SuperMarkt: Spinnen die Schweizer?

17.03.2012 | 18:29 |  Franz Schellhorn (Die Presse)

Während Piloten der fast bankrotten AUA für jährliche Gehaltssprünge kämpfen, votieren Arbeitnehmer der reichen Schweiz gegen mehr Urlaub.

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Die Schweiz ist nicht nur ein Land, in dem sich Fuchs und Nerz gute Nacht sagen. Sondern auch eines, in dem die Bevölkerung allen Ernstes gefragt werden kann, ob sie statt vier Wochen bezahlten Urlaubs pro Jahr denn nicht lieber sechs hätte, um sich so besser vom wachsenden Leistungsdruck der globalisierten Wettbewerbswirtschaft erholen zu können. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ist die Schweiz aber das einzige Land dieser Welt, dessen Bewohner diese Frage mit einem glasklaren „Nein“ beantworten: 66,5 Prozent der Eidgenossen lehnten vergangene Woche die Gewerkschaftsinitiative nach mehr bezahlter Freizeit schlichtweg ab. Wieso? Weil die Schweizer mit einer weiteren Verteuerung des Faktors Arbeit eine fortschreitende Verlagerung von Arbeitsplätzen ins benachbarte Ausland fürchten.

Selbst wenn der Vergleich mit Österreich mangels fehlender direkter Demokratie nicht zu ziehen ist, lässt sich aber doch sagen, dass ein derartiges Referendum hierzulande wohl ein deutlich anderes Ergebnis gebracht hätte. Auch deshalb, weil die Bevölkerung gezielter auf die Abstimmung vorbereitet worden wäre. Neben Arbeitnehmerverbänden würden renommierte Wirtschaftsforscher in längeren Urlauben nicht nur einen überfälligen Akt der sozialen Gerechtigkeit erkennen, sondern vor allem die konjunkturbelebende Wirkung dieser Maßnahme betonen. Schließlich weiß hierzulande jedes Kind, dass die elterliche Brieftasche in Ferienzeiten besonders locker sitzt, weshalb mehr Urlaubsgeld auch zu einem überproportionalen Anstieg der Ausgaben privater Haushalte führe, was wiederum die Wirtschaft ankurble, wovon letztlich alle profitieren.


Verkehrte Welten. Aus diesem Grund wird ja auch bei jeder Gelegenheit für höhere Löhne argumentiert. Nicht etwa, weil die Nachfrage nach Arbeit gestiegen wäre, sondern um die Nachfrage nach Arbeit zu stärken. Nach der Logik eines durchschnittlichen österreichischen Staatsökonomen treiben nämlich höhere Löhne den Konsum an, was wiederum zu höherer Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen führt, wodurch mehr Menschen Arbeit finden. Mit steigender Beschäftigung wachsen auch die dem Konsum zur Verfügung stehenden Haushaltseinkommen, was naturgemäß in eine wachsende Wirtschaftsleistung und sichere Jobs mündet.

Gefährdet werden Arbeitsplätze also durch mickrige Lohnabschlüsse, ungezügelten Wettbewerb sowie den Rückzug des Staates aus der Wirtschaft. Wer das Gegenteil behauptet, macht sich bestenfalls als verhaltensorigineller Marktradikaler verdächtig, weshalb derartige Ausritte besser zu unterlassen sind. Man muss auch nicht jede Tischgesellschaft sprengen, davon hat ja letztlich niemand etwas.

Der schweizerische Konjunkturzyklus unterscheidet sich vom österreichischen maßgeblich. Hohe Löhne und langer Urlaub werden bei unseren Nachbarn nicht als Ursache einer guten wirtschaftlichen Entwicklung gesehen, sondern als deren Folge. Wie verschieden die beiden Länder in ökonomischer Hinsicht sind, lässt sich auch daran ablesen, dass die Piloten einer de facto bankrotten Fluglinie jährliche Gehaltsvorrückungen und automatische Inflationsabgeltung für sozialen Mindeststandard halten, während die Arbeitnehmer der reichen Schweiz gegen mehr Urlaub votieren.

Ökonomischer Erfolg und hoher Arbeitseinsatz werden nicht mit hohen Steuern sanktioniert, sondern mit niedrigen belohnt. Knallharter Wettbewerb gilt bei unseren Nachbarn nicht nur in der Wirtschaft als willkommenes Instrument zur Steigerung des Wohlstands, sondern auch in der Organisation des Staates. Die Schweizer Kantone setzen die Höhe der Einkommensteuern autonom fest, was vor allem ärmere Regionen für sich zu nutzen wussten. Mit niedrigen Steuersätzen lockten sie betuchte Bürger aus aller Welt an und füllten so ihre leeren Kassen auf. Der grassierende Steuerwettbewerb endete auch nicht in der Staatspleite, ganz im Gegenteil: Bund, Kantone und Gemeinden weisen selbst in schwierigen Zeiten Überschüsse aus. Weshalb die Staatsverschuldung auch bei 40 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt und nicht bei 74 Prozent.


Keine Angst vor Ausländern. Das Verhältnis zu den Immigranten ist auch in der Schweiz keineswegs unbelastet, allerdings wird der Beitrag der Zuwanderer zum ökonomischen Fortkommen des Landes geschätzt. So hat das Nicht-EU-Mitglied Schweiz seinen Arbeitsmarkt für Menschen aus den zehn neuen Mitgliedsländern nach einem Referendum im Jahr 2005 geöffnet, während das EU-Mitglied Österreich die Grenzen bis Mai 2011 dichtmachte.

Föderalismus wird in der Schweiz nicht als Umverteilungskarussell verstanden, sondern als effizienteste Form der Staatsorganisation. Gönnt sich eine Gemeinde ein neues Schwimmbad, glaubt niemand, dass diese Investition der Onkel Landeshauptmann bezahlt. Die Bürger wissen, dass sie das tun über höhere Kommunalsteuern. Dasselbe gilt für den Gesundheitssektor. 2005 wurde in St. Gallen eine Initiative zum Ausbau der Regionalspitäler aus Kostengründen mit großer Mehrheit abgelehnt. Das alles führt letztlich dazu, dass 26 Schweizer Kantone günstiger verwaltet werden als neun österreichische Bundesländer.

Die Anhänger der eidgenössischen Wirtschaftsethik werden gern mit dem Argument in die Schranken gewiesen, dass das Land ohne seine schweigsamen Banker nicht weit gekommen wäre. Mag sein. Allerdings ist der Finanzsektor ebenso wenig vom Schweizer Himmel gefallen wie die erfolgreichen Pharma- und Technologiekonzerne. Das alles haben sich die Schweizer hart erarbeitet. Wie auch die vier Wochen bezahlten Urlaub.



franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2012)

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81 Kommentare
 
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des kaisers neue kleider?

da schreibt einer dass der himmel blau ist, das wasser naß, die sonne hell und heiß ist und alle, fast alle applaudieren???

ein österreichisches phänomen und resultat einer einmaligen ideologischen verblendung zweier ewig lächelnden parteien, die vorgeben das "beste für das land" zu wollen.

nur wird das blendwerk bald ein ende finden müssen, da bald ALLE erkennen werden, dass der kaiser nackt ist und die die finanzielle realität der zahlungsunfähigkeit über uns hereinbrechen wird ...

Gast: ehklar
18.03.2012 20:47
0

Aber Hallo !Halt

Die Schweizer haben über eine Verlängerung des gesetzlichen Urlaubs abgestimmt - nich aber über die Erhöhung des Urlaubsgeldes. Die Argumentation des Artikels geht da voll ins Leere, mehr Urlaub bei gleicher Bezahlung ist eine bestenfalls Umverteilung in den Tourismus, volkswirtschaftlich bestenfalls ein Nullsumenspiel, nämlich nur dann, wenn die Schweizer den Mehrurlaub auch im eigenen Land verbringen! Nicht auf den Malediven und auch nicht auf "Balkonien"!

Re: Aber Hallo !Halt

Bloedsinn.

Das wuerde ja bedeuten, dass das ganze Geld 1 zu 1 in den heimischen (schweizer) tourismus gehen wuerden und dass 2. dieses Geld zu hundert prozent an die Betriebe gehen wuerde, die jetzt gerade 2 Wochen mehr Urlaub finanzieren muessen.

Gast: ehklar
18.03.2012 20:35
0

Aber Hallo !Halt

In der Schweiz wurde über die Dauer des gesetzlichen Urlaubs abgestimmt und nicht über eine Erhöhung des Urlaubsgeldes. Die Argumentation mit der Mehrkonsumation in lockeren Urlaubssituationen geht komplett ins Leere!!

Gast: africano
18.03.2012 19:22
4

700 Jahre keinen Krieg !

Mir gefallen die Schweizer-innen immer schon (nicht ALLE) denn sie denken nach, was für Folgen, durch nur kurzzeitige Vorteile ,sich für später Nachteile sie gerade stehen müßten.
z.B . Wir haben einen geschädigten Verteidigungsminister (Darabos) ,welcher aus dem Wehrpflichtigen Bundesheer ,ein Berufsheer schaffen will .Das wir zur Neutralität ,wir uns verpflichtet haben ,ist dem Flaschenkopf egal. Wir brauchen keine Soldaten ,welche auf Befehl ,auf Menschen schießen muß und so gibt es noch viele Dinge ,welche wir von der Schweiz ,lernen sollten.

Gast: Moderndenkender
18.03.2012 18:03
4

Die Schweiz ist nicht autark

Ich möchte daran erinnern, dass eine CH-Grossbank im Jahr 2008 auch von der Schweiz gerettet werden musste. Entweder UBS oder Credit Suisse. Ich weiss es nicht mehr.

Deshalb distanziere ich mich von der Ansicht, in der Schweiz würde "alles richtig gemacht". War es nicht die Gattin vom SNB-Präsidenten, die im Zuge der EUR/CHF-Mindestkursfestsetzung einen Währungsgewinn von ca. 50.000 Euro gemacht hat ?

Ich bezweifle, dass es in CH Korruption und Misswirtschaft nicht gibt. Es läuft in CH einfach alles nur versteckter ab als anderswo.

Re: Die Schweiz ist nicht autark

Mal wieder mit Halb- (oder wohl noch weniger) Wissen gepostet, wie?

> Ja, die Schweiz hat die UBS gerettet, aber das muss erstens ja nicht schlecht sein, und zweites hat das zu einer stärkeren Regulierung aller Schweizer Banken geführt - der härtesten in ganz Europa.

> SNB-Präsident Hildebrand hat den Fehler aber auch eingestanden und ist prompt zurückgetreten ... wie läuft sowas wohl im Weinland, hmmm?

Re: Die Schweiz ist nicht autark

Mit Halbwissen (nein, wohl noch weniger) sollte man besser die Klappe halten ...

> Ja, die Schweiz hat die UBS gerettet. Was aber erstens nicht falsch sein muss, und was zweitens zu härteren Regulierungen für alle Schweizer Banken geführt hat - den härtesten in ganz Europa.

> SNB-Präsident Hildebrand hat seinen Fehler eingestanden und ist zurückgetreten - und zwar verhältnismäßig rasch.

Niemand ist frei von Fehlern, die frage ist nur, wie man darauf reagiert, ob man daraus lernt.

Antworten Antworten Gast: Röstimann
24.03.2012 01:44
0

Re: Re: Die Schweiz ist nicht autark

...was zahlt ihnen denn die SVP?

Für alle, die die LÜGEN der unSozialpartner satt haben:


http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/schweiz_bund_kanton_gemeinde_finanzen_1.15344128.html

Doch solange selbstherrliche Landesfürsten mit div. Hofschranzen u. "Müllionären" zusammen mit "her mit dem Zaster"-Kranken u. Hofrat HEMMUNGSLOS Realitätsverweigerung als Fortschritt verkaufen, wird sich NICHTS ändern !!!

Ausgezeichneter Artikel .....

..... den ich als österreichisch – schweizer Doppelbürger nur unterstreichen kann. Wie schön wäre es wenn ich meine österreichischen Landsleute in dieser Hinsicht wenigstens ein bisschen überzeugen könnte, was sich allerdings zu meinem großen Leidwesen als offenbar unmöglich heraus gestellt hat.

Besonders gefallen hat mir der Kommentar über die Schweizer Banken, denn auch das ist wie richtig erwähnt nicht vom Himmel gefallen sondern eine Folge der wirtschaftlichen und politischen Stabilität der Schweiz, die dazu führt, dass Leute offenbar nicht zu Unrecht ihr Geld in der Schweiz besser aufgehoben sehen als außerhalb; die Entwicklung des Euros in letzter Zeit verglichen mit der des Schweizer Frankens ist nur eines von vielen Beispielen.

S.W. Bauer

PS: in einem der Kommentare lese ich von „reichen“ Ländern! Wenn man sich die Dinge einmal genauer ansieht, dann sind die Schweiz, Österreich, etc., mausearme Länder und, sagen wir, Nigerien, Kongo, etc. sind reich! Wieso das in der Tat genau umgekehrt ist möge sich der Leser selber überlegen.

Gast: xefo
18.03.2012 17:09
5

Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

Es ist verdammt falsch, uns immer die Schweiz als Vorbild nehmen zu wollen. Man kann nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen.

1. Die Schweiz musste im 20 Jahrhundert nicht zwei desaströse Weltkriege mitmachen, sie musste nicht zweimal von vorne beginnen wie wir. Im Gegenteil: Die Schweizer haben von den Kriegen profitiert.

2. Die Schweizer sind im Grunde Provinzler, die größte Stadt Zürich hat nur 330.000 Einwohner, eine Metropole wie Hamburg, Berlin, München oder Wien sucht man vergeblich. - Nur in so einem durchwachsenen Provinzmilieu ist direkte Demokratie möglich.

3. Die (Deutsch-)Schweizer sind Allemannen, ein deutscher Stamm der seit jeher als sehr strebsam, aber auch spießig, gilt.

4. Die Schweizer sind nicht weltoffener als die Österreicher, wie Schellhorn insinuiert: Wenn Du in der Schweiz leben willst, brauchst du einen gültigen Arbeitsvertrag, sonst kannst du dich nicht in der Gemeinde anmelden. Ich habe selbst zwei Bewerbungsgespräche in der Schweiz absolviert und konnte mich dort von der Reserviertheit gegenüber ausländischen Arbeitnehmern überzeugen: Ausländer, die in CH arbeiten, werden als notwendiges Übel betrachtet, nur wenn sich kein Schweizer für einen Job findet, kommt der Ausländer zum Zug.

5. Meines Wissens nach war die Swiss Air auch pleite, Herr Schellhorn.

Antworten Gast: beschwerer
19.03.2012 08:55
2

Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

ad (2): Wer sagt, dass Metropolen automatisch richtig und besser "ticken?" als das Umland? Da dfifferiert das Eigenbild vom Fremdbild mitunter sehr. Und zu Wien: Das ist auch nur eine Verdichtung von Provinz rund um ein paar Theater und Museen und feministische Debattierzirkel herum, in die kaum ein Einheimischer geht.

ad (3): Der historische alemannische Siedlungsraum umfasst das Gebiet von den südlichen Niederlanden über Luxemburg, Elsaß, Ostlothringen, die rheinische Tiefebene und das Elsaß bis hinab an die Nordalpen. Nicht gerade das unkultivierteste und unzivilisierteste Gebiet, nicht? Eher schon eine der zwei wichtigsten Zivilisationsachsen Europas neben Oberitalien: Dort gab es schon reiche Handelsstädte und Kultur, als es im Ostalpenraum nur Bauerndörfer wie Wien gab. Und ja: Lieber spießig, aber wohlhabend, als lustigholadulliö-mir-hocken-beim-Wein und nimmer wissen wie die Schulden zahlen.

(1), (4), (5): durchaus richtig!

und salü! ;-)

Antworten Gast: Wodan
18.03.2012 19:48
3

Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

Mit deinem Posting unterstreichst Du vollumfänglich dass du ein "Schweizer-Hasser" bist. Frustriert, unzufrieden und ebenfalls einer von vielen korrupten Typen.
Eines musst Du wissen, auf solche Typen wie dich ist die Schweiz sicher nicht angewiesen!
Der Beweis ist definitiv vollbracht:
das Gegenteil von Geistreich ist Österreich!

Antworten Antworten Gast: xefo
18.03.2012 20:01
2

Re: Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

Ich hasse die Schweizer nicht, sie sind mir egal. Ich war zweimal in ihrem Land und leite aus dieser Tatsache und aus meinen geschichtlichen Kenntnissen eine Berechtigung her, hier meine Meinung kund zu tun.

Antworten Gast: Klaus
18.03.2012 18:36
3

Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

Was soll Wien sein? Eine Metropole? HAHAHA! Von was? Von Korrption, gschamster Diener Mentalität und morbider Lebensverneinung? Wien ist der größte Hemmschuh für das Fortkommen des gesamten Staates.

Antworten Antworten Gast: xefo
18.03.2012 19:23
2

Re: Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

Wien ist nicht die größte und nicht die schönste Welt der Stadt, aber es hat im Gegensatz zu Zürich die kritische Masse einer Metropole: Hier herrscht die Anonymität einer Millionenstadt, man blickt auf eine Tradition als Metropole zurück, es gibt eine U-Bahn, das gesellschaftliche Leben ist diversifiziert, etc

Antworten Antworten Antworten Gast: xefo
18.03.2012 19:56
0

Re: Re: Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

muss heißen: Stadt der Welt

Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

Ihr Argument 1 vom armen Österreich und seinen 2 Weltkriegen: würde das stimmen wie könnte Österrecih heute im allgemeinen als reiches Land bezeichnet werden? Dann, schon einmal sich überlegt, wer denn diese 2 " desaströsen Weltkriege überhaupt begonnen hat?

Freundliche Grüsse,

S.W. Bauer

Antworten Antworten Gast: xefo
18.03.2012 19:31
1

Re: Re: Schellhorn macht in Schwarz-Weiß

Es ist unzweifelhaft, dass die kurz hintereinander stattgefundene Abfolge von 2 Weltkriegen die zivilisatorische Entwicklung Mitteleuropas im Vergleich zu Wohlstands- und Neutralitätsoasen wie der Schweiz zurückgeworfen hat.
Hunderttausende junger österreichischer Männer starben in den Kriegen, die Schweizer hatten ihre letzte Bekanntschaft mit dem Krieg in der Napoleonischen Ära.
Es ist dabei völlig unerheblich wie diese Kriege begonnen wurden, einzig ihr Faktum ist relevant. Für Österreich war vor allem der Weltkrieg I besonders schwerwiegend, weil durch ihn die imperiale Donaumonarchie zu einem Kleinstaat zusammengestutzt wurde - über Nacht. So ein Ereignis wirkt bis heute nach, man trauert der alten Größe nach, die Schweizer hingegen haben nie was anderes gekannt als die Kleinheit.

Gast: Moderndenkender
18.03.2012 16:27
1

Wieder einmal jede Menge FPÖ-Poster

am Werken. Wenn die Schweiz so toll ist, warum zieht Ihr FPÖler nicht einfach dort hin ?

Re: Wieder einmal jede Menge FPÖ-Poster

wieso ziehen grünwähler nicht in auslanderviertel?

Bei den österr. Ökonomen

ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.

Natürlich ergibt eine Lohnerhöhung eine höhere Kaufkraft. In erster Linie aber höhere Steuern und Sozialabgaben für den Staat.

Und die höhere Kaufkraft ist wohl nur kurzlebig, wenn sie nachfolgend mittels Arbeitsplatzverlagerung von 100% auf 0% herabgesetzt wird.

Eine wirkliche reele Kaufkrafterhöhung, und das ohne Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Preise, liese sich übrigens sehr leicht erreichen: Lohnsteuertabellen von Inflation der letzten Jahre bereinigen.

Wid aber nicht kommen, die Fütterung der Politiklientel würde darunter leiden.

Gast: yamo
18.03.2012 12:35
2

Es immer billiger zu geben ist nicht das Wichtigste in der Wirtschaft

das führt nur in den Burn-Out.

Es geht doch darum dass man etwas herstellt das die Menschen brauchen. Damit sich das auch kaufen können, brauchen sie Geld. Das bekommen sie durch Arbeit.

Henry Ford hat es vorgezeigt: nur wenn die Arbeiter gut verdienen, können sie auch gute Preise zahlen.

Wir können uns schon auch im Wettbewerb aufreiben, wir können schon auch eine Wirtschaft schaffen in der wir nur noch für eine Elite arbeiten, Villen und Yachten bauen während die 99 % in Bruchbuden leben.

Aber wollen wir das?

Es geht doch darum dass man etwas herstellt das die Menschen brauchen.

Ja, das war einmal so, bestimmt auch zur Zeit von Henry Ford. Durch die Globalisierung, ich bin der Meinung dass der Arbeiter in den "reichen" Insdustrieländern der Hauptverlierer der Globalisierung ist, wurde diese Regel ausser Kraft gesetzt. Das was wir heute brauchen wird von Kindern in Entwicklungsländern hergestellt, in Fabriken die ohne jegliche Emissionsvorschriften die Umwelt vernichten. Eine Industrie für Konsumgüter gibt es in Mitteleuropa fast nicht mehr. Das Nächste was hier ausgelöscht wird ist die Investitionsgüterindustrie. Ich bezweifle, dass 500 Mill. EU-Bürger von Handel und Dienstleistungen leben können. Langfristig gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder unser Einkommens-, Sozial-, und Umweltstandard wird dem von den Hinterhöfen in Vietnam angepasst oder die EU macht die Grenzen dicht für jeglichen Warenverkehr. Denken sie mal darüber nach welche dieser beiden Möglichkeiten wahrscheinlicher ist.

Antworten Antworten Gast: yamo
18.03.2012 16:18
0

Na geh,

die Umweltqualität in Vietnams Hinterhof-Fabriken wird schon steigen, jetzt wo die Chinesen ihre Löhne erhöhen. Wie sich das in der EU entwickelt hängt hauptsächlich von unserem Geschick ab.

 
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