Spanien: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht"

05.08.2012 | 15:07 |   (DiePresse.com)

Der wichtigste Teil der Haushaltssanierung sei vollbracht, so Spaniens Wirtschaftsminister. Es bestehe kein Handlungsbedarf, um über einen Antrag auf umfassende EU-Hilfen zu entscheiden.

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Für Spanien besteht nach den Worten von Wirtschaftsminister Luis de Guindos kein unmittelbarer Handlungsbedarf, um über einen Antrag auf umfassende EU-Hilfen zu entscheiden. "Wir werden die Details klären und dann einen genauen Zeitplan entwerfen", sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos in einem Interview der Zeitung "ABC" auf die Frage, ob Spanien im September einen solchen Antrag stellen werde. "Wir haben Zeit."

Der Großteil des Finanzbedarfs für dieses Jahr sei bereits gedeckt. Vergangenen Donnerstag platzierte das Land Anleihen im Volumen von 3,1 Mrd. Euro zu Preisen noch unter den jüngsten Rekordständen.

Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy hatte am Freitag erstmals signalisiert, ein Antrag auf EU-Hilfen für das Land werde erwogen. Eine Entscheidung in der Angelegenheit sei aber noch nicht gefallen, sagt er. Die Äußerungen hatten die Renditen für spanische Staatsanleihen erneut nach oben getrieben.

Für Spanien sind die Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt in jüngster Zeit deutlich gestiegen. Anleger fürchten, dass das Land nicht allein durch die Schuldenkrise kommt. Die EU greift der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone bereits mit Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken unter die Arme. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vergangene Woche signalisiert, eventuell Staatsanleihen von Krisenländern wie Spanien oder Italien zu kaufen, wenn diese Staaten unter den europäischen Rettungsschirm flüchten und damit de facto verbundene Auflagen in Kauf nehmen.

Spanien hat zahlreiche Reformen und Sparprogramme aufgelegt, um wieder auf Kurs zu kommen. Die EU und der IWF hätten die Anstrengungen gewürdigt, sagte de Guindos. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht."

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Entlastung um 102 Milliarden Euro

Das von Schulden geplagte Lancd plant nach den jüngsten Sparbeschlüssen der Regierung vorerst keine weiteren Einsparungen. "Der wichtigste Teil der Haushaltssanierung ist vollbracht", sagte de Guindos der Zeitung weiter. Die Regierung hat am Freitag ihre Budgetpläne für die kommenden zwei Jahre verabschiedet. Danach soll der Staatshaushalt bis 2014 um 102 Milliarden Euro entlastet werden.

Dies sollte ausreichen, um den mit der EU-Kommission vereinbarten Abbau des Defizits sicherzustellen, sagte De Guindos. Auch in dem Fall, dass Spanien den EU-Rettungsfonds um neue Hilfen bitten sollte, seien keine weiteren Einsparungen vorgesehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Spanien und Italien eine Intervention auf den Anleihemärkten in Aussicht gestellt, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Regierungen dieser Länder ein Hilfegesuch an den EU-Rettungsfonds richten.

Bis 2014 soll der Staatshaushalt um insgesamt 102 Mrd. Euro entlastet werden. In den Haushaltsentwürfen sind allerdings die kürzlich beschlossenen Sparmaßnahmen enthalten, die unter anderem eine Anhebung der Mehrwertsteuer und die Streichung von Sondervergütungen im öffentlichen Dienst vorsahen. Die EU-Kommission hatte von Madrid die Vorlage der Haushaltspläne für 2013 und 2014 verlangt und Spanien im Gegenzug beim Abbau des Budgetdefizits ein Jahr mehr Zeit gegeben.

Die in Brüssel vorgelegten Pläne gehen davon aus, dass Spaniens Wirtschaft 2013 um 0,5 Prozent schrumpft und 2014 ein Wachstum von 1,2 Prozent erzielt. Madrid will die Neuverschuldung von 8,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2011 bis 2014 auf 2,8 Prozent senken.

(APA/Reuters/dpa-AFX )

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11 Kommentare
Gast: klaus3
05.08.2012 20:01
0

Spanien

hat in den letzten Jahrzehnten massiv über seinen verhältnissen auf pump gelebt,jetzt kommt der tiefe fall.

Gast: uburoi
05.08.2012 19:13
0

hausaufgaben gemacht?

wie kommts denn dazu, daß man wieder mal (eh so selten) bei zwei stolpert?

weil man eben immer noch nicht versteht, was jetzt der unterschied zwischen einem tetraeder und einer kugel, bei gleicher oberfläche ist?

Gast: Halbwissen
05.08.2012 18:31
0

Jugendarbeitslosigkeit bei 50 Prozent !

Und die Wirtschaft soll 2013 weiter schrumpfen ?

30 jährige wohnen bei den Eltern und baben keine Chance in den nächst Jahren eine Familie zu gründen !
Wann soll dies geschehen ?
Mit 50 ?

Wer soll in Zukunft die Schulden bedienen ?
Da hilft dann auch keine "einnahmeseitiges Sparen" ( Steuern ) von 100 Prozent.

In Spanien weiß anscheinend

die rechte Hand nicht was die linke Hand macht. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht" ? Ja, mit einer "kreativen" Buchhaltung, ohne Wissen des Regierungschefs.

Hurraa wir machen Schulden!

Wann endlich kommt die Einsicht, dass Schuldenmachen, wenn auch mit vertretbaren Zinsen, NICHT die Lösung ist.
Je länger wir so weitermachen desto schlimmer wird es später werden!

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht

Der spanische Staat braucht nur rund Euro 400 Mrd. und zusätzlich werden Euro 100 Mrd. für die spanischen Banken gebraucht. Auch Italiens Banken wurden neuerlich abgestuft. Ist Italien das nächste Opfer unterm Rettungsschirm?

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/milliardengrab-eurorettung-d228001.html

Gast: pleiti
05.08.2012 16:39
0

leider nein Hr. Luis de Guindos

Die 102 Mrd. teilen sich laut www.querschuesse.de wie folgt auf:

2012: 13,1 Mrd.
2013: 38,9 Mrd.
2012: 50,0 Mrd.

Also eine totale Mogelpackung.

Spanien hat 1800 Mrd. Euro Bruttoauslandsschulden, 1000 Mrd. Nettoauslandsschulden, 423 (Juli 2012) Mrd. Target 2 Saldo minus (366 Mrd minus auf ein Jahr gerechnet) , eine negative Leistungsbilanz, eine marode Bankenlandschaft die nur über die EZB finanziert wird, Einkommen, Konsum, Investitionen und erzielte Wertschöpfung der Volkswirtschaft schrumpfen ,25 % Arbeitslosigkeit usw.

Spanien ist total überschuldet. Die müssen sofort raus aus dem Euro.

Hier zeigt sich, dass der Euro eine Fehlkonstruktion ist und geordnet aufgelöst gehört.

Gast: Raffzahn Schani
05.08.2012 16:13
0

Bankendiktatur


100 Milliarden für die Banken, und sie dem Volk abpressen.

Luftgeschöpftes Fiatgeld ist halt wichtiger als das Volk.

Wieso hat man Hausaufgaben gemacht, wenn die Verschuldung steigt?

Das ist kein Sparpaket, das ist ein Verschuldenspaket!!

Gast: Wundermich
05.08.2012 15:26
0

Ansprüche kann man auch erfüllen indem man sie auf ein Minimum herunterschraubt

Jetzt empfinden es manche Länder schon als eine große Leistung wenn sie nicht fürchten müssen in den nächsten Monaten pleite zu gehen.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht."

Was zwangsweise die Frage nach der gestellten Aufgabe aufwirft.
Auffällig war in diesem Zusammenhang, dass zunächst von ca. 60Mrd. Bedarf der Banken die Rede war. Fast gleichzeitig von einem Sparpaket in zufälligerweise derselben Höhe.
Jetzt sind (wiederum nur rein zufällig) beide Beträge um gut 50% gestiegen.
Ich bin tatsächlich gespannt, wann sich allgemein die Erkenntnis durchsetzen wird, dass die Verlagerung von Mitteln aus (noch) funktionierenden Wirtschaftsbereichen hin in einen Pleitesektor, ruinös ist.

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