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Eurokrise: Fortschritte in Athen, Streit in Europa

05.08.2012 | 17:46 |   (Die Presse)

Die Troika reist zufrieden aus ihrem schuldengeplagten Ziehkind Griechenland ab, das Sparpaket steht. Der Streit um die richtige Rettungspolitik zwischen Deutschland und dem Rest Europas wird aber heftiger.

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Athen/Wien/jil. Sie kamen, sahen und waren überraschend zufrieden mit ihrem schuldengeplagten Ziehkind: Die sogenannte Troika (bestehend aus Vertretern des Internationalen Währungsfonds IWF, der Europäischen Zentralbank EZB und der EU-Kommission) war am Sonntag zu Gesprächen über das Sparpaket und weitere Hilfsgelder in Athen. „Wir haben gute Fortschritte erzielt“, sagte IWF-Vertreter Poul Thomsent nach Gesprächen der Troika mit dem griechischen Finanzminister Yannis Stournaras und Arbeitsminister Giannis Vroutsis.

Die Vertreter der Troika waren zwei Wochen in Griechenland, um den Sparkurs des Landes zu überprüfen. Sie werden schon im September zurückkehren. Dann soll die nächste 31-Milliarden-Euro-Tranche aus dem zweiten Hilfspaket ausbezahlt werden. Die Zeit bis dahin wird die griechische Regierung wohl mit der Ausgabe kurzfristiger Anleihen (Bills) überbrücken, die von der griechischen Notenbank mit frisch gedrucktem Geld gekauft werden. Die EZB hat den Griechen Notkredite in der Höhe von vier Mrd. Euro genehmigt. Laut griechischen Medien wird Premierminister Antonis Samaras noch im August sowohl nach Berlin als auch nach Paris reisen, um das weitere Vorgehen mit den Geberländern abzustimmen.

Monti warnt vor Zerfall Europas

Griechenland hat Einsparungen in der Höhe von 11,5 Mrd. Euro garantiert – die Umsetzung dieser Kürzungen ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Hilfspaket-Tranche. Das Sparpaket sieht vor, dass Griechenland drei Mrd. im öffentlichen Sektor und bei staatlichen Betrieben einspart, 2,6 Mrd. bei Pensionen, zwei Mrd. bei Kliniken und staatlichen Versicherungen, 1,5 Mrd. in der Verwaltung, zwei Mrd. bei den Gemeinden und der Verteidigung – sowie 500 Mio. in der Bildung.

Die Zufriedenheit der Troika mit Griechenland kann aber nicht über die tiefer werdenden Gräben zwischen den entscheidenden Playern in Europa hinwegtäuschen. So hat der italienische Premier Mario Monti in einem Interview mit dem „Spiegel“ eindringlich vor einem „Zerfall Europas“ gewarnt. „Die Spannungen, die in den letzten Jahren die Eurozone begleiten, tragen bereits die Züge einer psychologischen Auflösung Europas“, sagte Monti. Die nationalen Regierungen würden sich zu sehr durch die Entscheidungen der Parlamente in ihrem Handlungsspielraum einengen lassen, so Monti, der sein Amt als Premierminister nicht durch eine demokratische Wahl erlangt hat, sondern als „Technokrat“ eingesetzt wurde.

Deutschland legt sich quer

Der Fraktionsvorsitzende von CDU und CSU im Bundestag, Volker Kauder, forderte indes eine Diskussion über die mögliche Errichtung eines Parlaments für die Eurozone, das neben den nationalen Parlamenten und dem EU-Parlament existieren könnte. Generell wächst aber der Unmut in Deutschland mit der Euro-Krisenpolitik. So forderte der bayerische Finanzminister Markus Söder den Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone bis Ende 2012. „Die Deutschen können nicht länger der Zahlmeister für Griechenland sein“, sagte der CSU-Politiker.

Während sich der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann inzwischen wiederholt für eine Banklizenz für den „permanenten Rettungsschirm“ ESM ausgesprochen hat, blockiert Deutschland auch hier weiterhin. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erteilte der ESM-Banklizenz in einem Interview eine klare Absage. Auch die EZB hat mehrmals darauf hingewiesen, dass so eine Lizenz rechtlich gar nicht möglich sei.

Der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hat indes die Pläne von EZB-Präsident Mario Draghi kritisiert, erneut Staatsanleihen von Krisenstaaten aufzukaufen. „Die Geldwertstabilität ist mittelfristig massiv gefährdet“, sagte Issing der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)

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98 Kommentare
 
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Gast: biker51
06.08.2012 20:57
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Faymann

Wer glaubt denn er zu sein? Hat wohl keine Ahnung was eine Banklizenz für den ESM bedeutet. Schlimm genug, dass er mit der Zustimmung zum ESM Österreich sowieso schon verkauft hat. Spekuliert wahrscheinlich mit fettem EU Posten. Land und Leute hat der schon lang hinter sich gelassen.

Neueste Meldung Shell zieht Milliarden aus der Eurozone ab

Ist dies der Anfang vom Ende und kommt es jetzt zum großen Knall?

http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinungen/gastkommentare/475558_milliardengrab_eurorettung.html

Na irgendwie muß man uns ja beruhigen...


....bevor man wieder zig Milliarden in Griechenland verbrennt.

Oder gibt es tatsächlich noch Leute, die glauben was bzgl. Griechenland-und Euro-Rettung gesagt wird?

Gast: Warth
06.08.2012 15:30
2 0

Ich traue Griechenland ...

nicht mehr. Das Land belügt täglich Europa. Die Reformen können nur unter einer starken politischen, militärischen und wirtschaftlichen Verwaltung durch die EU durchgeführt werden. Auch die bürgerlichen Rechte sind den Griechen zu entziehen. Eine andere Lösung gibt es für das Land nicht mehr.


4 0

Absurdes Theater

Griechenland hat also wieder einmal Einsparungen GARANTIERT! Was soll das für eine Augenauswischerei sein? Hat Griechenland schon einmal ein Versprechen eingehalten?
Offensichtlich war hier schon im Vorhinein ausgemacht mit welchem Ergebnis die Troika heim kommt. Absurdes Theater, leider kann man diese Vorstellung nicht verlassen.

Deutschland schon wieder Zahlmeister... Wirklich?

Na ja. Kann man auch anders sehen. Im Kommentar von Anonymous zum Artikel von Silke Wettach auf http://www.eu-infothek.com/article/das-grosse-unverstaendnis und im Kommentar von whatsoever1 auf http://derstandard.at/1343743979185/Italiens-Premier-Monti-veraergert-deutsche-Politik werden eben ganz andere Meinungen vertreten. Sollte man nachlesen.

Gast: Die Wahrheit macht frei
06.08.2012 11:47
8 0

Die EU ist unser Untergang ..................

Wo ist der Ausgang, rette sich wer kann !

Re: Die EU ist unser Untergang ..................

Immer der Tabelle mit der Aufschrift
Schilling folgen !

Fortschritte in Athen? Wie schön!

Was man nicht alles machen kann, wenn die anderen bezahlen. Man kann sich sogar einen teuren Luxus bei den Olympischen Spielen in London leisten, kostet ja nur 199.000 Euro pro Woche, eine Lapalie....
http://www.welt.de/sport/olympia/article108484969/Griechen-goennen-sich-teuerstes-Olympia-Haus.html

Gast: DI
06.08.2012 10:17
4 0

Das Sparpaket sieht vor, dass........

hier wird von der Zukunft, Absichtserklärung, in der Möglichkeitsform (Konjunktiv) geschrieben. Das Ganze bei einem Land, Politiker, welche vom Anfang an, dazu noch im wiederholten male, gelogen haben. Offensichtlich hat die Troika den Auftrag für die Politiker ein positives Ergebnis zu liefern. Die EU wird immer mehr zu Farce. Hinzu kommt, dass nur beim kleinen Mann gespart wird, da ist nichts mehr zu holen. Wann wird die Verfassung geändert und die Millionäre müssen ebenfalls Steuern zahlen?


Re: Das Sparpaket sieht vor, dass........

Kennen Sie das Jahr namens Schnee?

Gast: master of disaster
06.08.2012 10:15
2 0


Gast: ai7aich
06.08.2012 10:03
2 0

immer

wieder sind sie zufrieden - kann mann diese ewig gleichen Berichte nicht streichen?

monti fühlt sich vom parlament belästigt !

na wie nett, weil die parlamentarier auf die regierung aufpassen sollen ? das wurde ja ein den meisten ländern ohnehin schon durch klubzwang abgeschwächt und mit der eu tw overruled. und der rest ist deokratie ?

einen schritt weiter...

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/reserve-der-bundesbank-wo-steckt-das-gold-der-deutschen-11844207.html

bei uns ist es übrigens auch so...

teile sind bei der ezb und damit so gut wie weg, teile an der ostküste ...? im pleitefall auch weg !

rest haben die bürger selbst, weil es die önb einsammeln wird (verbot von goldbesitz!)

Wehe, wenn Deutschland einknickt!

Dann geht die Plünderung der produktiven Staaten erst richtig los! Faymann täte gut daran, sich eindeutig zu positionieren. Gesicht zeigen! Diese schlammweiche Nichtpositionierung in der österreischischen Politik ist nicht zu ertragen. Hier geht es um zu viel. Da hilft kein Schwiegermutti Lieblings Grinsen und keine Fönfrisur! Die Zahler müssen sich verbünden! Finnland bringt Ihre Forderungen durch, England ebenfalls, Deutschland wird von allen angegriffen und in die Ecke gedrängt. Eine eindeutige Zusammenarbeit im Sinne des österreihischen Volkes ist längst überfällig. Eigentlich werden unsere Politiker gerade dafür bezahlt!

Re: Wehe, wenn Deutschland einknickt!

Du vergisst, dass Feigmann ein Paradesozi ist - der trällert noch die Internationale wenn es schon an allen Ecken und Enden kracht und brennt. Österreich geht dem genauso irgenwo vorbei wie die Österreicher. Erst wenn wir die Linken in die Wüste getrieben haben, werden wir wieder auf uns selber schauen!

Re: Faymann täte gut daran, sich eindeutig zu positionieren

Hat er schon lange gemacht.

Siehe u.a. Zustimmung zum ESM plus letztes, zugehöriges Interview, dem ESM zum besseren Geldverbrennen noch eine Banklizenz zu geben.

Das er bis dato nicht verstanden hat, dass dieser dafür eine solche gar nicht braucht, ändert nichts an seiner eindeutigen Positionierung.

Re: Re: Faymann täte gut daran, sich eindeutig zu positionieren

... der Faymann kann banklizenz nicht einmal richtig buchstabieren...

Gast: Signal an die Märkte
06.08.2012 09:36
2 0

Der Auftrag war: zufrieden sein!

Auftrag erfüllt. Weitermachen ...

Gast: Raffzahn Schani
06.08.2012 09:16
2 0

na sowas.


Autobauer kaufen sich die Autos selber ab.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/05/deutsche-autohersteller-manipulieren-absatzzahlen/

Die Deutschen scheinen sich ihren Weltmeister selber zu kaufen.

Gibt es eigentlich noch etwas, das nicht gelogen ist?


Re: na sowas.

Ist doch bei uns nicht anders. Wie oft liest man im ORF, dass soundso viele Autos neu angemeldet wurden. Dass jedoch sehr viele Autos, aus welchen Grüden auch immer, abgemeldet wurden, davon liest man natürlich nichts. Es könnte ja die politisch nötigen Jubelmeldungen stören.

Re: Re: na sowas.


Der österreichische Fuhrpark ist ja völlig veraltet!

Deshalb haben wir auch noch immer mehr Verkehrstote prozentuell als die BRD!

Hohe Steuern auf Autos und geringe Nettoeinkommen sind eine tödliche Mischung!


Re: na sowas.


Machen doch alle, schon immer!

Citroen z.B. war da in Österreich schon immer Meister im Selbstanmelden!


6 0

Was soll das heißen,


"die Troika ist zufrieden?" Es weiß doch jeder dass Griechenland ein chaotischer Staat ist.

Natürlich hoffen alle dass sich Griechenland endlich reformiert.

Bis jetzt war es so dass die Zentralregierung Reformen verspricht u. ankündigt. Diese Reformen wurden bisher aber nicht verwirklicht weil sie im griechischen Polit-Chaos regelmäßíg untergingen. Spätestens in einer unteren Verwaltungsebene blieb alles stecken.

Es wäre jetzt das ERSTE Mal dass in Griechenland echte Reformen passieren!

 
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