26.05.2012 18:04 | Meine Presse Merkliste 0

SuperMarkt: Hassen wir doch mal das Kapital!

07.01.2012 | 18:17 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Heute ist der Kapitalismus ein gern gebrauchtes Schimpfwort, er gilt für Europas Intellektuelle als das große Übel unserer Zeit. Deren Vorfahren hätten das bestimmt ganz anders gesehen.

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Was genau in diesem Jahr auf uns Europäer zukommen wird, vermag dieser Tage niemand auch nur annähernd zu prognostizieren. Ob zu Jahresende noch mit demselben Euro bezahlt wird wie heute oder ob die Totengräber der Einheitswährung die Schaufel zur Seite legen können, ist ebenso offen wie die Frage, ob es den verschuldeten Nationalstaaten gelingen wird, solvent zu bleiben. Aber es gibt Hoffnung. So werden Buchhandlungen von Werken überschwemmt, die das drängendste Problem unserer Tage ausgemacht haben. Wird dieses an der Wurzel gepackt, könnte alles wieder gut werden – das jedenfalls behaupten entflammte Rezensenten aus den besten Redaktionen, die der deutsche Sprachraum zu bieten hat.

Der faule Zahn, der dringend einer Wurzelbehandlung zu unterziehen sei, heißt – tatarata: Kapitalismus. So klagt der „Süddeutsche“-Journalist Heribert Prantl in seinem neuen Werk „Wir sind viele“ den Finanzkapitalismus an, der den Staat zum nützlichen Idioten degradiert habe. Geradezu hingerissen sind die Kritiker aber von den Ausführungen des Anthropologen David Graeber. Dessen Buch „Schulden“ ist zwar erst ab Mai 2012 zu haben, wird aber vom „Spiegel“ schon jetzt als antikapitalistisches Standardwerk gefeiert, während sich Frank Schirrmacher, einsichtiger Konservativer und Mitherausgeber der „FAZ“, von Graebers Gedanken geradezu befreit fühlt.

Die jauchzende Begeisterung dürfte wohl auch damit zu tun haben, dass Graeber etwas verspricht, auf das viele sehnlichst zu warten scheinen: „Es gibt gute Gründe dafür, dass der Kapitalismus bald nicht mehr existieren wird, vielleicht wird sogar die nächste Generation ihn nicht mehr erleben.“ Womit wir bereits bei einem der unbestreitbaren Vorteile des angeklagten Systems wären: dass Anthropologen antikapitalistische Gedanken in Buchform auf den Markt bringen und damit auch jede Menge Geld verdienen können.

Das war nicht immer so. Bevor sich der Kapitalismus etablierte, war der finanzielle Status aller Menschen bei deren Geburt festgeschrieben. Wer arm geboren war, blieb das bis zu seinem Tod. Wer das Glück hatte, als Nachkomme reicher Aristokraten das Licht der Welt zu erblicken, lebte bis ans Ende seiner Tage im Überfluss. Konnten im England des 18.Jahrhunderts sechs Millionen Menschen mehr schlecht als recht ernährt werden, ist der Lebensstandard von 50 Millionen Briten heute höher als jener der wenigen Reichen vor 200 Jahren.

Weshalb der österreichische Nationalökonom Ludwig von Mises den Antikapitalisten Ende der 1960er-Jahre auch entgegenhielt: „Sie wissen, dass die Bevölkerung auf diesem Planeten heute zehnmal so groß ist wie in den Zeiten vor dem Kapitalismus. Sie wissen auch, dass alle Menschen heute einen höheren Lebensstandard haben als ihre Vorfahren vor dem Zeitalter des Kapitalismus. Aber woher wissen Sie, dass gerade Sie der eine Mensch unter zehn anderen sind, der ohne den Kapitalismus am Leben geblieben wäre? Die einfache Tatsache, dass Sie heute leben, ist der Beweis, dass der Kapitalismus erfolgreich war.“


Nicht die Arbeiter waren die Gegner. Heute ist der Kapitalismus ein gern gebrauchtes Schimpfwort. Woher aber rührt dieser unbändige Hass auf eine Wirtschaftsordnung, die seit über zwei Jahrhunderten nicht mehr wegzudenken ist, Menschen in Massen aus der Armut geführt hat, aber dennoch als „Ideologie“(sic!) der Reichen gilt? Bemerkenswert ist, dass die ersten Kapitalismusgegner keine Arbeiter, sondern aristokratische Großgrundbesitzer waren. In ihren Augen war die fortschreitende Industrialisierung (samt Arbeitsteilung und Massenproduktion) Anfang des 19.Jahrhunderts für die steigenden Löhne in der Arbeiterschaft verantwortlich. Was wiederum zur Folge hatte, dass auch die Grundbesitzer ihren Landarbeitern mehr zu zahlen hatten, wollten sie deren Abwanderung in die Industrie verhindern. Mit der Industrialisierung erhöhten sich nicht nur die Einkommen der Massen (wenn auch auf bescheidenem Niveau), die Massen produzierten plötzlich auch in Massen für die Massen. Während vorher alles unternehmerische Handeln auf die Bedürfnisse einiger Wohlhabender ausgerichtet war.


Eine Geschichte der Irrtümer. Heute aber kommt keine Diskussionsrunde ohne den Hinweis aus, dass der Kapitalismus doch die Reichen reicher und die Armen immer ärmer mache. Das sehen nicht nur Sozialisten so. Viele hängen an einem seit dem vierten Jahrhundert kursierenden Unsinn, wonach der Gewinn des einen der Verlust des anderen sei. Nun ist unbestritten, dass der Kapitalismus Unternehmern wie Bill Gates und Dietrich Mateschitz Chancen eröffnet hat, die sie weder in sozialistischen Planwirtschaften noch in feudalistischen Ordnungssystemen vorgefunden hätten. In beiden Modellen wären sie nicht zu unermesslichem Reichtum gekommen, ihnen hätte das Politbüro beziehungsweise das jeweilige Herrscherhaus einen Platz in den unteren Räumen der Galeere zugewiesen. Wen aber trieben die beiden Herren in die Armut? Niemanden. Sie nutzten vielmehr die einzigartige Möglichkeit des Kapitalismus, Verbraucher besser zu versorgen, als es andere Anbieter zuvor taten.

Dennoch wird die Zukunft wohl keine kapitalistische sein. Schon heute leben die Europäer in staatlich gelenkten Marktwirtschaften. Und der Staat wird im Zuge der Schuldenkrise seinen Einfluss weiter ausweiten. David Graeber könnte also recht behalten, dass es um den Kapitalismus bald geschehen ist. Jedenfalls in Europa. Ob das ein Vorteil sein wird? Der Kapitalismus ist zwar ein fehleranfälliger Entwicklungsprozess. Allerdings der beste, der den Menschen zur Verfügung steht.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2012)

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147 Kommentare
 
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Gast: rex lacrymarum
20.01.2012 20:25
0 0

Mises hatte recht

In der Tat: Mises hatte völlig recht. Leider haben wir keine freie Marktwirtschaft mehr, weil wir ein sozialistisches Geldsystem haben. Das theorem der Unmöglichkeit des Sozialismus lässt sich auf the Planwirtschaft des Zentralbankensystems anwenden: mit seinen Interventionen macht es vernünftige wirtschaftliche Kalkulation unmöglich.

Gast: Kibietz
09.01.2012 14:24
1 4

Soziale Marktwirtschaft

wäre am besten. Eine Wirtschaftsform die FÜR die Menschen arbeitet. Mit erschwinglichen Preisen die nicht künstlich hochgehalten werden so das die Waren und Dienstleistungen Leisbar bleiben (Selbstkostenpreis + einer kleinen Gewinnspanne) damit kann wohl jeder Leben.

Lebenserhaltungskosten (Miete, Strom, Zinsen, Treibstoff, usw.) müssen staatlich reguliert werden da hier kaum Wettbewerb (in Sinne des Kunden) stattfindet. Der Kunde darf nicht von irgendwelchen Unternehmen "ausgeplündert" werden.
Wenn Konzerne keine ethische Moral mehr besitzen muß man sie eben gesetzlich verordnen.

Das Experiment der Deregulierung der Wirtschaft ist, bis auf einige wenige Bereiche, gescheitert. Konzernbosse werden immer reicher während der Bürger teils horrende Preise bezahlen muß und immer ärmer wird. So gehts nicht.

Re: Soziale Marktwirtschaft

Wie unten schon gepostet: Wo ganz konkret liegt die Grenze?
Beispiele:
a) Sie sind in der Privatwirtschaft als Angestellter beschäftigt. Ihre Fa. hat einen "Selbstkostenpreis", der Ihre Arbeitskraft beinhaltet. Soweit OK.
Der Firmengründer geht ein nicht unbeträchtliches finanzielles Risiko ein. Zuerst bei der Gründung, später im laufenden Betrieb, da er in guten Jahren (der Markt würde eine höhere "Gewinnspanne" bezahlen) kaum Polster aufbauen kann. In schlechten Zeiten zahlt niemand diese Spanne. Was wird passieren?
b) Ihr Mietpreis wird vom Staat vorgegeben. Wer baut das Haus?

Staatlicher Eingriff in Preise ist also problematisch, da er private Investition behindert. Also braucht´s Staatsbetriebe, staatlichen Wohnbau etc. Da die Konkurrenz fehlt, leidet die Qualität. Beispiele dafür gibt es auch hierzulande.

Soziale Marktwirtschaft bedeutet (zumindest für mich), jedem zumindest annähernd dieselben Chancen zu geben. Das hat weder mit Steuergeschenken für Reiche (Stiftungen) noch mit Transfergeschenken für eine nichtwollende Minderheit zu tun.

periskop
09.01.2012 14:14
4 0

Der Kapitalismus kann gar nicht untergehen!

Was heute "Kapitalismus" genannt wird, ist kein "System", es gibt dort nichts Unverrückbares , keine Dogmen, keine ewigen "Wahrheiten". Es gibt ihn aber dort, wo dem Einzelnen möglichst viel Freiheit zugestanden wird, um das zu tun, was er für vernünftig erachtet.

Deswegen wird alles, was nicht ein unnatürliches Zwangs- und Unterdrückungssystem ist (das gefährlichste darunter ist der Marxismus), heute mit dem als Schimpfwort gedachten "Kapitalismus" benannt.

Da aber das Bedürfnis nach Freiheit zwar zeitweise unterdrückt aber niemals beseitigt werden kann, kann der Kapitalismus auch nicht untergehen!

Dazu ist nicht einmal nötig, dass die Freiheit immer zu einem besseren Gesamtergebnis führen muss als jedes künstliche Zwangssystem, es genügt die Freihet an sich, damit es den Untergang des Kapitalismus nicht geben wird!


Antworten Gast: Kibietz
09.01.2012 14:28
1 1

Re: Der Kapitalismus kann gar nicht untergehen!

Die Freiheit des einen endet bei der Freiheit des anderen.

Das heisst wenn sich der Kapitalismus gegen die Bürger wendet (überhöhte Preise um möglichst viel Profit zu machen) muß der Staat eingreifen und diese Auswüchse unter Kontrolle bringen.

Denn mit dem Kapitalismus steigt auch die Gier und die ist bekanntlich eine Todsünde.....

Antworten Antworten periskop
09.01.2012 17:34
5 0

Re: Re: Der Kapitalismus kann gar nicht untergehen!

In keinem Land, das angeblich "kapitalistisch" ist, gibt es völlige Freiheit. Regeln sind unverzichtbar, sie dürfen aber nie (wie im Marxismus und vielleicht in einer zukünftigen "Gemeinwohl-Ökonomie") zum Erzwingen unnatürlichen Verhaltens missbraucht werden!

Überhöhte Preise gibt es bei Monopolen, die haben aber nur dort Bestand, wo sie vom Staat gegen Konkurrenz geschützt werden.

Ohne die "Gier" fehlt es an Fortschritt und ohne diesen könnten heute noch nur wenige Menschen leben und die würden nackt durch die afrikanische Savanne laufen!


Denn mit dem Kapitalismus steigt auch die Gier

In meinem persönlichen Umfeld gibt es ausreichend Gelegenheit sich mit Leuten zu unterhalten, die im Kommunismus sozialisiert worden sind.
Erzählungen zeigen mir - Gier ist auch in ihrem Umfang völlig systemunabhängig.

Gast: Demokratiekrise
09.01.2012 10:51
2 1

Ich möchte eine Brücke schlagen

In diesem Forum fallen die Sozialisten und die (Neo-)Liberalen ja geradezu übereinander her.

Dabei sollten beide Gruppen bedenken, dass ihre Wurzeln in der Aufklärung liegen. Alleine diese gemeinsame Wurzel sollte genug sein, das Gemeinsame hervorzuheben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - und man sollte sich fragen, wie es sein kann, dass plötzlich die Religion eine so starke Renaissance erlebt (siehe Ägypten: 25% Salafisten = totalitärer Islam!).

Aber nicht nur in der arabischen Welt werden die Religiösen stärker, auch in Europa breiten sich archaische Denkmuster immer stärker aus.

Die Antwort ist mM. nach: Die Industriegesellschaft ansich ist in einer Krise. Warum? Weil die Industriestaaten heillos überschuldet sind. Warum? Weil die Rohstoffe schön langsam knapp werden (Ölpreis > $110).
Hinzu kommt eine Deindustrialisierung großer Teile Europas (UK, Ruhrpott in Deutschland, etc.)

Abhilfe: Energiewende!

Antworten periskop
09.01.2012 17:43
1 0

Re: Ich möchte eine Brücke schlagen

Freiheit und Gleichheit sind unvereinbare Gegensätze. Man muss das richtige Maß bei beiden finden.
Der Islam braucht keine Renaissance, er war immer stark. Wir merken das heute nur deshalb, weil er sich gegen die westliche (eigentlich europäische) Kultur heftig wehrt!

Re: Ich möchte eine Brücke schlagen

Da würde ich gern helfen. Im Detail sehe ich die Ursache allerdings anders:
Die Überschuldung ist nicht das Ergebnis zu hoher Rohstoffpreise. Beispiel AT: Seit 40 Jahren verschuldet sich dieses Land laufend höher und höher. Und zwar nicht auf Basis von Investitionskosten sondern für Brot & Spiele für den Wähler.
Jeder will mehr. Und das ist legitim, da menschlich.
Der Zinsenzinseffekt führt dazu, dass immermehr Wirtschaftsleistung für die Begleichung der Schuldscheine abgezogen werden muss. Das Ende ist somit eine mathematische Gewissheit.
Ironischerweise von beiden Seiten verschuldet. Die Neoliberalen sind sich nicht zu bl.d, auch noch Beifall zu klatschen, wenn sie jemandem via EZB einen Kredit zu 1% geben dürfen, von dem sie dann Geld zu 3,5% wieder aufnehmen.
Die Linken kapieren niemals, dass das Schuldenmachen nur einem hilft: Dem Klassenfeind.

Jetzt ist es soweit, dass weggenommen werden *muss*. Und das ist schlimmer, als Manches nie gehabt zu haben. Ein Schuldiger muss her. Typischerweise "der Andere".

Die von Ihnen angesprochene Energiewende hätte tatsächlich einen in fast jeder Hinsicht sehr positiven Effekt. Zumindest kurzfristig aber sicher auch eine Preissteigerung bei Energie zur Folge. Und spätestens bei diesem Punkt beginnt die Uneinigkeit auf´s Neue;-)

Antworten Antworten periskop
09.01.2012 17:53
1 0

Re: Re: Ich möchte eine Brücke schlagen

Alles, was Sie zur Überschuldung geschrieben haben, ist richtig.

Der Zinseszinseffekt würde nur ein (fast) ewig gehaltenes Guthaben untragbar vergrößern, so etwas gibt es aber nicht.

Die "Energiewende" ist, so lange man alternative Energie nicht speichern und dann abrufen kann, wenn man sie braucht, ein unerfüllbarer Wunschtraum.

2 0

für mich ist der Artikel Themenverfehlung

natürlich hat der Kapitalismus dazu geführt, dass der Wohlstand weltweit gesteigert wurde. Natürlich ist er ein System, welches unter bestimmten Rahmenbedingungen noch am besten funktioniert.

Aber die Kritik am Kapitalismus geht imho in Richtung Rahmenbedingungen. Wir leben in einer globalen Welt mit einem globalen Finanzsystem und haben aber staatliche Regelungen. Wir brauchen für globale Probleme globale Lösungen. Und solange es Staaten gibt, die davon profitieren, nicht mitzumachen, wird das schwierig.

Man sollte mMn auch das derzeitige Geldsystem hinterfragen. Die Kritik am Kapitalismus per se seh ich nicht, mehr an seinen Auswüchsen - und die sind mit gutem Grund zu kritisieren. Es ist nun mal kein perfektes System, und das sieht man heutzutage deutlicher denn je.

Re: für mich ist der Artikel Themenverfehlung

Ich sage es immer und immer wieder: Die Ursünde des Geldsystems war es, Geld selbst zur handelbaren Ware zu machen!

Geld muß wieder auf seinen ursprünglichen Zweck beschränkt werden, nämlich Zahlungsmittel für die Realwirtschaft zu sein!!

Und der Staat wird im Zuge der Schuldenkrise seinen Einfluss weiter ausweiten

Eben genau das Gegenteil ist der Fall. Denn Schulden machen abhängig. Und Abhängigkeit reduziert Spielraum und somit Einfluss.
Beispiel: Die EZB (im Gesamteigentum der Staaten) leiht privaten Banken Geld zu 1%. Dieselben Staaten borgen es sich von den wiederum selben Banken zu 6% (z.B. IT) aus.
Wo bitte sieht man da noch einen "staatlichen" (also unser Aller) Einfluss?
Kapitalismus hat also ultrateure Schattenseiten. Und da hilft nunmal nur ein wenig Regulierung. Das muss dann ja nicht gleich Kommunismus sein. Die Welt so einzuteilen ist zwar einfach, aber falsch.

Darüber, dass andere einfache Menschen dann schon aus Frust(?) freies Unternehmertum mit allen schädlichen Auswüchsen in einen Topf werfen, darf sich Hr. Schellhorn dann nicht wundern. Weiterdenken tun beide nicht.

Abgesehen davon ähneln sich diese achso konträren Anschauungen im Kern verdächtig: "Du hast etwas, gib's her."

Antworten Gast: Kibietz
09.01.2012 14:12
0 2

Re: "Du hast etwas, gib's her."

Das ist aber genau das was krankt im System: einerseits gibt es eine Minderheit die im totalen Überfluss lebt und andererseits gibt es immer mehr Leute denen es am Nötigsten mangelt. Hier muß umverteilt werden um einen Ausgleich zu erziehlen.

Re: Re: "Du hast etwas, gib's her."

So einfach ist es aber leider nicht. Das offenbart sich (grade wieder aktuell), wenn´s an die konkrete Umsetzung ginge.
Ab welcher Grenze (sowohl Einkommen als auch Vermögen) beginnt der Überfluss? In welcher Form soll umverteilt werden (Transfer oder Dienstleistung)?
Die Unterscheidung zwischen Kapitalismus und Kommunismus liegt einzig in der konkreten Festlegung der Grenzen von "Überfluss" und "dem Nötigsten". Keine der beiden Extreme erscheint mir gesund. Und das weite Feld dazwischen bietet ausreichend Platz um es niemandem Recht zu machen;-)

Gast: chefredaktion
08.01.2012 21:04
2 3

Also ich halte ja viel von freier MW

aber diese zusehends sektierische Verfechtung eines nicht eben fehlerlosen Systems wird immer ekelhaft-neurotischer. Mit Grausen sieht man, wie das Wirtschaftsressort in der Presse die Macht übernimmt.
Schließlich wurde schon vor dem gelobten "Kapitalismus" produziert, halt lokaler, aber die "Masse" war auch selbstversorgerischer. Fortschritte in Medizin und Hygiene sind auch was anderes. Und ja, Herr Chefökonom: Zunächst hat Ihr netter Kapitalismus aus armen Landmassen arme, verwahrloste Stadtmassen gemacht, deren geringer Mehrerwerb rasch für die neuen Lebensumstände und Güter großteils draufging, das war in vielerlei Hinsicht eine neue Gestalt der Armut - und das alles bis ins 20. Jht. hinein, und noch heute in Massen (siehe China), aber dafür wurde der Luxuswarenkorb der Reichen weiter vergrößert. Ich sag es nicht gern, aber die Sozen waren nicht ganz unschuldig daran, dass dem Manchesterschellhorn-Kapitalismus der "Presse" die ärgsten Spitzen genommen wurden.

Antworten Gast: wer wenn nicht er
09.01.2012 08:46
1 1

Re: Also ich halte ja viel von freier MW

Nein, Ihre historische Betrachtung ist einfach falsch.

Im Feudalsystem wohnten die Landbesitzer (=Adel, Kirche) in riesigen Palästen, die sich heute keine Privatperson mehr (trotz allgemein gestiegenem Wohlstand) leisten kann/will. Selbst die Schlösser kleiner Landadeliger übersteigen die Ansprüche wohlhabender Kapialisten bei weitem.
Das gemeine Volk (90%) wohnte bei den Tieren im Stall. Die wenigsten hatten ein eigenes Bett. Heiraten war oft verboten, Arbeitgeber- oder gar Wohnortwechsel sowieso. Die Bezahlung bestand in Nahrung. Ärzte gab es nicht, wer krank wurde starb früh.

Die auch so schrecklichen Bedingungen der Arbeiter des frühen Kapitalismus stellten eine VERBESSERUNG dieser Lebensbedingungen dar.

Die Bevölkerungsexplosion ab Einführung des Liberalismus=Kapitalismus (freie Wahl des Arbeitgebers, Bezahlung in Geld statt Naturalien etc.) ergab sich ausschließlich, weil die Tragfähigkeit des neuen Systems viel höher war.

Ebenso könnte man Nomadentum gegenüber Ackerbau als "bessere" Lebensweise loben. Aber wohin mit der 10x höheren Bevölkerung?

Der Liberalismus=Kapitalismus führte zur Industrialisierung, was zu einer neuerlichen Verzehnfachung der Bevölkerung führte, weil das neue System dies ermöglichte.

Übrigens: In keinem liberalen Land gibt es Hunger. Nur in Feudalsystemen und Planwirtschaften verhungern bis heute (Nordkorea) die Menschen.

grinch
08.01.2012 20:17
2 3

Jünger der Systemkrise.

Wenn derartige Totschlagargumente den Kapitalismus retten sollen,
kann man bereits getrost sein Grab schaufeln.

Sind wir doch froh,
dass früher für derartig inhaltsleere Artikel eine ganze Horde an Journalisten
und sonstige Schreiberlinge tätig waren,
heute dafür einer,
vermutlich mit Hilfe eines unterbezahlten Handlangers ausreicht
und in Zukunft,
ja in Zukunft wird uns ein derartiger Artikel samt "Journalisten"
hoffentlich zur Gänze erspart.

Kapitalismus führt sichtlich doch schlussendlich zu einer permanenten
Rationalisierung und "Qualitätssteigerung".

Gast: Zwanzig
08.01.2012 20:15
1 6

Söhnchen

Ja Schellhorn, je öfter man seine schwachsinnige Meinung wiederholt, desto wahrer wird sie. Gell?

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Kapitalismus ungleich Kapitalismus

Mich stört die einseitige Kapitalismuskritik auch. Sie setzt nämlich wirtschaftlich erlangten Reichtum mit spekulativ und rein finanztechnisch erlangtem Reichtum gleich.

Einem reichen Fabriksbesitzer, der dank seiner klugen Firmenstrategie reich geworden ist, den sollte niemand beneiden. Er hat sein Geld verdient und auch viele andere profitieren davon.

Mein Ärger richtet sich gegen all jene, deren rein finanztechnisches Talent zum Reichtum verholfen hat. Wer mit Aktienhandel reich wird, der hilft überhaupt niemandem! Wer mit Währungshandel sein Geld verdient, der schadet der Menschheit mehr, als er ihr hilft.

Die Forderung nach einer Abschaffung der Börsen ist keineswegs sozialistischer Unfug. Es ist lediglich Ausdruck der Erkenntnis, dass man ohne Wertschöpfung tatsächlich nur dann reicher werden kann, wenn jemand anders ärmer wird.

Re: Kapitalismus ungleich Kapitalismus

Teilweise haben Sie recht, aber Sie schütten das Kind mit dem Bade aus!

Die Börsen sind per se nicht das Übel, sondern im Gegenteil, sie sind für die Realwirtschaft die billigste Geldquelle, denn Aktien sind de facto Eigenkapital, bzw. Teilhaberschaft am der Firma.

Übel am Finanzkapitalismus ist der Handel mit Geld, der letztlich immer auf betrügerische Pyramidenspiele hinausläuft! Das gehört von derPolitik streng reglementiert oder besser ganz verboten. Aber gerade auf diesem Ohr sind die populistischen Sozialisten aller Parteien völlig taub, stammt doch aus dieser Quelle ihr Kapital zur Stimmviehbestechung......

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Re: Re: Kapitalismus ungleich Kapitalismus

Natürlich haben auch die Börsen Sinn. Sie sollen den Verkauf von Firmenanteilen erleichtern. Nach allem, was wir erlebt haben, wissen wir allerdings, dass es nicht gut ist, solchen Handel zu sehr zu erleichten.
Unternehmensanteile sollten ausschließlich per Vertrag über einen Notar gehandelt werden, mit Übernahme von Haftung etc. Das würde kurzfristige Wertsteigerungen verhindern und ausschließlich dem langfristigen Zweck dienen.
Der Kauf von Unternehmensanteilen nur zu dem Zweck, sie später zu einem höheren Kurs wieder zu vekaufen, nützt ausschließlich nur dem Händler!

Re: Re: Re: Kapitalismus ungleich Kapitalismus

Also, was wollen Sie jetzt? Die Börse oder nur den Notar??

Und wenn jeder Stille Teilhaber eine Firma noch dazu mit seinem Privatvermögen haften soll, na was glauben Sie, wie viele Leute sich dann bereitfinden würden, Firmenteile zu übernehmen???

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Re: Re: Re: Re: Kapitalismus ungleich Kapitalismus

Hoffentlich nur diejenigen, die die Firma aufbauen wollen und nicht am schnellen Geld interessiert sind :-).

Re: Re: Re: Re: Re: Kapitalismus ungleich Kapitalismus

Sie wissen offensichtlich wirklich nicht, was Sie wollen! Träumen Sie weiter von einer staatlichen Planwirtschaft, aber beklagen Sie Sich dann nicht über die daraus resultierenden Mangelerscheinungen!

 
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