22.05.2013 04:21 Merkliste 0

Vize-Wirtschaftsminister: "Italiener müssen mehr arbeiten"

26.06.2012 | 15:42 |   (DiePresse.com)

Er fordert von seinen Landsleuten eine Produktivitätssteigerung, ansonsten sei das Gehaltsniveau gefährdet. Dabei denkt er auch einen Urlaubsverzicht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Regierung Monti drängt die Italiener zu einer stärkeren Produktivität. "Entweder wir arbeiten mehr, oder wir können dieses Gehaltsniveau nicht mehr garantieren", warnte Vize-Wirtschaftsminister Gianfranco Polillo am Dienstag. Die Italiener hätten die Wahl zwischen einem geringeren Konsum, oder mehr Arbeit.

Polillo rief er die Italiener auf, auf eine Woche Ferien im Jahr zu verzichten, um die Produktivität im Land zu erhöhen. Der Verzicht auf eine Woche Urlaub würde zu einem Wachstum von ein Prozent des Bruttoinlandprodukts führen, berechnete Polillo. Er appellierte an die Gewerkschaften und den Industrieverband Confindustria, offen und vorurteilslos über seinen Vorschlag zu diskutieren.

Gewerkschaften protestieren

Polillo betonte, dass Italien über seinen Möglichkeiten lebe. "Um unseren internen Konsum zu finanzieren, brauchen wir ausländische Kredite, die in den vergangenen Jahren über 50 Milliarden Euro pro Jahr gekostet haben. Entweder wir reduzieren weiterhin die interne Nachfrage, was für das Land unannehmbar ist, oder wir müssen unser produktives Potenzial erhöhen", meinte Polillo.

Seine Worte lösen hitzige Diskussionen aus und stoßen bei den Gewerkschaften auf heftigen Widerstand. "Statt Urlaubstage zu kürzen, sollte die Regierung die Steuern reduzieren. Ein niedrigerer Steuerdruck ist der Weg, um die Wirtschaft anzukurbeln", betonte der Sekretär des Gewerkschaftsverbands UIL, Domenico Proietti.

Staatsfeiertage auf Sonntag verlegen

Die Erhöhung der Produktivität ist schon seit Monaten ein Anliegen der Regierung. Schon im vergangenen Jahr hatte das Kabinett Berlusconi versucht, einige Staatsfeiertage auf Sonntage zu verlegen, um die Produktivität zu steigern. Absicht der Regierung war es, ab 2012 drei Staatsfeiertage - den Tag der Befreiung am 25. April, den Arbeitertag am 1. Mai sowie den Tag der Republik am 2. Juni - auf den jeweils folgenden Sonntag zu verschieben. Nach heftigen Protesten seitens der Gewerkschaften und der Tourismusbranche, für die die drei Feiertage im Frühling besonders wichtig sind, musste das Kabinett auf das Projekt verzichten.

(APA/Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
Gast: Die Brüder Barroso
26.06.2012 23:43
0 0

Der Europäer ist ein merkwürdiges Wesen. Er arbeitet immer härter für das Privileg, immer höhere Steuern zahlen zu dürfen.


Antworten Gast: Bärenfalle...
27.06.2012 06:40
0 0

Re: Der Europäer ist ein merkwürdiges Wesen. Er arbeitet immer härter für das Privileg, immer höhere Steuern zahlen zu dürfen.

Andersrum.

Ohne Steuerpflicht, zu zahlen in "gesetzlichem Zahlungsmittel" welches rein zufällig Kredit-funny-money ist, würde keine S... sich um den Erwerb bedruckter Papierschnipsel kümmern und die Banker könnten nicht mit ungedeckten Schecks die Welt aufkaufen.

Das in der Medienlandschaft Staaten und Banken als Opponenten mit gegensätzlichen Interessen dargestellt werden (Finanzmarktregulierung etc.) ist daher pure Chupze.

Das Pack steckt unter einer Decke denn ungedeckte Papiergelder sind ohne Steuer- und Annahmezwang nicht durchführbar.

Gast: Bänkster
26.06.2012 18:21
1 1

3 Möglichkeiten

- mehr arbeiten

- geringeres Gehalt (weniger konsumieren) oder

- EURO-Bonds und auf Kosten des Nordens leben.

Antworten Gast: Produktivitätsgesetz
26.06.2012 23:52
0 0

Re: 3 Möglichkeiten

So lange mein Chef so tut als würde ich viel verdienen, tue ich so, als würde ich viel arbeiten.

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...