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Robert Löw: "Spanien wird den Euro verlassen"

01.07.2012 | 18:07 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Der Österreich-Vorstand der Liechtensteinischen Landesbank Robert Löw glaubt nicht an Eurobonds und sieht einen Euro-Exit für Griechenland und Spanien.

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Die Presse: Der jüngste EU-Gipfel sorgte auf den Finanzmärkten für Beruhigung. Ist die Eurozone gerettet?

Robert Löw: Ich würde sagen, es gibt immer noch eine sehr hohe Austrittswahrscheinlichkeit von Griechenland, Spanien und Portugal. Das ist ökonomisch auch begründbar und würde für die Staaten Sinn ergeben. Was wir bisher gesehen haben ist, dass die EZB die Banken mit Geld versorgt. Welchen Effekt hat das? Die spanischen Banken refinanzieren sich mittlerweile deutlich günstiger. Da hat die Geldspritze funktioniert. Nicht funktioniert hat indessen, dass sich der spanische Staat günstiger refinanziert. Im Gegenteil: Die Zinsen auf spanische Staatsanleihen sind auf knapp sieben Prozent gestiegen.

 

Die EZB würde jetzt sagen, dass die Anleihenmärkte gar nicht das Ziel dieses Geldes waren.

Nicht offiziell. Indirekt schon. Was ist denn passiert mit dem Geld? Es ist auf jeden Fall nicht in Form von Krediten an die Realwirtschaft geflossen. Sehr wohl passiert ist jedoch, dass die spanischen und italienischen Banken das Geld der EZB genommen haben und spanische und italienische Anleihen gekauft haben. Das hat aber nur kurz geholfen. Im ersten Quartal waren es allein 80 Milliarden Euro, die in spanische Staatsanleihen geflossen sind. Es war aber zu wenig dafür, dass die Zinsen auf spanische Anleihen gesunken sind.

 

Warum sollen Griechenland und Spanien nun aus dem Euro austreten? Welchen Sinn hätte das für die Länder?

Es würde eine neue Währung eingeführt werden, die dann gegenüber dem Euro signifikant abwertet. Warum braucht das Griechenland? Warum könnte das sogar Spanien helfen? Wenn man sich diese Staaten anschaut, dann sieht man, dass es dort vor allem in den letzten Jahren extrem hohe Lohnabschlüsse gegeben hat. Die Lohnstückkosten sind im Schnitt bis zu 40 Prozent gestiegen, während sie in Deutschland fast gleich geblieben sind. Das heißt, der VW ist in der Produktion günstiger als der Fiat. Also muss ich meine Währung abwerten um den Fiat attraktiver zu machen. Also muss entweder Deutschland höhere Lohnabschlüsse machen, um die Produkte zu verteuern. Oder die Peripheriestaaten beginnen, keine hohen Lohnabschlüsse mehr zu machen – was politisch schwer durchsetzbar sein wird. Also bleibt als einziges der Exit, gerade für die Staaten, die exportorientiert sind.

 

Aber diese volkswirtschaftlichen Unterschiede der Länder waren ja schon vor der Euro-Einführung bekannt.

Der Euro war vor allem ein politisches Projekt, die Ökonomie stand oft im Hintergrund. Der politische Wille war im Vordergrund.

 

Was raten Sie Anlegern in der derzeitigen Situation?

Das ist ganz klar: Hände weg von Investments in den Peripheriestaaten. Eine siebenprozentige spanische Staatsanleihe ist zwar interessant von der Rendite, aber die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls dieser Anleihe ist groß. Das Gleiche gilt auch für den Aktienmarkt, der in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir raten aber auch davon ab, in lang laufende Anleihen von Eurokernstaaten zu investieren – wie Deutschland oder Österreich. Diese Staaten sind Nettozahler der Schuldenkrise und werden es weiter sein. Das heißt, dass auch hier die Schulden weiter steigen, mehr Anleihen müssen emmitiert werden. Ein höheres Volumen bedeutet steigende Zinsen und fallende Kurse.

 

Flüchten die Anleger nicht in deutsche und österreichische Staatsanleihen, weil diese als sicherer Hafen in der Eurozone gelten?

Das wird nicht mehr lange anhalten. Denn die Investoren erkennen, dass irgendwer diese enorme Schuldenbelastung tragen wird. Das werden nicht die Peripheriestaaten sein, sondern Deutschland, Österreich, Holland und natürlich auch Frankreich.

Stichwort Eurobonds?

Ich glaube nicht an die Eurobonds. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Politik das bewältigen kann. Die Refinanzierungskosten würden sich für Deutschland massiv erhöhen.

 

Wie lange wird die Eurokrise uns noch in Atem halten?

Ich denke, dass der Euro bestehen bleibt. Woran wir glauben, ist, dass einzelne Länder aus dem Euro austreten. Die Eurokrise wird uns noch die nächsten zwölf Monate beschäftigen – so lange wird es dauern. Also wie kann ich Vermögenssicherung betreiben? Was uns gut gefällt sind ausgewählte Unternehmensanleihen und Anleihen von wachstumsstarken Ländern Zentral- und Osteuropas. Was wir weiters empfehlen sind Währungen aus rohstofffördernden Ländern und asiatische Wachstumsmärkte.

Zur Person

Robert Löw ist seit Anfang 2010 Vorstandsmitglied der Österreich-Filiale der Liechtensteinischen Landesbank (LLB). Zuvor war Löw zwölf Jahre im Bereich Vermögensverwaltung bei der Constantia Privatbank tätig. Die LLB hat erst 2009 eine Bank nach österreichischem Recht gegründet. Das Haus ist seit mehr als 150 Jahren im Private-Banking-Bereich tätig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2012)

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48 Kommentare
 
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Ich würde dem Herrn Löw empfehlen, seine alten Ökonomie-Lehrbücher wegzuwerfen!

Die taugen nämlich gar nichts mehr, das haben sie schon zur Genüge bewiesen!!

Oder erzählt er diesen Unsinn nur, weil er wieder ein paar alte Papiere verhökern will und dazu Dumme sucht???

Gast: Die meisten Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Verstand
02.07.2012 14:09
3 0

Würden sie in Geldangelegenheiten jemanden vertrauen

der eine rosa Krawatte trägt?

Gast: Vampirjäger
02.07.2012 14:00
3 1

Die Sicht eines Vasallen des Fürsten zu ''Bilderberg''?


Joachim Löw: Spanien wird die Euro gewinnen


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Glaub ich nicht

Jetzt nach dem EM Sieg sind die Märkte doch hoffentlich ein wenig versöhnlicher

Gast: Expertenmeinung
02.07.2012 11:43
2 1

Expertenmeinungen

Gern würde ich nur einmal hören, dass einer der Wirtschaftsexperten zugibt, dass eigentlich niemand so genau weiss bzw. überhaupt wissen kann, was in der jetzigen Situation das Beste für Europa ist.

PS.: Bin selber ein Experte


1 0

Re: Expertenmeinungen

niemand kann in die zukunft schauen, auch die experten nicht.

die "eurozerbröselt fraktion" weiß zwar das der euro zerbricht, freut sich, dass sie dann endlich ihre goldmünzen los werden, tja und dann?

gute wirtschaftslage und wohlstand haben wollen, heißt arbeiten und werte schaffen. die währung ist sekundär!

Gast: bergziege
02.07.2012 11:12
1 0

Euromanie : Realität

Wer sich ein wenig mit Wirtschaft beschäftigte, wusste von vornherein, dass alles, was bei der Einführung des Euro versprochen wurde, so nicht stimmen konnte. Jetzt wären in Europa wieder Vernunft und vor allem Ehrlichkeit gefragt. Ob sich die jedoch gegen alle Lobbies durchsetzen werden? Bei allen Diskussionen fehlt - zumindest wird darüber nicht berichtet - eine verlässliche Ursachenforschung, der gut durchdachte Lösungen des Problems folgen könnten. Der Euroschirm wird sehr bald nicht mehr finanzierbar sein.

Gast: Franceso
02.07.2012 11:11
3 0

Vielen Dank liebste Österreicher !

und natürlich auch ihr lieben Deutschen, Finnen und Holländer!

Ehrlich gesagt, ich (in Südtirol lebender aus der Marche kommender Italiener) bin fast sprachlos ob der unglaublichen Hilfe, die Ihr unseren Ländern im Süden zukommen läßt.

Die Häuser hier in Südtirol, aber auch im Piemont, Ligurien, Emilia Romagna, Veneto etc bis hin nach Florenz und sogar Rom stellen eure niedlichen Berghäuschen mit Pellagonien weit in den Schatten. Der Wohlstand und die Lebensqualität hier (den Süden weggerechnet) hier und sogar die Einkommen, möchte ich nicht mit Euch tauschen, liebe Österreicher.

Zinsen bekomme ich bei der Bank aktuell 4,5 % (gebunden für 2 Jahre) und auf meine 10-jährigen Staatsanleihen bekomme ich fix etwas mehr als 6 % pro Jahr. Und Ihr liebe Österreicher ? Was bekommt Ihr bei euren Banken und zukänftig bei euren Lebensversicherungen (= voll mit Staatsanleihen). Ich habe mir sagen lassen, dass die Zinsen bei so niedrig sind, dass viele meiner Kollegen, ihr Geld wieder längst von Österreich nach IT gebracht haben-einfach mehr Zinsen.

Unsere (auch die Span. Banken) wollt ihr auch über den ESM refinanzieren? DANK auch dafür!

Aber am allermeisten möchte ich mich dafür bedanken, dass ihr Österreicher und Deutsche nun auf den bevorzugten Gläubigerstatus des ESM verziechtet habt ! Dadurch sind meine italischen Staatanleihen deutlich im Kurs gestiegen und entsprechend geringer ist das Ausfallsrisiko geworden.

Ich frage mich nur: warum soviel Großherzigkeit??


Antworten Gast: Eusebius
02.07.2012 13:56
1 0

Re: Vielen Dank liebste Österreicher !

Großherzigkeit?
Blödheit, Unwissenheit, neurotische Schuldgefühle was die jüngere Vergangenheit betrifft - die österreichische Regierung ist ein Appendix der deutschen Regierung.
Die wirkliche Macht spielt sich ganz woanders ab.......
Genießen Sie ihren derzeitigen Wohlstand und die hohen Zinsen, es ist aber noch nicht aller Tage Abend.........Stürzen die Geberländer, geht es den Nehmerländern auch nicht gut.
Schönen Gruß nach Südtirol!


1 0

Re: Vielen Dank liebste Österreicher !


>Ich frage mich nur: warum soviel Großherzigkeit??<

Weil ihr unsere Volksverträter bestochen und/oder erpresst habt?

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glauben

aus glauben wir in der überschrift ein wissen.

was will und der herr verkaufen? noch ein buch?

"..Das heißt, der VW ist in der Produktion günstiger als der Fiat.."

weiß der herr nicht, dass diese unternehmen produktionsstätten in ganz europa verteilt haben? da müßte ja der SEAT teurer sein als der VW. Sperrt nicht opel in DE zu, weil zu teuer?

will der herr etwa staatsanleihen madig machen, um die zinsen/renditen hoch zutreiben um selber (für seine bank) mehr rendite zu erzielen.

da sind jetzt viele fragen offen.

Gast: Johan Meltini
02.07.2012 09:17
0 1

Einäugig

Lichtenstein und Luxemburg wären die besseren Kandidaten für einen Euro-Austritt.
Aber abgesehen davon, ein Südeuro, Gr, Ita, Sp, Po, vielleicht noch Zypern hätte für Deutschland wahrscheinlich schlimmere Folgen.

Herr Löw ist Teil des Problems

Die "Steueroase" also Steuerhinterziehungsparadies Liechtenstein und die Banken dort als Erfüllungsgehilfen die mit dem Geld, das anderen Volkswirtschaften entzogen wurde auch gegen Volkswirtschaften spekulieren und die Gewinne der Damenherren Hinterzieher damit vermehren.
Das ist der wahre Terrorismus, denn darunter leider und verrecken letztendlich Millionen.

Re: Herr Löw ist Teil des Problems

...und wieviel Geld anderer Volkswirtschaften bunkert Österreich? Warum verteidigt Österreich ebenso harnäckig sein "Bankgeheimnis"?
Also wenn sie auch Österreich als "wahren Terroristen" bezeichnen, unter dem letztendlich "Millionen" leiden und verrecken (krepieren haben so noch vergessen), gebe ich ihnen recht, denn sie sind ein begnadeter Experte, der öfter seine Stimme erheben sollte. Nicht nur in der "Presse" sondern auch bei Palfrader, Nikowitz, Scheuba, vielleicht überhaupt mal ein Seminar im Rabenhof...;-)

Re: Herr Löw ist Teil des Problems

seh ich genauso. Weg mit diesen Heuchlern.

10 0

Wünschenswert wäre es aber

Is es noch nicht zu spät? Target 2 Verbindlichkeiten, plus EZB plus ESM , wir sind schon auf Jahre verkauft. Die soliden Länder sind schon bald in der Minderzahl. Merkel hat am Wochenende eine Grenze überschritten, hat sich erpressen lassen. Der ESM wird immer wieder gefüttert werden, bis alle arm sind.

bis alle arm sind.

Das ist dann der reale Sozialismus. Bis auf die Bonzen hat keiner mehr etwas.

Und alle werden sie trotzdem wieder gewählt...

Gast: Tulpenzüchter
02.07.2012 07:24
2 0

Verstehe das nicht

Es wurde von allen Experten bisher behauptet, der Aussenwert des Euros spiele KEINE Rolle!

Daher kann der Euro also ruhig abwerten und die Südländer können uns - hahaha - nicht so leicht entwischen! (Das Geld wurde ja dort irgendwie irgendwo investiert)

Super Sache!
Eine "win-win" Situation wir behauptet wurde (hahaha) kann sich noch jemand daran erinnern?

Lasst doch den glorreichen EURO-Rettungsschirm "arbeiten" (Geld arbeitet), und schon sind alle gerettet.

Wo ist nun konkret das Problem?
Zinsen? Warum?
Lasst uns doch die "Druckerpresse" anwerfen, und die genereirten Euros auf unsere oder auslädische Staats-Konten einbuchen. Damit erspart Geld auszuborgen, man kann es ja selbst generieren.

Ein genialer Plan?


Schuldenabbau

Egal, welche Versionen als "Lösung" gehandelt werden, am Ende kann jeder Schulden-Euro nur mit einem Vermögens-Euro getilgt werden. Je mehr Schulden es gibt, desto mehr Vermögen steht gegenüber.
Die Frage wird nur sein, WO man sich das Vermögen zuerst holt. Bei den Wenigen, die große Vermögen angehäuft haben, oder doch lieber bei den Vielen, die kleine Vermögen haben (also beim Volk). Sie werden den Weg des geringeren Widerstandes gehen, und somit ist klar, für wen es teuer wird.
Und je länger man die Lösung hinauszögert, desto teurer wird es werden.

Re: Schuldenabbau

Das stimmt nicht. Den Schulden stehen eben nicht ausreichend Vermögen gegenüber. Im Falle Italiens noch am ehesten. Doch die Italiener wollen sich das Geld lieber von Deutschland holen, als ihre eigene Privatvermögen zu besteuern. Doch die anderen Problemstaaten haben keine Vermögen.

Gast: Tourist
02.07.2012 05:26
1 9

Was fuer ein Tor

Und er meint Italien wuerde sich das noch laenger gefallen lassen mit den Zinsen?

Wenn der Sueden austritt ist der Rest einer deutschen Hegemonialmacht ausgeliefert.

Ich bin Oesterreicher und kein Deutscher. Die Zeiten als ich mich kulturell zu D gehoerig gefuehlt habe, sind vorbei. Man hat ja schon das Gefuehl die deutschen Medien waeren glichgeschaltet in ihrem Pro-Merkel/Deutschland Kampagnenjournalismus.

Und er meint Italien wuerde sich das noch laenger gefallen lassen mit den Zinsen?

Und Sie meinen, es hat etwas mit "gefallen lassen" zu tun? ;-)

Wie auch immer: Mit dem ESM ist der Euroraum ohnehin insoweit "gerettet", dass niemand austreten muss.

Antworten Antworten Gast: Tourist
02.07.2012 08:54
0 1

es hat etwas mit "gefallen lassen" zu tun?

Italien hat es sich ueber ein Jahr gefallen lassen. Man hat ja letzte Woche gesehen, dass Montis Geduld am Ende war.

Ich denke nicht, dass die Merkelsche Einstellung. "Macht er ja doch nich" eine verantwortungsvolle Politik ist.

Antworten Antworten Gast: Tourist
02.07.2012 08:46
0 1

Re: Und er meint Italien wuerde sich das noch laenger gefallen lassen mit den Zinsen?

Wenn die Zinsen ueber einen laengeren Zeitraum zu hoch sind, dann rennt die Zinsbelastung dem Wirtschaftswachstum davon und das Land ist irgendwann pleite. Mit eigener Waehrung kann ein Land die Zinsen wegdrucken, mit Euro geht das nicht.

Re: Re: Und er meint Italien würde sich das noch länger gefallen lassen mit den Zinsen?

Trugschluß, lieber Wanderer! Die Schulden sind in Euro oder Dollar und die werden durch eine Inflationierung der eigenen Währung immer teurer !!

 
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