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Eurokrise: Druck auf Deutschland steigt

30.07.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Euro-Gruppen-Chef Juncker warnt vor "Zerfall der Eurozone". Ex-Premierminister Blair ist für Eurobonds, und auch US-Finanzminister Geithner fordert mutige Schritte zur Krisenlösung: Lenkt Berlin doch noch ein?

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Wien/Brüssel/Aga/Ag. Für die Eurokrisenmanager liegt die Sommerpause in diesem Jahr auch Ende Juli noch in weiter Ferne. Deutschland gerät in der angespannten Lage sowohl von innen als auch von außen unter Druck: Berlin ist angesichts der jüngsten Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB), ihr Staatsanleihenaufkaufprogramm für strauchelnde Schuldenländer wie Italien und Spanien im Rahmen eines großen Maßnahmenpakets wieder aufleben zu lassen, äußerst skeptisch.

Die Idee von Notenbankchef Mario Draghi: Die EZB und der europäische Rettungsschirm EFSF könnten beim Staatsanleihenkauf gemeinsam agieren, um die hohen Zinsen auf die Papiere zu drücken. Zwar erklärte eine Sprecherin des deutschen Finanzministeriums am Montag, Sekundärmarktkäufe von Anleihen seien gemäß EU-Vertrag „nicht unzulässig.“ Tatsächlich aber ist Berlin über die Pläne von Draghi alles andere als erfreut. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“, die Welt gehe „nicht unter“, wenn bei einigen Anleiheauktionen höhere Zinsen zu zahlen seien. CSU-Chef Horst Seehofer formulierte es deutlicher: „Würde die EZB an die Stelle der Mitgliedsländer treten, dann würden die nationalen Parlamente umgangen.“ Der entschiedenste Gegner der geplanten Staatsanleihenkäufe aber ist der Chef der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann. Am gestrigen Montag traf er mit Draghi zu einem „Gedankenaustausch bei einer Tasse Kaffee“ zusammen, um „Differenzen über den weiteren Kurs der EZB in der Eurokrise beizulegen“, wie es offiziell hieß.

„Keine Zeit mehr zu verlieren“

Wieder einmal zögern die Deutschen, und wieder einmal steigt der Druck von allen Seiten: Selbst Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, sonst nicht für dramatisierende Worte bekannt, warnte in einem gestern erschienenen Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ vor einem Zerfall der Eurozone. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, gab er zu bedenken. EFSF und EZB müssten handeln. „Ich will nicht Erwartungen schüren. Aber ich muss sagen, wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen“, so Juncker. Daher müsse mit allen verfügbaren Mitteln deutlich gemacht werden, dass „wir fest entschlossen sind, die Finanzstabilität zu gewährleisten“.

Spaniens Europaminister Iñigo Mendez de Vigo hatte am Sonntag in dieselbe Kerbe geschlagen und den Druck auf Berlin gehörig erhöht. „Deutschland hat wie kein anderes Land von den Exporten innerhalb der EU profitiert“, erinnerte er.

Kritik am deutschen Krisenmanagement und die Forderung nach schnellerer Handlungsbereitschaft kommt aber auch aus Übersee: So bemühte sich US-Finanzminister Timothy Geithner gestern eigens auf die Nordseeinsel Sylt, um seinem dort urlaubenden deutschen Amtskollegen Schäuble einen Besuch abzustatten. Der Tenor des Amerikaners: Die Euroländer müssten endlich kühnere Schritte zur Lösung der Krise wagen. Nach seiner Unterredung mit Schäuble flog Geithner nach Frankfurt, wo er mit EZB-Chef Draghi zusammentraf.

 

Blair fordert von Berlin Zugeständnisse

Und auch so mancher Ex-Politiker schaltet sich mit mahnenden Worten in die verlangsamte Krisenpolitik ein: Der frühere britische Premierminister Tony Blair forderte Deutschland in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung zur Eurorettung auf. Die derzeitige Krise sei für ihn „eine neue Erfahrung, am ehesten noch vergleichbar mit der Situation in den 1930er-Jahren“, schrieb er. „Sämtliche Alternativen sind unschön. Aber die beste Alternativen für Europa, und insbesondere für Deutschland, besteht darin, den Euro zu retten.“

Blair räumt zwar ein, dass das Dilemma für Deutschland offensichtlich sei. Aber: Den Euro jetzt aufzugeben „wäre eine Katastrophe, und zwar wirtschaftlich, nicht nur politisch“. Konkret fordert der ehemalige Labour-Premier von Deutschland, „einer Vergemeinschaftung von Schulden“, also Eurobonds, zuzustimmen. Eine Option, die Kanzlerin Angela Merkel bisher kategorisch abgelehnt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2012)

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331 Kommentare
 
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Blair fordert von Berlin Zugeständnisse

Was der US-Pudel fordert hat die gleiche Relevanz wie wenn Busek oder Androsch etwas fordern.

Nämlich genau Null und das ist auch gut so.

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Das Fehlen an Leadership in Europa

ruiniert den Euro.

Die Deutschen wissen zwar was sie auf keinen Fall zulassen wollen, wissen aber nicht, wie man den Kollaps von GR, SP und IT verhindern soll.
Klar, D profitiert am Meisten von den Minuszinsen, die sie heute bezahlen, weil andere Staaten hohe Zinsen berappen müssen.

Sie sollten schon aussprechen was sie wollen?
Wenn sie aus dem Euro raus wollen und eine neue harte DM (hart wie Kruppstahl) etablieren wollen, dann sollen sie es sagen.
Aber damit werden sie dann vermutlich nichts mehr in die EZ exportieren können.

Macht nur weiter so !

Aber das Gewinsel, wenn D dann endlich pleite geht, will ich aber nicht hören.

Das wird noch sehr böse enden.

Ex-Premierminister Blair ist für Eurobonds

Nona, was kann einem Sozen schon großartig einfallen, als Zwangsenteignung...

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Re: Ex-Premierminister Blair ist für Eurobonds

Naja, Eurobonds würde für D bedeuten, dass sie stat Null % Zinsen einen gewissen (angemessenen) Zinssatz für ihre Anleihen bezahlen müssten. Dadurch wären sie auch gezwungen ihre Schulden in den Griff zu bekommen, so wie Spanien und Italien auch!

Natürlich hat D auch hohe Schulden und bekäme bei spanischen Zinsen genauso Probleme wie Spanien.


Antworten Antworten Gast: gh
01.08.2012 15:37
0 0

Re: Re: Ex-Premierminister Blair ist für Eurobonds

wenn wir den pleitestaaten kein geld mehr geben , brauchen wir auch keine anleihen mehr aufzunehmen. zeit wird`s !

bekäme bei spanischen Zinsen genauso Probleme wie Spanien.

enau so ist es. Manchen kann das offensichtlich gar nicht schnell genug gehen, D in den Ruin zu treiben.

Was jedoch dann passiert, ist diesen Cretins vollkommen wurscht...

mir schwant Übles..

sollte der 23.12.2012 vielleicht doch noch zu einem Schicksalstag der ganzen WElt werden?
Bis dahin dürften es die diversen Banken und Politverbrecher wohl noch zusammenbringen, die gesamt Weltwirtschaft den Bach hinunter zu treiben.
Aber wahrscheinlich bin ich einfach nur zu dumm um dieses Sytem zu verstehen.
Zumindest wird mir das immer indirekt von unseren "Volksvertretern" unterstellt.

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Re: mir schwant Übles..

Die Frage ist, warum wussten die Majas von dieser weltweiten Finanzblase und dass sie am 23.12.12 platzen wird ???

Wird das zu einer typischen selbsterfüllende Prophezeihung?

Gast: M6 Fahrer
31.07.2012 11:05
5 1

HERBST 2012: ÖVP (Österreichische Verräter Partei): 5%


Juncker, Ade!

Raus mit Juncker, aber schnellstens!

NORD-Euro.

Okay, dann sollen DE, AT, NL und Skandinavien endlich austreten, dass man diese unsäglichen Mitnascher aus dem Süden nicht mehr am Futtertrog hat; und Griechenland, Italien etc. können von mir aus verrotten. Was stellen sich diese Herrschaften eigentlich vor: Nichts tun, und anschaffen wollen? Unbelievable!!!

Vergemeinschaften

der schulden mit Eurobonds also Länder die noch gesund sind mit Benzin Übergießen und Anzünden das sie mit verbrennen mit untergehen und Sparprogramme Kürzungen von 30% bis 50% der Sozialleistungen, Gehälter,Pensionen u.s.w also auf Asiatische Wirtschaft Anpassen. Machen wir das für die Amis ? Ein Wirtschaftswachstum in Europa mit Schulden Buckel (Eurobonds) ???

Gast: Der_Schatten_von_Qwertz
31.07.2012 09:41
9 0

Hoffentlich lässt der Euro-Zusammenbruch..


..das ganze Europäische-Unions-Planwirtschafts-Kasperletheater unter seinem Eigengewicht zusammenbrechen, und begräbt unter seinen Trümmern das Zentralkomitee in Brüssel, mitsamt dem antidemokratischen rot-grünen gender-Dreck und dem verfilzten Lobbyisten-Beamtentum.

Wenn schon alles kaputtgeht hier, so soll es hinterher doch zumindest zu einem demokratischen Neuanfang kommen können; ein Europa, in dem unpopuläre Gesetzesvorlagen nicht einfach nach Brüssel verlegt werden können, wo sie dann anonym durchgewunken werden und kein Volksvertreter seine Entscheidung vor dem Volk verantworten muss --- welch absurde Inszenierung von "Demokratie".

"Mitgefangen, mitgehangen" ...

Gibt es ein besseres Sprechwort, das das EU-Engagement Österreichs beschreiben könnte?

Gast: M6 Fahrer
31.07.2012 08:36
13 0

HERBST 2012: X FPÖ


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Re: HERBST 2012: X FPÖ

Ich kenne aber deren Lösungsvorschlag für Europa nicht. Okay, "Mir san mir" ist deren Devise. Was kümmern uns die anderen?

Nur wenn die anderen untergehen, dann wird uns das ebenfalls hart treffen. Oder denken die noch immer Österreich ist eine Insel der Seligen?

Gast: Novaris
31.07.2012 08:34
5 0

Wer sind die Täter ?

Auch wenn einem gewalttätige, fremde Interessenten - ohne Chance zur Gegenwehr - zum Aufhängen den Strick namens EURO um den Hals gelegt haben sollte man nicht auch noch selber in die Grube namens ESM etc. springen, um es nach einem Suizid aussehen zu lassen sondern wenigstens öffentlich machen, w e r die Täter sind, die den letzten Stoß zum Fallen in die Grube ausführten und so den Exitus verursachten..
Die Deutschen haben einen Anspruch darauf !!!! von der "Bundesregierung" über die Täterschaft aufgeklärt zu werden.

Gast: karl schnitzel
31.07.2012 07:53
10 0

deutschland in die pflicht nehmen!?

wird es gelingen die deutschen innerhalb von 100 jahren zum dritten mal als sündenbock abzustempeln ? apropos vom export profitiert: vielleicht hat sich deutschland aus ruinen wieder hochgearbeitet - und - die vereinigung bewältigt.
ich behaupte, daß kein land der eurozone dies zustande gebracht hätte.in wahrheit haben alle deutschsprechenden länder keine wirklichen verbündeten.

Antworten Gast: Hammurabi
31.07.2012 08:58
8 0

Re: deutschland in die pflicht nehmen!?

Umgekehrt haben die Spanier wie kein anderes Land von den Milliarden der deutschen Touristen profitiert und sich von einem günstigen Urlaubsland zu einem teuren Pflaster gewandelt. jetzt könnten sie sich einmal solidarisch verhalten und selber einmal Leistung bringen und nicht immer Siesta halten.

Re: Re: deutschland in die pflicht nehmen!?

Das Wort "Leistung" existiert südlich der Alpen nicht.

13 0

Geheimnisvolle Besuche geklärt

Im G30 sind auch Geithner und Trichet. Und wir überlegen seit Jahren, wie es so weit kommen konnte.
Deutschland und co raus aus dem Euro .
Ohne Geldgeber können sie machen was sie wollen.

Re: Geheimnisvolle Besuche geklärt

In einer Situation wie dieser, wurde Deutschland in der Vergangenheit für gewöhnlich in einen Krieg getrieben...W.

EURO-Rettung die wievielte?

Und allen Rufern des Nachmachens a la FED zur Info:

Die FED hat ca. 2,4 Bio Miese (Staatsanleihen) in den Büchern. Die EZB bereits ca. 3,2 Bio. Und dort soll der frisch-fröhliche Staatsanleihenkauf erst beginnen.

Gast: Na und?
31.07.2012 07:20
23 0

Die Feinde Deutschlands und Österreichs in ihrer besten Rolle!

Mit Salamitaktik hat man die Budgets dieser Länder angezapft und immer mehr davon umgeleitet.

Jetzt kommt sozusagen das Endspiel: Entweder die kompletten Finanzen an Brüssel auslagern oder Ende der EU.

Für Österreich muß ich leider feststellen: Wir haben die korruptesten, dümmsten und faulsten Minister. Noch nie vorher ist unser Land so erschüttert worden durch eine endlose Reihe von Skandalen.

Daher habe ich wenig Hoffnung für unser Land und setze eher auf andere Staaten.

4 0

Re: Die Feinde Deutschlands und Österreichs in ihrer besten Rolle!

In Europa geht es abwärts, auch in DE und AT.

Wer kann, wer unabhängig ist, wer jung ist, sollte wirklich versuchen sich einen neutralen Platz auf dieser Welt zu suchen und sich das Debakel der nächsten Jahre lieber von der Ferne ansehen.

Noch gibt es für Europäer meist keine Einreisebeschränkungen. Doch wenn einmal die Krise voll läuft, dann wird es auch schwierig sein von Europa wegzukommen.

 
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