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Fritz Neugebauer: Hofrat Hemmungslos

05.11.2011 | 20:13 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Die Beamten knallen ihrem Arbeitgeber eine saftige Gehaltsforderung auf den Tisch. Bemerkenswert ist neben der Höhe vor allem die Begründung.

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Fritz Neugebauer hätte das Zeug zum Vorbild: Mit 67 Jahren steht der Pädagoge zwar nicht mehr im Klassenzimmer, aber noch immer an der Spitze der Beamtengewerkschaft. Während der Großteil der Bevölkerung längst dem vorzeitigen Ruhestand frönt, denkt Neugebauer nicht ans Aufhören, sondern kandidiert für eine weitere Amtsperiode. Womit klar ist, dass der neue Chef der Beamtengewerkschaft der alte sein wird. Denn dass Neugebauer beim Bundeskongress der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) in der kommenden Woche ein Ergebnis einfahren wird, das selbst geübten Diktatoren schmeicheln würde, daran besteht nicht der geringste Zweifel.

Die Herzen der Beamtenschaft fliegen ihrem obersten Lobbyisten auch nicht grundlos zu: Schließlich war er es, der die Lebensumstände einer nicht gerade zum Einkommensprekariat zählenden Kaste sukzessive verbessert hat – keine Berufsgruppe konnte sich in den vergangenen zehn Jahren auch nur über annähernd so kräftige Reallohnerhöhungen freuen wie die unkündbaren Staatsbediensteten. Vor allem in Zeiten konjunktureller Depressionen kommt Fritz Neugebauer so richtig in Fahrt. Etwa im November 2008, als der aufziehende Sturm schon für alle spürbar war: Neugebauer drückte Gehaltssteigerungen von 3,55 Prozent durch. Und nun knallt der GÖD-Chef dem Arbeitgeber die Forderung nach 4,65 Prozent mehr Gehalt auf den Tisch. Das in einer Zeit, in der die Kollegenschaft anderer Länder wegen empfindlicher Lohnkürzungen die Straßen unsicher macht.

Flexibilität der anderen Art

Nun könnte sich die staunende Öffentlichkeit natürlich darüber freuen, dass es neben den Metallern einen weiteren Berufsstand gibt, der einem hereinbrechenden Wirtschaftsrückgang – streng nach keynesianischer Heilslehre – mit freundlichem Blick nach vorne und einer ordentlichen Kaufkraftsteigerung begegnet. Weniger begeistert wird dieselbe Öffentlichkeit darüber sein, dass sie es ist, die das zu bezahlen hat. 4,65 Prozent mehr Gehalt für den öffentlichen Dienst kommen auf rund 580 Millionen Euro – pro Jahr. Weshalb auch niemandem die Frage zu verübeln sein wird, welche Leistung denn eigentlich hinter so einem kräftigen Einkommensplus stehen könnte.

Die Gewerkschaft löscht den Wissensdurst mit einem spröden Wortfetzen: „Benya-Formel“. Womit der nach dem legendären Arbeiterführer Anton Benya benannte Lohnerhöhungsautomatismus gemeint ist, der die im Kapitalismus eingefahrene Ernte umverteilt. Eine rot-weiß-rote Tradition, derzufolge nicht Angebot und Nachfrage den Preis des Faktors Arbeit bestimmen, sondern Teuerungsrate und Produktivitätsfortschritt. Da es im öffentlichen Dienst mit letzterem nicht so weit her ist, modifizierte die Gewerkschaft die Benya-Formel und fordert statt dem halben Produktivitätsfortschritt kurzerhand das brüderliche Teilen des erzielten Wirtschaftswachstums (zusätzlich zu den alle zwei Jahre stattfindenden Lohnvorrückungen). Sage noch einer, im österreichischen Staatsdienst gäbe es keine Flexibilität.

Wo war die Leistung?

Aber welchen Beitrag leistete nun der öffentliche Dienst am realisierten Wirtschaftswachstum? Wie genau hängt der Erfolg österreichischer Unternehmer und Beschäftigter mit der Arbeit der heimischen Bürokratie zusammen? Schwer zu sagen. Der Wohlstand des Landes wird ja weniger im abgeschirmten Staatsapparat erwirtschaftet, als im beinharten internationalen Geschäft.

Zudem wird niemand behaupten wollen, dass täglich Dutzende ausländische Delegationen durch die österreichischen Lande streiften, um eine weltberühmte Staatsverwaltung zu inspizieren. Zu bestaunen gibt es hierzulande nämlich nicht nur ein intaktes Gesundheitswesen, eine funktionierende Wasserversorgung und eine pünktliche Müllentsorgung, sondern auch einen Bürokratismus, der so tut, als wäre die technologische Revolution vor allem eine böse Intrige gegen die österreichische Beamtenschaft.

Eine anerkennenswerte Leistung könnte freilich sein, dass der öffentliche Dienst junge Menschen mit einer hervorragenden Bildung auf die wachsenden Anforderungen der globalisierten Arbeitswelt vorbereitet. Allerdings verwaltet der Berufsstand – bei allem Respekt vor dem unermüdlichen Engagement einzelner Lehrkräfte – eines der weltweit teuersten Bildungssysteme, dessen Qualität allen internationalen Studien zufolge als höchst unterdurchschnittlich zu klassifizieren ist.

Sicherer Job in stürmischen Zeiten

Wenn auch die einzelnen Staatsbediensteten nicht dafür verantwortlich zu machen sind, dass dieses Land so geführt wird, wie es nun einmal geführt wird, dürften nicht viele Bürger zu finden sein, die verstehen, warum sie mit sicheren Jobs ausgestatteten Menschen 4,65 Prozent mehr Lohn zahlen sollten. Nicht etwa, weil sie es den Beamten nicht gönnten. Oder weil die Staatsfinanzen zerrüttet wären, was sie zweifelsfrei sind (das ist für die Lohnfindung aber so irrelevant wie in der „Privatwirtschaft“ die Ertragssituation eines Unternehmens). Sondern weil ein Arbeitsplatz, der so sicher ist wie Fort Knox, aus Sicht jederzeit kündbarer Steuerzahler in stürmischen Tagen einen gewissen Wert an sich darstellt – was die Beamtengewerkschaft offenbar anders zu sehen scheint.

Schade eigentlich. Denn in härter werdenden Zeiten, in denen tausende Bürger dieses Landes vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes stehen, wäre es zumindest eine ganz nette Geste, wenn aus der geschützten Ecke das eine oder andere Signal der Bescheidenheit zu vernehmen wäre. Aber wie gesagt: Fritz Neugebauer hätte das Zeug zum Vorbild – wenn er nur wollte.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2011)

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450 Kommentare
 
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Gast: Kolibri
05.11.2011 20:46
10 3

Heuchelei

Gerade "Die Presse" regt sich auf, die ihre Verbrauchspreise seit der EURO-Einführung um 100 % erhöht hat.

20 10

Na ja,

den überwiegenden Teil der Beamten könnte man ruhig zu der Arbeitslosenstatistik dazuzählen, da sie ja eigentlich nichts produzieren, (und somit zur Wirtschaftswachstum nichts beitragen) sondern dem Steuerzahlen zur Last fallen, was bedeutet, dass sie von der der Privatwirtschaft durchgefüttert werden. Neugebauer gehört auch dazu....

Re: Na ja,

voellig richtig

Gast: hubsi1
05.11.2011 20:38
11 6

weiss hr. neugebauer,

dass er mit seinen maßlosen forderungen die zukunft unserer kinder und seiner enkelkinder zerstört.

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Re: weiss hr. neugebauer,

Jedenfalls ganz sicher nicht die der Kinder und Enkelkinder der Beamten. Wären Sie Beamter geworden, dann bräuchten Sie sich jetzt nich aufregen.

Re: weiss hr. neugebauer,

Du arme !

Re: weiss hr. neugebauer,

das erklären Sie mir bitte genau!?

Gast: Wladimir Iljitsch Uljanow
05.11.2011 20:35
5 3

Falsche Parteizugehörigkeit

Man kann zum Neugebauer stehen wie man will und ihn auch meinetwegen verteufeln oder am Mond schicken -

Fakt ist:

Wenn diese blaßrosa Schein- und Pseudosozialisten auch nur einen solchen Verhandler wie den Neugebauer in ihren Reihen gehabt hätten -

dann würden die Arbeitnehmer heut etwas besser dastehen.

Aber so sind das alles Verräter am ursprünglichen Gedanken der Arbeitervertreter.

Antworten Gast: Febobo
07.11.2011 12:39
0 0

Re: Falsche Parteizugehörigkeit

Das hat doch nichts damit zu tun. Neugebauer ist kein toller Verhandler. Er ist Beamter der mit anderen Beamten darüber verhandelt, wieviel Beamte verdienen, was alle Nicht-Beamten zu zahlen haben.

Vergleichbar wäre es, wenn die Gewerkschaften mit den Betriebsräten über die Gehälter der Angestellten verhandeln würden, ohne dass die Eigentümer der Firma ein Wörtchen mitreden können.

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Re: Falsche Parteizugehörigkeit

Die waren damit beschäftigt die Gewerkschaftsgelder an ihre Freunde zu "verspekulieren". Und ihre eigenen Gehälter waren ja eh nicht so schlecht.

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Re: Falsche Parteizugehörigkeit

Da schau her, jetzt haben wir auch schon einen "Leninverschnitt" im Presseforum !!

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Re: Re: Falsche Parteizugehörigkeit

Das hat doch nichts mit Lenin zu tun. Interessensvertreter haben die Aufgabe die Interessen jener, die sie vertreten sollen optimal zu wahren. Wie weit sie damit durchkommen ist dann eine andere Sache, aber sie sollten das Maximale versuchen. Neugebauer tut das.

Antworten Gast: Merkurius
05.11.2011 21:06
0 0

Re: Falsche Parteizugehörigkeit

Lieber Stalin!
Ihr Ansinnen in Ehren. Das wird nur gemacht, wenn einem das Leben aller anderen egal ist. Wir sind aber nun einmal eine Gemeinschaft innerhalb eines Staates und haben (hätten) aufeinander Rücksicht zu nehmen. Früher oder später wird der Gleichheitsgrundsatz zum tragen kommen und Extrawürste werden nicht mehr durchgehen.

1 0

Fritz Neugebauer, ein 67er mit einer nicht enden wollenden Sturm-und-Drang-Zeit-Phase!

Der Kernsatz des Artikels ist wohl der:
"Die Gewerkschaft löscht den Wissensdurst mit einem spröden Wortfetzen: „Benya-Formel“. "

wieviel ist ein arbeitsplatz wert?

herr schellhorn, auch sie sollten mit guten vorbild vorangehen, nicht nur solches einfordern! vorbildlich in ihrer funktion wäre, nicht nur vorschläge anzudeuten und dem neidgenossenschaftlich organisierten teil der leserschaft mit beamtenbashing voranzuschreiten, sondern gleich zu sagen, auf wieviel reallohn diese faulen säcke im staatsdienst, die ja eh niemand wirklich braucht, gefälligst zu verzichten haben; nulllohnrunde, oder gleich 10% minus? wär ihnen das so recht? eines hat mich in österreich immer gewundert: wie gut es leuten wie ihnen geht, wenn man die lage für jemand andern real oder imaginiert verschlechtern kann; das schlägt doch glatt jede verbesserung der eigenen situation, gell?

Antworten Gast: Herr Schellhorn zahlt diese vermutlich unverhältnismäßig ausfallende Lohnerhöhung mit
05.11.2011 21:49
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Re: wieviel ist ein arbeitsplatz wert?

.....im Gegensatz zu den Metallern, die sich die Lohnerhöhung mehr als Verdient hatten (Kurzarbeit, keine Zuschüsse, Kündigungen, seit Monaten unsicheres Arbeitsumfeld,...), ist eine Beamtenlohnerhöhung eine gänzlich andere Baustelle.

Antworten Gast: gaaast
05.11.2011 21:12
2 0

Re: wieviel ist ein arbeitsplatz wert?

danke für ihren kommentar! dieses mediale bashing, getarnt als kritische schellhorn-artikel, entspringen dem alten österreichischen neid-komplex: nicht dafür sorgen, dass es allen besser geht, sondern verschlechterungen fordern.

Gast: Gewerkschaftla
05.11.2011 20:25
7 2

est ist doch eh schon zu spät ....

... lasst sie doch den letzten Rest auch noch kaputt machen.
Es kümmert sowieso niemanden. ASFINAG, ÖBB, AUA, BAWAG, KONSUM, etc - alles bankrott und kaputt.
Die Säulen vorm Parlament - schaut schon so aus wie in Athen.
Jetzt wollen halt die Beamten uns den Rest geben - also ab in den Bankrott.
Und unser dümmlich grinsender Kasperl im BK-Amt schaut untätig zu - und grinst halt dümmlich.

Gast: gast1005
05.11.2011 20:25
8 1

so lange es

Hrn. Neugebauer gibt und seine Verhandlungspartner´selbst Beamte sind, muss jeder der es nur irgendwie kann, Steuer hinterziehen und es ist ihm kein Vorwurf zu machen.

Zynischer gehts nicht, Herr Neugebauer !!

Echtes Wirtschaftswachstum ist Wirtschaftswachstum minus NEUVERSCHULDUNG, u. somit seit mind. 10 Jahren KLEINER NULL !!! Doch in der BEAMTEN- u. PENSIONISTENDIKTATUR regiert die unendliche GIER bar jeder NACHHALTIGKEIT oder Fairness !!

Re: Zynischer gehts nicht, Herr Neugebauer !!

die saugen das volk aus, wie ein zeck sein wirtstier

7 5

Es ist Zeit, zu gehen,...


... Herr Neugebauer.

Unverfrorene Klientelpolitik wird eines Tages - nach dem Sturz der kommunistischen Diktatoren in Osteuropa und den arabischen Revolten gegen ihre Gewaltherrscher auch in Österreich zu Fall kommen.

Mit etwas Gefühl würden Sie gehen.

Das Gefühl ist Ihnen in ihrem Großmachtgetümle aber schon abhanden gekommen. Sie baden sich im Erfolg darin, dass Ihre Beamten heute das doppelte jener verdienen, welche aus der Hälfte ihres Einkommens ihren Wohlstandszuwachs finanzieren müssen.

Ich bete täglich dafür, dass Lobbyisten und Klientel-Interessensvertreter wie Gewerkschafter, Wirtschafts- und Bauernkämmler, Arbeitervertreter usw. aus den Parlamenten entfernt werden, welche das Volk und nicht Pfründebeherrscher zu vertreten haben.

Ihre Zeit ist abgelaufen, aber wohl warten Sie darauf, dass der Zwang Sie heimholt, wenn Österreich schon längst sein Triple A verloren hat, die Sozialleistungen nicht mehr zahlbar sind und kein Financier dieser Welt mehr mit seinem Geld den Schuldenturm erhöhen wird wollen.

wenn hier immer so auf die gehaltserhöhungen geschimpft wird, dann vergessen sie,

dass es im öffentlichen dienst nicht nur unkündbare beamte gibt, sondern auch sehr prekäre arbeitsverhältnisse.

junge wissenschaftler haben weder sichere arbeitsplätze, im gegenteil, sie sind von haus aus befristet, und sie verdienen auch nicht gerade großartig.

wie man gerade bei der österr. akademie der wissenschaften sieht, sind sie auch die ersten die rausgeschmissen werden.

das ist aber offensichtlich dem neugebauer egal, weil er de facto nur die privilegien alter beamteter verwaltungsbeamter und lehrer vertritt, junge wissenschaftler, lehrer oder vertragsbedienstete, die durchaus eine starke vertretung bräuchten, sind ihm völlig egal

Gast: b754
05.11.2011 19:53
11 4

der ist einfach größenwahnsinnig

ein volksschädlig der übeslsten sorte

Antworten Gast: japaner
05.11.2011 21:14
0 0

Re: der ist einfach größenwahnsinnig

Bei aller Kürze und Primitivtät ihres Posting - die Wortwahl lässt tief un Ihre ideologische Seele blicken.

 
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