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SuperMarkt: Licht am Eingang des Tunnels

10.12.2011 | 18:01 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Die Westbahn zieht zuversichtlich in den Kampf gegen die übermächtigen ÖBB. Optimismus wird der neue Anbieter auch gebrauchen können. Gewinner sind die Kunden, die sich auf fallende Preise freuen dürfen.

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Der Sonntag ist wirtschaftspolitisch gesehen so etwas wie ein kleiner Feiertag. Knapp zwölf Jahre nach Beginn des dritten Jahrtausends dürfen in Österreich erstmals auch private Personenzüge auf dem staatlichen Hochleistungsschienennetz verkehren. Am Sonntag um 4.45 Uhr wird der erste Zug der Westbahn laut Fahrplan den Betrieb aufgenommen haben. Bei der bahnfahrenden Kundschaft löst diese Mini-Liberalisierung bereits kleine Begeisterungsschübe aus: Abgesehen davon, dass die Fahrt von Ost nach West deutlich günstiger wird, dürfen die Kunden auch in die Rolle staunender Zeugen einer technologischen Weltrevolution schlüpfen: Ab heute kann nämlich während der Zugreise auch im Internet gesurft werden. Vorerst nur in privaten Waggons, demnächst soll das auch in staatlichen funktionieren. Womit einmal mehr bewiesen wäre: Wettbewerb belebt eben doch die Sinne.

Aus Sicht der Verbraucher sieht die neue Bahnwelt also einigermaßen vielversprechend aus. Fragt sich nur, ob das auch so bleiben wird. Der Staat wird schließlich nichts unversucht lassen, dem neuen Anbieter die Hölle auf Erden zu bereiten. Das schon deshalb, weil die Strecke von Wien nach Salzburg die einzige ist, auf der die ÖBB kein Geld vernichten. Diese ökonomische Sonderleistung werden sich die Staatsbahnen nicht von einem neuen Konkurrenten verderben lassen, der sich naturgemäß die wirtschaftlich interessanteste Route für sein neues Geschäft ausgesucht hat.

Wie schwer es der Schienen-David gegen den Bahn-Goliath haben wird, lässt sich auch an den randvollen Geldtöpfen ablesen, die für die ÖBB stets griffbereit sind. Die Staatsbahnen werden jährlich mit über vier Milliarden Euro aus den öffentlichen Kassen bedient, einer Summe, mit der die Bahnpassagiere locker mit dem Taxi von A nach B gebracht werden könnten. Hinzu kommen milliardenschwere Haftungen der Republik für die Bahnschulden. Das alles sichert den ÖBB das wirtschaftliche Überleben. Einem Betrieb, dessen Personalkosten in etwa so hoch sind wie dessen Marktumsätze.

Der privaten Westbahn bleibt der Griff in die staatlichen Kassen freilich verwehrt, sie muss die investierten 130Millionen Euro irgendwo zwischen Wien und Salzburg verdienen. Ein Vorhaben, dem es an Optimismus nicht fehlt: Bis dato wurde noch kein einziger Markt erfolgreich liberalisiert, in dem der Staat auch gleichzeitig der größte Anbieter ist. Wird es eng, entscheidet der „Gesetzgeber Staat“ nämlich stets für den „Unternehmer Staat“.


Staat: Platzhirsch und Schiedsrichter. Vergleichsweise originell ist in diesem Zusammenhang der Schachzug der Regierung, eine Mitarbeiterin des für die ÖBB politisch verantwortlichen Infrastrukturministeriums zur Schienen-Regulatorin zu küren. Das wäre so, als würde der Oligarch Roman Abramovich die Schiedsrichter für die nächsten Champions-League-Spiele seines Fußballklubs FC Chelsea selbst bestimmen – und dem Gegner augenzwinkernd ein unterhaltsames Spiel wünschen. Funktionieren kann die Liberalisierung eines Marktes nur mit einer mehrheitlichen Privatisierung der größten Anbieter (siehe Telekom Austria) und der Trennung von Infrastruktur und Betriebsgesellschaft. Nur so ist der immer wieder aufbrechende Interessenskonflikt des Staates dauerhaft einzudämmen.

Ein besonders schönes Schaustück für die unlautere Bevorzugung öffentlicher Anbieter durch den Staat ist die Liberalisierung des österreichischen Energiemarktes, die in ein elektrisches De-facto-Kartell gemündet ist. Im Vorfeld der Liberalisierung verteuerten die staatlichen Anbieter ihre Netzgebühren, um so den Markt gegen ausländische Konzerne abzuschotten. Im Gegenzug wurden die Preise für den „nackten Strom“ (also die produzierte Energie) stark reduziert – womit sich die Verbraucher über sinkende Stromrechnungen freuen durften.

Allerdings blieben daraufhin schlagkräftige Anbieter aus dem Ausland fern. Sie verdienen nur über den Verkauf der erzeugten Energie, die Maut für die Benützung der heimischen Stromleitungen landet in den Kassen des Netzbetreibers – also in den Schatullen der eingesessenen Konkurrenten, die wiederum ihrem Eigentümer (Bund, Land) hohe Dividenden abzuliefern haben. Heute ist vom Wettbewerb nicht mehr viel zu sehen, die Gebiete sind fein säuberlich aufgeteilt, niemand tritt dem anderen spürbar auf die Füße. Der „Spuk“ der Liberalisierung ist vergessen, der Staat konnte sein letztes großes Geschäftsfeld in Sicherheit bringen.

Nun wäre es freilich etwas übertrieben, die ÖBB als Geschäftsfeld zu sehen. Staatliches Milliardengrab trifft es schon eher. Und diese Senke soll eben so klein wie möglich gehalten werden. Weshalb es auch kein Zufall sein dürfte, dass der Gesetzgeber die Gebühren für die Benutzung einer einzigen Bahnstrecke unmittelbar vor der Teilliberalisierung empfindlich verteuert hat: jene für die Westbahn.


Einfallsreich. Höchst kreativ hat sich der Staat auch hinsichtlich der Abgeltung „gemeinwirtschaftlicher Leistungen“ gezeigt. Darunter sind vergünstigte Personentransporte (Schüler, Pensionisten) gemeint, die im öffentlichen Interesse von den ÖBB durchgeführt werden, deren Erlöse aber die Kosten nicht decken. Die Differenz zahlt der Staat. Bisher wurden die entsprechenden Verträge zwischen Ministerium und Bahn jährlich abgeschlossen – der aktuellste Kontrakt läuft auf zehn Jahre. Mit dem Vorteil, dass den ÖBB in diesem Zeitraum jährlich rund 580Millionen Euro sicher sind. Neu ist übrigens auch, dass die Westbahnstrecke von diesen Verträgen ausgeschlossen ist – die Strecke sei nicht zuschussbedürftig, wie es aus dem Ministerium heißt. So ein Pech.

Wie immer dieses ungleiche Duell auch ausgehen wird, die großen Gewinner stehen bereits fest: Es sind die Kunden, die sich auf fallende Preise und besseres Service freuen dürfen.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2011)

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45 Kommentare
 
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heduda
12.12.2011 17:52
0 0

In meinem Alter fällt´s schon schwer gegen diese jungen Angstverbreiter anzuschreiben

Ein Protagonist ist Schellhorn und seine Anhänger.Will nur einen Angriff dieser (seine)Kreuzritter des Neoliberalismus darstellen.
Ansage schellhorn:Der Staat wird schließlich nichts unversucht lassen, dem neuen Anbieter die Hölle auf Erden zu bereiten.....;
Süß! Die privaten Wohlstandsaktiengesellschaften der privaten umarmen sich,kuscheln,und sagen den konkurenzkampf,ade.Schellhorn hat eine umfaßende Staatsphobie,die in Haß mündet.Die verhindert,das er wünschenswertes und abschaffenwertes,was den Staat betrifft,nicht mehr in ein logisches Gleichgewicht bringt.
Hilfreich bei diesen Betrachtungen wäre es,sich ein Pinkfloydkonzert aus den 70zigern,at Pompej sich zu geben.

Gast: gäst
11.12.2011 18:21
0 0

Schellhorn, Schellhorn...

Eigentlich kann man den Unfug ja aufzeigen durch dieses ihre Zitat:
"Darunter sind vergünstigte Personentransporte (Schüler, Pensionisten) gemeint, die im öffentlichen Interesse von den ÖBB durchgeführt werden, deren Erlöse aber die Kosten nicht decken. Die Differenz zahlt der Staat."
Die Erlöse decken nicht die Kosten (bei der öBB). Bei der Westbahn müssten sie auch noch neben den Kosten die Profite des Herrn Haselsteiner decken. Wie kommt irgendwer dazu?
Was kommt als nächstes? Privater Wettbewerb bei U Bahn und Bim, damit die einen so fahren, damit man zu den anderen nicht Umsteigen kann? Neben der allgemeinen Zweifelhaftigkeit Schellhorns "wertloser" Ideologie wohl eine der vielen eher technischen Hauptgründe, die absolut gegen die Liberalisierung des ÖV sprechen.
Im übrigen wurden die früher durchaus "privat" Eisenbahnen zwangsverstaatlicht.

Antworten hw007
11.12.2011 19:00
0 0

Re: Schellhorn, Schellhorn...

... was auch militärische gründe hatte.

der staat zahlt nicht die differenz zum gewinn, sondern zur regulären fahrkarte.
schülertransport ist auf dem lande in privater hand.

Antworten Antworten Gast: gäst
11.12.2011 19:30
1 0

Re: Re: Schellhorn, Schellhorn...

Wie aber berechnet sich wohl die Fahrkarte? Bei einer ernsthaften Bereitstellung von ÖV nicht nach der Gewinnschwelle, sondern am eheste noch an den Kosten. Bei Herren Haselsteiners Betrieb muss aber noch ein Gewinn rausschauen, der dann nicht etwa im Unternehmen verbleibt, sondern diesem entnommen wird (man kläre mich auf ob ich dieses Prinzip des Kapitalismus falsch verstanden habe). Im übrigen Summen, die der ÖBB dann fehlen werden (der Steuerzahler dankt. Vielleicht werden aber auch die Tarife angehoben, ich vermute ja beides).
Überall führen öffentliche Unternehmen (v.a. Stadtwerke) einen effizienten Personenverkehr durch. Nur auf der Schienenlangstrecke soll dass irgendein Privater (der, wie mutig auch, sich die einzig jetzt schon profitable Strecke aussucht) aus irgendwelchen magischen Gründen (Produktivitätsgewinne lassen sich beim rollenden Material praktisch nicht erreichen) besser können (= dann ergo Lohnsenkung und schlechtere Arbeitsbedingungen der Angestellten) sollen.
Der Schülertransport am Land ist teils (sehr oft reicht ja auch der Postbus) in privater Hand. Meiner Erfahrung (Zahlen hab ich nicht) nach sind das aber sehr kleine Unternehmen, sehr oft sogar überhaupt ohne Angestellte. Die Westbahn gehört da schon zu einer anderen Kategorie.

Wo ist die EU Wettbewerbsbehörde?

Die EU kümmert sich um die Krümmung der Bananen aber nicht um das Wichtigste: Freier Wettbewerb und Zerschlagung von (staatlichen) Monopolen und Kartellen. EUdSSR lässt grüssen.

Antworten hw007
11.12.2011 18:14
0 1

Re: Wo ist die EU Wettbewerbsbehörde?

die EU kann leider keine österreichischen gesetze verabschieden!

die UdSSR regierung sitzt da eher in AT.

El Barato
11.12.2011 14:29
2 1

Umdenken erforderlich

Wenn wir jetzt einmal einen Moment lang ganz ehrlich sind und politische Überlegungen (i.e., steuerfinanzierte Versorgungsanstalt für Partei- und Gewerkschaftsgünstlinge) weglassen, müsste ein Bahnbetrieb des 21. Jahrhunderts in einem Land der Größe und Topografie Österreichs folgendermaßen aussehen:

Der Staat betreibt eine Infrastrukturgesellschaft, die ein Hochleistungsschienennetz zwischen sowie moderne Bahnhöfe in großen und mittleren Städten zur Verfügung stellt.

Private Betreiber nutzen dieses Netz kostenpflichtig und -deckend, um entsprechende Verbindungen anzubieten, wobei Angebot, Preis und Servicequalität vom Markt geregelt werden.

Die Anbindung abgelegener Regionen sowie kleiner Orte erfolgt durch Busse, die ggf. aus den Erlösen des hochrangigen Netzes teilsubventioniert werden.

(Und ja, das geht auch relativ umweltfreundlich - Busse kann man auf Flüssiggas- bzw. Hybridbasis betreiben, und der Strom für leere Züge kommt ja auch nicht aus der Steckdose, von der Erhaltung eines unausgelasteten Schienen- und Stromnetzes ganz zu schweigen)

Ergebnisse:
* Verbindungen zwischen großen Ballungsräumen werden schneller sowie die Servicequalität besser (danke, Wettbewerb), der Zug eine ernstzunehmende Konkurrenz zu, Flugzeug;
* Regionale Verbindungen werden günstiger und flexibler (Busse sind nicht schienengebunden);
* Der Steuerzahler muss nicht mehr 6 Mrd. jährlich im Morast ÖBB versenken.

Einziges Hindernis: die Regierungsbeteiligung der SPÖ.

0 1

Re: Umdenken erforderlich

sie formulieren wünsche ans christkind!

"Private Betreiber nutzen dieses Netz kostenpflichtig und -deckend, um entsprechende Verbindungen anzubieten, wobei Angebot, Preis und Servicequalität vom Markt geregelt werden."

ich habe weiter unten den SBB-chef zitiert: nicht mal dort gibt es eine kostendeckung auf den hauptverbindungen!

wenn sie das ernsthaft dem markt überlassen, dann müssen sie mondpreise fürs ticket verlangen und keiner benutzt mehr die bahn.

phrasen sind generell nonsens. speziell die phrasen vom 'monopol' und 'privat besser als staat' müssen sorgfältigst überprüft werden, bevor sie ernsthaft verwendet werden.

speziell bei gemeinwirtschaftlichen leistungen sind 'privat statt staat' und angebotsoligopole mittel- und langfristig wenig befriedigend.

Antworten Antworten El Barato
11.12.2011 20:14
0 0

Re: Re: Umdenken erforderlich

Sie vermischen Äpfel und Birnen.

Ich rede von einer Kostendeckung der Infrastruktur durch deren Miete, Sie vom operativen Bahnbetrieb.

Letzterer wird niemals kostendeckend sein, wenn eine Bahn der ökonomischen Logik entgegenhandelt und aufgrund politischer Begehrlichkeiten wirtschaftlich kontraproduktiv agiert (zuviel Personal, unterqualifiziert, überbezahlt und zu früh pensioniert, unrentable Verbindungen und dadurch schlechte Auslastung etc).

Und Leute werden dann die Bahn benutzen, wenn sich Qualität und Kundenservice verbessern, was wiederum am ehesten durch private Anbieter gewährleistet wird.

0 0

Re: Re: Re: Umdenken erforderlich

sorry, ich habe das zitat vorhin nicht gleich gefunden und daher mein gedächtnis bemüht.

hier das original:
"Standard: In Österreich stehen Zuschüsse für Erhaltung und Betrieb des ÖBB-Netzes ständig in der Kritik. Wie viel dieser Kosten kann SBB stemmen?

Meyer: Neu- und Erweiterungsinvestitionen werden samt und sonders von der öffentlichen Hand bezahlt, vom normalen Betrieb trägt die SBB rund 30 Prozent der Gesamtkosten, 70 werden vom Staat finanziert. ..."

das ganze interview:
http://derstandard.at/1319183711732/Schweizer-Bahn-Bahnen-verdienen-ihre-Infrastruktur-nicht

0 0

Re: Re: Re: Umdenken erforderlich

nein, wir reden vom selben:

wenn die infrastruktur tatsächlich kostendeckend durch eine miete bezahlt wird, dann werden die tickets unleistbar!

siehe SBB: 70% der INSTANDHALTUNG allein (von amortisation alter strecken und neubau gar nicht zu reden) müssen vom staat übernommen werden, damit keine roten zahlen rauskommen.


Antworten Antworten Antworten Antworten El Barato
12.12.2011 11:46
0 0

Re: Re: Re: Re: Umdenken erforderlich

Wenn die Infrastruktur zu teuer ist, dann muss eben nach Sparpotenzial gesucht werden.

Auf dem unerträglichen und unfinanzierbaren Status Quo zu verweilen und darüber zu jammern sowie mehr Steuergeld zu fordern ist genau die Einstellung, die den Karren ÖBB in den Dreck gefahren hat.

Antworten hw007
11.12.2011 15:05
0 0

Re: Umdenken erforderlich

Übrigens: sinnvolle Verkehrspolitik geht nicht ohne Raumordnungspolitik. Wer in AT weiß was das ist?
Die 2 sind in AT komplett getrennt und jede Gemeinde hat eigene Pläne.
Die vermurksten letzten 35jahre werden AT noch viel kosten!
- Kanal
- Wasserversorgung
- Strassenerhaltung
- Energieversorgung
- Verkehr
....
Alles Punkte in die die Raumordnungsplanung massiv auf die Kosten wirkt.
Man liest und hört nichts über diese Fehlleistungen

Antworten hw007
11.12.2011 14:56
0 1

Re: Umdenken erforderlich

Die Trennung von Infrastruktur und Benützer ist längst in einer EU richtlinie festgeschrieben.
Sie sehen ja woran es wieder einmal scheitert: an den Nationalstaaten, welche um ihren Einfluss fürchten.
Die ÖBB hat sogar getrennt, bilanziert aber nach wie vor unter einer gemeinsamen Holding.

Übrigens auch beim Stromnetz ist es so.

Das sowas zulasten des Kunden geht liegt auf der Hand. Natürlich werden Monopolisten das Gegenteil behaupten.
Die Wissen scheinbar exakt was der Kunde will, oder zu wollen hat!

0 2

Der privaten Westbahn bleibt der Griff in die staatlichen Kassen freilich verwehrt, sie muss die investierten 130Millionen Euro irgendwo zwischen Wien und Salzburg verdienen.

von einem 'wirtschaftsjournalisten', der über die bahn schreibt, erwarte ich mir eigentlich, dass er auch ein wenig recherchiert.

zb bei der lachsfarbenen konkurrenz, wo vor ca 2 wochen ein sehr ausführliches interview mit dem chef der SBB zu finden war.
(falls schellhorn nicht weiss, was die SBB ist: das ist die europäische vorzeigebahngesellschaft und sie betreibt die HAUPTstrecken der schweiz mit hoher fahrgastzahl, die nebenstrecken als zubringer sind sache der kantone)
eine der aussagen: die SBB schreibt zwar schwarze zahlen, aber nur weil der staat den betrieb subventioniert durch übernahme von 70 % der INSTANDHALTUNGSKOSTEN der strecken!

ergo: auch auf der westbahnstrecke gibt es keine gewinne. KEIN verkehrsträger dieser welt kann bei den aktuellen (ticket)preisen ausgeglichen bilanzieren. weder bahn, noch bus und schon gar nicht auto ("einer Summe, mit der die Bahnpassagiere locker mit dem Taxi von A nach B gebracht werden könnten" hat schellhorn wohl aus dem öamtc-lach-magazin abgeschrieben. gratuliere zu soviel sachverstand!)

wo also wird sich die westbahn die fehlenden euros holen?
vermutlich vom steuerzahler, es handelt sich mE um ein verlustabschreibemodell.
doch so etwas ist wohl eine nummer zu hoch für einen 'wirtschaftsjournalisten'...

Antworten Gast: international_
11.12.2011 17:13
0 0

Re: Der privaten Westbahn bleibt der Griff in die staatlichen Kassen freilich verwehrt, sie muss die investierten 130Millionen Euro irgendwo zwischen Wien und Salzburg verdienen.

lieber herr oberst - zum wirtschaftlichen verständnis:
verlustabschreibmodelle machen nur dann sinn, wenn nach der verlustphase in absehbarer zeit ein gewinn zu erwarten ist.

werden nur verluste erwartet, so wäre es idiotische geldvernichtung. Dafür bräuchte man nicht so viel Aufwand betreiben - verheizen genügt auch.

soll nicht heißen, dass die westbahn sicher gewinne machen wird - aber das ziel der westbahner ist es garantiert.

Antworten hw007
11.12.2011 13:47
1 0

Re: Der privaten Westbahn bleibt der Griff in die staatlichen Kassen freilich verwehrt, sie muss die investierten 130Millionen Euro irgendwo zwischen Wien und Salzburg verdienen.

Das Monopole immer am teuersten sind sollte auch bekannt sein.
Da einfach Summen zusammenzählen ist zuwenig.
Bei den Krankenkassen argumentiert man ja ähnlich

Antworten Antworten fefe
12.12.2011 04:00
0 0

Re: Re: Der privaten Westbahn bleibt der Griff in die staatlichen Kassen freilich verwehrt, sie muss die investierten 130Millionen Euro irgendwo zwischen Wien und Salzburg verdienen.

Wie großartig private Krankenversicherung funktioniert, sieht man in den USA.

In Monopolbetrieben verdienen die Mitarbeiter "zu viel". Ich bin alles andere als ein Kommunist, aber das ist mir noch lieber als das Geld wird Aktionären nachgetragen und Mitarbeiter werden mit sonderbaren Arbeitsverhältnissen versklavt. Das unterstelle ich nicht Haselsteiner, aber das ist bekannt von den Postdiensten und auch sonst heute leider die Regel.

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"Aus Sicht der Verbraucher sieht die neue Bahnwelt also einigermaßen vielversprechend aus"

schellhorn sollte mal selbst mit der bahn fahren!

denn ein bahnfahrer würden solchen unsinn nicht schreiben:
"die Fahrt von Ost nach West deutlich günstiger wird"
deutlich günstiger??? für den 1 mal pro jahr bahnfahrer. jeder der 2 mal oder öfter fährt, hat eine ermäßigungskarte (genannt vorteilscard!) und damit kostet das öbb-ticket genau dasselbe wie bei der westbahn

"Zeugen einer technologischen Weltrevolution schlüpfen: Ab heute kann nämlich während der Zugreise auch im Internet gesurft werden"
seltsam, in welcher vorrevolutionären welt habe ich denn gelebt? ich surfe schon seit jahren, wenn mir beim zugfahren danach ist!
@technik-grufti schellhorn: es gibt angeblich auch drahtloses internet. da steckt man einen stick in den usb-port und schon geht das, österreichweit! aber psst: nicht weitersagen, das ist ganz, ganz streng geheim!!!

ach ja, ich werde am mittwoch in wien einen zug richtung westen besteigen. einen der öbb.
denn in wels muss ich in einen regionalzug umsteigen und noch eine halbe stunde weiterfahren zu meinem termin.
die rosinenpicker von der westbahn bieten mir diesen service allerdings nicht an. hoch lebe der wettbewerb!

Antworten Cicero
11.12.2011 15:47
0 0

Die ÖBB-Apologeten haben eigenartige Argumente

Oberst Falaffel, sie sollten vielleicht auch einmal Bahnfahren. Was Sie sagen, ist weithin Unsinn.

Es ist schlicht falsch, wer zweimal mit der Bahn fährt und eine Vorteilscard hat, fährt um das gleiche Geld, wie auf der Westbahn. Jene Vorteilscard, die jeder haben kann und die vom Bund nicht subventioniert wird, kostet € 99,99, also lächerliche 100 Euro. Der Bahnfahrer, der mehr als viermal pro Jahr Wien-Salzburg fährt hat erst denselben Aufwand auf den ÖBB und der Westbahn. Alle anderen Vorteilscards werden von Bund subventioniert, sind also – das beanstandet Haselsteiner zu Recht – wettbewerbsverzerrend.

Sie haben völlig Recht, man kann bisher auch schon ins Internet, wenn man in der Bahn sitzt. Man braucht nur „einen stick in den usb-port“ zu stecken und schon geht das.

Genau wie der „technik-grufti schellhorn“, dem Sie vorwerfen, es noch nicht gemacht zu haben, haben Sie es offensichtlich auch noch nicht gemacht. Denn sonst wüßten Sie …

Mit Ihrem USB-Stick brauchen Sie in der Landschaft eine Mobil-Telefon-Sendestation, in der Sie einloggen können. Haben Sie den Sender, sind Sie im Internet. Nur 10 – 20 km weiter ist derselbe Sender für Sie nicht mehr erreichbar und Sie brauchen einen neuen. Damit fliegen Sie aber von der Website, auf der Sie gerade sind, hinaus. Sie müssen also neuerlich die Website aufrufen. Die Versorgungsdichte ist nur entlang der Autobahnen gegeben. Im Wienerwald läuft kaum etwas. Erst nach St. Pölten geht es wirklich, aber nur mit ständigem Ärger.

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Re: Die ÖBB-Apologeten haben eigenartige Argumente

ja, ich kenne das mit dem 'rausfliegen' aus dem sendebereich sehr wohl.
allerdings hat das keinerlei auswirkungen auf die bereits geladene site (ausnahme: youtube und andere film-seiten, aber das interessiert zumindest mich nicht).
und wenn ich eine andere site aufrufen will und die meldung 'keine verbindung' bekomme, dann ist es halt ein klick mehr, auf den "verbinden"-button...

aber lassen sie es mich mal so formulieren: die westbahn druckt einen hochglanzfolder mit propagandazuckerln und schellhorn in seinem ideologie-wahn fährt darauf ab.

macht nix, andere kaufen auch waschmittel, die laut propaganda "weisser als weiss" waschen... aber das sind in der regel keine 'wirtschaftsjournalisten.

Gast: b754
11.12.2011 09:44
1 2

für die pleite der westbahn

darf dann der steuerzahler einspringen und für die teureren tickets in zukunft danke haselsteiner

Gast: yamo
11.12.2011 08:59
0 2

Der privatwirtschaftlichere Ansatz wäre ja

dass man die Infrastruktur völlig verkommen lässt bis es irgendwann nicht mehr geht. Dann stellt man den Betrieb ein und überlässt die Sanierung dem Staat. Alles andere widerspricht dem Prinzip der Profitmaximierung.

Gast: Westbahnfahrer
11.12.2011 08:17
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Jungfernfahrt

Wir sitzen im Zug nach Salzburg und sind sehr angetan. Schöne Waggons, günstiger und wohlschmeckender Kaffee, freundliches und bemühtes Personal, und das W-LAN funktioniert super.
Danke für diese private Initiative - wir hoffen auf Druck der Öffentlichkeit, dass die teure Beton-Lobby dieses Unternehmen nicht vernichten kann.

Gast: granit
10.12.2011 22:30
3 0

Fallende Preise?

Der Vorteil für den Kunden ist mir nicht ersichtlich, da ja die WESTbahn die "zu günstigen" Tarife der ÖBB einkalgen will. D.h. längerfristig gesehen könnte der Markteintritt der WESTbahn weitaus höhere Tarife für den fahrgast bedeuten.

Antworten hw007
11.12.2011 17:01
0 1

Re: Fallende Preise?

verkehr sollte sowieso und muss es auch der kostenwahrheit entsprechen. dazu ist die zeit aber noch nicht reif.

 
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