Kanzler Kern testet in Steyr den e-Truck von MAN

Lkw-Hersteller MAN steigt mit einem Projekt in e-Truck-Geschäft ein. Kanzler Kern und Verkehrsminister Leichtfried eilten nach Steyr, um das mitzuerleben.

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Kanzler Kern lässt sich von MAN-Chef Joachim Drees den eTruck erklären – APA/BKA/ANDY WENZEL

Der Lkw-Hersteller MAN in Steyr steigt in die Produktion von e-Trucks ein. Noch heuer sollen 9 Fahrzeuge u. a. von großen Handelsketten im innerstädtischen Bereich getestet werden. Bis 2021 will man vierstellig in Serie gehen. Bundeskanzler Christian Kern lobte das 10-Millionen-Euro-Projekt als richtungsweisend, Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (beide SPÖ) kündigte eine Beteiligung des Bundes an.

Am Montag unterzeichnete MAN im Beisein der Regierungsvertreter ein entsprechendes Memorandum of Understanding mit dem Council für nachhaltige Logistik (CNL). Dieses ist an der Wiener Universität für Bodenkultur situiert und vereint 15 große Unternehmen aus dem Bereich Handel, Logistik und Produktion, darunter die wesentlichen Supermarktketten in Österreich.

Die Elektro-Lkw der Vorserie sollen eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern bei optimalen Verhältnissen - bei schlechten Bedingungen rechnet man eher mit 120 Kilometern - und eine Schnellladedauer von einer Stunde haben. Der CO2-Ausstoß gegenüber einem Dieselfahrzeug werde um 40 Prozent reduziert, der Lärm um 19 Prozent auf 65 Dezibel, erklärte Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender von MAN Truck & Bus, der in dem Projekt "einen Meilenstein für MAN" sieht. Vorerst werden neun Fahrzeuge an Mitglieder des CNL vermietet, ab Ende 2018 sollen bis zu 250 e-Trucks interessierten Kunden angeboten werden. Ende 2019 will MAN zudem mit einem vollelektrischen Stadtbus und Anfang 2021 dann mit dem Elektro-Laster in Serie gehen. Beim Truck erwartet Drees zunächst eine vierstellige Stückzahl, das genaue Volumen wolle man "dem Markt überlassen".

Der Bund zahlt mit

MAN steckt 10 Millionen Euro in das Projekt. Leichtfried kündigte eine Förderung durch den Bund an, die Größenordnung werde etwa ein Drittel der 10 Millionen ausmachen. Er sieht in der Elektrifizierung "eine Conditio sine qua non" für eine nachhaltige Verkehrspolitik und in dem Projekt einen "großen Schritt in Richtung Alltagstauglichkeit". Einsatzmöglichkeiten für die Elektro-Lkw sieht Leichtfried auch bei kommunalen Diensten wie der Müllabfuhr oder bei der Feuerwehr. Kern verwies auf Studien, wonach die Elektro-Mobilität Potenzial für drei Milliarden Euro Wertschöpfung und 30.000 Jobs habe. Nun gelte es, die entsprechenden Maßnahmen zu setzen um zu den Gewinnern der Entwicklung zu gehören und sie nicht zu verschlafen.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Wiener Universität für Bodenkultur (Boku) rechnete vor, dass Österreich laut Klimavertrag von Paris noch eine Gigatonne CO2 emittieren dürfe. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann geht es noch bis 2030, danach steht uns nichts mehr zu." Sie habe den Verkehr immer als Sorgenkind im Klimaschutz gesehen, nun zeige sich aber international Bewegung. Das hat wohl auch wirtschaftliche Gründe: "30 Prozent von dem, was wir erarbeiten, geben wir für fossile Rohstoffe aus", so Logistikunternehmer Max Schachinger, auf dessen Initiative das CNL 2014 gegründet wurde. Das seien 20 Milliarden Dollar, die ins Ausland abfließen und "für die wir nur Kohlenstoff in der Atmosphäre" bekommen.

(APA)

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