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Eurokrise: Die wundersame Geldvermehrung

25.06.2012 | 18:41 |  von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

120 Milliarden Euro fürs Wachstum und dazu noch eine Bankenunion: Die Chefs von Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien verpacken altes Geld und vage Reformideen neu.

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Brüssel. Also sprach Frankreichs Präsident vergangenen Freitag in Rom nach seinem Treffen mit den Chefs von Deutschland, Spanien und Italien: „Wir tun alles, um den Euro als unsere Währung zukunftsfähig zu machen.“ Und so zauberten François Hollande, Angela Merkel, Mario Monti und Mariano Rajoy einen „Wachstumspakt für Europa“ aus dem Hut, der 120 Milliarden Euro – laut Monti gar 130 Milliarden Euro – in Europas lahmende Konjunktur pumpen soll. Im selben Atemzug versprachen die vier Chefs zur Abwehr künftiger Finanzpaniken die Schaffung eines engmaschig gestrickten Ordnungsrahmens, der seit Wochen als „Bankenunion“ in aller Munde ist.

Pflügt man sich allerdings durch das 16-seitige Manuskript dieses „Wachstumspaktes“, muss man rasch zwei Schlüsse ziehen. Erstens werden hier bereits verplante beziehungsweise mehrfach angekündigte Summen auf eine hübsche runde Summe addiert. Zweitens besteht über Art, Umfang und Tiefe der Bankenunion kein Einvernehmen zwischen Berlin, Paris, Rom und Madrid. Vor dem Europäischen Rat in Brüssel am Donnerstag und Freitag, von dem einmal mehr Weichenstellungen für das europäische Einigungswerk erwartet werden, regieren folglich Widerspruch und Ratlosigkeit.

Bekanntes, das so nicht funktioniert

Die Summe von 120 Milliarden Euro setzt sich aus mehreren Teilbeträgen zusammen. Erstens soll die Europäische Investitionsbank (EIB) zehn Milliarden Euro Kapitalerhöhung bekommen. Das soll private Kredite für große Infrastrukturprojekte im Umfang von 60 Milliarden Euro hebeln. Dieser Schritt ist seit mindestens einem Monat bekannt, sein Beschluss während des Gipfeltreffens in Brüssel reine Formalität.

Dazu kommen zweitens 55 Milliarden Euro an noch nicht ausgezahlten EU-Förderungen. Seit Wochen geht Hollande mit der Idee hausieren, dieses Geld gleichsam im Handumdrehen für rasche öffentliche Ausgabenprogramme umzuwidmen, zum Beispiel zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. „Was Präsident Hollande vorgeschlagen hat, sind bekannte Ideen, die aber so leider nicht ganz funktionieren. Sie beruhen auf der Einschätzung, dass das Geld frei wäre und zur Verfügung steht. Das ist aber nicht so“, sagte der zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn neulich im Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“. Diese Subventionen sind den EU-Staaten einzeln zugewiesen; es ist undenkbar, dass zum Beispiel Polen auf einen Teil der ihm zustehenden Mittel verzichtet, damit in Griechenland Lehrwerkstätten gebaut werden. Abgesehen davon liegen allein für Griechenland schon jetzt mindestens 11,5 Milliarden Euro bereit. Die griechischen Behörden schaffen es aber nicht, dieses Geld abzurufen.

Drittens rechnen Hollande, Merkel, Monti und Rajoy mit 4,5 Milliarden Euro an Infrastrukturinvestitionen, die durch die geplanten „Projektanleihen“ der EU losgelöst werden sollen. 230 Millionen Euro aus dem EU-Budget sollen bekanntlich bis Ende 2013 als Haftungsfonds für alle Risiken dieser Bauvorhaben dienen und damit institutionelle Investoren anlocken. Bloß liegen die ersten Projekte, welche die EIB für diese Bonds auswählt, nicht im kriselnden Süden, sondern in einer der reichsten Regionen der Welt: es geht um neue Autobahnen in den Benelux-Staaten. Der Rest auf 120 Milliarden Euro soll aus nicht näher bezifferten Quellen wie einer Finanztransaktionssteuer erlöst werden – oder, bemerkenswerterweise, indem die öffentliche Hand endlich ihre Schulden bei privaten Lieferanten zahlt.

Und die Bankenunion? Im „Wachstumspakt“ ist vage von einer verstärkten Finanzaufsicht sowie von europäischen Systemen für die Sicherung von Spareinlagen und die Abwicklung insolventer Banken die Rede. Konsequenterweise erfordert eine Bankenunion aber entsprechende gemeinsame Geldtöpfe und demokratische Kontrolle. Davon ist im Papier der „Großen Vier“ nichts zu lesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2012)

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7 Kommentare
Gast: LifeinaBeautifulLight
26.06.2012 09:57
0 0

eine bankenunion ohne demokratische kontrolle

scheint ganz im sinne der eu-granden zu sein, so wurde ja auch schon der esm konstruiert - mit der willfährigen zustimmung unserer regierung und den grünen. es wird schockierenderweise immer offensichtlicher, dass gewisse teile der politischen macht in europa (merkel&co) offensichtlich die demokratische kontrolle langsam abbauen wollen.

aussage von merkel letzte woche nach diesem vierländer-gespräch: die menschen denken anscheinend, dass die finanzwirtschaft schuld sei an der misere, deshalb müsse man halt jetzt eine finanztransaktionssteuer andenken.....
wenn man sich solche wort ganz genau durchliest, dann erkennt man dahinter die verachtung dieser frau vor "den menschen" und deren aus ihrer sicht anscheinend ganz falschen entscheidungen. die gute ist nicht umsonst in der ddr aufgewachsen......

Steht Euro vor dem AUS?

Kommt der ESM zu spät für die Eurorettung, da die notwendigen Milliarden zur Abwehr von Angriffen auf Italien und/oder Spanien in den derzeitigen Rettungspaketen nicht vorhanden sind? Ist der Euro bald Geschichte? Vor allem nimmt der deutsche Finanzminister Schäuble (Aussage: mehr Brüssel, weniger Deutschland) an, dass die Richter in Karlsruhe dieses Regelwerk als über die Verfassung hinausgehend verifizieren und somit eine Volksabstimmung notwendig wird?

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/goodbye-euro-d201491.html

http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinungen/gastkommentare/?em_cnt=467190&em_cnt_page=4

Re: Steht Euro vor dem AUS?

Ich traue solchen EU-bezogenen Volksabstimmungen nicht mehr. Es wird dabei Wahlbetrug geben und anschließend werden die Systemmedien tirilieren, dass das Volk den ESM ja gewollt habe - mit 66,66666666...(periodisch)% der Stimmen...

Gast: diepaddeirichtetalles
25.06.2012 22:56
3 0

in ein paar jahren wird ein brisanter dokufilm über die eu und dem euro gedreht werden - wie konnte es passieren - dass die politik blindlinks den spekulanten und bankern einen ganzen kontinent mit seinen bürgern auslieferte.


Gast: 1. Parteiloser
25.06.2012 21:22
2 0

Hihi, das gekaufte Wachstum der Planwirtschafter!

Diese 130 Mrd. Euro sind ja nicht vorhanden, das wären wieder nur zusätzliche Schulden!

Diese 130 Mrd. Euro sollen in staatliche Projekte gesteckt werden, also in Projekte mit wenig Sinn für die Menschen aber einem hohen Korruptionsanteil.

Am Besten, und Einfachsten, lassen die den Hahn die Kontrolle über diese Gelder. Der wird das dann herrlich verteilen, vielleicht sogar an 26 verschieden Länder zu je 5 Mrd. Euro Projekten. Der Hahn wird sicher eine Menge ÖBB Pöchhackers, Strassers etc. finden, welche bei den "Investitionen" behilflich sein werden.

Ich würde empfehlen 26 Tunnels zu bauen, die Dimensionierung mit Durchmesser 20mm und einer Länge von 200 mm in Auftrag zu geben und dafür je 5 Mrd. zu verrechnen. Das BIP würde dann auch sofort um die 130 Mrd. Euro nach oben gehen, so dass die Planwirtschafter dann auch das gewünschte Wachstum bewiesen bekommen.

Muahahaha, sind die Typen fertig. Die wollen sich mit Nichts Wachstum kaufen und können gar nicht mehr erkennen, dass brauchbares Wachstum einer Leistung bedarf.

Ist nicht auch das Comecon Gebiet als Ganze an der fehlenden Leistungen zusammengebrochen?

Antworten Gast: gastname_
26.06.2012 11:48
0 0

Re: Hihi, das gekaufte Wachstum der Planwirtschafter!

kann leider über die EUDSSR-Planwirtschaft nicht lachen.

Schon klar, daß die Subventionen zu einem Scheinboom in einer neuen, absolut hippen CO2-Sparbranche führen, die am Markt völlig vorbei ist.

Der "Output" (was auch immer), wird leider dem Konsumenten und Steuerzahler durch EUDSSR Richtlinien aufgezwungen und muss sehr teuer bezahlt werden.

raus aus diesem schlitzohrenverein.


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