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Zwangsanleihen für Reiche sollen klamme Staaten retten

11.07.2012 | 18:23 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Das größte deutsche Wirtschaftsinstitut, DIW, will die Eurokrise mit einer spektakulären Maßnahme lösen. Wie in Kriegszeiten sollen Vermögende mit Zwangsanleihen und Sonderabgaben zur Kassa gerufen werden.

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Berlin. Woher soll Europa das Geld nehmen, um seine ausufernden Staatsschulden zurückzuzahlen? Die Antwort des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist einfach: von denen, die noch genug davon haben – den Reichen. In einer Kurzstudie schlagen die Ökonomen vor, niedrige oder gar nicht verzinste Zwangsanleihen und befristete Sonderabgaben für die Wohlhabenden einzuführen, um damit die Staatshaushalte zu sanieren. Von linken Gewerkschaftern oder den Globalisierungsgegnern von Attac hört man solche Forderungen immer wieder.

Spektakulär ist, dass nun auch das größte deutsche Wirtschaftsinstitut, das die Regierung in vielen Fragen berät, in diesen Chor einstimmt. Damit bahnt sich an, was viele Experten prophezeit haben: Früher oder später müssen die Privatvermögen zur Lösung der Schuldenkrise herhalten. Prompt kommt vorsichtige Zustimmung aus dem Finanzministerium – wenn auch nur für Länder Südeuropas mit einem „schwierigen Verhältnis zwischen dem Steueraufkommen und dem Privatvermögen“.

Nicht aber für Deutschland – und das wohl schon aus rechtlichen Gründen. Bereits 1984 scheiterte ein Versuch, die Staatskassa mit Zwangsanleihen zu füllen, an Karlsruhe. Die Verfassungsrichter erklärten das Gesetz für nichtig, weil Sonderabgaben nicht für die Finanzierung „allgemeiner Staatsaufgaben“ verwendet werden dürfen. Mit anderen Worten: Was im Kriegsfall legitim sein mag, ist in Friedenszeiten tabu.

Studienautor Stefan Bach aber rechnet vor: Mit den Erlösen von zehn Prozent aller Vermögen über 250.000 Euro könne auch die deutsche Schuldenquote ganze neun Prozentpunkte in Richtung Maastricht-Grenze gedrückt werden – obwohl die Anleihen streng genommen nur neue Schulden sind.

Doch das macht Bach nichts aus, weil er offenbar ohnehin nicht von einer Rückzahlung ausgeht: Wenn der Staat bei seiner Konsolidierung nicht weiterkommt, soll er eben die Anleihe nachträglich in eine Abgabe umwandeln. Das spreche „allen rechtsstaatlichen Prinzipien Hohn“, ärgert sich CSU-Wirtschaftssprecher Hans Michelbach: „Eine solche kalte Enteignung lässt sicher sozialistischen Überzeugungstätern das Herz höher schlagen, jedem anderen kann es eigentlich nur gruseln.“

 

Stimulierendes Schröpfen

Die naheliegende Alternative, Staatsvermögen zu privatisieren, wischt das DIW vom Tisch: Es sei ja meist „in Infrastruktur gebunden“. Gebunden, und das meist weit produktiver, ist freilich auch das Betriebs- und Immobilienvermögen, das genauso wie Geldvermögen teilenteignet werden müsste. Das Risiko, dies könne „die wirtschaftliche Entwicklung belasten“, deutet Bach nur beiläufig an. Er erwartet nämlich „stimulierende Effekte auf das Arbeits- und Leistungsangebot“ der betroffenen Wirtschaftssubjekte, die versuchen werden, „Vermögens- und Einkommenseffekte zu kompensieren“. Sprich: Je mehr man den Reichen wegnimmt, desto mehr werden sie arbeiten, um wieder zu Geld zu kommen.

Unter dem autokratischen Institutsvorstand Klaus Zimmermann hätten so unausgegorene Visionen vermutlich nicht das Haus verlassen. Doch nach seinem nicht ganz freiwilligen Rücktritt vor einem Jahr treibt das DIW führerlos herum – und rückt dabei nach links: Sowohl der Übergangsleiter Gert Wagner als auch der mit der Nachfolgersuche betraute Bert Rürup sind SPD-Mitglieder. Die Idee mit den Zwangsanleihen geht freilich auch den Sozialdemokraten im Bundestag zu weit: Sie äußern verfassungsrechtliche Bedenken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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16 Kommentare

Toll! Weil die Unfähigen pleite machen sollen die Fähigen den Schaden tragen!


Antworten Gast: Bänkster
14.07.2012 18:48
0 0

Re: Toll! Weil die Unfähigen pleite machen sollen die Fähigen den Schaden tragen!

Bin Deiner Meinung:

Die Unfähigen (Bänker, Finanzelite und reihenweise Top-manager) haben völlig versagt - und die Fähigen, der Mittelstand muss nun dafür zahlen !

Gast: Das Fass läuft über
13.07.2012 16:44
2 0

Auswanderungsquote

Gerade Deutschland verliert pro Jahr ungefähr 700.000 Menschen als Steuerzahler, weil diese Menschen auswandern. Wir können davon ausgehen, dass das keine Harz4-Empänger sind, sondern die, denen der bürokratische und der Steuerdruck einfach zu blöd ist. Die Zuwanderer werden das Steueraufkommen der Auswanderer nicht so schnell ausgleichen. Die deutsche - und österreichische - Hochsteuerpolitik ist kontraproduktiv und einfach nur dumm.

3 0

welche reiche? die wirklich reichen sind schon längst in Singapur drüben und kehren ungern zurück! Hier werden sie von allen seiten ver*rscht drüben sind willkommen und haben 0 stress und 0 probleme! Ein Paar Unterschriften und schon sind sie sogar Ehrgenbürger der kleinen Finanzmetropole!!!


leider wird in diesem zusammenhang der eindruck herbeigeschrieben,

eine 'zwangsanleihe' sei eine art steuer bzw eine enteignung.
doch es handelt sich dabei um einen verzinsten kredit von vermögenden an die allgemeinheit.

das geht in keiner weise an die vermögenssubstanz, sondern es ist eine umschichtung des sparverhaltens: überlasse nicht deine gesamte sparquote dem finanzbusiness, damit du eine um ein paar promille bessere rendite hast und die smart boys dick und fett werden, sondern investiere es in für die allgemeinheit wichtigere dinge.

eigentlich eine selbstverständlichkeit für verantwortungsbewusste menschen. doch wenn die realität dieses verantwortungsbewusstsein konterkariert, dann MUSS nach wegen gesucht werden, auch die vermögenden unter uns zu sozial verträglichen mitbürgern zu machen!

Re: leider wird in diesem zusammenhang der eindruck herbeigeschrieben,

Hatten Sie einen Schlaganfall?

Re: leider wird in diesem zusammenhang der eindruck herbeigeschrieben,

Grundsätzlich haben Sie schon Recht, aber haben Sie auch diesen Absatz gelesen?

"Doch das macht Bach nichts aus, weil er offenbar ohnehin nicht von einer Rückzahlung ausgeht: Wenn der Staat bei seiner Konsolidierung nicht weiterkommt, soll er eben die Anleihe nachträglich in eine Abgabe umwandeln."

Und genau das ist die Angst der Menschen. Ich leihe auch sonst niemandem große Geldbeträge, weil immer das Risiko besteht, dass der Schuldner nicht zurückzahlen kann. Wieso sollte ich sie dem Staat leihen?

Re: Re: leider wird in diesem zusammenhang der eindruck herbeigeschrieben,

dieser absatz ist in der tat seltsam.

eine seltsame zugabe nämlich: denn wenn der staat derartig strauchelt, dass er seine kredite nicht zurückzahlen kann, dann zahlt die bevölkerung sowieso.
allerdings (siehe zb griechenland) ist bislang eher die geringverdienende bevölkerung der zahlmeister, die reichen können sich drücken.
und damit wäre im fall des falles auch durch diese form der anleihe ein kleiner riegel vorgeschoben.

1948 reloaded

google mal "lastenausgleich"

1948 wurden nach der waehrungsreform in deutschland alle "reichen" immobilienbesitzer zur kasse gebeten und bekamen eine "grundschuld" eingetragen

kann das bei gold & silber auch passieren? =>?? ;-))

Re: 1948 reloaded

Daher ist das Verbot, Gold zu besitzen, der nächste Schritt.

Re: Re: 1948 reloaded

Nur über meine Flinte.

3 0

Re: Re: 1948 reloaded

Wer Gold hat, wird sich eine Schaufel auch noch leisten können

Gast: zehn Prozent aller Vermögen über 250.000
12.07.2012 00:21
4 0

zehn Prozent aller Vermögen über 250.000

zehn Prozent aller Vermögen über 250.000?

Geldvermögen oder Vermögen inkl. Immobilien. Wenn Immobilien ja - dann auch inkl. Hauptwohnsitz?

Warum ist das wichtig?

Reichtum = relativ
70qm Wohnung in Linz, Bj 2001, mit Autoabstellplatz, EUR 195.000,-


Re: zehn Prozent aller Vermögen über 250.000

Und da sind sie noch glücklich.
In Wien bzw. der näheren Umgebung von Wien bekommen Sie keine so günstige Wohnung in dieser Größe.

Gast: EFF EFF
11.07.2012 19:40
2 10

Die Krise als Chance

Der in Hypothekenschulden steckende Häusllebauer würde also nicht belangt.
Dass die Reichen mehr tun würden, um des Volkes Geld wieder in Privatbesitz zu horten, bezweifle ich. Diese Generation Reicher ist degeneriert. Die Eliten rekrutieren sich seit Jahrzehnten aus sich selbst. Sie leiden an den Folgen des gleichgeschalteten Inzest einer geschlossenen Gesellschaft.
Eine Hauptursache der Krise ist doch, wie aus Banken- und Korruptionsskandalen, aus Familienclans in Regierungen und geschlossenen Wirtschaftsnetzwerken ersichtlich, die Unfähigkeit der gesellschaftlichen Erneuerung. Marktwirtschaftlicher Wettbewerb funktioniert in einer Gefälligkeits- und Spielwirtschaft nicht mehr. Dabei heraus kommt meistens nur noch Müll.

Verfassungsrechtliche Bedenken könnten mit der Erhebung der Anleihen als 100%e Vermögenssteuer umgangen werden, die der Einführung der absoluten Vermögensobergrenze diente in Verbindung mit einer Familienpolitik, die zu mehr vertikaler Fluktuation im Volk führt.


Antworten Gast: speibender regenbogen
12.07.2012 01:25
2 0

Re: Die Krise als Chance

schwachsinn.

die krise ist durch immer absurdere wetten auf verwette papiere von wetteinsätzen entstanden. das ganze hat mit wirtschaft nichts mehr zu tun.

wenn ich per hedgefonds darauf wetten kann, daß ein wettschein auf verluste eines wettscheines auf garantie einer anleihe, die durch garantiert steigende zinsen auf hedgefonds abgesichert ist, gewinn machen kann...

das ganze ist ja nur ein pyramidenspiel, der madoff ist da nur die spitze des eisberges. da sind wahrscheinlich einige zig billiarden (!!!) unterwegs, die aus reiner luft "gewonnen" wurden. und die leidtragenden werden alle die sein, die sich gutgläubig ein paar dieser papierln gekauft haben... ich hab kein mitleid mit denen.

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