18.05.2013 18:22 Merkliste 0

SuperMarkt: Und jetzt auch noch die Eurobonds

26.05.2012 | 17:46 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Die Vergemeinschaftung der Staatsschulden soll die EU zurück auf Wachstumskurs bringen. Das ist ziemlich genau das Gegenteil dessen, was man den Leuten bei der Einführung des gemeinsamen Geldes versprochen hat.

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Niemand versteht es wie er, die schlimmsten Ängste der Menschen mit Fakten zu nähren. Nachdem Thilo Sarrazin den Deutschen vorrechnete, wie lange sie noch brauchen, bis sie sich selbst abgeschafft haben, erklärt er den Europäern nun, dass sie mit diesem Euro nicht glücklich werden. Das Feuilleton ist fassungslos, vermutet hinter Sarrazins neuestem Werk eine gezielte Provokation, um nach „Deutschland schafft sich ab“ den nächsten Kassenschlager zu landen. Nur die Menschen „da draußen“ ahnen, dass da was dran ist: Sie glauben nämlich nicht, dass es auf Dauer gut gehen wird, wenn die Zentralbank massenweise Geld druckt, um damit die Löcher in den nationalen Haushalten zu stopfen. Und sie wissen auch, dass es nicht Ziel einer Währungsunion sein kann, Banken und schlecht wirtschaftende Staaten zu retten.

Aber wie kommt man nun aus dem Schlamassel raus? Mit Solidarität, wie Frankreichs Präsident Francois Hollande versichert. Schließlich sei es nicht hinzunehmen, dass einige EU-Länder für Staatsschulden über sechs Prozent Zinsen zahlen müssten, andere wiederum fast nichts. Korrigiert werden könne diese von den Märkten initiierte Ungleichbehandlung mit Eurobonds. Das bedeutet, dass sich die Nationalstaaten an den Märkten künftig auch im Verbund um frisches Geld bewerben: Alle Euro-Mitgliedsländer legen gemeinsame Schuldverschreibungen auf, jeder Staat haftet für den anderen und jeder zahlt ungeachtet seiner Bonität denselben Zinssatz.

Fehlt es an Geld? Die Vorteile sind aus Sicht der Befürworter nicht zu übersehen: Mit Einführung der Eurobonds würden sich locker große Investitionsprojekte finanzieren lassen, mit deren Hilfe die rezessionsgeplagte Konjunktur stimuliert werden könnte. Zudem erhielten Staaten wie Griechenland und Portugal, die auf den Kapitalmärkten keine Geldgeber mehr finden, wieder Zugang zu frischer Liquidität. Das deshalb, weil Schuldner mit erstklassiger Bonität – wie Deutschland, die Niederlande oder Finnland – hinter den Gemeinschaftsanleihen stehen und auch für deren Einbringlichkeit haften. Womit die Zinsen niedrig blieben und schwächere Länder mehr „Luft“ bekämen. Das wäre schön.

Weniger schön ist, dass Eurobonds eine dauerhafte Vergemeinschaftung nationaler Staatsschulden sind. Und das widerspricht nicht nur den EU-Verträgen („No Bail-out“-Klausel), es ist auch ziemlich genau das Gegenteil dessen, was man den Leuten bei der Einführung des gemeinsamen Geldes versprochen hat: die Errichtung einer Hartwährungszone, die den Geldwert sichert, für Wohlstand sorgt und die ökonomisch schwächeren Länder zu strukturellen Reformen „anregt“. Im Gegenzug kommen diese Staaten in den Genuss niedriger Zinsen, mit deren Hilfe sie sich günstig verschulden können, um ihre Volkswirtschaften umbauen zu können.

Moderner Zinssozialismus. Wie die Sache tatsächlich gelaufen ist, zeigt Griechenland: Das viele billige Geld landete in ausländischen Geschäften. Mit Einführung der Eurobonds würden die falschen Anreize noch einmal verstärkt: Warum sollten die Regierungen von Griechenland oder Spanien ihren Bürgern unpopuläre Reformen zumuten, wenn die Zinsen für neue Schulden wieder sinken und am Ende ohnehin die „Nordländer“ die Brieftasche zücken?

Nicht ganz klar ist auch, wer die Eurobonds letztlich zeichnen soll. Vernünftige Geldgeber werden darauf warten, bis die Deutschen, Holländer oder Finnen ihre eigenen Bonds anbieten. Sie sind zwar niedriger verzinst, aber auch weniger riskant, was nicht zuletzt für die großen Pensionsfonds eine angenehme Begleiterscheinung ist. Eurobonds würden also nur dann funktionieren, wenn sie wie bisher die Europäische Zentralbank aufkauft oder wenn die Eurostaaten keine eigenen Anleihen mehr auflegen dürften. So weit ist die EU aber noch nicht – und so weit wird sie hoffentlich auch nie sein.

Sonderwirtschaftszone Süd. Zumal es bessere Wege gibt als die Sozialisierung von Staatsschulden. Statt finanziell zerrüttete Mitgliedsländer wie Griechenland, Spanien oder Portugal zu dauerhaften Subventionsjunkies zu degradieren, könnte ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden, einen würdigeren Weg zu beschreiten. Etwa, indem sie zu Sonderwirtschaftszonen umgebaut werden, wie das nun auch die deutsche Bundesregierung anregt. Regionen, die mit niedrigen Steuern, flexiblen Arbeitsmärkten und Lohnnebenkosten ausländisches Investitionskapital anziehen, um so dauerhaft Jobs zu schaffen. Wachstumspolitik heißt ja nicht, die Staatsquoten auszuweiten und Geld in den sonnigen Süden zu schicken, um dort die Straßen dreimal hintereinander teeren zu lassen. Sondern dabei zu helfen, die Bildung der Bevölkerung zu forcieren und gegebenenfalls die Opfer der Restrukturierung finanziell aufzufangen.

Dass dieser Vorschlag ausgerechnet aus Deutschland kommt, hat wohl auch damit zu tun, dass die Integration der früheren DDR ein Fall für die Lehrbücher wurde („Wie man einem kaputten Land den Rest gibt“): Westlöhne für Ostqualität zu verlangen war nicht gerade das, worauf die Kundschaft jahrzehntelang gewartet hatte. Polen und Tschechien gingen andere Wege. Und die Bewohner dieser beiden Länder sind es auch, die verstanden haben, dass steigende Löhne die Folge wirtschaftlicher Stärke sind, nicht deren Ursache. Auch die Leute in unseren Breiten wissen das. So wie sie auch wissen, warum überschuldete Staaten höhere Zinsen zu bezahlen haben als besser wirtschaftende. Und dazu müssen sie noch nicht einmal Sarrazin gelesen haben.



franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2012)

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50 Kommentare
 
12
Gast: Baur45
29.05.2012 16:55
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Raab, Figl bis Kreisky....

Investierten die Mrd. im eigenen Land und schufen damit Wohlstand und Arbeitsplätze.

Nun wandern 100e Mrd. nach Griechenland, Portugal, Spanien usw., die Leute dort sehen davon keinen Cent.

In den Empfänger- aber auch in den Geberländern gibt es Rekordarbeitslosigkeit!

Der einzige Arbeitsplatz der mit diesen Mrd. abgesichert wird, ist der von Hahn.

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Wirtschaft kann SO simpel sein,

wenn man sie versteht ;-)

Wer seinen Hausverstand einsetzt, wird leicht verstehen, dass noch kein Staat dieser Welt (egal welches politische System) ohne Arbeit und Innovation dauerhaft hohen Wohlstand geschaffen hat.

Man kann heute beliebig viel Geld drucken (fälschen), man kann es auch ausgeben, aber man kann damit nicht beliebgen Wohlstand schaffen.


Gast: Brennstein2
29.05.2012 07:14
3 0

Eurobonds

Reduzieren wir die Diskusion auf einen zentralen Punkt - die hoch verschuldeten Staaten wollen noch mehr Schulden machen - es ist nur ein verzweifeltes hinausschieben des Crash.

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Re: Eurobonds

Die Alternative wäre: Der Crash jetzt sofort.

Wer will den schon jetzt haben?
Politiker sicher nicht!

Antworten Antworten Gast: Plach2
29.05.2012 16:58
0 1

Ist Österreich anders?

Lt. OECD hat:

•die Republik Österreich eine der höchsten Steuerquoten der Welt (Arbeit ist unterdessen einschließlich Arbeitgeberbeiträgen mit mehr als 60 Prozent durch Steuern und Abgaben belastet); immer wieder kommen Finanzminister mit ihren Steuereinnahmen ganz dramatisch nicht aus. (Anmerkung: Grasser, Molterer, Pröll und Fekter alle ÖVP)

•Österreich eines der teuersten Schulsysteme in der OECD, dabei wird noch immer mittelmäßigeres Mittelmaß produziert;

• Österreich mit acht Millionen Einwohnern neun Herzogtümer namens Bundesländer die mit den vom Bund bereitgestellten Milliarden unverantwortlich herumwerfen können, ohne dafür irgendeine Form von Verantwortung übernehmen zu müssen.

Der heimische Schuldenberg stieg 2010 und 2011 wieder kräftig an. Österreich ist Ausgabenweltmeister

Bis 2015 macht diese Regierung € 35.000.000.000 NEUE noch höhere Schulden und sagt dazu "Schuldenbremse".

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Re: Ist Österreich anders?

Österreich ist sicher nicht viel besser, was das Schuldenmachen betrifft, hat jedoch eine relativ starke Privatwirtschaft, die uns oben hält.

Man kann sagen Österreich ist der Einäugige unter vielen Blinden, daher geht es uns noch relativ betrachtet ein wenig besser und der Crash bei uns wird erst später kommen. Außer es reißt auch einige österr. Banken mit in den Abgrund.


Österreicher wacht auf !!! Kampf gegen Eurobonds uns sonstiger Schuldenverallgemeinerung ist Gebot der stunde !!!!


schöner vergleich

den ich kürzlich irgendwo gelesen habe: was passiert, wenn man in eine kiste fauler äpfel gute äpfel dazugibt? a) die faulen werden gut oder b) die guten faulen ebenfalls. so wird's auch mit diesen eurobonds sein, leider.

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Zauberwort

Das Zauberwort heißt "Produktivität" - der Mensch kommt nackt und arm auf die Welt. Will er gut leben, dann muss er sich die nötigen Bedingungen selbst durch harte Arbeit schaffen. Aber das ist für Viele wohl zu nüchtern?

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Re: Zauberwort

das Problem ist das gerade zu viele das gute Leben sich nicht durch harte Arbeit schaffen wollen.Und da ist die Finanzindustrie Weltmeister.

Re: Zauberwort

Sie vergessen die Privilegierten !
Was sie sagen trifft auf afrikanische Länder zu,andere kommen schon mit Burberry zur Welt,und vorm Haus steht mit 17-18 schon der Porsche.
Dass gute ist,das Geld bleibt immer nur
bei dieser Schicht hängen.alles andere ist ein Lotto 6er. (Oder du musst Schuften und vom Mund absparen bis 70 und dann hali gali ;D)

....

herr schnellhorn bitte beweisen sie uns ihre These, dass Steigerung der Löhne hand in Hand mit wirtschaftlicher Stärke geht.
die reallohnentwicklung der deutschen in den letzten 10 Jahren liegt im Minus Bereich. sind die deutschen jetzt wirtschaftlich schlecht?
die zeit in der das Motto lautete; geht's der wirtschaft gut geht's uns allen gut; ist längst vorbei.
unternehmen fahren Millionen ein und kürzen trotzdem beim Personal um nächste Jahr noch mehr zu verdienen.
ständig wird unsere Steuerpolitik auf die Wirtschaft ausgerichtet um richtigerweise auch in einer Globalisierten Welt international konkurrenzfähig zu bleiben.
aber Kommens mir nicht, mit steigenden Löhnen wenn's der Wirtschaft gut geht. das stimmt einfach nicht...

Gast: Vernunftwende
28.05.2012 10:10
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Steigende Löhne sind also eine Folge wirtschaftlicher Stärke? Der Herr Schellhorn hat wohl die Entwicklung in Deutschland in den letzten 20 Jahren verschlafen?

Steigerung des BIP seit 1995: 35 % - REAL
Steigerung der Löhne seit 1995: 0,4 % - REAL

Solange der Staat ein System aufrechterhält in dem jeder Arbeitslose als asozialer Schmarotzer gilt dessen einziges Problem ist dass er nicht arbeiten WILL - zumindest nicht für einen Hungerlohn - führt Wohlstand nicht zu steigenden Löhnen. Wir bekommen die Verteilung des stetig wachsenden Wohlstandes über die Arbeitslöhne schlicht nicht mehr hin. Dafür sparen deutsche Unternehmen jetzt per Saldo d.h. sie wissen nicht mehr wohin mit dem Geld. Das bekommen dann die Banken, die kaufen damit südeuropäische Staatsanleihen oder verleihen es dorthin wo die Menschen und Unternehmen noch Kredite nehmen - in die Südländer.

Rein logisch gedacht: jetzt führen die Südländer Wirtschaftszonen ein, d.h. Zonen in denen es 0 Umweltauflagen, 0 Arbeitnehmerrechte und 0 Steuern für Unternehmen gibt. Dadurch werden diese Länder schlagartig wettbewerbsfähiger. Nur werden sie das relativ gegenüber uns und Deutschland. Was machen wir dann? Nach neokonservativer Theorie schlicht die Löhne senken --> reiner Lohnwettlauf nach unten. Das wird die EU sicher überaus populär machen und ganz sicher jedem Sozialpopulismus die Grundlage entziehen.

Nach 40 Jahren Anti-Keynesianischer Politik weitere


Verschuldung in Form von Eurobonds zu Lasten der "Braven" zu verlangen, kann nur linkskranken, ökon. halbgebildeten Gehirnen entspringen !!

Nebenbei wird die kriminelle Energie der griechischen Politikerkaste (4 Familien regierten Griechenland seit 1973) ignoriert.

Ähnliche Energie ist in Österreich am Werke, betrachtet man Dinge wie "autom. Vorrückung" ohne Leistungsnachweis oder Steuerbetrug durch Beamten u. Frühpensionen !!

Diese sind z.B.: Fayman, Leitl und Co !!!!


Antworten Gast: nano 2
28.05.2012 13:25
1 1

Re: Nach 40 Jahren Anti-Keynesianischer Politik weitere

Was hat das Thema mit den Beamten zu tun?

Gast: Halbwissen
28.05.2012 08:33
0 2

Ich wäre für Eurobonds

wenn das Geld NUR für eine ganz geringe europaweite Sozialhilfe eingesetzt wird.

Kein abgreifen der Gelder durch die Oberschicht !

oh ja die Euro Bonds

werden uns aus der Krise führen - ist klar...wer glaubt diesen BS eigentlich noch. Das einzige was die bewirken werden ist die gewollte Implosion des Systems zu beschleunigen und die Lebensstandards der unterschiedlichen Länder zügig anzugleichen, damit unsere Brüsseller Politikgrößen wieder Zeit gewinnen und den schwarzen Peter hin und her schieben zu können!

Gast: dresacher
27.05.2012 20:23
1 0

Der Euro ist zu hart für Griechenland

Noch mehr Geld für GR hilft leider nicht. Die harte Währung Euro macht die Produkte GRs auf dem Weltmarkt für Käufer zu teuer.

GR ist ein Agrarland, es benötigt eine weiche Währung, um mit anderen Agrarländern konkurrieren zu können. Nur so kann GR über den Export auch Einnahmen erzielen und die Schulden abzahlen.

nochwas:

Sarrazin erklärt, sehr wohl dass wir mit dem Euro glücklich wären: Wenn unsere Politiker nicht permanent gegen die Regeln der Währungsunion verstoßen würden! Er sieht in seinen Ausführungen keinen entscheidenden Vorteil er vergleicht mit Schweiz, Schweden und UK und diese Verlgeiche sind eher hinkend!

Sarrazin-Buch!

sehr informativ und gut zu lesen!
Sie sollten sich eimal genauer seine Ausführungen zu Target 2 ab Seite 140 ansehen.

Hoch interessant, wenn diese Risiken schlagend werden - z.B. durch einen Euroaustritt der Griechen, dann kostet das Deutschland mindestens 70Mrd. - sofort und anteilsmäßig den Österreichern wahrscheinlich 7Mrd.

Re: Sarrazin-Buch!

sorry Korrektur:

es sind nicht 70Mrd - sondern 700Mrd.!

Gast: E.T.
27.05.2012 19:35
1 2

Eurobonds könnten ein paar Jahre helfen und dann ?

Die Idee der Eurobonds finde ich erstklassig und ich denke, das könnte einen guten Ausgleich schaffen. Die reicheren Länder zahlen mehr Zinsen, die ärmeren weniger und das Gefüge klappt wieder.
Einzig und alleine aber wäre das sicherlich nur ein Pflaster und keine Medizin.
Während die derzeit noch funktionierenden Wirtschaften die eigenen Steuerzahler noch mehr schröpfen würden, die südlichen Länder für einige Zeit eine Erholung erfahren könnten, würde es im Endeffekt doch wieder nichts bringen. Da die südlichen Länder nach wie vor ihre Einstellung zur Wirtschaft und Steuerpflicht nicht ändern würden. Ganz im Gegenteil, durch diese Erleichterung, würde es von vorne beginnen, neue Ausgaben in diesen Ländern, die Kredite würde ja wieder fließen. Schließlich und endlich wären die Südländer noch immer am Boden, nur die derzeitigen Netto-Zahler-Länder hätte selbst mehr Schulden angehäuft.
Ich frage mich, wollen wir das ?


Von wegen "Kein Druck mehr"

Dass man mit Eurobonds billiger Geld schöpfen könnte, muss nichts damit zu tun haben, dass sich die davon profitierenden Länder nicht mehr anstrengen müssten. Es kommt darauf an, unter welchen Bedingungen sie darauf zugreifen können. Eine unabhängige Einrichtung wie ein "EWF" würde das Problem lösen. Die Staaten blieben weiter souverän und hätten die Wahl, wie sie sich finanzieren wollen. Billig aber diszipliniert oder verschwenderisch unter Aufrechterhaltung ihres dummen Stolzes. Siehe auch hier:

http://derstandard.at/1313024656132/Europamarkt---wozu-mehr-bezahlen

Eine "Sonderwirtschaftszone Süd" hätte man von Anfang an einführen müssen!

Dass eine gemeinsame Währung für Europa nur bei gleicher Wirtschafts- und Währungspolitik aller Staaten sinnvoll ist, haben alle von Anfang an gewußt, dass das aber nicht möglich sein wird, hätten alle auch von Anfang an wissen müssen.

Diese Unmöglichkeit hat ihre Ursache in den verschiedenen Sparquoten der Europäer. Die Südstaaten sparen traditionell wenig, in Griechenland und Portugal sind die Sparquoten sogar extrem niedrig. Die Staaten von Österreich über Deutschland bis nach Skandinavien sind große Sparer, ihre Sparquoten sind hoch.

Daraus resultiert eine völlig andere Einstellung gegenüber der Währungsstabilität. Während eine Währungsabwertung, die den Wert der Ersparnisse schmälert, im Norden gefürchtet wird, wie das Weihwasser vom Teufel, ist das für die Südstaaten eine willkommene und regelmäßig angewendete Maßnahme zur Ankurbelung der Wirtschaft. Deshalb gab es im Norden immer harte, im Süden immer weiche Währungen.

Bei der Euro-Einführung hat sich Deutschland mit der Hartwährung durchgesetzt. Dass Südeuropa damit nicht leben wird können, hätte man von Anfang an sehen müssen.

Man hätte gleich eine "Sonderwirtschaftszone Süd" mit einem weichen "Südeuro", und eine Wirtschaftszone im Norden mit einem harten "Nordeuro" bilden müssen, dann hätten wir uns den Ruin der Wirtschaft im Süden erspart!

Jetzt so etwas nachzuholen, ist für alle überaus schmerzhaft, aber immer noch besser als bis zum sicheren gemeinsamen Untergang weiterzuwursteln!


Gast: Tempa
27.05.2012 16:53
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Wer einen interessanten Einblick

in die derzeitige Gedankenwelt griechischer Aktivisten haben will, kann das Blog http://www.griechenland-blog.gr/2012/merkels-trick-die-verschuldung-den-griechen-aufzubuerden/ besuchen.

In einem aktuellen Artikel wird gefordert:

"Erstens ist der EZ zu gestatten, die Verschuldung der Mitgliedstaaten zu decken."

"Das Zweite ist die Schaffung eines Mechanismus in der Eurozone, der auf die selbe automatisierte Weise, mit der die Rettung Deutschlands erfolgte, Gelder in wirtschaftlich schwache Länder transferieren würde."

"Ein erster Schritt in diese Richtung wäre ein gemeinsamer europäischer Versicherungsträger für Arbeitslose."

Ein interessanter Artikel sieht Griechenland als Ziel einer Verschwörung:
http://www.griechenland-blog.gr/2012/mikis-theodorakis-spricht-von-verschwoerung-gegen-griechenland/6730/

Als Lehre kann man wohl ziehen, das es für Länder, die in die EU aufgenommen werden(und es nötig haben) eine zeitlich begrenzte,grosszügige Hilfe geben sollte, um die Infrastruktur(Kommunikation,Verkehrswege etc.) auf aktuellen und guten Stand zu bringen.

Permanente hohe Transferleistungen,wie jetzt angedacht, können anscheinend nicht sinnvoll genutzt werden und führen Gesellschaften nur in eine Sackgasse.

 
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Hobbyökonom