Methan aus dem Meer: China will „brennbares Eis“ abbauen

China kündigt kommerziellen Abbau an, Klimaschützer warnen. Der Energiebedarf von über 1000 Jahren wäre gedeckt.

China bohrt seit Monaten nach „brennbarem Eis“. Erste Erfolge gab es im Mai.
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China bohrt seit Monaten nach „brennbarem Eis“. Erste Erfolge gab es im Mai.
China bohrt seit Monaten nach „brennbarem Eis“. Erste Erfolge gab es im Mai. – (c) APA/AFP/STR

Peking. Seit Jahren streiten China und die Staaten Ostasiens ums Südchinesische Meer. Den Anrainerstaaten geht es dabei keineswegs nur um die Kontrolle eines der meistbefahrenen Gewässer der Welt. Immer wieder führen sie auch angebliche Rohstoffvorkommen als Grund für ihr Begehren auf. Was tatsächlich an Schätzen in der Tiefe schlummert, war bislang allerdings nicht so recht erwiesen.

Inzwischen sind die Chinesen jedoch fündig geworden. Eigenen Angaben zufolge gelang China Ende Mai erstmals der Abbau von sogenanntem brennbarem Eis. Unter Fachleuten auch bekannt als Methanhydrat, handelt es sich um ein Gemisch aus Eis und Methan. Chinesische Forscher bohren nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua seit März in einer Tiefe von bis zu 1266 Metern nach dem kostbaren Rohstoff und konnten täglich rund 16.000 Kubikmeter fördern. Ab 2030 könne der kommerzielle Abbau erfolgen, kündigte Wang Dongjin, Chef des größten chinesischen Ölproduzenten, PetroChina, vergangene Woche an.

Energie für 1000 Jahre?

Methanhydrate treten in der Tiefe in Klumpenform auf. An der Erdoberfläche zerfällt das Gemisch ohne Kühlung schnell in seine Bestandteile Wasser und Gas. Wird es entzündet, entsteht eine lange brennende Flamme. Es handelt sich also um hochwertiges Erdgas. Zumindest in bestimmten Tiefen ist das Meer voll davon. Schätzungen US-amerikanischer Geologen zufolge könnte auf dem Meeresgrund zehnmal so viel Erdgas in Form von Methanhydrat lagern als in allen herkömmlichen Gasquellen zusammen. Der Energiebedarf von über 1000 Jahren wäre gedeckt – für die gesamte Menschheit.

Trotz der Menge werden Methanhydrate nur in bestimmten Meeresgegenden vermutet. Hydrate halten sich nur unter niedrigen Temperaturen und hohen Druckstärken, also erst unterhalb einer Wassertiefe von 500 Metern. Als vielversprechend gilt ihr Vorkommen vor allem an den Stellen, wo die Küstensäume rasch in die Tiefsee übergehen. Denn Methan entsteht meist nur in Küstennähe. Nur dort gelangen ausreichend Nährstoffe ins Meer. Im Meeressediment geht das Gas dann mit dem kalten Wasser eine extrem dichte Mischung ein. Chinesische Forscher sprechen von einem „eigenen Käfig aus Wassermolekülen, in dem jedes Gasmolekül praktisch sitzt“. Ein Kubikmeter Methanhydrat kann auf diese Weise bis zu 160 Kubikmeter Gas speichern.

Riesige Unterwasserfabriken

Das Hauptproblem: Das tief im Meeresboden sitzende Methangas ist nur unter schwierigsten Bedingungen abzubauen. Um es gewinnen zu können, müssen Löcher in die Hydratschichten am Meeresgrund gebohrt werden. Pumpen müssen den Druck senken. Erst dann kann das Gas kontrolliert entweichen. In den Tiefen des Meeres ist das ein höchst aufwendiges Verfahren. Bis vor Kurzem war es nur japanischen Forschern gelungen. Wegen des großen Aufwands sah Japan aber bislang vom kommerziellen Abbau ab. Denn in den Tiefen müssten fußballfeldgroße Unterwasserfabriken entstehen. Auch Südkorea bemüht sich darum, hat laut eigenen Angaben aber noch keinen Durchbruch erzielt.

Zudem ist Methangas extrem klimaschädlich. Entweicht es in die Atmosphäre, hat es eine 25 Mal so starke Treibhauswirkung wie Kohlendioxid. Schon jetzt werden in Kläranlagen und bei der Erdgasförderung große Mengen freigesetzt, und Massentierhaltung verursacht die bislang schlimmste menschengemachte Methanemission. Umweltschützer befürchten beim Abbau im Meer nicht nur große Zerstörungen in der Tiefsee, sondern auch verhängnisvolle Auswirkungen auf den Klimawandel. Die Erschließung immer neuer fossiler Energiequellen stehe dem Ziel entgegen, die erneuerbaren Energien schnell voranzubringen, kritisiert der WWF. China schert das wenig. Das Riesenreich hat seine Öl- und Gasvorkommen weitgehend ausgeschöpft. Die Gewinnung neuer Quellen hat hohe Priorität.

Auf einen Blick

„Brennbares Eis“. Chinesische Forscher bohren seit Längerem im Meeresboden nach Methanhydrat. Im Mai gelang ihnen erstmals der Abbau, eine chinesische Ölfirma kündigte nun die kommerzielle Nutzung ab 2030 an. Umweltschützer befürchten verheerende Auswirkungen auf den Klimawandel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2017)

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