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Schlupfloch Notkredite: Die Lizenz zum Euro-Drucken

26.07.2012 | 10:29 |   (DiePresse.com)

Die EZB nimmt keine griechischen Anleihen mehr als Sicherheit an. Das Geld fließt aber weiter: "Permanente Notkredite" machen es möglich.

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Seit Mittwoch nimmt die Europäische Zentralbank (EZB) keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit an. Griechenland kann sich somit von der EZB kein Geld mehr besorgen. Mehr als ein symbolischer Schritt ist das aber nicht. Denn der Geldfluss für griechische Banken versiegt damit nicht: Diese müssen nun auf Notfallkreditlinien der griechischen Zentralbank ausweichen. "Die Absicherungswirkung gegen einen Bankrott Griechenlands, die man auf den ersten Blick vermuten könnte, tritt nicht wirklich ein", schreibt dazu das "Handelsblatt".

"Jetzt drucken die Griechen ihre Euro selbst"

"Jetzt drucken sich die Griechen ihre Euro selbst", titelte daher "Focus Online". Allerdings mit Duldung der EZB. Denn das Notfallprogramm, bekannt auch unter dem Namen "Emergency Liquidity Assistance" (ELA), ist an die Genehmigung des EZB-Rats gebunden. Die EZB verstößt damit im Prinzip gegen ihre eigenen Vorgaben. Denn wenn die EZB keine griechischen Anleihen mehr akzeptiert, dürfte sie eigentlich auch die Notfallkredite nicht akzeptieren: "Insolvente Banken dürfen nach den Regeln der EZB auch die nationalen Zentralbanken nicht stützen", berichtet das "Handelsblatt".

Theoretisch werden Notfallkredite auf Risiko der nationalen Zentralbanken, in diesem Fall der griechischen Notenbank, vergeben. Wenn die griechischen Banken also ihre Kredite nicht zurückzahlen können, ist das ein Problem der griechischen Zentralbank. Die EZB und die haftenden Euroländer sind somit aus dem Schneider - aber nur theoretisch. Denn im Falle eines Staatsbankrotts oder Austritts Griechenlands aus der Eurozone müsste die griechische Zentralbank ihre Verbindlichkeiten gegenüber der EZB - die sogenannten "Target-Salden" (mehr dazu...) - begleichen, wozu sie aber nicht im Stande sein wird.

Fast gesamte Refinanzierung über Notkredite

Im Mai hatte "Welt am Sonntag" davon berichtet, dass in Europa 145 Milliarden Notkredite schlummern würden. Griechenland, Irland, Spanien und Zypern hatten ihren Banken allein im März Notfallkredite in Höhe von mehr als 120 Milliarden Euro gewährt. Seit Jahresbeginn hat sich das Volumen demnach verdoppelt. Bereits im Mai - kurz nach dem Schuldenschnitt - soll sich Griechenland nur 3,5 Milliarden Euro auf dem normalen EZB-Weg besorgt haben, aber 124 Milliarden über die heimische Notenbank, berichtet auch "Focus Online". Im Juni wurden 74 Milliarden über die konventionellen EZB-Geschäfte beschafft, 62 zusätzliche Milliarden über die Notkredite.

Und daran dürfte sich vorerst nichts ändern - im Gegenteil. "Ich gehe davon aus, dass fast die gesamte Refinanzierung, die bislang noch über die EZB gelaufen ist, durch ELA-Kredite substituiert wird", zitiert "Focus Online" Johannes Mayr, Volkswirt bei der Landesbank BayernLB.

"Schrottpapiere in harte Euro eintauschen"

Innerhalb der EZB sind die Notfallkredite dem Focus-Bericht zufolge keineswegs umstritten: "Die Gewährung von ELA-Krediten wird im EZB-Rat regelmäßig diskutiert und unter verschiedenen Aspekten bewertet - auch vor dem Hintergrund, dass die ELA-Gewährung vorübergehend sein soll und keinen permamenten Charakter hat", teilt die deutsche Bundesbank mit.

Auch in dem "Welt am Sonntag"-Bericht wurde vor den ELA-Auswüchsen gewarnt: "Im Rahmen dieser Notfallhilfen kann eine nationale Zentralbank nach eigenem Ermessen weitere Milliardensummen verleihen – und sie kann selbst entscheiden, welche Sicherheiten sie dafür verlangt. In der Praxis bedeutet das: Selbst Wertpapiere oder Kredite mit Ramsch-Status können als Sicherheit für eine ELA noch lange gut genug sein. Die Notenbank tauscht Schrottpapiere in harte Euro ein."

Keine Chance auf Mehrheit

Der EZB-Rat hätte zwar die Möglichkeit, die heimlich rotierenden Notenpressen des griechischen ELA-Programms zu stoppen. Dazu ist aber eine Zweidrittelmehrheit im Rat notwendig. Allerdings haben dort alle Zentralbanken nur eine Stimme - und die Profiteure der Notkreditprogramme sind momentan in der Mehrheit.

(phu)

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45 Kommentare
 
12
Gast: Detlef Bosau
28.07.2012 14:37
1 0

Was ist nun Ihre These?

Das Problem ist klar, auch wenn Umschreibungen wie "Euro drucken" oder "Notenpresse" nicht wirklich zum Thema passen.

Wenn griechische Banken, und darauf liefe Ihre implizite Forderung hinaus, keine Verbindlichkeiten mehr mit Euro-Zahlungsmitteln begleichen dürften, stünde Griechenland faktisch von jetzt auf gleich ohne gesetzliches Zahlungsmittel da.

Wir hätten von jetzt auf gleich einen Schwarzmarkt mit Euro aus dem Ausland, USD oder Zigaretten oder was auch immer.

Eine Konsequenz davon wäre, daß dem griechischen Staat sofort alle Einnahmen wegbrechen würden.

Die Frage ist, ob es wirklich sinnvoll ist, so etwas zu wollen.

Detlef Bosau, Stuttgart

Es ist bald vorbei

Die Target-Salden explodieren wöchentlich. Allein die Deutsche Bundesbank hat gegenüber der EZB Forderungen von über 800 Milliarden Euro!
Diese Forderungen, im wesentlichen aus ELA-Bewegungen der Länder Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich und Portugal im EZB-System resultierend, sind de facto uneinbringlich.

Die Lügenpropaganda im Umfeld der Rettungssysteme erscheint, zumindest was die absoluten Zahlen betrifft, dem gegenüber geradezu lächerlich.

http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/_Haftungspegel

Antworten Gast: Detlef Bosau
28.07.2012 15:40
1 0

Re: Es ist bald vorbei

Ach ja, HWS und seine Targetsalden.

Ich kann es nicht mehr hören.

Wo war den HWS mit seinen Weisheiten, als deutsche Werften U-Boote an Griechenland verkauft haben? Nun, als die Rechnung geschrieben wurde, wurde eine n Bilanzverlängerung gebucht:

Forderungen aus L&L an Umsatzerträge und Umsatzsteuerverbindlichkeiten.

Richtig?

Nur hatten wir da die Forderungen auf der Aktiv-Seite, und da waren sie Bestandteil unseres Außenhandelsüberschusses. Und kein Mensch hat je nach deren Realisierbarkeit gefragt!

Das ganze Drama liegt doch wesentlich mit darin begründet, daß wir uns über Jahrzehnte selber betrogen haben! Und dafür kriegen wir nun, wie ich denke: zurecht, die Quittung.

Gast: Wunder über Wunder
27.07.2012 12:22
2 0

Ist ein alter Hut!

Die Mainstream-Medien entdecken ELA erst jetzt.

Gast: r-tiroch@t-online.de
27.07.2012 08:52
3 0

Dreckspiel

das elende und verlogene Dreckspiel geht gerade in die Endrunde. die Superpolitiker aber reden davon, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Gast: scheckenburgerhans
26.07.2012 20:40
2 0

Gold kaufen - JETZT !

Leute legt los und macht auch mit.

1000 Euro abheben und Goldbarren kaufen - SCHNELL bevor es zu spät ist.

(100 Euro für den kleinen Geldbeutel - jede große Bank verkauft Goldbarren ohne Mehrwertsteuer )

Gast: Sparschweinderl
26.07.2012 18:30
3 0

Werde ich geschlachtet?

Was kommt danach?
Jeder Bürger der mehr als drei Monatsgehälter gespart hat dem wird das Geld zugunsten der Pleiteländer eingezogen?

Oder jeder Bürger der mehr als drei Monatsgehälter gespart hat bekommt keine Beihilfen mehr?

Irgendwie muß ja weiter Geld beschafft werden...

Gast: Defender
26.07.2012 17:18
7 0

RAUS SOFORT!

"Profiteure der Notkreditprogramme sind momentan in der Mehrheit."

Darum müssen wir mit Deutschland aus diesem Geisterzug raus und zwar SOFORT!

Re: RAUS SOFORT!

Sorry, aber was sollen denn diese Schnellschüsse. Keine Sorge, ich bin über die Entwicklung auch nicht glücklich.

Aber: Wieviele unserer "Guthaben" Deutschland (und auch in felix austria) sind denn "notleidende Forderungen" an griechische Schuldner? Wenn wir Griechenland einfach aus dem Euro werfen würden, wäre doch in Deutschland ein Großteil des Mittelstandes sofort pleite.

So schwer uns das allen fällt - aber mit Panikreaktionen ist doch niemandem geholfen.

Wir werden, nolens volens, erstmal stützen _müssen_, und dann dringend dafür sorgen, daß (nicht nur in Griechenland) unsere Wirtschaft endlich wieder in Fahrt kommt, und zwar die Realwirtschaft, nicht der Finanzblödsinn.

Und wir werden die Finanzdienstleistungen durchforsten müssen, um das "Money Pumping" zu drosseln.

Ein Bankensturm den man bis zum Ende aussitzt

Ich glaub das dürfte ziemlich einmalig in der Wirtschaftsgeschichte sein. Klar, bank runs hat es schon früher gegeben, aber die kamen schnell zu einem Ende, weil die Banken einfach nichts mehr her gaben bzw. geben konnten.

Typischer Weise haben die Regierungen dann interveniert, den Umtausch in fremde Währungen unterbunden und / oder gleich eine Währungsreform durchgezogen. Doch das was in Griechenland geschieht ist neu.

Die (reichen Griechen) plündern ihre Bankkonten, schaffen ihr Geld ins Ausland, und es geschieht nichts. Die Banken bleiben offen, die EZB schafft frisches Geld heran, und der Staat denkt nicht mal dran den Geldabfluss zu behindern. Stattdessen wird auf Zeit gespielt, damit auch niemand zu spät zur Bank kommt.

Nach gut zwei Jahren Diskussion über den "Grexit" haben wohl auch schon die ältesten Omas die Bank "gestürmt". Ausgenommen die, die zwar noch Rente beziehen aber leider schon länger tot sind..

Fürs griechische Kapital hat der Grexit damit längst den Schrecken verloren, es ist in Sicherheit. Die Risiken tragen jetzt Deutschland und Co. Und zurückkommen wird das Kapital erst, wenn es das gefahrlos tun kann. Also nach dem Grexit, nicht davor. Bis dahin muss die Wirtschaft daher ständig schrumpfen.

Das Handeln der EU wird wohl als die größte anzunehmende Dummheit (oder gar Super-GAD) in die Geschichte eingehen.

Re: Ein Bankensturm den man bis zum Ende aussitzt

Und was wäre nun Ihre Gegenmaßnahme?

Zur Zeit lese ich ja viel Gebrüll. Je lauter umso besser. Nur: Was soll denn Ihrer Meinung nach konkret geschehen?

Vor allem, wenn wir mal bei der impliziten These des Artikels bleiben und man Griechenland mal eben den Euro komplett "verbietet". Fein, dann können Ihre "Omas" auch keine Euros mehr abheben, dann sind die nämlich weg.

Nicht, daß der Focus im Original mehr über seinen Unsinn nachgedacht hätte. Bei uns in Deutschland ist das Blatt nicht eben Pflichtlektüre für Ökonomen. Und HWS wird von solchen regelmäßig zerlegt. (Talkshows, BILD Zeitung und Focus sind nun keine Fachpublikationen.)

Aber etwas mehr kritische Analyse würde ich mir schon wünschen.

Gast: tom_de_ville
26.07.2012 17:00
7 0

es riecht nach betrug

sparpläne zur einteignung der bürger und zusammenbruch der sozialsysteme und der öffentlichen hand. die europäischen staaten werden mit voller absicht von den bilderbergern und mit hilfe der usa ratingagenturen gegen die wand gefahren - bei einführung der NWO können die verantwortlichen nur noch 4/5 der menschheit ausrotten - sonst hängen sie selbst an den bäumen.

unglaublich

raus mit den griechen, sofortiger stoppp fuer alle nationalen "notkredite"!!! ich frage mich, wozu die verhandlungen auf eu-ebene, wenn dann ohnehin
jedes land macht was es will! novotny wo bist du?

Re: unglaublich

und wo sollen Bürger enteignet werden
Und was haben die Bilderberger damit zu tun?

Es befremdet mich etwas, welche Verschwörungstheorien hier ausgepackt werden.

Antworten Gast: Ewald N.
26.07.2012 20:04
1 0

Re: unglaublich

Ja, also, ähm, ja, also, ähm - also, es ist alles unter Kontrolle, wir machen ein gutes Geschäft!

Re: unglaublich

Nowotny lässt sich gerade von den Bilderbergern beraten und hat keine Zeit für uns!

0 4

Der Euro steigt jedenfalls heute wieder einmal

Ist das bereits das Ende des Tals der Tränen für den jetzt vielgeschmähten Euro?
Ich meine JA, denn viel schlechter kann die Stimmung eigentlich nicht mehr werden.

Es ist bald an der Zeit ein andere Kuh durch's Dorf zu treiben.


8 0

einzig sinnvoller Ausweg

Beendigung dieser unsinnigen Union, welche solch Vergehen ja sehr wahrscheinlich wissentlich, erst ermöglichte !

Das all diese Schulden die Völker jeweiliger Länder spätestens morgen schon bezahlen müssen, stört in Brüssel/Strassburg niemanden, denn dort lebt man ja selbst von geborgtem Geld der Allgemeinheit, welcher es immer schlechter gehen wird !

7 0

Lizenz zum Mundraub wäre treffender formuliert denn - das ist es und nicht ein Iota weniger!


Gast: b754
26.07.2012 14:33
11 0

Ist ja eigentlich pervers ...

... dass da Notenbanken, die Notkredite brauchen sich diese selber genehmigen können! Damit kann eigentlich jede Notenbank nach belieben Euros drucken ... womit die sauer erarbeiteten Euronen nicht mal das Papier auf das die Zahlen gemalt sind wert sind ..

7 0

Re: Ist ja eigentlich pervers ...

Eigentlich läuft das Ganze bereits seit der Einführung des Euros. Nur war das den Leuten nicht so bewusst. Erst die Finanzkrise 2008 und die folgende Staatsschuldenkrise hat vielen die Augen geöffnet. Ich vermute aber viel zu spät, denn es gibt keine Korrektur ohne große Schmerzen für alle und Politiker werden immer versuchen kurzfristige Schmerzen zu vermeiden, damit sie nicht sofort abgewählt werden.


Gast: schonbald
26.07.2012 14:33
4 0

kann sich

jeder 10.000 er euro scheine drucken

gegenwert 2 x 5000 er euro scheine vom nachbarn

5 0

no way out

Europa liegt real finanziell bereits in Trümmern. Den Wiederaufbau zahlen wir so oder so. 30 % unseres Wohlstandes können wir vergessen.

Antworten Gast: cdo
26.07.2012 15:28
0 1

Re: no way out

3x 30% oder eh nur 1x? ;)

1 0

no way out

Europa liegt real finanziell bereits in Trümmern. Den Wiederaufbau zahlen wir so oder so. 30 % unseres Wohlstandes können wir vergessen.

0 0

no way out

Europa liegt real finanziell bereits in Trümmern. Den Wiederaufbau zahlen wir so oder so. 30 % unseres Wohlstandes können wir vergessen.

 
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