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EU-Finanzminister: Der Teufelskreis schließt sich wieder

09.07.2012 | 21:20 |  von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die Hoffnung auf ein Ende der Schuldenkrise verpufft. Denn Europas Regierungen liegen nicht nur in technischen Details über Kreuz, auch in grundlegenden Fragen stecken die Europäer fest.

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Brüssel. Nach nur einer Woche ist die Wirkung der jüngsten Beschlüsse der politischen Führer Europas verpufft. Enttäuscht schreiben die Finanzinvestoren ihre Erwartung in den Wind, dass den vagen Ankündigungen zur Schaffung einer Bankenunion bis Ende dieses Jahres konkrete Taten folgen würden. Das Bekenntnis der Staats- und Regierungschefs der Euroländer vom 29 .Juni, den „Teufelskreis zwischen Banken und Staatsanleihen zu durchbrechen“, stellt sich wie befürchtet nur als Wunsch heraus.

Denn Europas Regierungen liegen nicht nur in technischen Details über Kreuz. In mehreren grundlegenden Fragen konnten sie sich bis zum Treffen der Finanzminister der Euroländer, das am Montagnachmittag begann, nicht einigen. Folge dieser Blockade ist die leidig bekannte Reaktion auf den Märkten: Spaniens Regierung müsste derzeit mehr als sieben Prozent Zinsen bezahlen, wenn sie neue Schulden auf den Finanzmärkten aufnimmt. Italiens zehnjährige Anleihen rentieren wieder wie vor dem EU-Gipfeltreffen Ende Juni bei über sechs Prozent. Und auch die Verzinsung slowenischer Bonds schoss am Montag über die kritische Marke von sieben Prozent – ein Warnsignal, dass Slowenien bald als sechstes Euroland um Hilfe ansuchen könnte.

Der Teufel steckt im Gesamten

In einem entscheidenden Punkt wiegt das Zusammenspiel zwischen der ungenauen Formulierung des Gipfelbeschlusses und einander widersprechenden Aussagen hoher EU-Amtsträger besonders fatal. Bekanntlich hatten die Chefs der Euroländer in der langen Nacht auf 29. Juni ihren Willen bekundet, dass das Euro-Rettungsvehikel ESM künftig kaputte Banken direkt auffangen können soll.

Eine wichtige Maßnahme, um den Teufelskreis zwischen Bank- und Staatsschulden zu durchbrechen. Denn selbst ein Land wie Irland, das jahrelang für seine Haushaltspolitik gelobt wurde, musste sich letztlich vom Internationalen Währungsfonds und den anderen Euroländern heraushauen lassen, weil es die riesigen Schulden seiner Banken verstaatlicht hatte.

Aus dieser Entscheidung leitet sich aber die Frage ab, ob ein Land, das für seine Banken vom ESM Geld erhält, für dessen Rückzahlung haftet oder nicht. Zur Erinnerung: Der ESM speist seine verfügbaren Mittel von bis zu 500 Milliarden Euro erstens aus direkt eingezahlten 80 Milliarden Euro, den Rest der Summe nimmt er zweitens gegen Haftungen der Staaten als Anleihen auf den Märkten auf. Seine Kreditwürdigkeit und damit die Zinsen, die er bezahlen muss, hängen also von der Aussicht darauf ab, dass er seine Hilfskredite verlässlich zurückbekommt. Und auch politisch ist diese Frage entscheidend – man denke nur an die regelmäßigen Blockadedrohungen finnischer und niederländischer Politiker.

Und hier steckt der Teufel nicht im Detail, sondern im Ganzen: Soll Spanien für die bis zu 100 Milliarden Euro vorrangig haften, die es vom ESM zur Rekapitalisierung seiner Sparkassen erhofft? Oder fällt das Risiko für ein Scheitern der spanischen (und späterer anderer) Rettungsaktionen sofort dem ESM und damit den anderen 16 Euroländern in den Schoß? Ja, sagte vergangenen Freitag ein hoher EU-Beamter. Nein, korrigierte am Montag ein Sprecher von EU-Finanzkommissar Olli Rehn.

Luxemburger Poker

Behindert wird die Lösung wichtiger Fragen wie dieser durch das monatelange Verschieben von zwei verbundenen Personalentscheidungen. Diese sind nun offenbar getroffen worden. Seit Ende Mai ist im sechsköpfigen Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Platz verwaist.

Am Montagabend wurde bekannt, dass die Euro-Finanzminister Luxemburgs Notenbankgouverneur Yves Mersch vorschlagen. Die Finanzminister aller 27 EU-Länder müssen die Nominierung am Dienstag bestätigen, was allerdings als Formsache gilt. Damit bleibt wohl auch Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker im Amt. Der Landsmann von Mersch knüpfte seine Mandatverlängerung daran, dass die Euro-Gruppe Mersch auf den EZB-Posten hebt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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53 Kommentare
 
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Diese Luxemburger


setzen überall ihre Personalwünsche durch.

Ein winzig kleines Land, mit weit überrepräsentierten Spitzenposten vor allem in den Euro-Institutionen.

Gegen diese Luxemburger schauen Österreichs Verhandler mehr als arm aus!

Juncker und Faymann, ein Vergleich erübrigt sich !!!

Ein gestandener Europapolitiker und ein bemitleidenswertes, völlig überfordertes Hascherl !!

Die Finanzminister sind nur mehr das Herdenvieh, dass die Finanzwelt vor sich hertreibt!

Das ganze Gelaber von repr. Demokratie, Eurorettung, Wirtschaftskrise, ... sind Vorwände Banken zu retten, von denen man behauptet, dass ti big to fail sind!

Die EU hat es geschafft, innerhalb von den 10 Jahren wirtschaftliche gesunde Länder vor den Abgrund zu führen und dann zu sagen zahlt oder springt.

Das was wir heute sehen, ist ein Wirtschaftsverbrechen ungeahnten Ausmaßes, dass uns mit Sicherheit noch die nächsten 3 JHZ belasten wird!

Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen EU und Nationalpolitiker mit voller Härte zur Verantwortung gezogen werden, denn ein Verbrechen ungesühnt zu lassen, birgt ein gewaltiges explosives Gesellschaftsmillieu!

Die Finanzminister sind die Erfüllungsgehilfen von der Wallstreet und ihrer europäischen Dependence, der City of London!


Gast: odin C.
10.07.2012 08:48
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Die Krise ist der Beweis, dass der ungebremst freie Markt nicht funktioniert!


Wo sehen Sie einen freien Markt ??

Im freien Markt landen Schuldner, die nicht mehr zahlen können oder wollen, im Konkurs !

Re: Die Krise ist der Beweis, dass der ungebremst freie Markt nicht funktioniert!

Wo sehen Sie "freien Markt"? Wenn Steuergeld in den Finanzmarkt gepumpt wird (vulgo Differenz Leitzins/Anleihenzins, EFSF, ESM etc. etc.) sehe ich eher massiven staatlichen Eingriff.

Spaniens Regierung müsste derzeit mehr als sieben Prozent Zinsen bezahlen

Das ist nur die halbe Wahrheit. 6-7% zahlt Australien auch.
Ohne EUR wären die Zinsen für Spanien noch viel höher, d.h. der Zinsatz verschleiert im Grunde den Verschuldungsgrad und die Möglichkeit der Rückzahlung.

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Akustisch

Hätten wir wen Anderen verdient, sonst ist es egal wer dort sitzt , sowie das Geld hin und her geschoben wird werden auch die Köpfe geschoben. Ich wäre für Frau Ferkter.

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Wir erleben wahrlich große Tage mit der famosen EU!

Europa soll in einen Landschaft mit der Wohlstandsschere von Brasilien verwandelt werden.

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Kritiklose Verbreitung von Meinungen

Nein, nein, nein, liebe Presse Redaktion. In Deutschland tobt ein Ökonomenstreit auf hohem Niveau, der als zentrales Thema die Kritik an der Bankenrettung durch öffentliche Gelder hat. Und was macht die Presse? Sie übernimmt eine der Positionen ohne sie zu reflektieren: "Eine wichtige Maßnahme, um den Teufelskreis zwischen Bank- und Staatsschulden zu durchbrechen."

Liebe Redaktion: Sie verstehen sich als Qualitätszeitung. Dann verhalten Sie sich auch so. Hören sie auf unseren (ÖVP) Politikern und Verwaltungseliten nach dem Maul zu reden und erfüllen Sie Ihre Aufgabe: Dem Bürger ausgewogene Information und korrekt recherchierte Information zu liefern. Es reicht eben gerade nicht gängige Meinungen unreflektiert zu übernehmen und wenn die uropäische Verwaltung denkt, wir müssten die Banken mit Steuergeldern retten ist das noch lange kein Faktum, das als solches in einem Artikel präsentiert werden soll.

Lesen Sie die letzten Ausgaben der FAZ zu diesem Thema und informieren sie die österreichischen Bürger über die unterschiedlichen Positionen der Ökonomen.

Ihre Aufgabe sollte es nicht sein uns immer dieselben Meinungen hineinzuwürgen ohne die dahinterliegenden Interessen der Proponenten aufzudecken. Ihre Aufgabe ist es uns ausgewogen zu informieren, damit wir uns selbst eine Meinung bilden können. Nehmen Sie Ihre Aufgabe wahr.

Antworten Gast: Gletschertroll
10.07.2012 09:38
2 0

Re: Kritiklose Verbreitung von Meinungen

Ich kann derudo nur zustimmen. Auch ich vermisse jeglichen Qualitätsjournalismus in Österreich (abgesehen von spärlichen Spurenelementen) und denke, dass dies eine der Hauptursachen für den oberflächlichen bis katastrophalen wirtschaftspolitischen Bildungsstand der Mehrzahl der Österreicher sowie des Erfolges von populistischen Parteien mit "einfachen" Lösungen ist.

Die Schuldenkrise kann nicht ohne eine Machtabtretung an die Bürger beendet werden.

"Spaniens Regierung müsste derzeit mehr als sieben Prozent Zinsen bezahlen..." (Was für Irrsinn!)

Man kann es nicht oft genug betonen. Die EU der Eliten ist drauf und dran die europäische Wirtschaft an die Wand zu fahren - um die "Vereinten Staaten von Europa" gegen den Willen der Völker zu erzwingen.

Dabei gäbe es eine einfache Lösung: Den ÖKONETISCHEN BÜRGER-BAILOUT ( http://oekonetik.info/buerger-bailout ). Solange die Finanzeliten die Hoheit über die Staatsfinanzen nicht abgeben wollen, wird die Krise weitergehen.

Gast: Hemingway
10.07.2012 00:38
7 0

Die Banken regieren die Regierenden, diese regieren die Medien und fuer die Medien gilt, “wess Brot ich ess des Lied ich sing”. Wir leben bereits in einer Diktatur !


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Raus aus dem Euro! – Rein in den Knast?

Heute gelesen !
Sie sitzen im Deutschen Parlament – als Zweidrittel-Mehrheit der Bundestagsabgeordneten. Und denken nicht daran, das Grundgesetz (das ja auch nur als Vorstufe zu einer vom Volk legitimierten Verfassung dienen soll) zu achten oder den Willen der überwältigenden Mehrheit der Deutschen zu respektieren oder gar zu vertreten.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/christian-wolf/raus-aus-dem-euro-rein-in-den-knast-.html;jsessionid=1B984DB09BF1E07F6482AFE7654C8478

http://eurodemostuttgart.wordpress.com/2012/07/08/esm-anzeige-wegen-hochverrat-durch-die-regierenden/

Re: Raus aus dem Euro! – Rein in den Knast?

Superjo1 Vor den Vorhang!

Besten Dank für den Link!

Re: Raus aus dem Euro! – Rein in den Knast?

Sehr empfehlenswert !!!

Re: Raus aus dem Euro! – Rein in den Knast?

genial geschrieben, lesenswert!

Gast: Gartena
09.07.2012 23:34
5 0

"Der Teufel steckt im Gesamten" "der Teufelskreis schließt sich"

Wie wahr, der Teufel steckt in der EU, in der gesamten EU. Ihr Symbol: Teufelskreis bestehend aus 12 Pentagrammen auf der blauen Hintergrund. Die EU(ropa), der aus dem blauen Meer geborene Teufel.

ESM (= Schulden-und Bankenunion) lassen uns zur Hölle fahren, weil wir darunter unweigerlich zusammenbrechen.

Der ESM ist eine Gesamtänderung der Verfassung und daher muss das Volk darüber abstimmen bevor der Präsident unterzeichnet.

Gast: Betrachter
09.07.2012 22:56
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Diese Symbolik der Aussagen

Auswahl an diePresse Artikeln zum Euro:

"Der Teufelskreis schließt sich wieder"

"Parlamentswahl: "Griechen zeichnen Weg zur Hölle vor"

"Sarrazin: Der Euro als Europas Weg zur Hölle"

"Monti warnt Merkel: "Dann fährt Euro zur Hölle"

Man könnte meinen, es sind hinter dem Euro lauter Satanisten am Werk.

Re: Diese Symbolik der Aussagen

Genau so ist es auch...

Antworten Gast: cf8
09.07.2012 23:52
1 0

„Ohne Euro wäre die Hölle los gewesen!“

Passend zum Thema-

„Ohne Euro wäre die Hölle los gewesen!“

"Euro wird ewig leben"

http://bit.ly/PCKZRc

Gut auch der Text zu "Europa braucht „Sonnenbrille, Lupe und Fernglas“" - da sieht man wie naiv Leute in/von (je nach Sicht) Banken gehalten werden.


Antworten Gast: Gartena
09.07.2012 23:39
1 0

d. Plan hat eine Blaupause

Europa ist der aus dem Meer geborene Satan und die EU ist das wiedererrichtete Römische Reich. Darum passt die gewählte Sprache auch hervorragend.

Falls es Ihnen bisher noch nie aufgefallen sein sollte: das mit der Wortwahl geht schon die längste Zeit so.

Wieso Banken vom Steuerzahler retten lassen ?

Sind das nicht Aktiengesellschaften, deren Aktieninhaber in guten Zeiten gesunde Gewinne eingestrichen haben, von den Managern gar nicht zu reden. Sollen die doch einzahlen !

Antworten Gast: Martin_S
09.07.2012 23:20
6 0

Re: Wieso Banken vom Steuerzahler retten lassen ?

sagen Sie das den Politikern, die haben nämlich das Fracksausen, sind ja schliesslich oft Landesbanken, Bundesbanken, Staatsbanken und die Politiker haben auch überall Ihre Finger drinnen (als Aufsichtsräte, Vorstände..) und schliesslich brauchen die ja jemanden, der ihnen das Geld für Ihre Versprechen leiht....

Re: Re: Wieso Banken vom Steuerzahler retten lassen ?

Genau so ist es, es ist die unheilige Allianz Politiker&Banker, die Sie richtig beschreiben. Die sind nun in der Staatsschuldenkrise, nichts anderes ist das, nun untrennbar aneinander gekettet !!!!!

 
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