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Schuldenkrise: Deutsche streiten über Griechen-Hilfe

29.07.2012 | 18:33 |   (Die Presse)

In Deutschland mehren sich die Rufe nach einem Stopp der Finanzhilfen für das schuldengeplagte Griechenland. Politiker und Institute rechnen nach, wie schlimm eine Pleite des Landes überhaupt wäre.

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Wien/Red./Ag. „Griechenland ist nicht zu retten, das ist simple Mathematik“, sagte etwa Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs in der „WirtschaftsWoche“. Die griechische Verwaltung sei weder willens noch fähig, Reformen umzusetzen, auch wenn die Regierung solche beschließen würde. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bekräftigte am Wochenende seine Äußerung, ein Euro-Austritt Griechenlands habe seinen Schrecken verloren.

Zwar müsse das Land darüber selbst entscheiden. Die Gefahr eines Dominoeffekts für andere Krisenstaaten sieht Rösler aber nicht. Zum einem würden der Rettungsschirm EFSF und sein Nachfolger ESM die Länder unterstützen, zum anderen würden Spanien, Italien, Portugal und Irland Strukturreformen durchführen. Reformländer sollten unterstützt werden, andere nicht, forderte Rösler. Als der deutsche Wirtschaftsminister zuletzt diese Äußerung getätigt hatte, hatte er für Unruhe an den Märkten gesorgt und sich heftige Kritik aus den eigenen Reihen eingehandelt.

Athen: Einigkeit über Sparkurs

Auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der am Montag auf Sylt mit seinem US-Kollegen Timothy Geithner über die Schuldenkrise berät, kritisierte die durch Rösler angeheizte Debatte über einen Euro-Austritt Griechenlands. Zusätzliche Hilfen schloss er allerdings aus.

Die Griechen reagierten auf die Ungeduld der Deutschen. In der Regierung herrsche Einigkeit über den größten Teil der Einsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro, hieß es am Sonntag in Athen in Verhandlungskreisen.

Schäuble kritisierte indes auch das Ifo-Institut wegen seiner Berechnungen, denen zufolge ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone für Deutschland billiger sei als sein Verbleib. Das seien Milchmädchenrechnungen, meinte er.Ifo-Chef Hans-Werner Sinn forderte dagegen die Regierung auf, weitere Hilfen an Euro-Krisenländer nur noch gegen Sicherheiten zu leisten. Die Ratingagentur Moody's hatte Finnlands „AAA“-Rating bestätigt, während sie Deutschland einen negativen Ausblick verpasst hat. Ursache ist für Sinn, dass Finnland sich Sicherheiten für seine Kredite hatte geben lassen.

Gestritten wird auch über einen möglichen Schuldentilgungsfonds der Eurostaaten. Die Regierung ist dagegen. „Handeln und Haftung gehören immer zusammen. Jeder muss für seine eigenen Schulden selbst haften“, sagte Wirtschaftsminister Rösler.

Die Opposition ist anderer Ansicht: So meinte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, solange sich Bundeskanzlerin Angela Merkel „aus ideologischen Gründen“ gegen einen Schuldentilgungsfonds stemme, sei die Europäische Zentralbank gezwungen, Staatsanleihen zu kaufen. Die EZB sei der letzte Notanker, weil die Politik nichts tue, meinte auch SPD-Chef Sigmar Gabriel. Laut „Süddeutscher Zeitung“ steht die EZB schon bereit, um im Namen des Rettungsschirms EFSF spanische Staatsanleihen zu kaufen und die dortige Zinslast zu senken. Voraussetzung wäre allerdings ein Hilfsantrag des Landes an die anderen Eurostaaten, und einen solchen gibt es vorerst nicht.

Lob für Spaniens Reformeifer

An diesen Spekulationen sei nichts dran, meinte Schäuble in der „Welt am Sonntag“. Die hohen Zinsen für Spanien seien zwar schmerzlich. „Aber die Welt geht nicht unter, wenn man bei einigen Anleiheauktionen ein paar Prozent mehr zahlen muss.“ Kurzfristig sei Spaniens Finanzierungsbedarf nicht so hoch. Die spanische Regierung ziehe auch Reformen durch wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Kürzung der Beamtenpensionen. „Dafür gebührt ihr Respekt.“ Auch die Finanzmärkte würden das in Zukunft honorieren, ist Schäuble überzeugt.

Auf einen Blick

Mit einem neuen Sparpaket, über das bereits weitgehend Einigkeit herrsche, will Griechenland eine Pleite und einen Euro-Austritt doch noch abwehren. In Deutschland wird der Ruf lauter, Griechenland keine zusätzlichen Hilfen mehr zu gewähren. Politiker und Institute denken laut darüber nach, ob ein Euro-Austritt oder eine Pleite Griechenlands überhaupt so schlimm für die deutsche Wirtschaft wäre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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48 Kommentare
 
12
Gast: msthomasius
30.07.2012 13:04
1 0

unglaubwürdig

solange der griechische Staat Milliarden an Gehältern, Löhnen und Forderungen aus Dienstleistungen (u.a. niedergelassen Ärzte)
einfach zurückhält und gegen gültiges Recht verstößt, sind alle neuen Reformbemühungen
einfach nur unglaubwürdig.
Solange der griechische Staat seinen Bürgern
z.B, Sozialversicherungsbeiträge abverlangt, dafür aber im Grunde der medizinische Versicherungsschutz defacto abgeschafft wurde, da sich ein kranker Mensch hierzulande nur noch unzureichend kostenlos med. versorgen lassen kann, solange ist jede neue Reform auf Sand gebaut.
Solange schon ein Obdachloser Steuern zahlen muss - weil er existiert und alle Freibeträge abgeschafft wurden; Kinder, Häuser, Autos bereits als Luxus steuerlich deklariert werden,
solange sind neue Reformen einfach nur unverschämt.
Es wäre ehrlicher, der griechische Staat würde seine Zahlungsunfähigkeit endlich eingestehen
und die Konsequenzen daraus ziehen.
Das Land ist insolvent - und das nicht erst seit
gestern.

Tragen die Maske die Roten und die Grünen????


Gast: advo
30.07.2012 10:25
0 3

Kontraproduktiv

Die Situation ist bereits so verfahren, dass ein Austritt Griechenlands nur noch größere Probleme nach sich ziehen würde.
Es geht nicht anders als Durchtauchen! Um weitere große Schuldennachlässe werden die Gläubiger nicht herumkommen.

blödsinn! Besser spät als nie

Griechenland bleibt ein Fass ohne Boden und auch wenn schone 200 Mrd hineingeflossen ist, ist jeder weitere cent einer zu viel, weil das vorherige Geld sowieso verloren ist.

ich mag Griechenland und die Griechen

aber nicht in Geldangelegenheiten,

gebt Ihnen die Drachme, Anschubkapital, einen Plan ...

irgendwann, in ferner Zukunft werden sie auch Mitteleuropäer ... vielleicht

kann aber auch gut so sein ...

In Deutschland gibt´s wenigstens eine lebhafte Diskussion...


....aber bei uns in Österreich "Schweigen im Walde".

Haben wir überhaupt noch eine Regierung?

Re: In Deutschland gibt´s wenigstens eine lebhafte Diskussion...

Gute Frage - ja, wo ist sie denn, unsere Regierung ?!? Haben wir etwas, das diesen Namen verdient?
Die haben doch ALLE alle Hände voll damit zu tun, von den Sauereien abzulenken, die sie in den letzten Jahrzehnten angerichtet haben (und weiterhin anrichten) und den Bürgerinnen und Bürgern wieder irgendetwas vorzulügen - schließlich ist die nächste Wahl nicht mehr fern! Da hat man keine doch nicht Zeit für solche Kleinigkeiten wie die Eurorettung, Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des Landes, (ideologiefreie) Verbesserung der Bildung, .....
Ich weiß, das klingt irgendwie pessimistisch. Aber ich habe irgendwie auch langsam die "Schnauze voll" von dieser "Bagage"!

Antworten Antworten Gast: auswanderhilft
30.07.2012 19:14
0 0

Re: Re: In Deutschland gibt´s wenigstens eine lebhafte Diskussion...

Auswandern hilft!

1 0

Sicherheiten gegen Geld

Jeder der meint ohne einen Kredit nicht weiter zu kommen wird von der Bank nach Sicherheiten gefragt. Präsentiert er keine gibt es auch keinen Kredit. Wie wäre es zum Beispiel für eine Insel für jede Milliarde. Wenn der Kredit zurück gezahlt ist geht die Insel wieder zurück in griechischen Besitz, solange benutzen die Kreditgeber die Insel als Kriegsspielplatz für Manöver oder Urlaubsort für sozial Schwache.

Gast: joseph
30.07.2012 08:52
3 0

einigkeit

in athen herrscht einigkeit ueber einsparung von 11,5 milliarden. das kann man glauben.

ueber die durchfuehrung werden sie streiten und den rest europas wieder hinters licht fuehren.

Gast: smilefile
30.07.2012 08:51
1 0

Geht in Richtung,...



Zentralbudget,- und 5 Jahresplanung! / ...

Hm...das hatten wir doch schon mal??!/...

Nimmt sich Europa China,- als Vorbild?? /

Oh, die Institute und Politiker

rechnen nun nach, was eine Pleite kosten würde? Bisher haben uns alle erklärt, eine Pleite würde teurer kommen. Wieder mal lauter Mist, der uns erzählt wird. Muss aber wohl so sein, die damit Beschäftigten haben wieder keine Ahnung.

Gast: Geist von Cecil Rhodes
30.07.2012 01:04
2 3

Ist Rösler nicht auch ein Bilderberger

- also einer, der sich im Geheimen gegen Staaten verschwört?

Wollen die Bilderberger nicht die Nationalstaaten abschaffen und ein globales 1-Staaten Kommunismusgebilde verbunden mit einem Turbokapitalismus, gesteuert von einem Zentralrat, indem nur eine Währung von einer Zentralbank (mit möglichst britischen Besitzern), geschaffen wird, schaffen?

Warum hört man Rösler zu, was dieser über Griechenland oder Deutschland nachkaut?
- warum fragt man nicht gleich Rockefeller selbst? - ein Interview oder dessen Biografie lesen, reicht, so ist man schon Monate vorab up to date, was von den Polithampeln gemacht werden soll und muss nicht zig Zeitungsartikel mit den selben schwammigen Inhalten lesen.


Inflation gefällig?

War es Griechenland oder Spanien, ich weiss es nicht mehr. Aber, dass man für einen von beiden wieder rund 12 Milliarden EURO locker machen will, ist mit Sicherheit war. Ich frage mich in der Tat, wo kommt das viele Geld her?Man verteilt die Milliarden wie im Fasching die Pralinen. Ich fürchte nur, dass die Experten die Druckerpresse an geworfen haben.Dass uns da über kurz oder lang eine fürchterlich Inflation ins Haus wächst, dürfte wohl allen klar sein. Geld, das zunächst überhaupt nicht gedeckt ist. Erst der Steuerzahler macht es zu einem legalen Zahlungsmittel.Die Internationalisten aller Farbschatierungen basteln an dieser EU solange herum, bis wir alle aus dem Napf fressen.
MfG.

Timothy Geithner

Ein Bock der zum Gärtner wurde ..

Gast: Pischtto
29.07.2012 22:30
2 0

Deutsche streiten über Griechen-Hilfe,

und was machen die Ostrreicher. Die schweigen. Wollen die Österreichen die Schuldenländer subwentzionieren? Schön, dann macht Ihr das.
Servus!

Antworten Gast: Defender
30.07.2012 07:27
2 0

Re: Deutsche streiten über Griechen-Hilfe,

Auch die Mehrheit der Österreicher hält
nichts von diesen Subventionen , aber noch weniger von "subwentzionieren"!

14 0

Lob für Spaniens Reformeifer

ist das nicht ein wenig verfrüht?

Jahrzehnte wurde missgewirtschaftet, seit 6 Wochen reformieren die Spanier und jetzt gibt es schon Lob, was ja nichts anderes heisst als:
Gebt ihnen mehr Milliarden, die sind eh brav....

Sie, die Politiker sind verblendet und uns halten sie für dumme Lämmer.....dass sich solche Leute noch in den Spiegel sehen können, dass sie nicht vor lauter Scham sich gleich in Luft auflösen ist schon sehr schade.


Re: Lob für Spaniens Reformeifer

es dürfte ihnen entgangen sein, dass die spanien-krise keine staatskrise sondern eine bankenkrise war.
der staat muss heute auf teufel komm raus sparen bzw seine bürger abgreifen, weil wahnsinnig viel geld für die bankenrettung vonnöten war.

der spanische staat hingegen war und ist (ohne diesen rucksack) besser aufgestellt als zb ösistan!

Re: Re: Lob für Spaniens Reformeifer

Die Umschichtung von Kapital vom Steuerzahler zu Banken ist kein "Muss".
Die üblichen Beispiele finden sich im Norden.
Aber es ist ein Streit um des Kaiser´s Bart. Die spanischen Wirtschaftsdaten (6% Rezession, 4,5%+ Anleihenkupon, 25% Arbeitslosigkeit, 50% bei den unter 24-jährigen) sind eher nicht so toll. Wenn der Staat in dieser Situation beschliesst, Geld aus dem noch verbliebenen funktionierenden Wirtschaftsbereich abzuziehen, um es in einen Pleitesektor zu stecken, ist von voller Absicht auszugehen.
Es soll also so sein.

Korrektur

Natürlich nicht 6% Rezession, sondern Defizit. Wirtschaftsrückgang bei 2%.

4 0

Re: Re: Lob für Spaniens Reformeifer

.....und....?

Das rechtfertigt Milliardenbeträge die von anderen EU Bürgern bezahlt werden?
Das rechtfertigt die Politiker zum fröhlichen durchboxen eines ESM?
Letztendlich sind die Vorzeichen weshalb wir Haftungen übernehmen dürfen doch egal oder?
Und wenn die Spanischen Banken eine ImmObilienase gebastelt haben, so ist das mit hier in Österreich so weit eigentlich egal....oder Glauben Sie, dass die Spanier im Gegenzug unsere ÖBB-Schulden zählen werden?


Re: Re: Re: Lob für Spaniens Reformeifer

ist eine haftpflichtversicherungs-pflicht für das auto in ordnung?

in ihren augen vermutlich nicht, denn sie bevorzugen die methode "richte ruhig großen schaden an, und wenn der schadensausgleich dann deine finanziellen möglichkeiten übersteigt.... auch gut"

meine aufforderung: bevor sie mit den wölfen das billige lied mitheulen, informieren sie sich mal darüber, was uns eine NICHThilfe + eintretender schadensfall erst kosten würde!

0 0

Re: Re: Re: Re: Lob für Spaniens Reformeifer

Genau hier sehe ich eines der Probleme:

Es sind anscheinend die im Recht, welche die Zahlungen für gut heissen, ohne auch je ein Argument dafür geliefert zu haben was ein "Austritt" kosten würde.

Ich will ja nicht streiten, bin sofern ich für mich betrachte halbwegs gut informiert, sehe aber immer nur die Argumente der Banken und Politker die nur ein Szenario im Blickfekd haben: Zahlen bis zum bitteren Ende, ohne Rücksicht auf kommende Generationen.
Wenn ein Wirtschafter dann doch meint, dass eine Auflösung ders Euroraumes "billiger" wäre, so wird er Mundtot gemacht und Schäuble meint nur, dass es sich um eine Milchmädchenrechnung handelt.

Na net....der will ja seinen Standpunkt vertreten bis er ins Grab steigt.
Die Politiker im Allgemeinen, das ist meine persönliche Meinung, lassen keine andere Meinung zu, weil es unvermögen ihrerseits zeigen würde....und das geht halt garnicht.

...nur als einzelnes zeitnahes Beispiel:

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2012-07/24167351-euro-austritt-griechenlands-schaeuble-kritisiert-berechnung-des-ifo-instituts-003.htm

Re: Re: Re: Re: Re: Lob für Spaniens Reformeifer

"..ohne auch je ein Argument dafür geliefert zu haben was ein "Austritt" kosten würde"

da gibt es modellrechnungen.
im fall eines euro-austritts von griechenland kämen allein auf ö direktkosten von 10,9 mrd € zu und eine reduktion des BIP um ~4 prozent.
wie ich finde: eine gewaltiger gesamtbetrag schon beim winzling griechenland. was das erst bei einem austritt spaniens ausmachen würde, möchte ich lieber nicht hochrechnen!
(siehe: http://derstandard.at/1339639932253/Fritz-Breuss-Eurozone-Trojanische-Pferde-fuettern) - hier finden sie auch andere szenarien und deren kosten....

0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Lob für Spaniens Reformeifer

Dem entgegen gibt es aber, so wie ich meine ein eigentlich gutes Konzept von Sahra Wagenknecht:

Es muss meiner Meinung nach irgendwann schluss sein mit dem ewigen verschuldungen...so oder so.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/sahra-wagenknechts-konzept-zur-euro-rettung-a-845862.html

 
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