SuperMarkt: Europas Größenwahn

31.03.2012 | 17:56 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Die Euroländer verstärken den Schutzwall gegen angreifende Spekulanten, um damit den Euro zu retten. Gerettet werden freilich andere.

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Maria Fekter dürfte ihren Auftritt in vollen Zügen genossen haben. Noch bevor die Sitzung der Finanzminister aller Euroländer ihrem Ende zusteuerte, griff die Vertreterin der Republik Österreich zur Posaune und ließ alle Welt von der frohen Kunde wissen: Soeben sei in Kopenhagen beschlossen worden, die „Brandmauer“ zum Schutz leicht entflammbarer Mitgliedsländer von 500 Milliarden auf 800 Milliarden Euro aufzustocken. Alles andere als erfreut über Fekters Vorstoß war Jean-Claude Juncker, was vor allem daran lag, dass immer noch er offizieller Sprecher der Euro-Gruppe ist. Erbost ließ Monsieur Juncker die geplante Pressekonferenz platzen, Österreichs Finanzministerin hatte ja ohnehin alles ausgeplaudert – „shortly“ und „without von delay“.

Einig waren sich die führenden Köpfe der Euroländer allerdings in ihrer Analyse: Die Aufstockung des permanenten Rettungsschirms sei das von den Finanzmärkten dringend erwartete Zeichen der Beruhigung. Mit der bereitgestellten Liquidität sollen spekulative Angriffe auf hoch verschuldete Eurostaaten schwieriger und ein Übergreifen der Krise auf große Mitgliedsländer wie Spanien und Italien verhindert werden, so die einhellige Schlussfolgerung der Finanzminister.


Turmbau zu Babel? Zu einer etwas anderen Einschätzung kam vor wenigen Tagen Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank. „Genauso wie der Turm von Babel wird auch die Mauer aus Geld niemals den Himmel erreichen. Wenn wir diese immer höher und höher machen, werden wir hingegen immer neue Probleme bekommen – finanzielle wie politische“, sagte Weidmann am Mittwoch in London zur Nachrichtenagentur Reuters. „Wir müssen realisieren, dass das Geld, das wir bereits auf den Tisch gelegt haben, uns keine dauerhafte Lösung der Krise erkaufen wird“, sagte Weidmann.

Wie recht der Mann doch hat. Griechenland ist das beste Beispiel dafür: Hat das Land ursprünglich 15 Milliarden Euro gebraucht, um über die Runden zu kommen, liegt der Finanzbedarf mittlerweile beim Zehnfachen. Mit Steuergeldern in Höhe von 150 Milliarden Euro wird Athen zumindest bis 2014 vor der Pleite bewahrt. Und dann? Ja dann dürften die nächsten Finanzhilfen nötig werden, wie der griechische Ministerpräsident Papademos der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“ anvertraut hat.

Kern des Problems ist nämlich weniger ein zu niedriger Schutzwall gegen Spekulanten. Sondern die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der schlingernden Euroländer und deren heillose Überschuldung. Daran wird sich auch nicht viel ändern, wenn die europäischen Partnerländer kurzerhand die Märkte außer Kraft setzen. Genau das machen sie derzeit: Mit der Bereitstellung zusätzlicher Liquidität wird signalisiert, angeschlagene Länder solvent zu halten. Koste es, was es wolle. Gleichzeitig erhalten europäische Großbanken nahezu unbeschränkt Geld, um jene Staatsanleihen aufzukaufen, die auf den Märkten keine Käufer mehr finden. Das wiederum erhöht die Nachfrage nach Anleihen maroder Euroländer, womit die Kosten für den Schuldendienst künstlich niedrig gehalten werden.

Dabei wären es gerade steigende Finanzierungskosten, die den politischen Handlungsbedarf in den betreffenden Schuldnerländern offensichtlich machten und deren Regierungen zum Handeln zwängen. So aber wird den Ländern signalisiert, keinesfalls im Stich gelassen zu werden, womit der Anreiz, die Haushalte in Ordnung zu bringen, naturgemäß sinkt.

Dazu passt, dass das bereitgestellte Geld in Wahrheit gar nicht existiert. Es schlummert nicht in tief unter europäischer Erde angelegten Geldspeichern, es wird bei Bedarf einfach herbeigezaubert. Das kann eine Zeit lang funktionieren – aber nicht auf Dauer. Früher oder später wird Europa erkennen müssen, dass nicht mehr ausgegeben werden kann, als da ist. Der Euro-Rettungsschirm rettet nämlich nicht den Euro, sondern nur jene, die das nicht wahrhaben wollen.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2012)

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53 Kommentare
 
12

Hatte Treichl mit seiner Meinung über die wirtschaftliche Kompetenz der Politiker doch recht?


"Der Weg zur Knechtschaft" erfüllt sich vor unseren Augen.


Sozialistischer Grössenwahn (Anmaßung laut Hayek) gepaart mit krimineller Energie der herrschenden griech. Klasse (200 MRD wurden in die Schweiz verschoben, schon der Kohäsionsfond wurde missbraucht) wird von den braven Nettozahlern beglichen werden.

Auch unsere unSozialpartner leiden an "morbus Griechenlandensis" !!

Gast: Fassmann
02.04.2012 00:19
2

Und einmal wird ein Wunder geschehen

Mit dem rettungslos verlorenen Griechenland hatten die Euromantiker ihr Stalingrad, es geht dem Ende zu, darum wird auch wie weiland von Wunderwaffen in Form von wahnwitzig, astonomischen Geldsummen getönt.

Antworten Gast: zensuriert doch mal wen anderen
02.04.2012 13:17
0

Re: Und einmal wird ein Wunder geschehen

dieser vergleich ist zwar siche nnicht pc aber darum umso treffender;-)

800.000.000.000 EUR Groessenwahn

Dieses Kartenhaus, bricht zu 100% zusammen.
Es ist bedrucktes Klopapier ohne Realwert.Bei der versuchten Einfuehrung einer Finanzsteuer fuer Spekulationen, sind sie in die Knie gegangen.
Sie sind nur die Befehlsempfaenger des Weltkapitalismus.
So rasch als moeglich weg vom EURO, macht eine Volksbefragung. Jagd die Finanzministerin mit der ganzen Regierung aus dem Amt.
Geld ist nur ein Bezugschein -und keine Ware- auf Produkte der Volkswirtschaft.Zum Bezuge von Produkten der Volkswirtschaft berechtigt, wird man durch eine Leistung an die Volkswirtschaft. Gegen eine solche Leistung erhaelt der Leistende Geld, das sowohl eine Bescheinigung seiner Leistung, als auch einen Bezugsschein auf Produkte der
Volkswirtschaft darstellt.
Alle anderen Geldgeschaefte sind ein Betrug an der arbeitenden Gesellschaft.

Zuerst ignorieren sie dich,
dann lachen sie ueber dich,
dann bekaempfen sie dich,
und dann gewinnst du.
Mohatma Gandhi.

keine Haftung für das Vermögen im ESM

http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0

Gast: Tutenchamun
01.04.2012 16:04
0

Daher kommt die Finanztransaktionssteuer

Wer dagegen ist, muss dann die Schutzschilder bezahlen, wer dafür ist nicht.

Re: Daher kommt die Finanztransaktionssteuer

OK, bin dafür. Kann ich mich jetzt irgendwo befreien lasen?

Mal im Ernst: Sie glauben noch an´s Gute im Volksvertreter. Wenn Sie sich aber ernsthaft mit Finanzmärkten beschäftigen werden Sie bei den jüngsten Ideen z.B. d. Hrn. Schäuble allerdings feststellen: Es geht definitiv nicht darum, den Finanzmarkt für irgendetwas aufkommen zu lassen. Schon eher Sie (und mich).

Gast: Christlich
01.04.2012 13:19
0

@ Gast: Geld ist weg! 01.04.2012 12:25

Mr. Juncker ist Mitglied der CSY ( Christlich Soziale Volkspartei ). Eher kein Sozialist. Vielleicht Herz-Jesu - Sozialist . Who knows ?.

von der Kritik zu zündenden Ideen

Der Artikel ist sicher in vielen Punkten richtig.
Aber wenn ich mir die Mühe mache und alle Postings ansehe, dann wird in 95 % die Kritik nur verstärkt.

Besser wäre doch die Kritik erst auf die Ebene der realen Handlungsspielräume zu vertiefen UND dafür Lösungen zu finden.

Da geht es dann um Reduktion der Rohstoffabhängigkeit, Ausbildung, Forschung, Einkommensverteilung, demografische Entwicklung.... ausverkauf europäischer Unternehmen,....

Eine Piratenpartei, die da auch nur nörgelt ohne inhaltlich sinnvolle Ideen nutzt leider auch nichts.

Wo sind die, die den Schritt zur Idee weiter gehen ??

http://europa-heute.com/ für weite Ideen und mehr...

Re: von der Kritik zu zündenden Ideen

Sie liegen schon richtig - an irgendwelchen Schrauben zu drehen funktioniert ebensowenig, wie noch höhere Summen zu erfinden. Man muss tatsächlich die vielen einzelnen Themen *gemeinsam* betrachten.

Ja, es gibt bereits Lösungsansätze. Tatsächlich funktionierende. Sogar in Europa. Sogar unter Aufrechterhaltung eines anerkannt starken sozialen Netzes. So nebenbei wird dort Staatsschuld abgebaut (und das nicht irgendwie getrickst sondern real).
Das Beispiel heisst SWE.

Sollte sich der Versuch, sich ggfs. von dort die eine oder andere Massnahme abzuschauen jenseits "realer Handlungsspielräume" befinden, wird unser Fall tief sein. Kann ich ziemlich risikolos vorhersagen.

Warum also passiert nichts? Der Grund ist nicht, dass keine realistischen Vorschläge am Tisch lägen. Die Mehrheit will es einfach nicht. Das darf man dann kritisieren - und auf Vernunft hoffen.

Gast: Geld ist weg!
01.04.2012 12:25
8

Kommentar des luxemburgischen Premierministers,

Sozialisten und Karlspreisträgers JEAN-CLAUDE JUNCKER am 27. Dezember 1999 im SPIEGEL Nr. 52:

"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter, Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."

... und bis es keine Nationalstaaten mehr gibt und Europa von einer nicht durch Wahlen legitimierten "Superregierung" dirigiert wird, mit einer allmächtigen noch weit über der Zentralbank stehenden Wirtschafts und Finanzbehörde.


Re: Kommentar des luxemburgischen Premierministers,

unpackbar, der hat das wirklich so gesagt http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15317086.html

Kompliment Hr. Schnellhorn....


....Sie bringen es auf den Punkt.

Gast: ehklaro1
01.04.2012 11:40
2

diese lobbyeu und der bankerteuro schaffen europas wohlstand und sozialen frieden ab. diese billonenbankerschirme retten nur den reichtum der geldeliten und das geht nur auf kosten der sozialstaaten, arbeitnehmer u.pensionisten.


Ist es wirklich der Größenwahn?

In der EU-Führung herrscht ein MIx aus Größenwahn, Dummheit und Bauernschläue.

Den als stabile Währung konzipierten Euro auf Staaten auszudehnen, deren Wirtschaftspolitik auf regelmäßige Geldabwertungen gerichtet ist, womit der Euro schon bei der Geburt den Todeskeim in sich getragen hat, war hauptsächlich Größenwahn, daneben auch Dummheit.

Bei der jetzt erfolgten Bailout-Aufblähung war der Größenwahn wohl weniger bestimmend, wobei schwer zu sagen ist, welche der anderen beiden Komponenten hier überwiegt. Da gibt es sicher welche, die wirklich glauben, dass mit dieser Fass-ohne-Boden-Politik mehr als eine Galgenfrist erreicht werden kann und andere, die genau wissen, dass alles, was da so behauptet wird, reiner Humbug ist!

Die einzige sozial verträgliche Methode, um von solchen Schuldenbergen, wie sie die EU-Staaten haben, wegzukommen, ist und bleibt eine Hyperinflation. Die "Brandmauern" oder "Rettungsschirme" kaufen staatliche Schuldverschreibungen zu weit überhöhten Preisen, womit sie massive Geldschöpfung betreiben.

Diese gigantische Ausweitung der Geldmenge, der kein entsprechendes Warenangebot gegenüber steht, muss nach einiger Zeit zu einer dramatischen Geldentwertung führen. Wenn die Menschen aber das Vertrauen in den Geldwert verlieren, setzt die galoppiernde Inflation ein, die alle ärmer macht, aber die Staatsschulden schmelzen lässt wie Schnee an der Sonne.

Das ist das wahre Ziel dieser Politik, die völlig ungeeignet ist, um irgendetwas zu "retten"!


Gast: pollo55
01.04.2012 10:53
2

Südstaaten sind nicht alle gleich!

Ich warne davor, alle Südländer in einen Topf zu werfen.
Italien hat zum Beispiel sehr wohl eine sehr wettbewerbsfähige Wirtschaft und übrigens hat Italien 2011 den höchsten Primärüberschuss von allen EU-Ländern erzielt. Und auch 2012 siehts in dieser hinsicht gut aus. Das einzige Problem ist der Schuldenberg, aber wenn der durch Reformen auf ein vernünftiges Niveau abgetragen ist, kann Italien mit Deutschland und Frankreich auf jeden Fall mithalten.
Außer natürlich es kommen nach Monti wieder ein paar Berlusconis, die das Land in den Abgrund wirtschaften. Dann siehts wieder schlecht aus.

"Mit Steuergeldern in Höhe von 150 Milliarden Euro wird Athen zumindest bis 2014 vor der Pleite bewahrt."


Das wird es nicht spielen!

In Griechenland gibt es Ende April Wahlen.

Dann werden sämtliche "Einsparungen" rückgängig gemacht!

Glaube nicht, daß die "Euro-Währungswächter" SO gestört sind, den Griechen dann noch weiteres Geld zu geben!

Möglich ist natürlich alles!

Sonst danke für den guten Artikel!


Gast: Miguel Rodriges
01.04.2012 10:20
7

Bitte unbedingt lesen!!! ESM Artikel

Liebe Leser,

sehr interessant auch ein Artikel in "Welt Online".

http://www.welt.de/finanzen/article106142019/ESM-kann-gegen-deutsche-Stimme-Geld-abrufen.html
" target="_blank">http://www.welt.de/finanzen/article106142019/ESM-kann-gegen-deutsche-Stimme-Geld-abrufen.html


Setzen Sie einfach das Wort Österreich für Deutschland ein.

Re: Bitte unbedingt lesen!!! ESM Artikel

wie das abläuft das wurde vorher schon verbreitet http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0 alle die unterschrieben haben wissen Bescheid, und geht davon aus, dass sie dafür ordentlich kassieren.

Gast: Franz Meister
01.04.2012 09:45
1

Höhenluft

Die Sparvermögen der Bürger wird auf ca. 10 Billionen EURO geschätzt. Bis zu dieser Summe ist beim ESM noch "Luft".

Ein sehr guter, objektiver Artikel

dem nur noch ein Hinweis beizufügen ist:
Der ESM wird stets (jährlich) kleiner werden, denn die meisten PIIGS-Staaten brauchen diesen auf. Da aber auch die ESM-Gelder durch Schulden bereitgestellt wurden, dreht sich die Spirale immer schneller abwärts und bringt deshalb nur eine stetige Notwendigkeit zur Aufstockung des ESM mit sich.
Die fehlende Wettbewerbsfähigkeit vieler Südstaaten ist eine Sache, die Unfähigkeit unserer Politiker in Europa verdammt aber Generationen zum Schuldendienst.
Woher ein Mensch/Politiker eine Legitimation zur Verurteilung von nachfolgenden Generationen zum Schuldendienst haben soll, ist nicht nur rätselhaft sondern kriminell!
Ich dachte, die Zeiten einer Sippenhaftung sind längst vorbei......


Gast: b754
01.04.2012 09:28
1

der neoliberalemärchenonkel veschweigtuns gerne dass seinefreunde den größten raub in der geschichte durchführen

die treiben die leute sogar soweit dass sie sich verstümmeln die schellhorns dieser welt werden uns entgültig an die wand fahren

Antworten Gast: lindbergh
01.04.2012 15:57
4

Re: der neoliberalemärchenonkel veschweigtuns gerne dass seinefreunde den größten raub in der geschichte durchführen

die neoliberalen treiben einen langzeit arbeitslosen ( 14 jahre), nicht vermittelbaren, zur verstümmerlung.. ?
gut, dass wieder wer anderer schuld ist.

wo wurde das besprochen? im ögb heim kapfenberg=?

Was man gegen den EU-Größenwahn tun kann

Jammern ist zu wenig.
Jeder kann ein klares Zeichen setzen und bei der nächsten Nationalratswahl die EU-Austrittspartei wählen. Das wird seine Wirkung nicht verfehlen.

PS: falsche Überschrift des Presse-Artikels:
richtig wäre "EU-Größenwahn" statt "Europa Größenwahn". Europa ist ein Kontinent und kann nix dafür.

Gast: astor
01.04.2012 07:46
4

jojo

der krug solang zum brunnen bis der brunnen leer is!9js

 
12

Hobbyökonom

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