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SuperMarkt: Russisches Roulette im Hochsicherheitstrakt

14.01.2012 | 17:49 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Staatsanleihen gelten auch nach der jüngsten Orgie an Abstufungen als mündelsicher. Dabei wären viele Eurostaaten ohne die EZB längst pleite. Kaum ein Land kann die Rückzahlung seiner Schulden glaubhaft garantieren.

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Wie sich die Zeiten doch ändern: Vor wenigen Wochen noch waren die Herren Faymann und Spindelegger ganz aus dem Häuschen, weil die Ratingagentur Moody's ihre Arbeit lobte und dem Schuldnerland Österreich allerhöchste Bonität bescheinigte. Vergangenen Freitag aber musste die Begeisterung blankem Entsetzen weichen, nachdem „uns“ Standard & Poor's das Triple A weggeschnappt hatte. Wie um Himmels willen konnte das geschehen? Zum Glück musste sich Österreich nicht allein mit dieser Frage plagen, auch die Pariser Regierung verstand die Welt nicht mehr. Und mit ihr die Staatsführungen weiterer sieben Eurostaaten, die von einer Rückstufung betroffen waren.

Irgendwie ist die Aufregung ja verständlich, schließlich geht es um eine Menge Geld. Mit einer schlechteren Kreditwürdigkeit verteuern sich die Staatsschulden, womit die höheren Einnahmen aus den in ganz Europa diskutierten Steuererhöhungen gleich wieder vom steigenden Zinsendienst „verjausnet“ werden. Das ändert aber nichts daran, dass die jüngsten Rückstufungen in höchstem Maße nachvollziehbar sind. Was beispielsweise sollte an einem Land wie Frankreich „Triple A“-würdig sein? An einem Staat, dessen Schuldenberg bei fast 90 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt und der in einem konjunkturell hervorragenden Jahr wie 2011 knapp sechs Prozent Defizit erwirtschaftete – bei einer Staatsausgabenquote von 56,6 Prozent des BIPs.


Mit Geld geflutet. Nein, es erwischte keine Unschuldigen, sondern ausnahmslos Staaten, die keine Kontrolle mehr über ihre Ausgaben haben und die ohne Druckerpresse der Europäischen Zentralbank längst erledigt wären. Wie aktiv die EZB auf den Märkten ist, zeigte sich vergangenen Donnerstag, als sich mit Italien und Spanien zwei akute Wackelkandidaten überraschend leicht und vor allem zu lächerlich niedrigen Zinsen verschulden konnten. Spanien bekam für drei Jahre laufende Staatsanleihen mit zehn Milliarden doppelt so viel Geld wie erwartet – und das zu Zinsen von gerade einmal vier Prozent. Italien wurden für ein Jahr zwölf Milliarden zu 2,735 Prozent nachgeworfen.

Wie das möglich ist, erklärte der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ ziemlich anschaulich: „Das gute Ergebnis der Auktion von Staatsanleihen zeigt, dass die EZB einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung leisten kann, wenn sie klotzt und nicht kleckert: Sie hat das System mit Geld geflutet.“ Und: „Die Strategie der EZB ist aufgegangen.“


Volles Risiko. Frei übersetzt heißt das: Die EZB hat jenes Geld gedruckt, mit dem Europas Banken italienische und spanische Staatsschulden aufgekauft haben. Schon Ende 2011 hatte die EZB den Kommerzbanken auf politischen Druck für drei Jahre Liquidität in unbegrenzter Höhe bereitgestellt. Noch im Dezember holten sich die Banken 500 Milliarden Euro, die sie umgehend bei der EZB als „Übernachteinlagen“ deponierten. Unbestätigten Informationen zufolge reduzierten sich diese Einlagen Ende vergangener Woche ziemlich genau um jene Milliarden, die sich Italien und Spanien auf den Märkten holten. Das ist noch kein Beweis, dass die EZB hinter den blendend gelaufenen Anleiheauktionen steht – aber ein starkes Indiz.

Ohne die Geldschwemme der EZB wäre der „Run“ auf europäische Staatsanleihen auch nicht denkbar. Hinzu kommt, dass die Banken von der staatlichen Regulierung geradezu genötigt werden, Staatsanleihen aufzukaufen: Gewähren Institute einem Spitzenunternehmen mit herausragender Bonität Kredit, müssen die Geldhäuser neun Prozent der ausgeliehenen Summe in Form von Eigenkapital zurücklegen. Das ist teuer, weil das Geld nicht anderwärtig „arbeiten“ kann, aber eine wichtige Reserve. Für den „Fall des Falles“, man weiß ja nie. Finanzieren dieselben Banken aber am Rande der Pleite stehende Staaten, müssen sie dafür nichts zur Seite legen. Keinen Cent.


Bilanzbomben. Nicht zu vergessen ist, dass die Großbanken gekaufte Staatsanleihen bei der EZB als Sicherheit für gewährte Kredite hinterlegen dürfen. Was aber, wenn einer dieser „sicheren“ Staaten wider Erwarten doch Bankrott anmeldet? Dann stünden auch jene Banken vor dem Aus, die den insolvent gewordenen Staat finanziert haben. Je größer die Pleite, desto wahrscheinlicher auch die Insolvenz der dahinterstehenden Financiers. Die dann natürlich wieder unter dem schadenfrohen Gejohle der Politik zu retten wären.

Viel zu lachen gäbe es in so einer Situation freilich nicht. Was die Politik aber nicht davon abhält, aktiv zum Ankauf von „sicheren“ Staatsanleihen aufzurufen. Gefährlich seien ja nur unregulierte Produkte der Finanzbranche. Diese Dinger hätten nämlich die Kraft, riesige Banken und damit die ganze Weltwirtschaft ins Wanken zu bringen. Alle Welt wurde schließlich Zeuge der verheerenden Wirkung des unregulierten Finanzkapitals.

Während so eindringlich vor hoch komplizierten Derivaten gewarnt wird, zittern die Vertreter großer Geldhäuser und Pensionsfonds vor dem Platzen biederer Staatsanleihen. Kaum ein Land kann die Rückzahlung seiner Schulden glaubhaft garantieren, weshalb der Ankauf von Staatsanleihen zu einer Art russischem Roulette im vermeintlichen Hochsicherheitstrakt geworden ist. Waren Staatsanleihen früher bestenfalls etwas für Langweiler, zählen dieselben Schuldverschreibungen heute zu den begehrtesten Spekulationsobjekten, die der moderne Finanzmarkt zu bieten hat.

Wie sich die Zeiten doch ändern.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2012)

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32 Kommentare
 
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Gott seis gedankt !!!

Der Schulden-, Zukunftsvernichtungs-, Kinder- u. Steuerzahlerverachungs- Sozialismus geht zu ENDE !!!

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Werte Ratingagenturen, bin schwer enttäuscht !!

Jahre habt ihr gebraucht um den "morbus Griechenlandensis" in Österreich zu diagnostizieren !!

An "Her mit dem Zaster..." und ähnlichen Aussagen von Hofrat Hemmungslos samt roten Gesinnungsbrüdern wäre der Glaube an den unendlichen Sozialstaat auf Pump, erkennbar gewesen.

Jetzt seid ihr schuld, dass nur unseren Kindern u. nicht auch den Urenkerln die Zukunft aufgejausnet worden ist.

Iason
15.01.2012 17:58
3 0

Billiges Geld so weit das Auge reicht

Der Prozentsatz der Staatsschulden vom BIP ist ziemlich nichtssagend, weil im BIP auch die staatlichen Aktivitäten enthalten sind, die eigentlich nichts mit realer Wirtschaftsleistung zu tun hat. Das ist Geld, das man der Wirtschaft entzogen hat.
Die echte Wertschöpfung kommt nur vom privaten Sektor. Bezieht man also die Staatsschulden auf die Wertschöpfung im privaten Sektor, wird einem erst wirklich bewußt, wie enorm hoch die Staatsschulden eigentlich sind.
Die EZB flutet die Märkte mit Geld und entwertet immer stärker den Euro. Das Volk denkt, wir wären in einer Deflationsgefahr und kauft kein Gold, das angeblich in einer Blase ist - haha.

Dieses gigantische Pyramidenspiel, das durch den Sozialismus geprägt ist - Schulden machen und Geld drucken - wird bald untergehen. Das steht fest. Fest steht noch nicht wann "bald" ist.

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Re: Billiges Geld so weit das Auge reicht

Vollkommen richtig !!

Nur der WERTSCHÖPFUNGSKUCHEN kann ohne Schulden umverteilt werden, u. der stammt zu 98% aus der PRIVATWIRTSCHAFT !!!!

Doch Österreich ist gekippt zu einer Bürokraten u. Pensionistendiktatur.

Leider werden diese Binsenweisheiten durch wöchentliche Nebelgranaten ökon. halbgebildeter, linker Möchtegernökonomen vernebelt.

bbss22
15.01.2012 16:18
1 7

Rotzartikel


Herr Schellhorn sollte beim Schreiben berücksichtigen, für welche Zielgruppe die Presse eigentlich existiert. Sicher nicht für Rotzbuben.

Antworten Gast: karl-heinz
15.01.2012 17:38
4 0

Re: Rotzartikel

sind sie pensionierter taubenfütterer? ich bin alles andere als ein "rotzbube" und finde diesen artikel äusserst sachlich und fundiert. der notwendige sarkasmus liegt nicht an herrn schellhorn sondern an der dramatischen situation in die uns die inkompetente und in leichenstarre verfallene politik gebracht hat. singemaess mit karl kraus - die situation ist hoffnungslos aber nicht ernst...

Antworten hedu
15.01.2012 16:52
2 0

Re: Rotzartikel

Der Artikel ist schon in ordnung.
Man sollte sich halt nicht anhand von Kommentaren eine Meinung bilden.

Gast: melanie gatzke
15.01.2012 14:55
2 0

Die Zeit ist reif für einen Neuanfang.

Nur wenn der alte Sumpf untergeht, kann Neues entstehen. Es ist die Zeit gekommen, aufzuräumen.
tun es die jetzigen Machthaber nicht, werden andere das tun.
Zum einen wird sie der Markt wegfegen, zum anderen wozu diese werden Leute auftauchen die das bewerkstelligen, wozu diese Dilletanten und selbstgefälligen Politiker heute nicht mehr in der Lage sind.

Gast: ASVG-Sklave
15.01.2012 12:47
2 0

"Dabei wären viele Eurostaaten ohne die EZB längst pleite"

Wer Geld nach Belieben drucken (bzw. kreieren) kann. Kann auch nie Pleite gehen. Druckerpressen braucht diese Welt.

Antworten Iason
15.01.2012 18:01
3 0

Re: "Dabei wären viele Eurostaaten ohne die EZB längst pleite"

... kann zwar theoretisch und nominell nicht pleite gehen, aber wird in der Realität in Armut enden.

Denn wäre es nicht so, würden in Simbabwe nur wohlabende Menschen leben - aber gerade das Gegenteil ist der Fall.

Antworten Antworten lurch
16.01.2012 11:37
1 0

Re: Re: "Dabei wären viele Eurostaaten ohne die EZB längst pleite"

Finde ich auch!

Wer mittels der Druckerpresse Geld verwässert, macht dieses auf kurz oder lang unbrauchbar.
Verstehe nicht, was da viel zu diskutieren gibt. Wir hatten doch schon zweimal so eine Katastrophe nach den beiden verlorenen Kriegen! Speziell am Anfang der ersten Republik konnte man mit einem Wäschekorb voll Geld gerade einen Laib Brot kaufen.

Wir gehen also einem bereits aprobierten Untergang entgegen!

Gast: 1. Parteiloser
15.01.2012 11:20
9 0

Das Österreichische Roulette!

Unsere superschlauen Entscheidungsträger haben beschlossen das Russische Roulette auf eine Österreichische Methode zu spielen.

Dazu haben die Superschlauen eine Waffe genommen, welche nur eine Patronenkammer hat. Dann haben sich die Superschlauen sehr gefreut, dass diese eine Patronenkammer auch gefüllt werden konnte. Und, weil diese Superschlauen im Machtdelirium sind, so drücken die auch fleißig ab und laden immer wieder.

Ja, unsere Superchlauen und deren Österreichisches Roulette.
Egal ob beim Pensions- und Ruhegenussproblem, beim Korruptionsproblem, bei der Gesetzgebung, beim Verwaltungswahnsinn, bei Förderwahnsinn, beim kranken Posterl- und Amterlschacher, bei der OeNB, dem ORF, der Telekom, dem Flughafen Wien, dem Verbund, der EVN, den Genossenschaftsbanken, etc. etc,. die spielen immer das neue Österreichische Roulette.

Gast: jnp1
15.01.2012 10:44
0 2

Schellhorn - Milliarde - Billiarde

Die Qualitaet der europaeischen Wirtschaftspresse scheint sich equivalent mit der finanziellen Potenz der Eurolaender zu bewegen - je mehr Schulden in Europa umso schlechter die sogenannte Wirtschaftspresse.
Milliarden mit Billiarden zu verwechseln ist etwas fuer Politiker aber nicht fuer Wirtschaftsjournalisten.

Antworten Vyne
15.01.2012 14:03
1 0

Re: Schellhorn - Milliarde - Billiarde

Billion, meinten Sie wohl?

Antworten leser1000
15.01.2012 11:59
0 0

Re: Schellhorn - Milliarde - Billiarde

Warum so kleinlich?

Gast: b754
15.01.2012 09:03
2 10

supermarkt

wieder ein billigprodukt von schellhorn

5 0

Re: supermarkt

und die löchrige rote Socke stinkt schon wieder erbärmlich ......

Blitzky
15.01.2012 05:22
16 2

Lesenswerter weil nicht beschönigender Artikel!


7 0

Schon Ende 2011 hatte die EZB den Kommerzbanken auf politischen Druck für drei Jahre Liquidität in unbegrenzter Höhe bereitgestellt. Noch im Dezember holten sich die Banken eine halbe Milliarde Euro, die sie umgehend bei der EZB als „Übernachteinlagen“ deponierten.

eine halbe billion (=500 milliarden) kaeme wohl eher hin ;-)

i'm just saying ...

Gast: 1. Parteiloser
14.01.2012 22:42
14 0

JA

Ohne die EZB wäre das Versagen der Entscheidungsträger in Europa schon offiziell.

Nun wollen sich die Planwirtschaftler das eigene Versagen über die EZB finanzieren und die Menschen in Europa komplett ausrauben.

Interessant ist, dass keiner was gegen die Selbstbedienungen der Parteibonzen macht. Ist ja nicht viel anders als beim Ben Ali Clan oder dem Mubarak Clan.

Antworten Gast: Halbwissen
15.01.2012 11:22
2 0

Re: JA

Wir wissen doch, das bis jetzt ein Großteil der Bevölkerung ordentlich mitgeschnitten hat.

Antworten Antworten Iason
15.01.2012 18:10
1 0

Re: Re: JA

Ich gehöre leider nicht zu diesem Großteil.
Ich bin Selbständig, habe weder eine Förderung bezogen, bekomme keine Transferleistungen, habe keine Schulden, ich zahle aber kräftigst Steuern und Abgaben.

Ich bin eigentlich in diesem System ein richtiger Depp.

Aber das ist noch nicht das Ende. Die wollen anscheinend noch mehr von mir abkassieren. Irgend etwas muss ich mir bald überlegen.

Re: Re: Re: JA

BVI, Bahamas, UAE, Cayman Islands, .... uvam fallen mir da ein. Wenig Steuern, viel Strand, viel Sonne - bin schon dort!

Gast: Sn0rre
14.01.2012 20:07
0 2

UND OHNE DIE FED WÄREN DIE VS SCHON WEG VOM FENSTER

2010 hielt die FED US-Staatsanleihen von mehr als 800 Mrd.$

Bemühen sie doch mal die Suchmaschine!

"FED Staatsanleihen"

Antworten Gast: 1. Parteiloser
14.01.2012 22:46
8 0

2011 hat die EZB aufgeholt!

Die Bilanzsumme der EZB hat die der Fed schon überholt. Der Unterschied ist doch nur, dass die Fed die Finanzierung direkt macht und Milliarden an den Staat auch abliefert. bei der EZB gehen die Milliarden an die Banken, welche die Milliarden in Europa verbrennen.

Bemüh doch mal die EZB Homepage und schau die Bilanz an!

Gast: b754
14.01.2012 19:20
4 29

ein feiertag für schellhorn

österreich hat sein AAA verloren das freut seine neoliberalen freunde die umverteilung von unten nach oben geht weiter und schuld sind minderleister sozialschmarotzer und die spö

 
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