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IWF-Chefin rät EZB von Zinssenkung ab

04.07.2012 | 11:32 |   (DiePresse.com)

IWF-Chefin Lagarde hält verstärkte Käufe von Staatsanleihen für das bessere Mittel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise.

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Kurz vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat IWF-Chefin Christine Lagarde der Notenbank die Wiederaufnahme ihrer umstrittenen Staatsanleihenkäufe im Kampf gegen die Krise empfohlen. Verstärkte Anleihenkäufe seien im Vergleich zu einer Zinssenkung, wie sie aktuell an den Finanzmärkten erwartet wird, zielgerichteter und effektiver, sagte die frühere französische Finanzministerin, die den Internationalen Währungsfonds (IWF) seit Mitte vergangenen Jahres leitet.

"Wir sind uns nicht sicher, ob das im Moment der beste Weg ist", sagte sie am Dienstag im US-Fernsehsender CNBC. "Deutschland braucht keine Zinssenkung der EZB, aber Italien und Spanien. Man kann aber mit diesem geldpolitischen Instrument nicht differenzieren. Hingegen kann das Wertpapierkaufprogramm viel selektiver und vernünftiger eingesetzt werden." Der IWF hatte noch vor vier Wochen eine laxere Geldpolitik der EZB und eine Zinssenkung gefordert.

Zinssenkung um 0,25 Prozent?

Erstmals in der Geschichte der Währungsunion dürften die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag den Leitzins unter ein Prozent senken - vermutlich auf 0,75 Prozent. Davon geht nach jüngsten Äußerungen von EZB-Chefökonom Peter Praet und wegen der Probleme in vielen südeuropäischen Ländern die große Mehrheit der geldpolitischen Beobachter aus. Dass der EZB-Rat zudem mit einer Absenkung des Einlagezinses - den die Banken für geparktes Geld bei der EZB bekommen - auf null noch weiter geht, scheint möglich. An den Finanzmärkten wird zudem spekuliert, ob die Währungshüter weitere Liquiditätsspritzen für die Banken zumindest für den Fall andeuten, dass sich die Lage nicht bessern sollte.

Die von Lagarde ins Gespräch gebrachten Käufe von Staatsanleihen sind vor allem in Deutschland und einigen anderen nordeuropäischen Ländern umstritten. Der ehemalige deutsche Bundesbankchef Axel Weber hatte schon im Mai 2010, als die EZB begann, griechische Bonds zu kaufen, keinen Hehl daraus gemacht, dass er eine solche Unterstützung für einzelne Länder wegen der damit verbundenen Risiken ablehnt. Auch sein Nachfolger Jens Weidmann ist gegen Staatsanleihenkäufe, ebenso wie inzwischen eine Mehrheit im EZB-Rat. Das entsprechende Programm jedenfalls wurde seit Monaten nicht mehr genutzt. Dennoch hat die EZB für mehr als 210 Milliarden Euro Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder in ihren Büchern.

Weniger Strenge bei Sicherheiten

Die EZB hatte vergangene Woche eine Erleichterung bei den Anforderungen an die Sicherheiten beschlossen, die Banken bei Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank als Pfand geben müssen. Ziel der Maßnahme ist es, vor allem den maroden spanischen Banken unter die Arme zu greifen.

Am Dienstag dann teilte die EZB mit, dass sie künftig die Möglichkeiten der Banken begrenzt, sich bei ihr mit selbst ausgegebenen staatlich garantierten Bonds zu refinanzieren. Nach Ansicht von Experten könnte diese Maßnahme entweder darauf hindeuten, dass die EZB mit der Qualität der bei ihr eingereichten Sicherheiten nicht zufrieden ist. In Frankfurter Finanzkrisen wird allerdings auch darüber sinniert, ob Draghi damit der kritischen Bundesbank eine Art Beruhigungspille geben wollte, damit sie weitere geldpolitische Lockerungsschritte akzeptiert.

(APA)

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11 Kommentare

Der Bock ist Gärtner.

Sie grasen im Verbund alles ab, was von Wert ist im Norden, die Lagarde unterstützt das und der Draghi schart schon. Toll abgestimmt, Respekt.

FED

und der amerikanischen FED schreibt sie nichts vor? Die kaufen Staatsanleihen und vergeben Geld zueinem Zinssatz zwichen 0 und 0,25 Prozent und durch QE1, QE2 und nun auch QE3 wird Geld gedruckt als gebe es kein Morgen mehr und dazu hat sie nichts zu sagen?.. mir kann niemand erklären, dass die heutige Eurokrise nicht bewusst herbeigeführt worde. Jeder der nur ein bisschen Ahnung hat, weiß, dass wenn der Dollar als Weltleitwährung abgelöst wird, die USA pleite ist bevor noch die Sonne aufgeht!!

3 0

IWF rät EZB

Es scheint so, als würde Der IWF bald die agenden von der EZB übernehmen.

Gast: EFF EFF
04.07.2012 12:53
3 0

Das System wird immer irrelevanter.

A) hält die EZB überhaupt keine Bücher mehr, sondern benutzt ein abstraktes, in die Irre führendes Computerprogramm.

B) sind weder die Giralgeldmenge noch Finanzmärkte derzeit noch systemrelevant.

Die EZB kann soviel von dem Zaubergeld tippen, wie sie wil. Im Moment findet eine Entkoppelung von Giral- und Bargeld statt. Ich hebe jedenfalls lieber immer alles ab, denn Hokuspokuskurs wird möglicherweise demnächst an die Wirklichkeit angepasst auf 1 Milliarde Zaubergeld € für 1€.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
04.07.2012 16:58
3 0

Re: Das System wird immer irrelevanter.

Zu A) Stimmt, es sind E-Bücher

zu B) Stimmt, es geht nur noch die Bilanzen der Banken irgendwie brauchbar darzustellen, also einer Riesenshow.

Beweisführung ist die exzessive Geldschöpfung der EZB, welche auch gut an der EZB Bilanzsumme abgelesen werden kann.

http://www.ecb.int/press/pr/wfs/2012/html/index.en.html

22.06.2012: 3.057.892 Mio. Euro
23.12.2011: 2.733.235
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Bald schon wird die EZB noch viel mehr Zaubergeld tippen müssen. Das Defizit von I ist im ersten Halbjahr 2012 auf satte 8% geklettert, wahrscheinlich ist F hart im Windschatten.

Klar, dass Nichts auch nicht relevant sein kann. Und, es geht zunehmend Richtung Nichts.

Gast: 1. Parteiloser
04.07.2012 11:49
4 0

JA und NEIN!

JA, weil die Zinsen schon weit unter der Teuerungsrate liegen, so wäre eine Zinssenkung mit Sicherheit der falsche Schritt und würde das Vermögen der Europäer noch weiter reduzieren. Eigentlich wäre wieder nur eine Bankehilfe, weil es den Banken eine weitere Erhöhung der Margen ermöglicht.

NEIN, weil die EZB rein rechtlich keine Staatsanaleihen kaufen darf. Tatsächlich wurde auch der frühere Rechtsbruch nicht geahndet, weil eben der Rechtsstaat offensichtlich EU weit nicht mehr funktioniert.

Die Probleme der Eurozone kommen auch weniger vom Geld, das Geldproblem ist eher das Messgerät für das wirtschaftliche Versagen in der Eurozone. Die Ursache ist alleine die immer fehlende Leistung, welche durch riesige geschützte Bereiche und einem Förder- und Ruhegenusswahnsinn verursacht wurde. Leider können Geldmenschen das noch immer nicht erkennen, die Politiker auch nicht. Die Leistung zur Versorgung der Gesellschaft wird also weiter fallen und die Armutsberichte in Europa enstprechend ausfallen.

Antworten Gast: EFF EFF
04.07.2012 14:49
2 0

Re: JA und NEIN!

Da stimme ich ihnen zu. Die leistungslosen Einkommen, auch die von Pensionsfonds, sind nur theoretisch in der künstlichen Welt der Mathematik möglich. Ohne Leistung wächst und gedeiht gar nichts.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
04.07.2012 15:17
2 0

Re: Re: JA und NEIN!

Bei den Pensionsfonds gibt aber schon einige Jahre keine realen Zuwächse, eher breite Verluste.

Über Alles gesehen ist es Heute eher so, dass die Monster Staatsunwesen und Finanzunwesen die Menschen der Realwirtschaft schon ausgeraubt haben. Weil diese aber immer mehr mit Massenarmut konfrontiert sind, also kaum mehr was zum Ausrauben haben, so geht das benötigte Futter der Monster immer mehr verloren.

Re: JA und NEIN!

solange nur Banken Staatsanleihen kaufen dürfen, ist dies abzulehnen. Lagarde darf auch nur bellen, wenn's die Aufsichtsratvorsitzenden in den Großbanken erlauben

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
04.07.2012 14:40
3 0

Re: Re: JA und NEIN!

Ihre Aussage stimmt wenigstens für Österreich nicht. Siehe auch:

http://www.bundesschatz.at/main/start.html

Tatsächlich wird ein großer Teil der Staatsanleihen von Versicherungen gehalten. Das sind dann die Anlagen für die Lebensversicherungen und die privaten Pensionsversicherungen. Der Gesetzgeber schreibt diesen Versicherungen vor erhebliche Teile in Staatsanleihen zu halten. Nur so ist es auch gelungen die irren Staatsschulden in der Eurozone aufzubauen.

Schönen Gruß nach Niederbayern

Re: Re: Re: JA und NEIN!

Vielen Dank für die Info.

PS: Regensburg ist nicht in Niederbayern

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