Russland liefert 15 Prozent weniger Gas als vereinbart nach Österreich

Die Gaslieferungen sind am Donnerstag in mehreren europäischen Ländern eingebrochen. Hat der Engpass einen politischen Hintergrund?

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APA/EPA/FILIP SINGER

Die Sorge vor einem Zudrehen des Gashahns verhinderte bislang härtere Sanktionen gegen die russische Gaswirtschaft. Dennoch könnte Russland die Gasversorgung bereits als Druckmittel gegen den Westen nutzen. So kamen laut Angaben der E-Control am Donnerstag bereits 15 Prozent weniger Gas in Österreich an, als vertraglich vereinbart. Auch in der Slowakei sind zehn Prozent weniger russisches Gas als üblich angekommen. Am Mittwoch meldeten Polen und Deutschland deutliche Rückgänge. Der Energiekonzern Gazprom dementierte bisher offiziell, dass weniger Gas geliefert wird.

"An sich sind Schwankungen bei den Gaslieferungen nichts ungewöhnliches. Allerdings wird von Russland dann in der Regel sehr schnell ein Grund dafür genannt", sagt E-Control-Chef Walter Boltz zur "Presse“.

Diesmal sei die Anfrage jedoch unbeantwortet geblieben. Es sei somit unklar, ob es sich um ein technisches Gebrechen – etwa eine beschädigte Kompressorstation - handelt oder ob Russland aus politischen Gründen die Gaslieferungen reduziert hat. "Es ist auf jeden Fall ungewöhnlich, dass sie nicht auf die Frage nach dem 'Warum' antworten. Vielleicht will Russland angesichts der Diskussion um die Sanktionen einfach nur etwas Unsicherheit verbreiten“, so Boltz. Bei der OMV erklärte man am Donnerstagabend, dass man über die Reduktion vorab informiert worden ist.

Keine konkreten Auswirkungen

Konkrete Auswirkungen habe die reduzierte Gaslieferung nicht, so Boltz. Wie berichtet sind die heimischen Speicher zu hundert Prozent gefüllt, und der Verbrauch ist aufgrund der Temperaturen sehr gering. Zudem sind Gaskraftwerke derzeit unwirtschaftlich, weshalb sie europaweit großteils außer Betrieb sind. Österreich könnte laut Schätzungen also zumindest drei Monate mit den Reserven auskommen.

Und auch der von Russland kritisierte „Reverse-Flow“, mit dem Gas etwa aus Polen in die Ukraine zurückgebracht wird, könne durch die geringere Lieferung nur kurzfristig unterbrochen werden – was derzeit geschehen ist. „Wenn die Polen wissen, dass sie dauerhaft weniger Gas erhalten, können sie sich woanders Gas holen, um den notwendigen Druck wieder zu erreichen“, so Boltz.

Klar ist aber, dass Russland der EU die Sanktionen mit gleicher Münze heimzahlen will. "Wir haben eine ganze Reihe Produkte, bei denen vor allem unsere europäischen Partner mehr von Russland abhängen als Russland von ihnen", sagte Andrej Beloussow, der Berater von Präsident Wladimir Putin. Bis dato hat Moskau Einfuhrverbote für EU-Lebensmittel verhängt.

(jaz)

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