Die Kritik von SP-Bundeskanzler Werner Faymann am Kurs seiner deutschen Amtskollegin Angela Merkel lässt in Deutschland die Wogen hochgehen. Faymann hatte sich im Sonntags-"Kurier" dafür ausgesprochen, den Euro-Rettungsfonds ESM aufzustocken und diesem auch eine Bankenlizenz zu geben, damit er unbegrenzt Kredite bei der EZB aufnehmen könne. Zur deutschen Ablehnung in dieser Frage meinte Faymann, Kanzlerin Merkel habe "oft schon Diskussionen damit begonnen, dass sie sich etwas nicht vorstellen kann. Und zum Schluss waren ihr der Euro und Europa wichtig genug".
Auch deutsche Wirtschaftsweise hätten darauf verwiesen, dass man den Euro gemeinsam schützen müsse. "Und das geht nur mit solchen Modellen", erklärt Faymann hinsichtlich einer Banklizenz. Faymann bemühte in dem Interview auch ein Bergsteiger-Bild. "Wir sind ein Team in Europa, aber es besteht die Gefahr, dass uns in einer schwierigen Lage das richtige Seil fehlt, und das weiß auch die deutsche Kanzlerin".
"Faymann auf der Suche nach einer Linie"
"Wien und Berlin haben in der Euro-Krise dieselben Interessen. Bisher ist man den gleichen Weg gegangen. Daher verstehe ich die Äußerungen Faymanns nicht", sagte der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok der Tageszeitung "Kurier" (Montagsausgabe). Faymann müsse sehen, "dass es Reihenfolgen gibt". Zuerst kämen Sparprogramme, erst dann könne die Europäische Zentralbank (EZB) aktiver werden, richtete Brok dem SPÖ-Chef aus.
Auch beim Koalitionspartner ÖVP stößt die Kritik des Kanzlers auf Unverständnis. "Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass der Bundeskanzler auf der Suche nach einer Linie ist. Es ist ein weiter Weg vom Krone-Leserbrief 2008 zum Kurier-Interview am Sonntag. Ich hoffe Faymann findet seine Linie in EU-Fragen bald", sagte der Leiter der ÖVP-Delegation im EU-Parlament, Othmar Karas. Er sieht für eine Auseinandersetzung zwischen Österreich und Deutschland keinen Grund.
(APA)

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