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SuperMarkt: Die größte Reform der Zweiten Republik?

11.02.2012 | 18:38 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Österreich läuft einem nordischen Wohlfahrtsmodell hinterher, das seit fast 20 Jahren nicht mehr existiert. Die Regierung ließ die Chance verstreichen, den Staatshaushalt einer strukturellen Reform zuzuführen.

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Als der schwedische Provinzpolitiker Göran Persson am 7.Oktober 1994 Finanzminister seines Landes wurde, war die Welt für den idealistischen Sozialdemokraten in bester Ordnung. Das allerorts bewunderte nordische Wohlfahrtsmodell stand zwar unmittelbar vor der Pleite, aber darin wollte der gestandene Sozialdemokrat kein allzu großes Problem erkennen. Gab es für dessen Behebung doch eine einfache Lösung: Der Staat verschuldet sich einfach noch ein wenig mehr und kurbelt mit den geliehenen Geldern die Wirtschaft wieder an. Und sollten dann noch ein paar Kronen übrig bleiben, werden sie zur Abdeckung der klaffenden Haushaltslücke verwendet.

Diese Sicht der Dinge änderte sich schlagartig, als Herr Persson das zweifelhafte Vergnügen hatte, erstmals jenen Leuten gegenüber zu sitzen, von denen er Geld für sein Land haben wollte. Jungen Leuten aus den USA, die Schweden bestenfalls von der Landkarte kannten und nicht wirklich verstehen wollten, warum sie die Gelder ihrer Kunden ausgerechnet einem schwedischen Politiker anvertrauen sollten, damit dieser ein unbezahlbar gewordenes Staatswesen solvent halten konnte. „Wir hatten jede Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, längst an andere (die Geldgeber, Anm.) abgetreten. An junge Menschen, die auf der anderen Seite des Atlantiks saßen und noch nie in Schweden waren. Da war mir klar, dass wir etwas tun mussten“, wie Persson im Februar 2010 in einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte.

Die Erfahrung, schleunigst etwas tun zu müssen, machten vor nicht allzu langer Zeit auch heimische Spitzenpolitiker. Nachdem die Ratingagentur „Standard & Poor's“ Österreich die höchste Bonität entzogen hat, war klar, dass etwas passieren muss. Vor allem, um weitere Abstufungen und eine zusätzliche Verteuerung der steigenden Staatsschulden zu verhindern. Schließlich steht die Republik Österreich vor enormen Ausgaben. Bis 2015 muss sich der Staat mehr als 100 Milliarden Euro leihen, um fällig werdende Kredite mit der Aufnahme neuer Schulden tilgen zu können. Erhöhten sich die Zinsen nur um einen Prozentpunkt, kostete allein dieser Anstieg den Staat eine Milliarde Euro – pro Jahr. Zudem geht es für das hoch verschuldete Österreich schön langsam auch darum, dafür zu sorgen, dass die politischen Entscheidungen auch weiterhin im Nationalrat gefällt und nicht in den Büros der Geldgeber diktiert werden.

Die Chance, dass ein Ruck durch das von unzähligen Kompromissen ermattete Land geht, war also hoch wie schon lange nicht mehr. Doch die Erde zwischen Boden- und Neusiedlersee erzitterte nicht: Das sozialdemokratisch geführte Österreich hat nämlich ein anderes Reformkonzept gewählt als das sozialdemokratisch geführte Schweden der 1990er-Jahre. Statt den Rasenmäher aus der Garage zu holen und über alle Ressorts hinweg die Ausgaben zu kürzen, das Pensionssystem über Abschläge für Frührentner dauerhaft finanzierbar zu halten, öffentliche Investitionsprojekte auf Eis zu legen, deren ökonomischer Nutzen umstritten ist, und vorübergehend die Steuern zu erhöhen, übernimmt das Kabinett Faymann/Spindelegger nur einen einzigen Punkt aus dem schwedischen Sanierungsprogramm: höhere Steuern.


Verpasste Gelegenheit.
Verstreichen ließ die Regierung die große Chance, den Staatshaushalt einer strukturellen Reform zuzuführen. Womit sämtliche Steuererhöhungen jenen Weg nehmen werden, den sie hier immer genommen haben: Sie werden versickern, und am Ende bleibt wieder ein Defizit. In Österreich orientieren sich viele Ausgaben des Staates nämlich nicht an Notwendigkeiten, sondern an der Höhe der Staatseinnahmen. Wachsen sie, steigen automatisch auch die Ausgaben. Daran wird sich auch nach dem vergangenen Freitag nichts ändern. Denn das, was da beschlossen wurde, mag vieles sein, eines ist es nicht: ein Systemwechsel.

Es ist auch nicht das „größte Reformpaket der Zweiten Republik“ (© Maria Fekter). Sondern der ambitionierte Versuch, das größte Reformprojekt der Zweiten Republik – den unter Bundeskanzler Bruno Kreisky etablierten Rundumversorgungsstaat – am Leben zu halten. Mit einem Konzept, dessen fundamentale Schwäche darin liegt, dass alle beschlossenen Steuererhöhungen tatsächlich kommen werden (mit Ausnahme der noch ungewissen Finanztransaktionssteuer), während fast alle der angekündigten Ausgabenkürzungen noch in Schwebe sind. Es sei denn, man macht es wie die Regierung und zählt höhere Sozialversicherungsbeiträge kurzerhand zu den Einsparungen. Allein, dass heuer gerade einmal 576 Millionen Euro „gespart“ werden sollen, sagt alles. Das entspricht 0,36 Prozent der Staatsausgaben von rund 160 Milliarden Euro.


Die etwas andere Erbschaftssteuer. Geradezu charakteristisch für die Festigung des Status quo sind auch die Pläne, das Pensionssystem weitgehend unberührt zu lassen. Ja, der Weg in die Frühpension wird ein wenig steiniger. Österreichs Pensionisten bleiben dennoch die jüngsten in Europa, eine nachhaltige Reform des Rentensystems wird den Jüngeren „vererbt“. Eine Erbschaftssteuer der besonderen Art.

Ach ja: Der 1994 einer grundlegenden Sanierung unterzogene Staatshaushalt Schwedens war nach vier Jahren in den schwarzen Zahlen. Seit 1998 wurde zwölfmal ein Überschuss erzielt, zweimal ein Defizit. Schwedens Schuldenstand liegt bei 34 Prozent der Wirtschaftsleistung, 2015 soll die 20 Prozent-Marke unterschritten werden. Zu diesem Zeitpunkt wird Österreich – wenn alles gut geht – mit 73 Prozent des BIPs verschuldet und den Launen seiner Geldgeber ausgesetzt sein. Sieht ganz danach aus, als hätte ein Land die falsche Abzweigung erwischt. Es ist nicht Schweden.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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90 Kommentare
 
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Gast: zensuriert doch mal wen anderen
15.02.2012 10:57
1 0

und trotzdem

werden nächstes Jahr wieder mehr als 50% diese rotschwarze Versagertruppe wählen. Und selbst wenn es sich nicht ausgeht, werden mit Hilfe der Grünkommunisten die oben geschilderten Zustände ad infinitum perpetuiert. so seltsam das klingen mag: das einzige, was dieses Land irgendwann vor diesen verbrechern retten wird ist eine pleite al la griechenland.

Gast: "Tränen-REICH die Gräber...
13.02.2012 06:36
2 0

...der Totengräber

Die Kinderzuschüsse für alle-weiter so…
Den 13. u. 14. für alle-weiter so…
Sonderzahlungen (bei besonderen Vereinbarungen) für einige-weiter so
Außerordentliche Steuerprivilegien für etliche-weiter so…
Daher: Hoch lebe die Gleichheit; hoch lebe die Freiheit; hoch lebe die Augenauswischerei-weiter so…

Gast: des pockst ned! Korl
12.02.2012 23:25
0 0

a jammer

Nehmen tun wir alle gern. Geben wenns nima geht, wenn kein Geld da ist. Des wol ma ned. Typisch Österreicher. Der ane is den andern alles zneidig!

Gast: 1. Parteiloser
12.02.2012 16:34
9 1

Das Regierungsversagen ist doch gut dokumentiert!

Diese Regierung hat Ende 2008 die Verantwortung für Österreich übernommen und betreffend den Staatsfinanzen folgende Höchstleistung gebracht:

Entwicklung VPI, Verbraucherpreisindex
2011:......105,0 %
2010:......102,5%
2009:......101,2%
2008:......100,0%

Entwicklung der Staatsausgaben:
2011:.......110,0%
2010:.......108,0%
2009:.......104,3%
2008:.......100,0%

Entwicklung der Staatsschulden:
2011:......120,0 %
2010:......113,9%
2009:......105,8%
2008:......100,0%

Die haben, nur die offiziellen Staatsschulden, in nur 3 Jahren, um 36.000 Mio. Euro nach oben getrieben. Das waren Zusatzschulden von irren 10.000.- Euro pro Haushalt!

Die haben es auch geschafft zusätzliche Ausgaben gesetzlich so zu regeln, dass es einfach viel mehr Staatsausgaben geben musste (Hacklerregelung für Beamte, verpf. Vorschuljahr, Grundsicherung, ORF, etc.)

Die haben, gleich nach Amtsantritt geschaffen, die Lohnsumme der Beamten von 2008 auf 2009 um irre 5% zu heben.

Es waren weltmeisterliche Leistungen, weltmeisterliche Leistungen beim Versagen gegenüber Österreich und den Österreichern.

Der Bundesvorschlag für 2012 zeigt deutlich, dass das Totalversagen weiter gehen soll. Die Ausgaben sollen wieder um irre 4,5% steigen und damit viel schneller als das Wirtschaftswachstum und die Teuerungsrate.

Das ist doch kein Sparpaket, das ist nur ein Totalversagerpaket, welches Österreicher immer tiefer ins Elend führen wird.

Re: Das Regierungsversagen ist doch gut dokumentiert!

Sind Ihre Werte für Staatsausgaben nominell oder real? Das wissen Sie wahrscheinlich nicht einmal.

Und die Inflation ... bei den Lohnerhöhungen hat sich keiner aufgeregt. Und jetzt, wenn die sich weiter auf die Preise auswirken (Lohn-Preis-Spirale) ist es plötzlich Regierungsversagen.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
12.02.2012 19:14
3 0

Re: Re: Das Regierungsversagen ist doch gut dokumentiert!

Warum wohl, meinen Sie, habe ich den VPI zum Vergleich angeführt?

Die Lohn- Preisspirale hatten wir in diesem AVerglichteitraum nicht, weil ja die realen Löhne in der Realwirtschaft gesunken sind!

Sie sollten übrigens zwischen Inflation und Ateuerungsrate unterschieden, das ist nicht das Gleiche!

Antworten Gast: gast xy
12.02.2012 18:55
1 1

Re: Das Regierungsversagen ist doch gut dokumentiert!

kurze anmerkung: diese inflationsvergleiche sind nicht sehr aussagekräftig. sehen sie sich mal die inflation der 70iger und 80iger in österreich an. viel höher als jetzt....

Antworten Gast: phj
12.02.2012 18:25
1 0

Re: Das Regierungsversagen ist doch gut dokumentiert!

Gut recherchiert. Danke für die Zahlen

Gast: Schramagl
12.02.2012 16:27
1 0

Nein! Da Fehlt noch genug.........

Erbschaftsteuer ab 100.000,- Prozentuel gestaffelt. Reichensteuer. Studien Gebühr. 10% von einen Monats einkommen der Eltern. Das kann sich jeder leisten als Jahresbeitrag. Die Keien Eltern egal aus welchen Gründen haben. Zahlen Natürlich dann nichts. Jubiläumsprämien der Bundesbeediensteten abschaffen. Das sind nach 25 Jahren 2 Monatsgehälter und nach 40 Jahren 4 Monatsgehälter. Wenn jemand 40 Jahr "Bundesdiest geleistet hat" bekommt der oder die 6 Monatsgehälter. Jetzt legen sie offen wieviel Hunderte Millionen Euro das allein der Staatbediensteten ausmacht? Daher gehört das abgeschafft. Den die haben Ohnedies einen sicheren Arbeitsplatz bis zur Pension. Der gehaltsvorschuß gehört abgeschafft und sofort zurückverlangt die einen im Anspruch genommen haben. Zulagen in einen Ministerium in Schulen im Stadtschulrat im Innendienst weils vorm Computer sitzen. Also Bitte. Abschaffen! Das ist Geld was den anderen aus Steuer erhöhungen oder Neuen Steuern weggeommen wird um es den Bediensteten der freunderlwirtschaft Politik zu verteilen. Wir haben nichts mehr zu verschenken. Feymann und Spindelegger. Die Gewerschaften sollen sich drum kümmern das das Personal nicht gemobbt wird. weils einfach schwächere und stärkere gibt.

0 1

Re: Nein! Da Fehlt noch genug.........

Wenns so toll ist, warum bist net auch Beamter?

Antworten Antworten Gast: Schramagl
12.02.2012 17:54
0 0

Re: Nein DANKE Atenza! weil bei mir was weitergehen muss

beim Arbeiten. Nicht! was wir heut ned machen machma Morgen. Das ist die Zeit was den Steuerzahler einen patzen Geld kostet. Bei uns in der Privat Industrie gehts was weiter, was denken die Kundschaften? Was denkens sagen die dazu? Wir müssen die Kundschaften zufriedenstellen, denn nur dann kommen die wieder zu uns, oder empfehlen uns weiter. Wir tun was für unser Geld. Das ist der kleine Unterschied.

0 1

Re: Re: Nein DANKE Atenza! weil bei mir was weitergehen muss

Aja. Die Polizei hilft nicht? Lehrer unterrichten keine Kinder? Der Richter spricht kein Recht? Der Uniprofessor lehrt nicht? Und selbst der so unnütze Verwaltungsbeamte gibt keinen Pass oder Führerschein aus? Oder treibt Steuern ein, weils viele net freiwillig machen?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Schramagl
12.02.2012 23:10
1 0

Re: Atenza! seien sie doch vernünftig.

sie haben wohl nur mein Posting gelesen. Bei der Sicherheit und in deer Justiz, Feuerwehr soll nicht gesparrt werden. Die sollen auch Ihre zulagen erhalten. Aber in Shculen sitzen 6-8 im Büro in einer großen Schule in wien die tun Internet schoppen oder Abwechseln nach Hause gehn wann grad danach ist. In den Schulen sind Schulwarte angestellt. Trotzdem kommt eine reinigungsfirma die Klassen Putzen.
Da ghört das Verwaltungspersonal reformiert. Ich bin doch der Meinung das man eher Jubiläumsprämien und Gehaltsvorschüße streichen soll. bevor man den Beamten gehaltserhöhungen kürzt. Zwar deswegen, weil auch für den Bamten alles teurer wird. Jetzt ehrlich. Wozu braucht ein Beamter oder Vertragsbediensteter eine Bildschirmzulage. Ich kann mir öfters die finger verbrennnen beim schweißgerät. Wer gibt mir eine Zulage. Ich Arbeit mit Risko der nicht. Ich würd schon um mehr Verständnis bitten. Auch wir müssen unseren Beitrag beitragen. Also müssen es die andern auch. Aber was Sinn macht.

Vollkommen egal!

Zahlen und spüren wird es wie immer der kleine Mann.
Die Besserversdiener merken es kaum und haben auch dank ihrer größeren Intelligenz mehr Möglichkeiten größere Schröpfaktionen abzuwenden.
Übrig bleibt der ungebildete Kleinverdiener der sich zwar beschwert aber im Endeffekt nur gehorsames Stimmvieh ist.

Gast: b754
12.02.2012 15:51
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die spö ist schuld

was anderes fällt dem scellhorn einfach nicht ein muss ein ziemlich armseeliges leben sein mit so einem trauma

Antworten Gast: Sozialer Demokrat
12.02.2012 18:15
1 0

Re: die spö ist schuld

Hallo Werner, bist du es? Werner? Versteck dich doch nicht, ich bin's. Dein Gernseher. b754 - kennst du mich denn nicht mehr?

Wenn ich in einem Land lebe...


....daß sich 9 Landesfürsten samt Anhang leistet, indem vor kurzem die Mindestsicherung eingeführt wurde, Migranten der goldene Löffel gereicht, soziale Transferleitungen und Subventionen fröhliche Urständ feiern, ja

in einem solchen Land leben zu viele von der Substanz und diejengen, die die Substanz aufgebaut haben, sind in der Minderheit.

Somit wird die Mehrheit, die vom Staat lebt, niemals einer echten Strukturreform zustimmen.


herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

sie hören jede woche diesselbe these.

denn nur pausenlose wiederholung kann thesen, die sonst niemand teilt, in den gehirnen der fans fest verankern.

da die zahl der ihn ernstnehmenden eh nicht mehr als ein paar tausend beträgt: warum macht schellhorn nicht wie unterberger seinen eigenen bezahlblog? und den weg frei für einen nachfolger mit MODERNER einstellung statt dieser vorgestrigen neoliberalen kacke?
der auflage könnte es nur gut tun und es wäre für die psyche des 'pöser staat'-ideologen entspannend, endlich mal von eigener hände arbeit zu leben, statt am subventionstropf hängen zu müssen.

1 0

Re: herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

Dann würd ich jetzt gerne Ihre Meinung zum Schuldenstand und dem vorgelegtem Budget der Regierung in sachlicher und mit Fakten unterlegten Weise hören! Bitte sehr:

Re: Re: herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

gern ein paar fakten:

1. das finanzsystem ist ein quasi geschlossener kreislauf, was des einen schulden sind, ist des anderen vermögen.

als schulden können angeführt werden: die staatsschulden und die kredite privater und von unternehmen. das vermögen halten fast zur gänze private haushalte (allerdings sehr, sehr ungleich verteilt!) und in geringem maß unternehmen. die 'bilanzsumme' liegt in ö knapp über 400 mrd (= finanzvermögen der ö haushalte lt. ÖNB).

wer die staatsschulden reduziert, reduziert auch zwingend das vermögen seiner bürger! (und das wird mit sicherheit wiederum ungleich erfolgen)

2. die höhe von schulden ist nicht per se problematisch. siehe fremdkapitalquote von unternehmen, investitionskredite von privaten, oder die ~220% staatsschuldenquote von japan.
einzig die dafür zu zahlenden zinsen sind ein problem, ausser: die rendite der durch schulden ermöglichten investitionen übersteigt die zinsen.
wenn ich ö so betrachte, sehe ich -verglichen mit den meisten anderen ländern dieser welt- einen toll funktionierenden staat, der seinen bürgern eine gute basis für deren leben bietet. ich würde sagen: die rendite ist um vieles höher als die staatsschuldenzinsen!

3. es muss immer wieder geprüft werden, ob diese rendite noch stimmt und ob bestimmte 'investitionen' beendet werden müssen. doch die von schellhorn geforderte rasenmähermethode ist unsinn! kein unternehmer und auch kein privater würde das tun!


Antworten Antworten Antworten Gast: phj
12.02.2012 18:47
1 0

Herr Oberst: Pech ist nur,

dass die Geldverleiher größtenteils im Ausland sitzen und die erhaltenen Zinsen nicht in Österreich investiert werden.


Re: Re: Re: herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

zu 1.: Das Geld - also das Vermögen - hat aber immer der, der es mit Schulden aufgenommen hat und nicht der andere!

2.:Rendite ist Zinsertrag*100 dividiert durch das eingesetzte Kapital. Am Sekundärmarkt wird statt mit dem Kapital mit dem Marktwert der Geldanlage gerechnet. Da wird die Rendite umso höher, je mehr Geld die Anleger verloren haben und übersteigt dann die Zinsen umso mehr, je mehr sich der Schuldner seiner Pleite nähert. Eine hohe Rendite ist daher das Gegenteil von einer guten Basis für die Bürger eines Landes!

3.: Die Geldgeber prüfen ihre Rendite sowieso dauernd, wobei sie mit dem geliehenen Kapital rechnen und zu den Zinsen einen immer höheren Risikozuschlag verlangen, wenn der Staat stark verschuldet ist, sodass es unsicher wird, ob die Schulden auch wirklich bedient werden.

Heute sind diese Risikozuschläge für viele europäische Staaten nicht mehr tragbar, weshalb die bisher so angenehme Schuldenpolitik dabei ist, ihr natürliches Ende zu finden!

Re: Re: Re: Re: herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

mit 'rendite' habe ich nicht das vom gläubiger erhaltene geld gemeint. das sind die zinsen.

mit rendite war gemeint: der ertrag, der der gesellschaft zurückfließt durch die investition des geborgten geldes. also zb der 'gesesllschaftliche gewinn', der durch eine auf pump finanzierte straße entsteht. bürger kommen schneller zur arbeit, die verkehrssicherheit steigt, güter können billiger befördert werden usw.

es ist diesselbe überlegung, die ein häuslbauer anstellt: soll ich noch viele jahre miete für die wohnung zahlen und nebenbei die baukosten ansparen? oder soll ich via kredit schon heute bauen, mir miete ersparen, wohnkomfort gewinnen und dafür zinsen zahlen?

zu ihrem letzten absatz: jein.
das gegenbeispiel ist japan. ~220 % staatsschuldenquote, doch beste bonität, keinerlei risikozuschläge. (erst kürzlich habe ich gelesen, dass eine der agenturen das triple erneuert hat). japan ist eben hauptsächlich bei seinen eigenen bürgern verschuldet. dadurch kann es den 'märkten' den stinkefinger zeigen und die hocken dennoch bettelnd vor der tür!

vielleicht sollten wir bürger doch nicht unser geld auf der suche nach dem halben prozent höheren zinsen 'investoren' anvertrauen (also fonds, versicherungen usw), sondern direkt in staatsanleihen stecken. denn das halbe prozent zinsgewinn geht eh wieder durch die steuerbelastung wg. höherer zinsen für den staat verloren.
obwohl: da vermögen extrem ungleich verteilt ist, zahlen aktuell alle, doch einige profitieren. hurra!

Re: Re: Re: Re: Re: herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

Das Geld, das der Schuldner vom Gläubiger erhält, heißt aber nirgends "Rendite"!

Ihr Straßenbau-Beispiel ist eine Kosten-Nutzen-Analyse. Ein positiver Saldo daraus ist auch keine "Rendite".

Ihr Häuslbauer trifft eine Investitionsentscheidung. Mit "Rendite" hat das nichts zu tun.

Das Risiko erhöht sich im allgemeinen bei höherer Staatsverschuldung. Im Fall Japan zweifelt kaum jemand, dass die Schulden trotz hoher Schuldenquote korrekt bedient werden (bei den USA ist es ähnlich), den Politikern der EU ist aber weit weniger zu trauen, weshalb die Risikozuschläge hier höher sein müssen.

Wie gleich oder ungleich die Vermögensverteilung in einem Staat ist, wird mit der Lorenzkurve dargestellt und mit dem Gini-Koeffizienten gemessen. Die Ungleichheit ist meist umso größer, je ärmer ein Land ist. Österreich zählt zu den Ländern mit verhältnismäßig wenig Ungleichheit.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

deshalb habe ich das wort 'rendite' auch unter anführungszeichen gesetzt.
eine investition 'rentiert' sich, oder nicht. fragen wir also einen sprachwissenschaftler, ob es sich um denselben wortstamm handelt.

kleine korrektur zu japan: dort wird ebenfalls nicht den politikern vertraut sondern den japanischen BÜRGERN!
und diese sind weniger geil aufs schnelle geld als wir, offenbar...

ja, im vergleich zu entwicklungsländern ist unsere verteilung in ordnung. allerdings: bei welchen anderen gelegenheiten vergleichen wir uns mit entwicklungsländern?

Antworten Gast: b754
12.02.2012 15:55
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Re: herzlich willkommen zur ideologie-vorlesung.

beim schellhorn ist das pathologisch und auch kaum behandelbar ideologen sind nicht einsichtig die predigen gebetsmühlenartig immer das gleiche was auch kein wunder ist wenn man weiß wo der herkommt erzkonservativ christlich asozial und tiefschwarz bis in die seele ein echter leistungsträger die überzeugt sind die besseren menschen zu sein

 
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