Alarmstufe Rot in Spanien und Italien

23.07.2012 | 18:24 |   (Die Presse)

Nach den Großbanken schlittern in Italien und Spanien nun die Provinzen in ernste Finanzprobleme. Deren Probleme treiben die Zinsen für die Staatsschuld auf Rekordhöhen.

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Madrid/Wien/Ju. Jetzt geht es in der Eurokrise ans Eingemachte: Am Montag sind die Sekundärmarktrenditen für spanische und italienische Anleihen erneut stark angestiegen. In Spanien stehen die Zinsen für die Staatsschuld nun auf dem Rekordwert (seit der Euro-Einführung) von mehr als 7,4Prozent, in Italien sind die Anleihezinsen auf 6,3Prozent geklettert. Ökonomen meinen, dass bei den derzeit hohen Schuldenständen der Eurostaaten (siehe nebenstehende Grafik) zwischen 6,5 und sieben Prozent die „Todeszone“ beginnt: Zinsen ab dieser Höhe seien auf Dauer nicht finanzierbar.

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In beiden Ländern machen nicht nur die Banken ernste Probleme, auch die Regionen schlittern zunehmend in Richtung Pleite: In Italien steht Sizilien vor der Zahlungsunfähigkeit, in Spanien könnten bis zu sechs autonome Regionen Staatshilfe benötigen.

Die Situation scheint dramatisch zu sein: Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Beurteilung der Verbindlichkeiten Siziliens am Montag ausgesetzt. Sizilien repräsentiert aber nur die Spitze des Eisbergs: Der Präsident der italienischen Vereinigung der Provinzen (UPI), Guiseppe Castiglioni, sagte gestern, die Hälfte der italienischen Provinzen stecke in schweren Problemen. Sollte die Regierung in Rom ihre geplanten Einschnitte realisieren, dann sei in mehreren Regionen die Finanzierung des Schulbetriebs im Herbst gefährdet. Besonders krass sei die Lage in Neapel und in der sizilianischen Hauptstadt Palermo.

Unmittelbar bestehe zwar noch nicht die Gefahr, dass eine italienische Provinz definitiv zahlungsunfähig werde, besonders in einigen Städten hätten die Finanzlöcher aber unerwartete Ausmaße angenommen, hieß es.

Provinzen „schönen“ Bilanzen

Das hängt damit zusammen, dass die Regierung in Rom ihren Provinzen bisher offensichtlich ein bisschen Bilanzschönung hat durchgehen lassen: Die Regionen gaben in den nach Rom gemeldeten Budgetvorschauen die Einnahmenschätzungen regelmäßig deutlich zu hoch an, um ihre ausufernden Verwaltungskosten zu kaschieren. Jetzt hat die Regierung die Provinzen aufgefordert, ihre Prognosen für bestimmte Einnahmen um 25 Prozent zurückzunehmen – womit plötzlich das wahre Ausmaß der kommenden Malaise sichtbar wird.

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Noch viel dramatischer sieht es freilich in Spanien aus: Die Regierung in Madrid kämpft nicht nur mit Milliardenproblemen der Banken, auch die autonomen Regionen geraten in ernste Pleitegefahr. Bereits in der Vorwoche hat die autonome Region Valencia offiziell um Staatshilfe angesucht.

Nach Angaben der spanischen Tageszeitung „El Pais“ könnten bis Jahresende aber zumindest weitere fünf Regionen folgen. Darunter die Zentralregion Castilla-La Mancha. Deren Regierung hat gestern zwar – ebenso wie jene von Andalusien, Galizien und den Kanaren – dementiert, einen Bittgang nach Madrid zu planen. Beobachter glauben, dass daran kein Weg vorbeiführen werde. Als praktisch sicher gilt, dass die Region Murcia unter den „Rettungsschirm“ der Regierung in Madrid schlüpft.

Überzogener Föderalismus

In Madrid hat man mit der Rettung der autonomen Gebiete wenig Freude, weil die Durchgriffsmöglichkeiten auf deren Gebarung begrenzt sind. Die spanische Form des Föderalismus führt dazu, dass Madrid zwar zahlen „darf“, aber keine Garantien hat, dass die Regionen ihre Ausgabenpolitik, die sie in die Bredouille gebracht hat, ändern.

Davon abgesehen ist nicht ganz klar, wo das Geld für die Rettung der spanischen Provinzen herkommen soll: Der Kapitalmarkt ist den Spaniern bei den hohen Anleihzinsen zunehmend verschlossen. Eine Pleitewelle unter den Regionen würde dazu führen, dass Spanien sehr schnell als Ganzes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss. Zumal die Wirtschaft weiter einbricht: Auch im zweiten Quartal dieses Jahres ist das BIP leicht geschrumpft.

Die Spanier drängen deshalb darauf, dass die EZB direkt eingreift. Außenminister Garcia Maragallo meinte gestern, die EZB sei „die einzige Institution, die die Finanzkrise Spaniens beeinflussen kann“. EZB-Chef Mario Draghi ließ freilich umgehend ausrichten, die Euro-Notenbank sei nicht dazu da, Finanzprobleme einzelner Staaten zu lösen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)

 
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51 Kommentare
 
12
Iason
24.07.2012 17:56
1

This is the end of the Euro as we know it


Spanien hat ja eigentlich gar nicht so hohe Schulden. Nur sie haben eine geplatzte Immobilienblase, zahlungsunfähige Gläubiger, die jetzt alles nach unten ziehen und die Staats-Refinanzierung sehr teuer macht.

Die italienische Mafia hat Geld genug. Dort müsste man es nur einmal eintreiben.

Gast: gast69
24.07.2012 13:58
2

die italiener bzw deren superreiche

haben 500 mrd euro schwarzgeld im ausland liegen

na gott lob können sie das auch haben, ohne etwas befürchten zu müssen, aber die österreicher und andere europäer dürfen dafür zahlen, deren geld schon längst versteuert wurde

Gast: Bergkristall
24.07.2012 13:46
3

Eurozone neu aufstellen

Club med. gehört aus der Eurozone entfernt.

homunculus
24.07.2012 12:56
2

Es ist fahrlässig

unserer Regierung Steuergeld in die Hand zu geben.

Rette sich wer kann.

Ps.: Unwort des Jahres "frisches Geld" - so etwas Saudummes habe ich schon lange nicht mehr gehört.

lurch
24.07.2012 11:13
1

die Graphik

Die Graphik zeigt, daß außer Ungarn eigentlich alle ehemaligen Ostblockländer im "grünen" Bereich sind. Heißt das jetzt, daß unser Wohlstand nur auf Pump ermöglich wurde und die ehemaligen Länder des real existierenden Sozialismus (frei nach Honecker) besser gewirtschaftet haben?

Gast: JFR
24.07.2012 11:06
1

Gemeinden und Bundesländer

können nie mit Geld umgehen. Das ist bei uns auch so.

LUPO
24.07.2012 09:21
9

Die Bankenabzocke geht weiter

Wie kommen die Gewinne der Banken zustande – Gewinne, indem Banken Geld vom Staat leihen, was der Staat dann teuer zurückbekommt. Natürlich muss für die Gewinne die Kreditwürdigkeit nach unten geschraubt werden.

Und wenn sie sich verspekulieren, dann müssen Sie vom Staat aufgefangen werden – wie lang kann diese Inzucht noch gut gehen.

Antworten Iason
24.07.2012 18:03
1

Re: Die Bankenabzocke geht weiter

Ich schätze es droht den Banken Europas eine Verstaatlichungswelle.

Dann kommen Politiker in die Vorstände der Banken. Na Mahlzeit., der Untergang Europas ist nahe.

Gast: göttlicher Geldschöpfer
24.07.2012 09:10
8

Geld - eine Religion

Geld wird durch Kredit erschaffen: analog zur Mindestreserve(wozu auch die Einlagen der Sparer zählen) können Banken Geld aus dem "Nichts" erschaffen, durch eine simple Buchung.
Dieses "Giralgeld", das nur am PC existiert, übersteigt die Bargeldmenge um ein Vielfaches.

Während also die Banken lustig aus dem Nichts, und anstrengungslos und im Prinzip mit nichts gedeckt, Geld "erfinden" können, werden wir real mit diesen Zahlen bombardiert, diese aus dem Nichts entstandenen Schulden müssten beglichen werden.

Eine ganze Maschinerie hält uns im Bewusstsein, es müsste mit realer Arbeit oder Sachwerten abgegolten werden, was von seiten der Privilegierten willkürlich erfunden wird.

Unglaublich, eigentlich, dass sowas heutzutage noch funktioniert

Antworten Iason
24.07.2012 18:05
0

Re: Geld - eine Religion

Ein Banker muss nicht gescheit sein - eher im Gegenteil - und er kann ohne Risiko enormes Geld verdienen.

Irgend etwas habe ich falsch gemacht ??

presseleser99
24.07.2012 08:53
14

hätten wir griechenland nicht um jeen preis retten wollen

sondern gleich dorthin geschickt wo sie jetzt hingehen, dann wären die spanier und italiener heute nicht auch so weit wie sie sind, sondern hätten gespart ... aber wenn ohnehin die anderen zahlen !
bald kommen die franzosen, die halten hollandes ausgaben auch nicht lange mehr durch.
dann werden in brüssel alle heimgeschickt und wenn wir glück haben gibts keinen krieg sondern nur das geld ist weg.

Antworten lurch
24.07.2012 11:16
3

wenn wir glück haben gibts keinen krieg sondern nur das geld ist weg.

Ich finde auch, daß das sogar noch Glück ist. Allerdings fällt mir dabei auch Torbergs Tante Jolesch ein!

Gast: Der Notar
24.07.2012 08:39
19

Wirtschaftswoche Online

Erstmals eine beinharte Abrechnung in der Wirtschaftswoche mit den Euro-Endsieggläubigen:
Die Euro-Phantasten haben europäisches Volksvermögen real vernichtet. So was nennt man im Strafrecht eigentlich „Untreue“.

Robert Cvrkal
24.07.2012 08:27
9

Der Anfang vom Ende der Eurozone so wie wir sie heute kennen.

Zahlreiche Experten warnen bereits seit einiger Zeit, dass sich Deutschland und damit auch Österreich bei den Hilfen für die maroden Staaten übernehmen dürfte und somit die eigene Bonität gefährden. Die Verschärfung der Situation in den maroden Staaten (Sizilien pleite, mehrere Regionen in Spanien pleite, Beschleunigung der Abwärtsspirale in Griechenland, usw.) erhöhen die Kosten der Eurorettung zu einer Belastung die auch für die noch einigermaßen haushaltenden Staaten kaum mehr verkraftbar ist. Dürfen die Österreicher sogar dann bezahlen, wenn der ESM verfassungswidrig ist?

www.wienerzeitung.at/wzo/meinungen/gastkommentare/473513_esm_und_fiskalpakt_verfassungswidrig.html

www.wienerzeitung.at/wzo/meinungen/gastkommentare/474120_petition_vorabpruefung_von_voelkerrechtlichen_vertraegen.html

Antworten Iason
24.07.2012 18:11
0

Wir zahlen entweder direkt oder indirekt

Da sollten wir uns lieber keinen Illusionen hingeben, dass wenn wir jetzt in der EZB kein Geld mehr drucken, die Probleme geringer wären.

Eine deflationäre Krise in einem Schuldensystem, in dem ALLE Staaten Europas stecken, ist so ziemlich das Schlimmste das man sich vorstellen kann.

Antworten lurch
24.07.2012 11:22
3

Dürfen die Österreicher sogar dann bezahlen, wenn der ESM verfassungswidrig ist?

Auch ohne die Details vom ESM zu wissen, eines ist in diesen unberechenbaren Zeiten ganz sicher, wir zahlen auf alle Fälle, ob mit ESM oder ohne. Dafür sorgt schon schwarz-rot-grün. Denn sonst ist ja der gütige Zuspruch aus dem Ausland futsch und vor allem die wohlmeinende Medienlandschaft, die es bis jetzt geschafft hat, unserem Wahlvolk Sand in die Augen zu streuen!

Antworten Gast: YY8f
24.07.2012 11:07
0

Haben Sie vielleicht seriöse

Quellen? Gastkommentare der Wr. Zeitung sind eher Belustigung als sinnvoll.

greentwig
24.07.2012 08:17
5

Bitte helft mir!

"Überzogener Föderalismus ....weil die Durchgriffsmöglichkeiten auf deren Gebarung begrenzt sind...dass Madrid zwar zahlen „darf“, aber keine Garantien hat, dass die Regionen ihre Ausgabenpolitik...ändern.

Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Irgendwo hab' ich das schon 'mal gelesen??

Antworten lurch
24.07.2012 11:25
0

Irgendwie kommt mir das bekannt vor.

Ja bitte mir auch. Nur sind wir in einer höheren Liga, wo die Unterstützungssummen weitaus größer sind. Das ist ja das Fatale!

hereandnow
24.07.2012 06:23
18

Interessante Graphik!

Wie immer ist das was NICHT gezeigt wird am interessantesten ...

Welche Länder in Europa haben einen niedrigen Schuldenstand?

Ganz klar ... jene die NICHT in der Eurozone sind oder erst gar nicht zur EU gehören!

Ein herzliches Danke an unsere ferngesteuerten Politclowns für die vielen Lügenmärchen kommt garantiert von unseren Enkelkindern.

Und an uns wohl die Frage:

"Wie war das damals, Opa ... ?
Wart ihr echt so blöd denen alles zu glauben?
Und das nachdem schon einmal in den 1930ern ...?"

Antworten Iason
24.07.2012 18:17
0

Eurozone: Vereinigte Schuldenländer Europas


Im Westen "Land unter". im Osten lachen sie uns vermutlich schon aus und sehnen sich wieder den Kommunismus herbei.

"Too big to bail", wird es bald in Spanien und Italien heißen.

Antworten Antworten hereandnow
24.07.2012 18:35
0

"Too big to fail ... !"

.. dachten wohl auch die Dinosaurier, bevor sie ausstarben.

:-)


Antworten Gast: hier die wahrheit
24.07.2012 07:52
3

So einfach ist es nicht.

Die "blauen" Länder sind nicht nur die ohne Euro, sondern vor allem die EU-NETTOEMPFÄNGER.

Das sind die Länder, denen unsere Politiker seit dem EU-Beitritt Stück für Stück unser Staatsvermögen überweisen.

Deshalb haben die (unser) Geld, und wir sind auf der Grafik und politisch schön rot eingefärbt.

Antworten Antworten hereandnow
24.07.2012 19:32
1

Re: So einfach ist es nicht.

Zu den Länder, denen unsere Politiker seit dem EU-Beitritt Stück für Stück unser Staatsvermögen überweisen gehören genauso:

Griechenland
Portugal
Italien
Irland

Alles EU-NETTOEMPFÄNGER und trotzdem tiefrot!

Kann es sein , dass unser Staatsvermögen gar nicht dort angelangt ist sondern gleich an interessierte Finanzinstitutionen weitergvereicht wurde.

Egal, viel interessanter sind sowieso die "grauen Flecken" in der Grafik und deren Staatsverschuldung!

Kroatien 58,00 % vom BIP
Serbien 39,50 % vom BIP
Bosnien und Herzegowina 39,10 % vom BIP
Montenegro 38,00 % vom BIP
Mazedonien 24,80 % vom BIP
Albanien 59,30 % vom BIP
...

Keiner davon ist EU-Mitglied und hat weit weniger Schulden als der EU-Durschnitt!

Ob hier ein Zusammenhang besteht ... ?

Antworten Antworten Darabimo
24.07.2012 09:00
0

Re: So einfach ist es nicht.

Aha, Griechenland und Spanien sind also keine Nettoempfänger gewesen...

mecreant
24.07.2012 01:18
9

locker

vom Hocker,
wir bezahlen das,
und???
ich darf mir auch ein Wernerle und Spindi leisten, von der grünen Gurke mal abgesehen
abgezockt werd ich so oder so...............

 
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