Am Puls der Flamme

Ein junges Start-up-Unternehmen in Graz hat sich auf "pulsierende" Verbrennungssysteme mit sehr geringem Treibstoffverbrauch spezialisiert.

Die Bedingungen für Wissenschaftler, an der Universität zu arbeiten sind nicht immer optimal. Die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, ist eine spannende Alternative. Fabrice Giuliani, vormals als Wissenschaftler an der TU Graz tätig, schaffte den Sprung. Er gründete mit der Unterstützung vom Science Park Graz und der Austria Wirtschaftsservice (AWS) die Firma Combustion Bay One (CBOne).

Einerseits bietet das Team Kundenberatung für Verbrennungstechnik, andererseits gibt es einen eigenen Bereich für Forschung und Entwicklung. „Wir sind spezialisiert auf Verbrennungssysteme mit reduziertem Treibstoffverbrauch“, sagt Giuliani. CBOne arbeitet dazu mit der TU Graz und der FH Joanneum zusammen, wo Giuliani auch in der Lehre aktiv ist.

„Erneuerbare Energietechnologien sind derzeit schon recht gut einsetzbar, aber auch in Zukunft wird es ohne Verbrennungstechnologie nicht funktionieren“, sagt Giuliani. Es brauche daher beides: die Nutzung von erneuerbaren Energien und eine effiziente und umweltschonende Verbrennung von Öl, Kohle und Erdgas.

Die Grundlage, um ein Verfahren so zu konstruieren, dass wenig Treibstoff verbraucht wird, liegt in der sogenannten pulsierten Verbrennung. Diese instationäre Verbrennung kann durch Beschallung der Flamme erreicht werden. Sie ist charakterisiert durch eine vollständige und reinere Verbrennung. Giuliani ist es in seiner Firma CBOne gelungen, dafür eine flexible Technologie zu entwickeln.

 

Methanemissionen reduzieren

Das Vorzeigeprogramm des Unternehmens ist „MethaNull“. Im Zuge dessen sollen Lösungen gefunden werden, Methanemissionen zu reduzieren. Methan hat einen sehr großen Treibhauseffekt. Hauptquellen sind die Ölindustrie und die Petrochemie sowie Land- und Forstwirtschaft.

Mülldeponien produzieren zusätzlich große Mengen an dem Treibhausgas. Das Methan, das dort entsteht, kann für Energiezwecke – Strom- und Wärmeproduktion – genutzt werden, wenn die Konzentration des Gases hoch ist. Ist die Konzentration niedrig, muss es entsorgt werden: Es wird mit einer Hilfsflamme, die mit Erdgas oder Öl betrieben wird, abgefackelt. Die Hilfsflamme zu betreiben ist jedoch teuer.

Die Technologie mit pulsierender Verbrennung konnte hier erfolgreich getestet werden: „Wir konnten zeigen, dass brennbares Gas mit niedrigem Heizwert mithilfe der pulsierten Verbrennung einen besseren Nutzen hat“, so Giuliani. Niedrig konzentriertes Methangas kann so unter verbesserten Betriebs- und Sicherheitsbedingungen verbrannt werden. „Damit haben wir in diesem Jahr einen Meilenstein erreicht.“

Eine Zukunftsvision sind tragbare, autonome Anlagen zur Reduktion von Methanemissionen, die einfach dorthin transportiert werden können, wo sich die Methanquelle befindet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2014)

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