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"Der Euro-Schwindel": Nicht nur die Griechen tricksten

03.07.2012 | 13:04 |   (DiePresse.com)

Eine TV-Doku zeigt: Griechenland schönte Zahlen, aber auch Deutschland griff in die Trickkiste. "Das war beschämend", sagt ein früherer EZB-Banker.

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"Ihr seid nicht dabei und ihr werdet auch nie dabei sein", sagte der deutsche Finanzminister Theo Waigel 1996 - sechs Jahre vor Einführung des Euro - zu seinem griechischen Kollegen Yannos Papantoniou. Dieser sagte daraufhin: "Lass uns wetten". Wer recht hatte, ist bekannt. Griechenland fand den Weg in die Eurozone. Am Montagabend beleuchtete der deutsche TV-Sender ARD in der Dokumentation "Der große Euro-Schwindel. Wenn jeder jeden täuscht", wie es zum Eurobeitritt Griechenlands kam.

Dass sich Griechenland den Eintritt mit geschönten Zahlen erschwindelt hat, ist bekannt. Dass griechische Hauptakteure nun aber in der TV-Doku offen darüber sprechen, verblüfft. Griechenland wird als rückständiges Land porträtiert, in dem es Ende der 1990er Jahre bei der Finanzverwaltung nicht einmal Computer gab. Von dem Rückgriff auf die US-Investmentbank Goldman Sachs, um Zahlen zu schönen, wird von den handelnden Personen mit einer überraschenden Selbstverständlichkeit erzählt.

Zweifel an Griechen politisch nicht gewollt

Zweifel an den von Griechenland vorgelegten Zahlen gab es. Doch politisch waren diese nicht gewollt, so die TV-Doku. Otmar Issing, Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), erinnert sich: "Sie sitzen vor den Zahlen und denken sich 'Mein Gott, wie haben die das geschafft?'". Von Seiten des neuen Finanzministers Hans Eichel gab es aber kein Interesse an einem kritischen Bericht der deutschen Bundesbank.

Ein Vorstoß des Bundesbankers Hans Reckers, der öffentlich Zweifel kundtat, sorgte bei den Griechen für Empörung. Reckers empfahl, die Aufnahme Griechenlands in die Eurozone um ein Jahr zu verschieben, weil das Land die entsprechenden Kriterien nicht erfülle. Eichel wies den Bundesbankchef an, Kritiker Reckers den Mund zu verbieten. "Bitte sorge dafür, dass keine Unzuständigen sich öffentlich äußern", sagte Eichel. Der Weg für die Mitgliedschaft Griechenlands in der Währungsunion war damit endgültig geebnet.

Auch Deutschland sündigte

Doch nicht nur Griechenland sündigte. Auch Deutschland hatte mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Die sogenannten Maastricht-Kriterien von maximal drei Prozent Neuverschuldung waren auch von den Deutschen nicht zu schaffen. Und das im Wahljahr 2002. SPD-Kanzler Gerhard Schröder wollte wiedergewählt werden. Eichel, den Mitarbeiter aus seinem eigenen Ministerium warnten, holte sich daher die Meinung von anderen Experten ein. Diese waren weniger skeptisch.

Die Wahrheit kam also erst kurz nach der Wahl an den Tag. Das Defizit lag bei 3,9 Prozent. Als Sanktionen und Strafzahlungen - wie von der EU geregelt - gegen Deutschland im Raum standen, tat Deutschland alles, um das zu verhindern. "Das war ein tödlicher Schlag für den Stabilitätspakt", sagt Issing. "Das war beschämend". Zudem sei dies in einer Zeit geschehen, in der zehn neue Länder in die EU drängten. "Da haben die zwei Großen, Deutschland und Frankreich, den Kleinen gezeigt, Regeln sind für euch, wir, die Großen machen im Grunde, was wir für richtig halten", so Issing.

"Nicht richtig, gleichzusetzen"

Die TV-Doku lässt wichtige Zeitzeugen zu Wort kommen und gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bezeichnet den Film aber auch als problematisch - vor allem die "Parallelisierung krimineller Aktivitäten mit den punktuellen und offen vorgenommen Änderungen am ökonomischen Regelwerk durch andere Regierungen, etwa in Deutschland und Frankreich". Der Kritikpunkt: "Es ist nicht treffend, wenn man beide Fälle gleichsetzt und dem Zuschauer suggeriert, cosí fan tutte, der Ehrliche ist der Dumme und die Politiker täten doch alle dasselbe und was dergleichen Klischees mehr sind."

(Red.)

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40 Kommentare
 
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Es ist unsere teilweise protestantisch-kalvinistische

Erziehung (auch wenn wir ein vorwiegend katholisches Land sind, gibt es Ansteckungseffekte) ,die uns brav und vertragstreu handeln lässt.

Man hat uns reingelegt--also verweigern wir jetzt die Erfüllung der Schwindelverträge !

Was geschieht wenn wir jetzt sagen:"wir zahlen nicht !"(wie Island, wie Finnland)

Dann schicken sie uns die Kavallerie ?

Ach ich träume. Wie soll man so etwas mit unseren Musterschüler (=Luschen)-Politikern durchziehen ?

Re: Es ist unsere teilweise protestantisch-kalvinistische

kaum wurde griechenland unterstützt und nicht in die staatspleite geschickt, stellten sich schon spanien und italien an (zuerst pig dann Piigs) - das beweist, dass sie nur eines wollen: das geld der anderen.
wie sie schreiben - wir sollten einfach sagen, dass das alles doch nicht so geht wie jüngst besprochen und wie griechenland nachverhandeln und meinen wir wollen nicht zahlen.
so einfach ist das und dann warten wir ab was passiert. jetzt verfolgt der club-med genau diese strategie - einfach den spieß umdrehen ! oder sind unsere politiker wirklich zu feige und zu blöd?

Gast: 1. Parteiloser
04.07.2012 07:30
2 0

Österreich hat nicht geschwindelt, nur schlau bis zur Toleranzgrenze gebucht!

Beim Beitritt in die Eurozone, verwirklicht 2002, hatte Österreich ein BIP von 214 Mrd. (Ende 2001).

Österreich hatte aber Ende 2001 nominelle Staatsschulden von 67% (143 Mrd. Euro), war also schon beim Beitritt außerhalb der Voraussetzungen für einen Beitritt zur Eurozone. Obwohl die Voraussetzungen nicht erfüllt waren, so wurde es von den Verantwortlichen für die Eurozone akzeptiert.

Österreich hat, um knapp an die Maastrichtgrenzen zu kommen, auch nur ausgegliedert und umgeschuldet. Das war doch kein Schwindel, das war einfache Buchungen.

Asfinag und ÖBB waren allein um die 25 Mrd. Euro schwer. Die Cross Border Leasingfinanzierungen auch gut 25 Mrd. Euro. Zusammen also 50 Mrd. Euro.

Würde man auch diese Verbindlichkeiten korrekt als Staatsschulden betrachten, dann wäre Ende 2001 die Verschulden auch schon bei satten 90% des BIP gelegen. Österreich war also auch schon 2001 niemals reif für die Eurozone.

In den letzten 10 Jahren hatte die Exportwirtschaft Österreichs, eine reine Realwirtschaft mit toller Leistung, aber einen richtigen Höhenflug (auch viel außerhalb der Eurozone!). Die Exportquote ist, vor allem durch Massen an working poor, um unglaubliche 8,5% gesteigert worden. Von 74 Mrd. auf 122 Mrd. Euro!

Nur dieser unglaublichen Leistung der Österreich ist es zu verdanken, dass Ö heute noch nicht Griechenland geworden ist.

Würde man heute die ausgegliederten Schulden, auch das CBL einrechnet, dann hätte Ö schon die 100% BIP Schulden gerissen.

Re: Österreich hat nicht geschwindelt, nur schlau bis zur Toleranzgrenze gebucht!

dann sollten wir rasch die karten aufdecken und uns als südstaat deklarieren um auch an die fetten töpfe zu gelangen - statt einzahlen abcashen wie italien! - das eigentlich ein reiches land ist.

Antworten Gast: Fprester
04.07.2012 11:21
1 0

Re: Österreich hat nicht geschwindelt, nur schlau bis zur Toleranzgrenze gebucht!

Ich stimme Ihnen weitgehend zu. Jedoch sollte man die Exportquote nicht überbewerten. In unserer arbeitsteiligen Welt steigt nicht nur die Exportquote, sondern auch die Importquote. In jedem exportierten Produkt stecken importierte Vorprodukte. Im Wesentlichen steigt nur das Aussenhandelsvolumen, was Abhängigkeiten erzeugt. Wenn etwa darauf verwiesen wird, dass der Export so und so viele Arbeitsplätze schaffe, müsste im gleichen Atemzug auch die Vernichtung von Arbeitsplätzen durch den Import genannt werden. Volkswirtschaftlich ist vor allem der Saldo aus Export und Import massgeblich und der sinkt interessanterweise in Österreich in den letzten Jahren.

Persönlich bin ich überzeugt, dass Österreich auch ausserhalb der EU oder des Euroraums seinen Aussenhandel gesteigert hätte. Dass dies möglich ist, zeigen andere Staaten, die weder Mitglied der EU noch des Euroraums sind. Das zeigt sich ja auch daran, dass Österreich seine Exporte auch in Nicht-EU-Länder und nicht Euro-Länder sogar überdurchschnittlich steigern konnte (gilt auch für Deutschland, das seinen Exportanteil in Nicht-Euro-Länder vergrössern konnte).

Re: Re: Österreich hat nicht geschwindelt, nur schlau bis zur Toleranzgrenze gebucht!

genau und genau deshalb brauchen wir den euro ja nicht wirklich zum unterschied zum club-med.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
04.07.2012 12:27
2 0

Re: Re: Österreich hat nicht geschwindelt, nur schlau bis zur Toleranzgrenze gebucht!

Natürlich steigt in einer zunehmend globalisierten Welt das Außenhandelsvolumen. Ich bin auch Ihrer Meinung, dass es diese tolle Leistung der Österreicher der Realwirtschaft auch ohne einen EU Beitritt möglich gewesen wäre.

Aber, stellen Sie sich doch mal vor was gekommen wäre, wenn die Realwirtschaft die tolle Leistung nicht erbracht hätte?

Österreichs Bonität hängt also nur an der tollen Leistung der Millionen Menschen in der Realwirtschaft. Ich meine damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen, weil dieser Erfolg ja auch nur zusammen möglich war.

Nur, diese Kotzregierung sieht diese Leistung nicht, die wollen noch mehr als die über 50% der Wertschöpfung in Form von Zwangsabgaben in die eigene Herrschaftsbereiche umleiten.

So wird es nur eine Zeitfrage sein, bis den letzten Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit endgültig zerstört wurde. Viele Unternehmen sind schon ganz intensiv mit der Fluchtvorbereitung beschäftigt, es ist ja auch eine Frage des Überlebens.

Österreichs Problem ist ja nicht die EU oder auch der Euro. Österreichs Problem ist die grausige Beamtenregierung und deren Beamtenmisthaufen, welche Österreich immer mehr auffressen.

Wer rettet dann das Regierungsversagen in Österreich?

Re: Re: Re: Österreich hat nicht geschwindelt, nur schlau bis zur Toleranzgrenze gebucht!

das können nur wir. einfach abwählen. anders ist es unmöglich. die alternative allein ist das problem. aber vielleicht findet sich jemand....

Friedensunion

Der Wirtschaftskrieg hat begonnen - nur die Deutschen träumen noch davon, Europäer zu sein. Ein Treppenwitz der Geschichte.

Re: Friedensunion

der hat schon lange begonnen.
mitterand: 'der euro ist versailles ohne krieg'. der franz. botschafter meldet nach paris:'wir sind dabei den 1.WK zu verlieren'. das war so vor 20 jahren. die europäer sind nur wir in der mitte. die f, i, usw sind die chauvinisten - leider.

Ein solches Betrugs und Lügengebäude

wollen die Grünen noch unterstützen und retten!

Re: Ein solches Betrugs und Lügengebäude

Aus schlechten Zutaten kann man nichts Gutes kochen.

tja jetzt wo

ESM und Fiskalpakt durchgepeitscht wurden kann man die ganzen Geschichten der Bevölkerung erzählen...

Gast: Tempa
03.07.2012 18:28
5 0

Tja,

Eichel war ohnehin mein Lieblingspolitiker.
Vollkommen gerechtfertigt, das er jetzt auf 6350 Euro mehr im Monat klagt. Ehrlich, ein Mann seines Kalibers kommt mit 8200 Euro pro Monat nicht über die Runden: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/6350-euro-mehr-ex-minister-eichel-klagt-auf-hoehere-pension-a-795149.html

Und wäre die Gesellschaft nicht so knausrig mit Eichel gewesen, hätte der auch, wie versprochen, griechische Staatsanleihen gekauft:
http://www.sueddeutsche.de/geld/schuldenkrise-in-griechenland-laute-toene-leise-rueckzieher-1.1113065
Schliesslich sind 1000 Euro für einen wie Herrn Eichel keinen Pappenstiel. Mein Gott, gebt dem Mann endlich seine 6350 Euro monatlich zusätzlich, dann kann er auch gr. Staatsanleihen kaufen. Und Gr. ist rückzuck gerettet.

Re: Tja,

tja, sozialisten halt - inserate usw.

Re: Tja,

Hör´n Sie bitte auf !! Mein Frühstückskaffee ist schon ganz verwässert von lauter Tränen !!

Gast: Besucher
03.07.2012 18:26
1 0

Gast

Das ist ja ganz etwas neues. Oh Wunder, keiner von denen wird verurteilt.

Es waren die Sozialisten

Auch wenn die Nachlässigkeit der Deutschen mit den Betrügereien der Griechen nicht verglichen werden können, so war die sanktionslose (!!!)Missachtung der Defizitgrenze von 3 % ein fatales Signal an andere Regierungen.
Es war der Sozialist Gerhard Schröder, der dies zu verantworten hatte.
Es war der Sozialist Hans Eichel, der kritische Stimmen zum EURO-Beitritt Griechenlands missachtete.

Antworten Gast: 333
03.07.2012 17:55
0 2

Re: Es waren die Sozialisten

Schröder hat etwas dagegen getan. Die anderen Staaten feiern weiter.

Gast: Seltsames
03.07.2012 16:50
6 0

Argument...

einen Betrug mit einem anderen zu rechtfertigen. Aber Betrug hin oder her, nicht Deutschland schmarotzt an Griechenland, sondern umkgekehrt. Vielleicht sollte man D, ob ihres Betruges, auch aus dem Euro werfen. Dann schau ich mir an wer die Schulden von G,I,I,P,S,Z und wie sie alles heißen, zahlen wird.

Gast: pferdeschwanz
03.07.2012 16:12
10 1

überall betrüger

zahlen geschönt heisst ja nichts anderes als "betrogen".
dies reicht in unserer kultur und unserer selbstverstädlichkeit bis ganz nach unten; z.b. jedes jahr werden zehntausende autos am jahresschluss angemeldet um ein paar tage später - im neuen jahr, wieder abgemeldet zu werden - um die verkaufsstatistik zu beschönigen.
oder in der landwirtschaft,bei banken - oder bei versicherungen - in der bauwirtschaft..... usw...
betrug und korruption ist bei uns in österreich eine selbstverstädlichkeit geworden - wen wunderts, dabei braucht man nur in die gesichter unserer führenden politiker schaut!!

Goldman Sachs

Und wieder hatte diese Bank die Finger im Spiel!!!

Re: Goldman Sachs

was glauben sie wem die gehoert

Eine europäische Lügen-Union halt.


Auch diese mitteleuropäische Hochkultur...

...wird - so wie jede - einfach untergehen und von der Bildfläche verchwinden. Verfall von Werten, mangelndes Unrechtsbewußtsein, Zerfall der Familien als Keimzelle der Gesellschaft, Indiviualität statt Gemeinsamkeit....Das alles wird dieser nihilistischen Spaßgesellschaft das Kreuz brechen.........

Gast: so kann es auch gehen
03.07.2012 14:56
5 0

und gleichzeitig kommt dann der Bericht über KraussMaffei und ihrem 1,7Mrd Euro Deal mit Griechenland.... und bezahlt!

und wie sieht es hierzulande mit den Tricksereien aus?

und wie sehen die Strafen aus?

 
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