Höherer Ölpreis, magere Ölgewinne

Der Ölpreis hat sich seit dem Vorjahr deutlich erholt. Doch Aktionäre, die auf sprudelnde Gewinne hofften, wurden bislang enttäuscht. BP und Statoil blieben unter den Erwartungen.

Der Ölpreis hat sich seit einem Jahr fast verdoppelt.
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Der Ölpreis hat sich seit einem Jahr fast verdoppelt.
Der Ölpreis hat sich seit einem Jahr fast verdoppelt. – (c) APA/AFP/POOL/ANDY BUCHANAN (ANDY BUCHANAN)

London/Oslo. Trotz wieder steigender Ölpreise sind die Ergebnisse führender Energiekonzerne Ende 2016 hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nach Royal Dutch Shell und Chevron veröffentlichten nun auch BP und Statoil überraschend schwache Bilanzen, was an der Börse zu Kurseinbußen führte. BP hat zwar seinen Überschuss im vierten Quartal auf 497 Mio. US-Dollar (464 Mio. Euro) gesteigert – nach einem Verlust von 3,3 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum, wie das britische Unternehmen am Dienstag bekannt gab. Doch hatten Analysten mehr prognostiziert. BP will seinen Aktionären wie im dritten Quartal zehn Cent Dividende je Aktie zahlen.

 

Erholung im Schlussquartal

Im Gesamtjahr 2016 belief sich der Gewinn auf 115 Mio. Dollar. Dass es überhaupt schwarze Zahlen gab, ist dem Schlussquartal zu verdanken, in dem der Konzern von einer deutlichen Erholung des Geschäfts mit der Förderung von Öl und Gas („Upstream“) profitierte. 2015 hatte BP noch 6,5 Mrd. Dollar Verlust gemacht. Der Umsatz sank indes im Vorjahr um knapp 18 Prozent auf 183 Mrd. Dollar.

Wie 2015 war auch 2016 von Sonderbelastungen durch die Katastrophe der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010 betroffen. Die Gesamtkosten belaufen sich derzeit nach Unternehmensangaben auf knapp 63 Mrd. Dollar vor Steuern.

2017 hofft BP auf steigende Gewinne wegen der mittlerweile höheren Preise. War der Ölpreis im Februar des Vorjahres auf unter 30 Dollar pro Fass abgerutscht (nachdem er in den Jahren 2011 bis 2014 meist über 100 Dollar lag), hat er sich inzwischen wieder auf etwa 55 Dollar erholt.

BP will die Produktion auch dank neuer Projekte, etwa in Aserbaidschan und im Oman, ausbauen. „Die Vorhaben werden einen wichtigen Beitrag zum Wachstum leisten und signifikante Langzeitwerte für unsere Anteilseigner schaffen“, sagte BP-Chef Bob Dudley. Doch könnte die vom Ölkartell Opec angekündigte Förderbremse die Produktion dämpfen.

Die Anleger reagierten enttäuscht: Die BP-Aktie fiel in London um knapp drei Prozent. Dabei spielte auch eine Rolle, dass BP sich erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar je Barrel wieder in der Lage sieht, Investitionen und Dividenden zu finanzieren, ohne auf die Substanz zurückgreifen zu müssen – nachdem bislang von 50 bis 55 Dollar die Rede war. „BP ist das einzige Unternehmen, das seinen Break-Even-Punkt anhebt“, sagte Branchenexperte Iain Reid vom Finanzhaus Macquarie. BP hatte zuletzt viel Geld ausgegeben – etwa für eine neue Plattform im Golf von Mexiko, der ersten Großinvestition in der Region seit der Explosion von „Deepwater Horizon“.

 

Statoil mit hohem Verlust

Der norwegische Konkurrent Statoil schrieb im zurückliegenden Quartal einen Betriebsverlust von 1,9 Mrd. Dollar. Analysten hatten einen Überschuss von 2,1 Mrd. Dollar erwartet. Grund für den Verlust seien Wertminderungen in Höhe von 2,3 Mrd. Dollar. Diese wurden fällig, weil das Unternehmen langfristig geringere Preise erwartet als bislang angenommen. Statoil will heuer eine weitere Milliarde Dollar an Kosten sparen.

An der Börse in Oslo gab die Aktie mehr als ein Prozent nach. Die anfänglich noch stärkeren Kursverluste wurden eingedämmt, nachdem der staatlich kontrollierte Konzern erklärte, dass die bis 2022 geplanten neuen Förderprojekte schon ab einem Ölpreis von 27 Dollar je Barrel profitabel sein würden. 2016 waren dazu 41 Dollar erforderlich. „Das ist beeindruckend und ein Zeichen dafür, dass die Investitionen wieder steigen“, sagte Analyst Kjetil Bakken vom Finanzhaus Carnegie. (Reuters/b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2017)

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