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Bankenunion: ESM wird nun auch Bankenhilfsfonds

02.07.2012 | 18:30 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Mit dem jüngsten EU-Gipfelbeschluss ist es offensichtlich: Was man Spaniens Sparkassen gewährt, wird man Kreditinstituten anderer Euroländer nicht verwehren können.

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Brüssel. Die Entscheidung der Eurozonen-Regierungen, bis Jahresende rund um die Europäische Zentralbank (EZB) eine neue Bankenaufsicht aufzubauen und danach zahlungsunfähige Banken direkt über den Euro-Währungsfonds ESM zu rekapitalisieren, hat weitreichende Folgen. „Vielleicht war es am Gipfel um vier Uhr morgens zu kompliziert, das genau auszuformulieren, aber es ist offensichtlich: Wenn man mit ESM-Geld die spanischen Sparkassen stützt, muss man das künftig mit allen anderen Banken in vergleichbarer Lage genauso tun können“, sagte Karel Lannoo, Experte für Finanzmarktaufsicht beim Brüsseler Centre for European Policy Studies (Ceps) zur „Presse“.

Die Staats- und Regierungschefs der 17 Euroländer fassten den Entschluss, Banken direkt aus dem ESM zu rekapitalisieren, sobald „unter Einbeziehung der EZB ein wirksam einheitlicher Aufsichtsmechanismus für Banken“ der Eurozone geschaffen ist. Sobald dies vollbracht ist, soll der ESM die bis zu 100 Milliarden Euro schwere Rekapitalisierung der andernfalls todgeweihten Sparkasse Bankia übernehmen. Bis dahin stützt Spaniens Regierung Bankia.

 

Faymann will Banklizenz für ESM

Die Einsicht, dass der ESM fortan direkt in kriselnde Banken einsteigen darf, mag trivial erscheinen. Schließlich steht das ja wörtlich in der Erklärung der Euro-Chefs. Konsequenterweise wird sie aber die Aufstockung des ESM nötig machen. Nach dem derzeitigen Plan soll der ESM bis zu 500 Milliarden Euro an notleidende Euroländer vergeben. Die Hilfe für Bankia würde also schon ein Fünftel davon umfassen. Zählt man noch die ebenfalls erforderlichen Rekapitalisierungen der Banken in Griechenland (rund 50 Milliarden Euro), Irland (rund 60 Milliarden Euro), Portugal (rund zehn Milliarden Euro) dazu, würden allein Bankenstützungen rund 45 Prozent des ESM auffressen, wie Charles Forelle vom „Wall Street Journal“ am Montag auf Twitter trocken vorrechnete. So ein Szenario ist logisch, denn in der Gipfelerklärung heißt es: „Vergleichbare Fälle werden gleich behandelt.“

Woher das zusätzliche Geld für den ESM kommen soll, ist offen. Bundeskanzler Werner Faymann meinte nach dem Gipfel vage, er wünsche sich eine Bankenlizenz für den ESM. Das würde bedeuten, dass der ESM nach dem Vorbild öffentlicher Finanzinstitute wie der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau direkt bei der EZB liquide Mittel beantragen könnte. Deutschland jedoch stellt sich, seit Frankreichs früherer Staatspräsident Nicolas Sarkozy voriges Jahr die Debatte über eine ESM-Banklizenz vom Zaun gebrochen hat, entschlossen dagegen. Zu groß wäre dann nämlich die Versuchung, über die EZB nationale Schulden zu finanzieren.

Die Bankenunion, die nun Gestalt annimmt, ist nach Ansicht des Ceps-Experten Lannoo jedoch eine gute Sache: „Das sollte eine schrittweise Entnationalisierung des Bankwesens und eine einheitlichere und unabhängigere Aufsicht schaffen.“ Eine Bank, die in der Eurozone tätig ist, werde künftig nur mehr eine Lizenz benötigen, statt wie bisher eine für jedes einzelne Land. Die EZB werde jene korrekten Auskünfte über die Lage der Banken erzwingen können, die bisher zu oft von nationalen Aufsehern unterdrückt wurden.

 

„EZB wird nun wie die Fed“

Lannoo erinnert daran, dass Bankia zum Beispiel ursprünglich 20 Prozent ihres großteils wertlosen Portfolios an Hypothekarkrediten als Unternehmenskredite nach Brüssel und Frankfurt gemeldet hat. „Die EZB wird nun wie die Fed in den USA mit Zuständigkeiten für Geldwertstabilität, das Zahlungssystem und die Bankenaufsicht ausgestattet.“ Die Gefahr, dass es zu Interessenkonflikten kommt, sieht Lannoo auch. „Ich denke aber, dass die EZB genau deshalb besonders vorsichtig vorgehen wird.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)

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9 Kommentare

...

aber es war mir eigentlich auch schon länger klar, dass uns das ordentlich geld Drucken noch bevorsteht...
man hätte griechenland gleich 300 milliarden geben soll...
dann hätten sie jetzt ein plus auf ihren Konto!!
es wirkt nicht so, als hätten unsere vertreter diese situation im griff!!
in den letzten zehn jahren war es für die Politiker das wichtigste, wie sie irgendwelche Interessen von irgendeinem geldgeber am besten umsetzen können und haben vergessen sich auf ihre eigentlich Arbeit zu konzentrieren!!

Gast: PatFishman
03.07.2012 08:26
2 0

ESM - 20 Milliarden

Also ich hab mir den ursprünglichen ESM-Vertrag (Stand Jänner 2012) runtergeladen und durchstudiert. Dieser ist ein unfassbarer völkerrechtlicher Knebelvertrag - eigentlich wider alle guten Sitten. Grotesk dabei ist z.B. Griechenland hat einen höheren Stammanteil am ESM-Kapital wie Österreich uvm.; aber was mich wirklich interessiert und der ORF reportiert diesbezüglich absoluten Blödsinn:

Österreich hat sich - unter anderem - verpflichtet rd. EUR 20 Mrd. (Stammkapital a 5 Jahresraten, erste Rate demnächst fällig) zu überweisen!

Woher kommt dieses Geld? Wohl durch zusätzliche Geldaufnahme, d.h. neue Schulden und zusätzlicher Zinsendienst für die steuerzahlenden ÖsterreicherInnen.

Und wer zahlt die Stammkapitalanteile für Griechenland, Irland, Zypern, Portugal, Spanien - denn sonst kommen die EUR 700 Mrd. nicht zusammen.

D.b. zu viele PolitikerInnen, sind einfach nur krank.

Gast: UnbeteigterDjeDue
02.07.2012 21:17
4 1

Die regierung putscht gegen die Verfassung

Und in der Hofburg brennt am Wc Tag und Nacht das licht.

Das versteht man also unter Demokratie a la EU!

ESM

soll der ESM eine Bank ohne irgendwelche rechtlichen Verpflichtungen werden?? Willkommen im gierigsten Casino der Welt.

„Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System gegen sie arbeitet.“ (Gebrüder Rothschild, London, 28. Juni 1863 an US-Geschäftspartner)

4 1

Re: ESM

Ja, eine Zentralbank außerhalb der Gesetze. Auch nciht schlecht. Die EZB kann man dann wohl zusperren. Das sind ja paradiesische Zustände. Eine Bank, die beliebig Geld von Ländern anfordern kann. Da schaut die Mafia aber sehr alt aus daneben.

Ich kann es nciht mehr glauben, dass diese Finanzmarktkrise zufällig passiert ist. Die war genau für diese Maßnahmen nötig.

Jetzt wurden die Leute einmal vier Jahre lang weichgeklopft und viele kämpfen derart ums Überleben, dass ihnen alles andere egal ist. Großartig.

2 0

Re: Re: ESM

Also ich frage mich nur, wer da zu diesen beiden Postings rote Bewertungen abgibt.

Ein Masochist?

Gast: trader1
02.07.2012 21:01
1 1

es ist nicht zu fassen ..

Die EZB werde jene korrekten Auskünfte über die Lage der Banken erzwingen können, die bisher zu oft von nationalen Aufsehern unterdrückt wurden.

das die spanischen banken nicht gut dastehen, das hat jeder der eine bilanz lesen konnte, schon vor drei jahren gewust, das portugal, und griechenland ein problem haben, war vor vier jahren klar. dafür hat man weder eine ratingagentur noch eine aufsicht gebraucht, man hat nur die unterlagen und geschäftsberichte lesen und kritisch mitdenken müssen ...
.. und das wir mit den ganzen rettungschirmen auch ein problem haben .. ach so ja ... mitdenken verboten :-):-)

"Entnationalisierung des Bankwesens" heißt, man

will an das gute Geld der noch guten Banken, um die Missstände in den maroden Banken zu finanzieren.

Antworten Gast: AVier
03.07.2012 14:29
1 0

Re: "Entnationalisierung des Bankwesens" heißt, man

Dieser Satz ist auch korrekt, wenn man das Wort "Bank" durch "Staat" ersetzt.

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