sind. Dazu braucht es Ausbildung und Erfahrung von den eingesetzten Beamten.
Und dann wundert uns die Zahl und die Kosten der Beamten !
Habe ich übrigens richtig gelesen, dass der VwGH schon zur Hälfte mit Asylbeschwerden eingedeckt ist, die zwar in etwa zu zwei Drittel von vornherein aussichtslos sind, aber eben auf Anregung mancher NGOs durchgezogen werden, um offensichtlich dann mit der Rechtfertigung der langen Verfahrens- und der daraus resultierenden Verweildauer ein Aufenthaltsrecht zu ertrotzen oder mit dem Mitleidseffekt zu "erheischen".

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Beamtenhatz Folge 1001

Auch Herr Schellhorn erliegt wieder der Versuchung, mit weiteren Hieben auf die Beamtenschaft die geifernde Zustimmung möglichst vieler Leser zu erhaschen. Ganz einfach damit, indem er gewisse Fakten in einen nur scheinbar richtigen Zusammenhang setzt.
Er möge doch vergleichen: den/die Maturanten oder Akademiker - in der jeweiligen Entscheidungsebene und dem entsprechenden Dienstalter - im beamteten Bundesdienst mit dem/der Angestellten in vergleichbaren Dienstverhältnissen. Etwa den Fachbereichsleiter in einem Finanzamt mit einem Abteilungsleiter einer Steuerberatungskanzlei, aber auch den Leitern von Steuerabteilungen in größeren Unternehmen wie Voest, OMV, Versicherungen oder auch der AK und dem ORF.
Auch die Richter und die vielen Mitglieder der Rechtsmittel -und Berufunssenate bzw UVS müßte er den vergleichbaren - sofern es solche überhaupt gibt - Funktionsträgern der echten und unechten Privatwirtschaft gegenüberstellen und schließlich natürlich auch die höchsten Verantwortungsträger in allen Bereichen der Gesetzgebung und Verwaltung mit den Generaldirektoren der entsprechend repräsentativen Unternehmen - und jeweils das Dienstalter nicht vergessen !
Den Durchschnitt aus den Gehaltssummen von 5 Richtern mit jeweils 25 Dienstjahren mit dem durchschnittlichen Einkommen etwa von zig 1000 Maturanten und Jungakademikern in den Schadens-u. Verwaltungsabteilungen von Versicherungen oder als Konzipienten bei Rechtsanwälten zu vergleichen, geht nicht.

Gast: immermitderruhe1
03.01.2011 16:45
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Eigene Meinung

Wer sich eine eigene Meinung bilden will, insbesondere auch unter Berücksichtigung der in diesem Artikel völlig unterschlagenen Vertragsbediensteten, liest den Originalbericht unter http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/2010/aktuelles/presse/kurzfassungen/bund/Kurzfassung_Einkommensbericht_2010.pdf


Gast: Histi
03.01.2011 11:15
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Unqualifizierter Recherche...

... folgt unqualifizierter Kommentar - die Regel, wenn es um "Beamte" geht.
Schon ein Blick in die Gehaltstabellen, die öffentlich zugänglich sind, würde genügen, um diesen Artikel im Papierkorb verschwinden zu lassen. Aber wie gesagt, Gehaltstabellen müssen sinnerfassend gelesen werden...

Antworten Gast: 1. Parteiloser
03.01.2011 12:09
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Re: Unqualifizierter Kommentar!

Es handelt sich nicht um eine Recherche des Autors, sonder um den Einkommensbericht des RH.

www.rechnungshof.gv.at/berichte/ansicht/detail/einkommensbericht-2010.html

Es geht dabei überhaupt nicht um irgendwelche Gehaltstabellen, es geht alleine um die wirklich bezahlten Jahresentlohnungen der einzelnen Berufsgruppen. Es sind ja auch nur diese interessant, alles andere ist sinnloses Blabla.

Die Realität hat 2009 so ausgesehen:
Einkommen im arithmetischen Mittel berechnet:
Arbeiter:.......18.318.-
Angestellte:..34.146.-
Beamte:........51.228.-
Selbststän.:..23.657.-

Medianeinkommen:
Arbeiter:.......17.874.-
Angestellte:..27.810.-
Beamte:........47.848.-
Selbststän.:....9.983.-

Ruhegenuss / Pensionen:
Ges. Pensver. Median:..11.579.-
Ruhegenuss Median:....31.804.-

Ges. Pensver. Mittel:...14.634.-
Ruhegenuss Mittel:.....35.693.-

Vielleicht kannst Du nicht erkennen, dass die Entlohnungsdifferenz (auch die Differenz der Leistungsanforderung!) inzwischen ernstes Problem sind und die Disbalancen Privat - Staat ein ernstes gesellschaftliches Problem darstellen.

Wahrscheinlich liegt das Kernproblem aber eher an den Löhnen in der Realwirtschaft, bei den Beamten ist eher der Nutzen für die Gesellschaft das Problem, natürlich zusammen mit einem irren Multiplikator.

Nur weil Du den Artikel, und dessen Aussagen, nicht verstehen kannst, bedeutet das noch lange nicht, dass er nicht korrekt ist.

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Re: Re: Unqualifizierter Kommentar!

Ach ja die statistik... Man nehme alle Verdiener, werfe sie in eine topf und dann bilden wir mittelwerte und median usw. und dann hauen wir auf die ein die vom mittelwert oder median abweichen. Ach ja, hier gibt es sogar noch eine erklärung - zuviele akademiker! Und gleich wird nachgeschossen brauchen wir wirklich so viele akademiker? Nein, ist die antwort. Also ich kann mir rechtssprechung (richter, staatsanwälte, etc.), amtliche sachverständige, ärzte in landeskrankenhäuser etc., etc. nicht gerade ohnen akademische ausbildung vorstellen....
Und als schlusssatz: man spricht dann halt jemanden seinen nutzen ab und wirft in einer diskussion dem "gegner" vor er verstehe halt nichts...

Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
04.01.2011 18:40
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Leistungen Teil 2!

Exekutive:
Da haben wir 23.000 Polizisten aber eine stabil viel zu hohe Kriminalitätsrate und noch dazu eine Aufklärungsrate, welche in den letzten Jahren stark abgesunken ist. Diese Bediensteten scheinen sich nur noch mit der Aufnahme von Anzeigen und der Verdrehung der Statistiken zu beschäftigen.

Gesundheit:
Funktioniert noch ganz gut, wahrscheinlich weil etwa 80% der Arbeit von den privaten Ärzten erledigt wird. Das Spitalswesen funktioniert zwar auch brauchbar, aber zu irren Kosten und mit hoher, vermuteter (TI) Korruption.

Vielleicht ist jetzt der Nutzen etwas klarer geworden. Vielleicht können Sie nun auch etwas besser verstehen, dass ich den Nutzen in Abrede stelle.


Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
04.01.2011 18:38
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Re: Re: Re: Unqualifizierter Kommentar!

Neben der Statistik.

Beleuchten wir einmal die Leistungen der tollen Akademiker, welche die Gebietskörperschaften leiten sollten.

Die Österreichische Gesellschaft stellte 2009 gewaltige 544.318 öff. Bedienstet zur Verfügung damit der Staat seinen Kernaufgaben nachkommen kann. Dazu musste die Gesellschaft noch über 330.000 Ruhegenießer (inkl. ÖBB) deren Wohlstand finanzieren.

Bildung:
Die Leistung des Bildungssystems mit 123.000 Lehrer wurde durch die Pisa Studie endlich bestätigt. Es ist eine sehr schwache Leistung der Bediensteten.

Justiz:
Auch in diesem Bereich kommen immer mehr grausige Details an die Öffentlichkeit. Nicht nur dass die Korruptionsstaatsanwaltschaft nicht einmal nur 1% der Korruptionsgelder wieder besorgt, es werden auch kaum korrupte den Richtern vorgeführt. Wenn doch, dann kranke Freisprüche, oder lässige "Bedingte". Da passt es auch sehr gut, dass es nur 6,4% Verurteilungen in Relation zu den angezeigten Delikten gibt. Dass dann auch noch Verfahren, auch einfach Asylverfahren, bis zu 10 Jahre dauern können, zeigt das Versagen dieses Bereiches deutlich auf.

Verwaltung:
Kaum mehr spürbar für die Bürger, obwohl gewaltig ausgebläht. Wenn diese Bediensteten arbeiten, dann produzieren diese wahrscheinlich in 1. Linien Arbeit für andere Verwaltungsbereiche. Dafür haben wir ja auch mehr als genug Verwaltungseinheiten und Stabstellen. Kaum mehr ein Nutzen für die Gesellschaft, damit auch keine Leistung für Österreich.

Gast: ADE Groparteien
03.01.2011 10:24
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NIcht wählbar

das was ich schon immer wußte wird nun bestätigt und ich sage nur jeder der in Ö normal arbeitet und die Steuer für eine Berufsgruppe zahlt die nichts einbringt sondern nur dienstleister und selbstversorger ist - sollte alle 3 großparteien meiden

Antworten Gast: immermitderruhe1
03.01.2011 16:42
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Re: NIcht wählbar

"Nur" Dienstleister sind mittlerweile 70% der werktätigen Bevölkerung. Dass das "nichts einbringt", wage ich zu bezweifeln.

Gast: VB
03.01.2011 06:38
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Zurück in die Realität

Nur so mal als praktisches Besipeil. Ich bin vor 8 Jahren als Vertragsbediensteter in den Staatsdienst eingetreten. Ich verdiene heute in etwa soviel wie vorher. Seltsamerweise liegt jeder Kollektivertragsabschluss mindestens 1% unter dem der meines vorigen Arbeitgebers. Dafür darf ich und meine aKollegen auch etwa1- 2 Monate gratis arbeiten. Es gibt nämlich auch Überstundenpauschalen udgl. Das Arbeitszeitgesetz mit maximal 10 Stunden gilt nur für die Privatangestellten. Wenn man aus der Privatwirtschaft aber Leute sucht, findet man keine. Denn unter diesen Bedingungen arbeitet ja dann doch niemand mehr. Tauschen wollte mit mir noch keiner. Neben der Überalterung und besseren Qualifikation im Staatsdienst sind auch die Gleichbezahlung der Frauen ein Faktor und auch dass im Staatsdienst wenig EU-Bürger für 5-6 EUR die Stunde arbeiten.
Die Verwaltungskosten liegen unter 3% der Gesamtkosten. In fast keinem Großunternehmen ist diese Kennzahl zu ereichen. Ich kenne zumindestens keines in Österreich.

Re: Zurück in die Realität

Bitte nicht Birnen mit Äpfel vergleichen. VB sind keine (pragmatisierten) Beamte und der Vergleich der Lohnerhöhungen der letzten 10 Jahre mit denen der vorhergegangenen 10 Jahre ergibt ebenfalls schon prinzipielle Unterschiede.

PS: Eine Überstundenpauschale ist eine Bezahlung von Überstunden. Sie ist, in dem von Ihnen dargestellten Sinn jedoch nur dann "zusätzlich positiv", wenn sie zwar (regelmäßig + pauschal) bezahlt wird, man dafür aber nicht tatsächlich diese bereits bezahlten Überstunden leisten muss.

PPS: Verwaltungsaufwand: Wenn ich meine (Klein-) Firma so verwalten würde, wie zum Beispiel eine BH verwaltet, hätte ich schon vor vielen Jahren Insolvenz anmelden müssen.
Bitte nicht vergessen, Privatwirtschaft (Großunternehmen wie z.B. ÖMV, ASFINAG, AUA, Siemens, ..) ist nicht Privatwirtschaft (KMU's).

Antworten Antworten Gast: VB
03.01.2011 22:34
1 0

Re: Re: Zurück in die Realität

Ich arbeite in einem Ministerium. In meinem Umfeld sind Beamte die massive Minderheit.
Für VBs gelten die meisten Regelungen. Unter anderem auch die Gehaltserhöhungen. Es wird hier also nicht Obst vermengt.

ps. Nachdem meine andere Hälfte selbstständig ist, kenne ich die Probleme der kleinen KMU auch sehr gut. Die Verwaltung kann daher aber nur mit Konzernen verglichen werden. Kleine Firmen mit der Verwaltung zu Vergleichen wäre dann wirklich Äpfel und Birnen vermengen.

Ich verstehe nicht, was mit Vergleich von Lohnerhöhungen der letzten 10 Jahre mit irgendwelchen anderen 10 Jahren gemeint sein soll? Ich vergleiche die Lohnabschlüsse von Branchen über denselben Zeitraum. Und das ist wohl legitim.

Was ist mit "zusätzlich positiv" gemeint. Ich bin der Meinung, dass ein Arbeitnehmer für seine Arbeitsstunden bezahlt werden soll. (Dabei rede ich nicht mal von einem Überstundenzuschlag).

Die strengen Regeln des Arbeitsinspektors bei §7 Überstunden gelten nunmal offensichtlich nicht für den öffentlichen Bereich.
Da kenne ich Fälle mit saftigen Strafen.
Dass diese Regelung der Gesundheit von Arbeitnehmern zu Gute kommt interessiert meist niemand.
Leider erlebe ich es immer häufiger, wie Menschen durch den Job schwer erkranken. Und da bin ich der Meinung, dass gehört abgedreht.

Re: Re: Re: Zurück in die Realität

-> "10 Jahre mit denen der vorhergegangenen 10 Jahren" waren in der Zeitachse gemeint. Also von heute weg der Zeitraum A mit 0 bis -10 Jahren und der Zeitraum B mit -11 bis -20 Jahren.

-> Früher hat man den Menschen generell mehr Arbeitszeit zugetraut (bereits die normale Wochenarbeitszeit war "etwas" höher). Und meine Arbeitszeiten (und die vieler Kollegen) waren als Anestellte/Arbeite durchschnittlich(!) bei 50 Wochenstunden (eher mehr). Als Selbständiger liegen sie bei durchschnittlich(!) 60 Wochenstunden, dort gilt aber auch kein Arbeitszeitgesetz. Ich bin aber deswegen (glücklicherweise?) nie krank geworden.

Mit Statistik lässt sich alles machen


„Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“ (Von wem auch immer diese Weisheit stammt.)
Immerhin weist Schellhorn auf die Einbeziehung der Biennalsprünge, die Verteuerung durch Überalterung, weniger Teilzeitarbeit und das Auslaufen der Pragmatisierung hin. Lustig ist seine Kritik gegen eine „Akademiker-Schwemme“ im öffentlichen Dienst. Das in einem Land, in dem die korrekte Bildungspolitik alle zur Matura und möglichst viele in akademische Studien bringen möchte!

Antworten Gast: 1. Parteiloser
03.01.2011 12:18
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Sie machen es sich zu einfach!

Es ist keine Statistik!

Es ist der RH Bericht zu den Einkommen der einzelnen Berufsgruppen. Der Bericht zeigt deutlich die wirklich bezahlten Entlohnungen der einzelnen Berufsgruppen auf. Ein Bewertung betreffend der erbrachten Leistungen, der Leistungsanforderungen und dem Nutzen für die Gesellschaft ist nicht erfolgt.

Die Daten können nicht mit dem Hinweis auf eine Statistik weggewischt werden. Es ist eher so, dass der RH Bericht sehr deutlich den Graben zwischen Privat und Staat deutlich aufzeigt. Ich meine aber, dass, wenn man nur die Entlohnung betrachtet, das Problem eher die Entlohnungen von Leistungen in der Realwirtschaft sind.

Das Problem der Beamten sind eher die Leistungen der staatlichen Organisationen für die Bürger Österreichs. Dass das Bildungssystem sehr schwach ist wurde erst kürzlich wieder bestätigt. Dass die Justiz nichts auf Reihen bringt zeigen die Masse an ungeklärten Skandalen (seit Jahren!). Dass die Verwaltung nichts schafft zeigen die Asylverfahren, welche bis zu 10 Jahren dauern könne. Dass die Exekutive nichts schafft zeigt die stabil viel zu hohe Kriminalitätsrate und deren Aufklärungsrate.

Es ist vollkommen egal, ob dieses Versagen von Akademikern oder schlechter ausgebildeten Menschen vollbracht wird. Für Österreich ist das Kosten - Nutzenverhältnis des öD inzwischen staatsbedrohend geworden!


Re: Mit Statistik lässt sich alles machen

„Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“

Wenn ich mich nicht irre, war das Winston Churchill.

Der Rechnungshof verweist auch darauf, dass die Ausbildung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst weit höher sei als in der Wirtschaft.


Erkennbar in ihren Leistungen für den Steuer zahlenden Staatsbürger?

Gast: DI. Dr. H. S.
02.01.2011 22:26
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Herr Schellhorn kann nicht recherchieren!!!

Wenn Herr Schellhorn auch nur 15 Minuten in eine Recherche im Internet aufgewandt hätte, hätte er diesen Unsinn nicht geschrieben:
Aus den Gehaltstabellen der letzten 10 Jahre ergibt sich, daß in jeweils DERSELBEN Gehaltsstufe ein Anstieg um inflationsbereinigt 22%-18%=4% (VIER PROZENT%) erfolgt ist, also genau derselbe wie für normale Angestellte. Der überproportionale Anstieg in der Statistik ergibt sich ausschließlich daraus, dass kaum mehr junge Vertragsbedienstete pragmatisiert werden, die Anstiege sich daher altersbedingt wie in der Privatwirtschaft auch ergeben. Vermutlich verdient Herr Schellhorn auch mehr als ein Redaktionsaspirant, auch wenn er einen hetzerischen Topfen zusammenschreibt, den ein Aspirant nicht abliefern dürfte!

Gast: Bärenfalle...
02.01.2011 17:22
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Regt mich nicht auf...

Denn ich kenne etliche Leute die hatten auch in den letzten Jahren dicke Lohnerhöhungen in sicheren Staatsdiensten weit über dem Durchschnitt erhalten und sie alle planten frühe Pensionsantritte bei fetten Bezügen.

Zugegeben .. wenige Jahre später sind die ersten der o.a. Personen beim Bewachen von Gemüseständen gegen Naturalien fast verhungert, heute wird mit Plastikabfällen geheizt und auf der eigenen Datscha (aus guten Zeiten) mehr schlecht als recht selbstversorgt.

Tja, so war das damals beim Kollaps der SU welche damals im Gegensatz zum Westen ihre Aufschuldungsfähigkeiten gegenüber dritten Gläubigern restlos ausgeschöpft hatte, auch dort war die Scheinleistung im System immer weiter gewachsen und hat dabei die Realwirtschaft abgewürgt (s. Staatsquote).

Der Westen ist ja heute kurz vor der magischen Grenze Kredite nicht mehr überollen zu können, die verrichtete Scheinleistung im System fast schon auf Planwirtschaftsniveau (again s. Staatsquote).

З повагою
Bärenfalle


Antworten Gast: @bärenfalle
02.01.2011 18:48
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Re: Regt mich nicht auf...

sich erist die Staatsquote in Österreich (zu) hoch, und Mitschuld ist sicher der Föderalismus.

Man darf aber die Geschichte auch nicht ausser 8 lassen.
Österreich hat ein föderales System und die Bundesländer sind älter als der Bundesstaat (einige sogar um 1000 Jahre älter!!).

Und auch in zentralistischen Staaten (Frankreich,...) gibt es mehrere Verwaltungsebenen.
Das oft gebrachte Beispiel Schweiz taugt auch nur eingeschränkt; der Bundesanteil ist dort sehr gering (11%) weil die Kantone viel mehr Einfluss haben als bei uns die Bu-länder!!

Sicher ist eine Verwaltungsreform nötig, da wird ihnen wohl jeder recht geben. Doch - der Stein des Weisen ist in dieser Frage noch nicht gefunden, und eine reine Zerschlagung von Strukturen ist nicht das gelbe vom Ei!!

In anderen OECD-Staaten ist die Staatsquote vergleichbar oder sogar höher (Skandinavien, Italien, etc.) und die Ausgaben für die Verwaltung sind hier nicht soviel grösser wie anderswo!!

Langfristig wäre eine Herunterstufung der Bundesländer und eine Verringerung der Zahl der Gemeinden sicher sinnvoll - das allein ist schon schwierig, weil Interessen über lange Zeit gewachsen sind.

Ferner ist im Gesundheitswesen und im Bildungssystem sehr viel zu heben; lt. Androsch versickert 1 Mrd. € järhlich in der Verwaltung der Bildung unnötig, und allein im Gesundheitssystem könnten Milliarden eingespart werden ohne dass irgendein Patient einen Nachteil hätte...

Re: Re: Regt mich nicht auf...

Eine "generelle Reformierung" wird kommen.

Var. 1: Halbwegs vernünftig geplant (dürfte bei unserer Politikergarde aus den, Verzeihung, Inzucht-Akademien mit an sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jedoch nicht stattfinden).

Var. 2: Durch Druck der von außen = Zusammenbruch des Systems, da Schuldengrenzen überschritten (das ist - leider - das realistischere Szenario).

Beide Varianten werden schmerzhaft für alle Beteiligten sind, aber Var. 2 ist die mit Sicherheit weitaus schmerzhaftere und verlustreichere (Lebensqualität) Variante.

Gut gebildet, gut bezahlt.

"Gut gebildet, gut bezahlt." - Es ist doch immer eine Freude, wenn man etwas Positives schon in der Überschrift formulieren kann.

Die Überschrift "Beamte: Die Sieger des Jahrzehnts" hätte in einer wirklich wettbewerbsorientierten Wirtschaft, deren Herold die Presse geblieben ist, dazu geführt, daß sich die anderen Marktteilnehmer fragen würden: "Wie geht das?"

Bedauerlicherweise verfällt der etwas tendenziöse Artikel in das seinerzeitige "Ja, dürfen's denn das?"

"Kein politischer Entscheidungsträger scheint sich gefragt zu haben, ob denn der Staatsdienst auch einen höheren Bildungsgrad braucht als ein Job in der freien Wirtschaft. Die Antwort wäre – abgesehen vom Bildungsbereich – ein klares Nein."

Hier ist ganz klar und recht laut zu widersprechen - und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Der moderne Rechtsstaat soll der modernen Wirtschaft, die wettbewerbsorientiert ist und deren Innovationszyklen immer kürzer werden, einen möglichst stabilen und dennoch flexiblen Rahmen bieten, um zukunftsorientiert handeln zu können.

Das geht sicher nur mit bestens ausgebildeten und gut motivierten Mitarbeitern, die zwischen Schein und Sein unterscheiden können. Man muß es ja nicht immer an der Justiz festmachen, die den von der Unschuldsvermutung geplagten Extremkreativen auf den Fersen bleiben, weil doch irgendetwas illegales die Extremkreativität getrübt haben könnte.


Re: Gut gebildet, gut bezahlt.

Ich versuchs mal ganz trivial:

Die meisten Verwalter (inkl. Politiker) des "modernen Rechtsstaates" haben so wenig Ahnung von den Notwendigkeiten eines modernen Wirtschaftsstaates, das man sich das im Normalfall gar nicht vorstellen kann.

Die Auswüchse solch fehlender Ahnungen (= keine persönliche Praxis und Erfahrung in der Wirtschaft) äußern sich dann hauptsächlich in Anlaßgesetzgebungen, welche jedoch, wie ein schlechter Schachspieler, nicht einmal auf die Zweite, geschweige den Dritte (oder mehr) Reaktion des Wirtschaftslebens bedacht nimmt (letztes Beispiel "Bankenabgabe").

Re: Gut gebildet, gut bezahlt.

Das stimmt absolut nicht. Wie schlecht Beamte Arbeiten wird an diversen Wirtschaftsprozessen sichtbar. Wie sonst ist es zu erklären, dass Elsner 4 Jahre auf ein rechtskräftiges Urteil warten mußte und die Hypo Kärnten Causa nach vielen Jahren ebensowenig abgeschlossen wie die Grasser Affäre ist. Und wieso gibt es eklatante Mißstände im Bildungssystem, die letztenendes praktisch ausschließlich auf die Qualifikations- und Ambitionsmängel der LehrerInnen zurückzuführen ist. In der Wirtschaft ist daratiges völlig undenkbar. Wer hier nicht stringent arbeitet und sich permanent weiterbildet bleibt auf der Strecke und verliert seinen Job, während sich ein Beamter auf seiner Pragmatisierung ausruhen kann. Der Artikel zeigt, dass es da in den letzten Jahren zu einer krassen Schieflage gekommen ist. Jeder, der nicht Beamter ist, wird das genau so sehen.

Antworten Gast: Reflector
02.01.2011 15:22
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Re: Gut gebildet, gut bezahlt.

Herr Neugebauer,

verzapfen Sie bitte nicht so einen derartigen Unsinn der ohenhin nur aus Textbausteinen der Parteizentrale besteht:

"Der moderne Rechtsstaat soll der modernen Wirtschaft, die wettbewerbsorientiert ist und deren Innovationszyklen immer kürzer werden, einen möglichst stabilen und dennoch flexiblen Rahmen bieten, um zukunftsorientiert handeln zu können."

Der Schreiber solcher Zeilen hat sich noch nie als Selbstständiger den ach so flexiblen Beamten stellen müssen; Nabelschau pur, aber leider weit weg von der Realität.

Sie glauben doch nicht, dass Unternehmer nur einen dieser Tintenspritzer benötigen um international bestehen zu können. Aber umgekehrt ist das anders, wenn einmal der Motor der Selbständigen stottert und das wird er bald, denn wer läßt sich dauernd mit 60% abzocken, dann werden wir ja sehen wie flxibel die hochbezahlten Staubbläser in den Tintenburgen bei der 14h Feldarbeit sind ...

Gerne werde ich dann die Regeln wie man Möhren richtig zieht persönlich überwachen und wenn eine nicht ordnungsgemäß extrahiert wurde, dann gibt es leider eine kleine Strafnachzahlung ohne aufschiebende Wirkung und Rechtsmittel ...

Freundschaft!

 
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