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In den Niederlanden droht eine Immobilienblase zu platzen

22.07.2012 | 18:16 |  HELMUT HETZEL (Die Presse)

Lange galten die Niederlande als Hort der Stabilität. Doch nun rutscht auch das Land der Tulpen und des Goudakäses immer tiefer in die Krise. Laut einer Schätzung droht ein Abschreibungsbedarf von 37 Mrd. Euro.

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In den Niederlanden jagt eine Hiobsbotschaft die andere: Das Zentralamt für Statistik CBS gab soeben bekannt, dass Holland in diesem Jahr auf einen Pleiterekord zusteuert. Im ersten Halbjahr 2012 mussten bereits 3764 Firmen Konkurs anmelden. Das sind 25 Prozent mehr als vor einem Jahr. Schwer getroffen sind vor allem der Bausektor und der Einzelhandel. Im Bausektor stiegen die Pleiten im vergangenen Semester um 44 Prozent auf 495. Im Einzelhandel legten die Konkurse um 22 Prozent auf 676 zu.

Hollands Wirtschaft befindet sich bereits in der Rezession. 2012 wird die Wirtschaftsleistung voraussichtlich um 0,7Prozent schrumpfen. Das ist mehr als in der Eurozone, wo mit einem Rückgang von 0,3Prozent gerechnet wird. Indes steht in den Niederlanden die erste Systembank am Rande des Abgrunds. Es ist der Finanzkonzern SNS Reaal. Die SNS-Gruppe musste bereits auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 vom holländischen Staat gerettet werden und erhielt damals 750 Mio. Euro Hilfszahlungen. Nun aber ist das Institut wieder auf dem Boden, kann das Geld nicht zurückbezahlen und braucht dringend 800 Mio. Euro neues Kapital.

 

Ist das Triple-A gefährdet?

An der Börse kann die SNS-Gruppe das Geld nicht mehr einsammeln. Die SNS-Aktien sind pro Stück gerade noch einen Euro wert. Seit dem Börsengang der SNS vor sechs Jahren, als die Titel zum Preis von 17 Euro in den Handel gestartet sind, haben sie 94 Prozent ihres Werts verloren. Bei diesem niedrigen Börsenkurs ist die SNS-Gruppe nur noch rund 300 Mio. Euro wert. Sie verwaltet aber Spargelder in Höhe von 35 Mrd. Euro. Sie ist daher eine Systembank, die nicht pleitegehen darf.

Der Grund für die Schieflage der SNS-Gruppe ist ihr Engagement in Immobilien, sowohl in den Niederlanden als auch in Spanien und in den USA. Nachdem dort die Immobilienblasen bereits geplatzt sind, droht nun auch in den Niederlanden ein Immobiliencrash. Er könnte fatale Folgen für das Land haben, das derzeit mit Deutschland, Finnland und Luxemburg in der Eurozone noch mit der besten Bonitätsnote Triple-A bewertet wird.

Bei den Büro- und Industrieimmobilien läuft die Luft schon langsam aus der Blase. Wer ein 1500 Quadratmeter großes Loft in Amsterdam mieten will, zahlt mit etwas Glück nur noch 250 Euro pro Monat. Vor fünf Jahren wären für eine ähnliche Fläche 10.000 Euro verlangt worden. Nach Berechnungen des Ingenieurs- und Projektentwicklungsunternehmens Arcadis wurden bisher erst neun Mrd. Euro in den Bilanzen der meisten in Immobilien engagierten Banken und Investmentgesellschaften abgeschrieben. Den noch ausstehenden Abschreibungsbedarf beziffert Arcadis auf 37 Mrd. Euro.

Insgesamt haben die niederländischen Banken und Versicherungen nach Angaben von Arcadis rund 80 Mrd. Euro an industriellen Immobilienforderungen ausstehen. Es ist zu befürchten, dass ein Großteil davon abgeschrieben werden muss.

 

Immer mehr Büros stehen leer

Denn durch die Pleitewelle stehen auch immer mehr Büro- und Industriegebäude leer. Das Angebot an Industrieimmobilien wird daher weiterwachsen, die Preise und die Mieten dafür werden sinken.

Bleibt zu hoffen, dass nicht auch noch der Wohnungssektor von der Krise erfasst wird. Er könnte aber möglicherweise gegen eine Ansteckung gefeit sein. Dann da die Bauwirtschaft darniederliegt, werden kaum mehr neue Wohnungen gebaut, sodass sich das Angebot auf dem Wohnungsmarkt kaum ausweiten dürfte.

Auf einen Blick

In den USA und in Spanien sind bereits Immobilienblasen geplatzt, nun droht in den Niederlanden ein Immobiliencrash. Laut einer Studie von Arcadis haben die in Immobilien engagierten Banken und Investmentgesellschaften in den Niederlanden erst neun Mrd. Euro abgeschrieben. Der noch ausstehende Abschreibungsbedarf wird von Arcadis mit 37 Mrd. Euro beziffert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

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113 Kommentare
 
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Gast: ThomasVW
29.07.2012 09:22
0 0

Immobilienkrise bald auch in Deutschland

Auch Deutschland steht eine Immobilienkrise bevor. Der Immobilienmarkt wird aktuell im Wesentlichen von der Baby-Boomer-Generation getragen. In der Regel kaufen die Leute Immobilien bis zum 50. Lebensjahr. Der letzte geburtenstarke Jahrgang vor dem Pillenknick war 1964, mein Geburtsjahr. Ich werde in ein paar Tagen 48, der Rest ist eine einfache Rechenaufgabe.

Gast: Tourist
27.07.2012 04:40
0 0

Jetzt sollen wir auch noch fuer die Hollaender zahlen!

Unfassbar! Raus aus dem Euro bevor wir auch noch die Norweger retten muessen!

Gast: steinwolke
26.07.2012 16:37
0 0

kleiner Fehler?

"Wer ein 1500 Quadratmeter großes Loft in Amsterdam mieten will, zahlt mit etwas Glück nur noch 250 Euro pro Monat."

Das ist doch sicher ein Fehler und sollte 2.500 EUR/Monat heißen. Kann mir nicht vorstellen, in Amsterdam so viel Fläche für so wenig Geld zu bekommen.

Gast: magra
23.07.2012 20:23
4 0

wo überzogene erwartungen...

...vorherrschen, implodiert die blase. letztendlich ein pyramidenspiel, wenn alle am großen kuchen mitnaschen wollen.

Warum NL,...


....auch in Ö steht uns das noch vor der Tür.

Gast: E.T.
23.07.2012 19:44
0 0

Na klar

Vielleicht sollten die Medien melden, in welchem Land es noch nicht kracht an allen und Ende und welches Land in der EU noch nicht pleite ist.

Re: Na klar


Da könnten sie über die Schweiz berichten!

Hoppla, die haben sich die EU erspart...


durch die Pleitewelle stehen auch immer mehr Büro- und Industriegebäude leer.

Das ist in Wien seit vielen Jahren gang und gäbe, dass x Bürotürme leer stehen. Auch ohne Krise.

Frage mich schon lange, was damit bezweckt werden soll bzw. was mit all diesen Glaspalästen eigentlich gemacht werden soll.

Re: durch die Pleitewelle stehen auch immer mehr Büro- und Industriegebäude leer.


Wie z.B. in Dubai und Spanien!

Es wird ein hoher möglicher Ertrag mit Immobilienanleihen und Aktien vorgegaukelt, obwohl diese Immobilien zu diesem Preis unvermietbar sind!

Dadurch steigt der Preis dieser Immobilien, das geht aber nicht ewig, daher handelt es sich dabei um eine Blasenbildung!

Und da sind wir jetzt!


Re: durch die Pleitewelle stehen auch immer mehr Büro- und Industriegebäude leer.

Und dazu werden jedes Jahr noch ein paar Hotels eröffnet ...

Gast: Illuminatus
23.07.2012 17:02
8 0

Hier wird laufend per gezieltem Löschen

mind control ausgeübt. Zwar viel weniger als beim Standard aber trotzdem.

dieses war der letzte Streich, doch der nächste folgt sogleich..

fehlt nur noch das Platzen der Export- und Immobilienblase in Deutschland und bei uns. Dann haben wir die EU durch.

Gast: Na und?
23.07.2012 15:09
9 1

Liebe Anleger: Ihr seid selber schuld!

Wie wäre es, nicht alles zu glauben, was einem so vom Anlageberater eingeredet wird?

Es ist nicht einzusehen, wieso Nichtmitspieler Eure Verluste teilen sollen, wo doch auch die Gewinne nur für Euch waren!

Abgesehen davon ist das Geld ja nicht weg, es hat nur wer anderer...

Macht ja nichts ...

... dank ESM und damit Geld aus Ö und D ist ja alles halb so schlimm.

Außerdem sind das ja alles super Geschäfte für Ö laut unserer Schottermitzi.

Ich sehe es schon kommen

am Ende wird wohl als "einsamer Bürge" Deutschland mit dem EFSF und dem ESM alleine dastehen.

Und dann wird Deutschland ebenfalls Pleite sein.

Antworten Gast: YBQ
23.07.2012 14:49
2 5

Naja, die deutschen Banken und Firmen

verdienen sich dumm und krumm. Zuerst bauen sie unbenötigte Immobilien in ganz Europa. Dann vergeben deutsche Banken überteuerte Kredite für die unbenötigten Immobilien. Dann platzt alles und die europäischen Steuerzahlen zahlen Milliarden, damit die deutschen Banken und Konzerne keine Ausfälle haben.

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Re: Naja, die deutschen Banken und Firmen

Wie kommen Sie auf deutsche Banken?
Hier wurde von holländischen Banken geschrieben. Außerdem sind in Spanien ebenfalls spanische Banken vor dem Absaufen, wegen der Immobilienkredite.

Antworten Antworten Gast: Bonn
23.07.2012 15:17
4 0

Re: Naja, die deutschen Banken und Firmen

Was hat das Problem in den Niederlanden jetzt mit deutschen Banken zu tun?

8 0

soviel...

... zu den stabilen Nordländern. vielleicht ist ja der europäische sozialstaat das grundübel?

Re: soviel...

Bevor der Euro kam, waren die Niederlande mit ihrem Gulden hoch angesehen. Jetzt mit diesem Euro wendet sich das Bild. Aber nicht nur an der Nordsee, sondern in ganz Europa wird es dank dieser "Superwährung" bergab gehen. Griechenland ist schon dort, wo es hingehört, nur leider wollen es die Euroretter noch immer nicht einsehen. Spanien fährt schon auf dem selben Gleis und bald stehen auch für Italien die Weichen auf "Lire einführen". Portugal und Irland werden zwar als Musterschüler gepriesen, haben aber dennoch mehr Schulden als Haare auf dem Kopf und auch ihre Weichen werden demnächst umgestellt werden müssen. Frankreich wird den Sozialismus stärken und weiter Schulden anhäufen, Zypern wird sich Geld von Russland holen, der Staatspräsident ist Kommunist und ein Freund Putins und der Rest der EU wird die Tage zählen, bis der große Knall kommt. Das wird es dann gewesen sein.

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Re: Re: soviel...

Genau der Euro ist Schuld.

Immer interessant, was die Medien mit Gehirnen anstellen können.

Re: Re: soviel...

an der immobilienblase ist der Euro Schuld?

Re: Re: Re: soviel...

Nicht nur, aber auch.

Re: soviel...

Das Grundübel ist, das die Staaten einfach mit Ihren Steuereinnahmen nicht auskommen, für jeden Mist Geld ausgegeben und dann noch die Sozailkassen plündern um Entwicklungshilfe an andere Länder zahlen zu können.


2 0

Re: Re: soviel...

Richtig. Und trotz Alarmstimmung in den Randstaaten reagiert die Politik NULL.
Im Gegenteil, die Parteien verdoppeln sich ihre Gehälter!


 
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