26.05.2013 04:29 Merkliste 0

"Sizilien droht eine Zukunft wie Griechenland"

18.07.2012 | 10:44 |   (DiePresse.com)

Die italienische Insel steht der Regierung zufolge kurz vor dem finanziellen Kollaps. Premier Mario Monti fordert den Gouverneur zum Rücktritt auf. Der Unternehmer Lo Bello drängt darauf, Sizilien unter Aufsicht zu stellen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Sizilien geht das Geld aus. Der Insel mit fünf Millionen Einwohnern droht eine ähnliche Pleite wie Griechenland. Der italienische Premier Mario Monti warnte am Dienstag vor dem finanziellen Kollaps der Region. Für die Finanzkrise der Insel werden die lokalen Behörden verantwortlich gemacht.Die Verschuldung der Region ist auf ein Rekordhoch von mehr als fünf Milliarden Euro geklettert. Jetzt fordert Monti den Rücktritt des Gouverneurs: Raffaele Lombardo soll bis Ende Juli gehen.

Auch Brüssel setzt Sizilien stark unter Druck. Die EU verlangt die Rückzahlung von 600 Millionen Euro, die sie der sizilianischen Regionalverwaltung gewährt hatte. Der Grund: Brüssel hat eine Reihe von Unregelmäßigkeiten bei öffentlichen Aufträgen und Personaleinstellungen im Gesundheitssystem entdeckt, wie italienische Medien berichten. Sechs Milliarden Euro Finanzierungen zur Wachstumsförderung in Sizilien, die für die nächsten Jahre vorgesehen waren, will die EU jetzt einfrieren. Das ist ein harter Schlag für den skandalumwitterten Präsidenten Lombardo, gegen den Ermittlungen wegen Mafia-Verstrickungen laufen.

Öl ins Feuer schüttet jetzt der Präsident der sizilianischen Unternehmer, Ivanhoe Lo Bello. Er drängt Regierungschef Monti, die Insel unter Aufsicht eines von Rom ernannten Kommissars zu stellen. "Sizilien steht vor dem Abgrund. Mit einem Loch von fünf Milliarden Euro droht der Insel eine Zukunft wie Griechenland", warnt der stellvertretende Vorsitzende der sizilianischen Industriellenvereinigung Confindustria in einem Interview mit der Tageszeitung "Corriere della Sera".

Finanzielle Autonomie

(AP Photo/Luca Bruno, file)

(AP Photo/Luca Bruno, file)

Sein Appell an die Regierung löste Bestürzung aus. "Sizilien hat die finanzielle Autonomie, die ihm von der Verfassung gewährt wird, für Günstlingswirtschaft missbraucht. Jetzt braucht die Insel einen Kommissar, der einen tiefgreifenden Sanierungsprozess in die Wege leiten und verhindern soll, dass weitere europäische Fördergelder verschwendet werden", attackierte der regionale Sekretär des Gewerkschaftsverbands CISL, Maurizio Bernava.

Rund 5,5 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts werden auf Sizilien erwirtschaftet. Die autonome Region gilt als Armenhaus Italiens und hat nach Einschätzung von Kritikern einen übermäßig aufgeblähten Verwaltungsapparat. Trotz der hohen Verschuldung wurde die Zahl der Angestellten im öffentliche Dienst 2011 noch einmal um mehr als 30 Prozent erhöht. Die Arbeitslosenquote Siziliens ist mit 19,5 Prozent doppelt so hoch wie der italienische Durchschnitt.

Abgewirtschaftet: Zehn hässliche Fakten über Italien

Alle 11 Bilder der Galerie »

Für die angeschlagenen italienischen Finanzen dürfte die Misere der Insel aber keine weitere Bedrohung darstellen. Die Ratingagentur Fitch erklärte, es gebe kein unmittelbares Risiko, dass die Inselregierung ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könnte. Die Bonitätswächter bewerten Sizilien mit BBB+ und damit eine Stufe schlechter als die Regierung in Rom.

Palermo "zerstört worden"

Erst kürzlich hatte der neue Bürgermeister der sizilianischen Hauptstadt Palermo, Leoluca Orlando, vor der Pleite seiner Gemeinde gewarnt, die ebenfalls durch hohen Schulden belastet ist. "Palermo droht eine ähnliche Pleite wie Griechenland. Die Stadt ist von denjenigen zerstört worden, die sie bisher regiert haben. Die Gemeindekassen befinden sich in einem verheerenden Zustand. Als ich zuletzt im Jahr 2000 Palermos Bürgermeister war, hatten die Ratingagenturen die Gemeinde mit AA3 eingestuft. Wegen der katastrophalen Situation der Gemeindebilanzen ist für Palermo zuletzt kein Rating mehr erstellt worden. Das sagt alles", betonte Orlando.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

126 Kommentare
 
12 3 4
Gast: Mobbeobachter
19.07.2012 12:19
0 1

Die Mafia

Ist effizienter, fairer und weitaus billiger als der Staatsapparat. Und wer Schutzgeld bezahlt, wird auch wirklich geschuetzt. Weitaus besser als die Polizei.

Leider ein neuer Beweis,

nach dem kürzlich gebrachten Bremen-Beispiel, für die historisch belegbaren Tatsachen, dass Schuldenübernahmen durch Dritte praktisch immer nur zu noch höheren Schulden führen.

Interessant in diesem Zusammenhang wäre noch, dass sich nun auch erster Widerstand betreffend innerstaatlicher Schuldentransfers zeigt. Nämlich Bayerns Klagsbeschluss gegen den deutschen Finanzausgleich.

Bei den EURO-Verwaltern steht jedoch weiter Realitätsverweigerung auf dem Programm.

Sehr gut!

Die sizilianische Mafia hat, jetzt nach den Griechen, auch verstanden wie man
zu "billigem" Geld kommt!

Und das ganz legal.

Die Camorra und die Ndrangheta freut sich grad ein Asterl ab, lasst uns Sizilien "retten"!

Wär doch ein Witz, wenn unsere Nebenerwerbskriminellen aus der Politik mit ihren Bankfreunden die einzigen sind die sich derartig die Taschen vollstopfen! Für die echte Mafia muss da schon auch was rausschauen.

Die haben einen Ruf zu verlieren!


aus pig wurden piigs

als es klar war, dass die griechen unterstützung erhalten würden, war sofort italien am trittbrett. als zweites i. und jetzt ist sizilien pleite, nachdem erst kürzlich monti verlautete, dass italien auch vielleicht unter den rettungsschirm muss.
solche zufälle !
natürlich hat die mafia geld gewittert und will es jetzt.
raus a<us dem esm, raus aus dem euro, raus aus der eu in diesm zustand.

Gast: SPÖVP
18.07.2012 20:37
7 1

LOL


Sizilien retten wir locker mit dem, was wir durch die Kürzung der Bausparförderung bei unseren Kleinsparern eingespart haben.

Re: die Kürzung der Bausparförderung

Ich fürchte, Sie verschätzen sich bei den Summen. Das bisherige Sparpaket (nicht nur der Anteil der Bausparförderung) wird sich eher im Bereich um das Komma jener Summe bewegen, wenn etwas später einmal die Haftungen schlagend werden.

Gast: Tiefsinnige Frage
18.07.2012 20:16
2 1

Siziliens Regionalpräsident ist Raffaele Lombardo...

- und wer steuert Sizilien?

Gast: verpflichtend flächendeckend solaranlagen
18.07.2012 19:54
4 1

griechenland sowie das südliche italien spanien und portugal sollen ihre schulden mit stromlieferungen an zentraleuropa abstottern.


die

rühren sich doch nur, weil sie Geld aus dem N riechen. Sonst war doch dort noch nie was anders.

Vielleicht will Sizilien auch zu Österreich?

eine griechische Insel haben wir ja schon bald.....

Gast: HB4242
18.07.2012 18:54
12 1

"Sizilien droht eine Zukunft wie Griechenland" ....

Was heisst hier Sizilien ? ! ?

Uns ALLEN droht eine Zukunft wie Griechenland !!!

Der ESM und der Fiskalpakt werden das schon hinkriegen ....

Abgewirschaftet.

Schon klar, weshalb die ReichInnen jetzt zahlen müssen!

Re: Abgewirschaftet.

Haltens die Goschn und kaufens ihre Zwangsanleihe! Abstimmen dürfens darüber natürlich nicht, wo kommen wir denn da hin. Ausserdem, der ORF wird es zu verhindern wissen!

;-)

Was sagt eigentlich der Fayman dazu??

Antworten Antworten Gast: Casa Política
18.07.2012 20:22
7 1

Faymann auf Familienurlaub

Faymann ist grad auch mit seiner Familie auf einer Insel in der Nähe der "Familien Insel" Sizilien. Faymann ist geographisch links davon auf Sardinien.

Re: Faymann auf Familienurlaub

Jessas, was für ein Zufall, die Dichands sind auch dort!

Re: Re: Faymann auf Familienurlaub

Also ein Großfamilienurlaub.

Antworten Antworten Gast: HB4242
18.07.2012 20:08
7 1

Re: Re: Abgewirschaftet.

Ein echter Wiener geht nicht unter .....

Gast: Max Payne
18.07.2012 15:57
14 2

Meine Empathie hält sich für die Sizilianer und Griechen in Grenzen.

Diese Leute fristen ihr Dasein bei besten klimatischen Bedingungen während die Mitteleuropäer und Skandinavier schuften als gäbe es kein Morgen. Ich wette, dies obwohl uns suggeriert wird, dass der Lebensstandard in Österreich höher sei, diese Leute ein angenehmeres Leben führen. Zumindest hätte ich noch nie gehört, dass ein Sizilianer oder Grieche an Burnout leidet. Unsere vereidigten Volksvertreter setzen sich über den Willen des Volkes mit einer Leichtigkeit hinweg, das können Wörter nicht ausdrücken. Und besitzen - nachdem sie unsere Steuergeld verschenkt haben - noch die Frechheit uns zu suggerieren, dass dies eben Notwendig sei! Ich sage: Nein, zu ESM und Fiskalpakt und vordere eine Volksabstimmung. Jo, mir ist schon klar, das hierbei der Wunsch Vater des Gedanken ist. Nichtsdestotrotz möchte ich meinen Unmut darüber zum Ausdruck bringen. Schmerzen tut alleine nur die Tatsache, dass ich in der Wahlzelle immer mein (x) bei der FPÖ machte und nun trotzdem zum Handkuss komme.

Antworten Gast: @MaxPayne
18.07.2012 19:55
5 1

Re: Meine Empathie hält sich für die Sizilianer und Griechen in Grenzen.

Naja, die Österreicher haben ja nicht (nur) deshalb mehr Einkommen als SüdEUropäer, weil sie mehr arbeiten, sondern weil die Technologie, die Industrie hier höher entwickelt ist.

Der alte Gegensatz zwischen "Zentrum und Peripherie".

Die Peripherie zeichnete sich schon immer dadurch aus, ärmer und schwächer entwickelt zu sein, als das Zentrum (deshalb auch Zentrum-Peripherie!).
Keines kann ohne das andere funktionieren, es sind 2 Pole ein und desselben Systems...

Was nicht unbedingt heisst dass "die da unten faul sind".
Ich glaube, ein Klein-bauer in Sizilien oder gar in Afrika hat sicher ein härteres Leben als ein Facharbeiter in Deutschland - weil er auch weniger hoch entwickelte Werkzeuge hat, und seine Wertschöpfung auch trotz hartem Schuftens nicht beliebig steigern kann.

Es ist also weniger eine Frage "faul" und "fleissig", sondern wie "entwickelt" eine Wirtschaft ist...

Z.B.: In Schwarzafrika verbringen die Menschen jährlich 40 Milliarden (!) Stunden allein beim Wassertragen.

IN EUropa dagegen verursacht die Wasserversorgung nur wenig Arbeitsaufwand (weil durch Wasserleitungen automatisiert).
Die AFrikaner schuften sich ab - Europäer drechen den H2O-Hahn auf, wer ist da fauler?

Im Grunde stimmts aber schon - warum sollten hoch entwickelte Regionen auf Dauer unterentwickelte subventionieren?
Was haben die davon - militärisch, strategisch, ökonomisch, etc.?

DAS wäre die richtige Frage...

Antworten Antworten Gast: Zyni
19.07.2012 06:04
3 2

Faul? Nicht faul?

die Frage ist wohl eher: wer ist intelligenter und löst Probleme effizienter. A: der Norden. Und wer ist der größere Ar.chkriecher und läßt sich stumpfsinnig unterdrücken? A: der Norden

Re: Re: Meine Empathie hält sich für die Sizilianer und Griechen in Grenzen.

Sehr geehrter Kollege.

Ich danke Ihnen für Ihre ausgezeichneten Erläuterungen, denen ich vollumfänglich zustimme. Ich wollte mit meinem Kommentar (unten) in etwa Ähnliches zu Papier bringen, Ihr Beitrag erscheint mir jedoch umfassender.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Re: Meine Empathie hält sich für die Sizilianer und Griechen in Grenzen.

Sehr geehrter M. P.

Ich finde Ihre Zeilen ehrenwert und unterstütze Sie insbesondere in Ihrem Anliegen, Ihren Frust und Unmut kundzutun.

Auf eine Sache möchte ich jedoch schon hinweisen (betrifft Ihren ersten Satz): Ich kenne die süditalienischen Verhältnisse einigermassen gut und darf behaupten, dass die Menschen im Mezzogiorno (so auch in Sizilien) äusserst hart für ihr tägliches Brot arbeiten müssen. Das Problem liegen insofern nicht am mangelnden "Arbeitseifer".
Folgende Faktoren spielen - meiner Meinung nach - eine entscheidende Rolle:

- mafiöse Strukturen (Clanstrukturen, organisiertes Verbrechen, Schwarzarbeit, etc.).

- Der primäre Sektor (Landwirtschaft) leistet Massgebliches zum BIP bei, ist jedoch unproduktiv, die Wertschöpfung entsprechend tief.

- Schlechte Infrastruktur (schlechte Verkehrswege, kaum Autobahnen: In Apulien ist z. B. vor Tarent fertig lustig, schlecht ausgebauter öffentlicher Verkehr).

- periphere Lage.

Ich grüsse Sie freundlich.

Antworten Antworten Gast: Zyni
19.07.2012 06:08
1 1

Na ja

da sieht man wohl deutlich, dass soziale Systeme eine Gesellschaft in die Armut oder in den Reichtum bringen können. Die katholischen Habsburger haben sich zwar in Ö 700 Jahre an der Macht gehalten, aber Ö war trotzdem nur ein Agrarstaat (1. WK). Ob sich die Eiheitspartei SPÖVP ebenso lange halten wird? 700 Jahre?

Antworten Antworten Gast: E.T.
18.07.2012 21:17
0 1

Re: Re: Meine Empathie hält sich für die Sizilianer und Griechen in Grenzen.

Der Punkt primärer Sektor und Infrastruktur, so wie Sie das schildern, das ist genau, wie sich die Grünen die Zukunft von Wien vorstellen.
Leider wird die Landschaft nicht ganz so sizilianisch dabei werden.

Gast: Na und?
18.07.2012 15:43
19 2

Wo ist denn unser Präsi?

Erst vor ein paar Tagen unterschreibt er den ESM und dann das: Wir dürfen die Mafia mit Steuergeld finanzieren.

Danke, Herr Fischer!

Danke auch an die Grünen, die das mitbeschlossen haben! Ihr seid echt super!!!

Antworten Gast: gelangweilt
18.07.2012 20:48
3 1

Re: Wo ist denn unser Präsi?

... wann hat denn der zuletzt was gesagt? war das nicht wegen der Timoschenko?

Ja, deren Situation ist halt wichtig für uns ...

 
12 3 4

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...